Sumer

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Ein Blick auf die alternative Forschung

von Tony O’Connell

Abb. 1 Hier eine Karte des Landes Sumer im Süden des mesopotamischen Schwemmlandes, mit allen wichtigen Städten der Sumerer

Sumer war bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts unbekannt. Mit der Entdeckung der Keilschrift-Tafeln führte die Raffinesse seiner Kultur zu der Vorstellung, dass Sumer die 'Wiege der Zivilisation' gewesen sei. Spätere Entdeckungen, wie jene im Industal, und und in jüngerer Zeit im Göbekli Tepe haben diese Idee etwas verwässert.

Nun ist Sumer als mögliche Quelle der Atlantis-Erzählung vorgeschlagen. Dr. Ashok Malhotra, ein Professor für Ingenieurwesen, hat nahegelegt, dass "die Wahrscheinlichkeit, dass die Geschichten über Atlantis sumerischen Ursprungs sind, durch die Tatsache verstärkt wird. dass die Überschwemmung uralter Städte ein bedeutender Teil der sumerischen Mythologie [1] war. Er beherrscht ihre historische Überlieferung. Die Zerstörung der altertümlichen Stadt als Resultat von Sünde war auch Teil ihres religiösen Glaubens." [2] Dann schlägt Malhotra vor, dass diese sumerischen Geschichten tatsächliche Überflutungs-Ereignisse in der Industal-Region widerspiegeln, die zuerst nach Sumer gebracht wurden, dann später nach Ägypten, und von dort aus über Solon und Plato bis zu uns übertragen wurde.

George Michanowsky ging viel weiter und behauptete, dass die Sumerer Atlantis unter dem Namen NI-DUK-KI, dem heutigen Dilmun [3], gekannt hätten. [4] [5] Der renommierte [Altertumsforscher] Henry Rawlinson (1810-1895) interpretierte diesen Namen als "gesegneter Hügel" oder "selige Insel". Obwohl Michanowskys Vorschlag höchst spekulativ ist, wäre dies, sofern er zutrifft, die älteste bekannte Bezugnahme auf Atlantis.

Abb. 2 Die sumerische Königsliste (ca. 1800 v. Chr.), die im Tell Senkerech bei Larsa (Irak) entdeckt wurde, ist heute im Ashmolean Museum, Oxford, zu besichtigen.

Die sumerische Königsliste (Abb. 2) [6] von Larsa verzeichnet acht (andere Versionen notieren zehn) vorsintflutliche Könige, was sich in verzerrter Form bezüglich der zehn Patriarchen der Genesis widergespiegelt haben mag! Ein weiterer Zusammenhang [zwischen Altem Testament und der sumerischen Königsliste; d.Ü.], der vorgeschlagen wurde, bezieht sich auf die acht Generationen zwischen Adam und Noah, die im Kapitel 5 der Genesis verzeichnet werden.

John Sassoon scheint Malhotras These in seinem Buch [7] zu untermauern, das einen sumerischen Ursprung der Juden und mögliche frühere Verbindungen mit dem Industal vorschlägt. Ihm geht es nicht um Atlantis, sondern lediglich um die Herkunft des jüdischen Volkes, aus dem heraus Abraham um 2000-1800 v.Chr. in Sumer geboren wurde. Sassoons Ansichten liefern eine mögliche Übertragungs-Linie für östliche Überlieferungen und Mythen, welche dann Ägypten und später über Solon Athen erreichten.

Im Jahr 2001 wurde in der Tschechischen Republik ein Buch von Radek Brychta veröffentlicht, in dem auch er sich für eine Sumer-Connection verficht. [8] Er identifiziert Atlantis mit dem sagenhaften Dilmun der sumerischen Legende und lokalisiert es auf der Induskultur-Stätte Dholavira. Auszüge aus diesem faszinierenden Buch sind im Internet verfügbar [9] und lesenswert.

Die extremsten Behauptungen kamen jedenfalls von Zecharia Sitchin, der vorschlug, die Sumerer seien von altertümlichen Außerirdischen 'beeinflusst' worden, welche vom Planeten Nibiru stammten, wobei die Informationen dazu auf ihren Keilschrift-Tafeln zu finden sind, wenn man Sitchins Übersetzung Glauben schenkt. Ähnlich närrische Ideen wurden von Hermann Burgard vorgebracht [10], aber bisher nur einem deutschsprachigen Publikum vorgestellt. [11] Als ob dies alles nicht schon schlimm [sic!; d.Ü.] genug wäre, behauptete jetzt der irakische Verkehrsminister [Kazem Finjan Al-Hamami; d.Ü.] unter anderem, dass die Sumerer vor 8000 Jahren Raumschiffe gestartet haben. [12] Die sumerischen Texte tauchen auch in den Texten von Dieter Bremer [13] und Jakob Vorberger [14] auf, die behaupten, Atlantis sei eine Raumstation [15] gewesen!

Abb. 3 Statuette eines sitzenden Sumerers in Gebetshaltung. War die 'sumerische' Sprache lediglich ein Kunstprodukt akkadischer Priester, das zu liturgischen Zwecken geschaffen wurde, wie eine Reihe von Forschern meint?

Jim Allen, der führende Befürworter eines 'Atlantis in den Anden', hat auch behauptet, es habe eine sumerische Verbindung mit Südamerika gegeben. Dazu beruft er sich auf Ruth und Alpheus Hyatt Verrill, die in ihrem Buch [d.i.: America's Ancient Civilizations; d.Ü.] [16] auf drei Seiten sumerische Wörter mit solchen der alten Sprache Perus sowie andere kulturelle Aspekte verglichen haben. Zudem glaubten sie, dass Sargon (2369-2314 v.Chr.) in Peru als Gottheit Viracocha bekannt war! Ihre phantasievolle Idee baut sich auf Sargons [legendärer] Reise in den Westen und seinem dreijährigen dortigen Aufenthalt auf. Mein Grund, diese Behauptung für unsinnig zu halten, ist einfach, dass Sargon ständig damit beschäftigt war, sein Reich auszudehnen und sich andauernd mit Rebellionen in den diversen Stadtstaaten befassen musste, über die er herrschte. Die Vorstellung, dass er sich drei Jahre Zeit für einen Besuch im 14.000 Kilometer entfernten Amerika genommen hat, ist in keiner Weise glaubwürdig.

Dennoch hat sich die Idee von Sargons Besuch in Amerika auch bei James Bailey gehalten, der sie in Sailing to Paradise [17] aufgreift, sowie in jüngerer Zeit bei dem Afrozentristen [sic!; d. Red.] Clyde Winters in einem Artikel auf der Webseite Ancient Origins [18], in welchem er Bailey und die Verrils dahingehend zitiert, dass sie die Annahme unterstützten, der Titicacasee sei der See Manu der sumerischen Überlieferung. Auch die Fuente de Magna Schale wird häufig als Beweis für eine präkolumbische Verbindung mit den Sumerern offeriert, obwohl ihre Herkunft unklklar ist und es Hinweise auf einen Hoax gibt. [19]

Die tatsächliche Existenz der Sumerer wurde in jüngerer Zeit in einem Appendix des Buches The Three Ages of Atlantis [20] von Marin, Minella & Schevenin in Frage gestellt. Sie behaupten, dass die 'sumerische Sprache' "ein artifizielles Konstrukt sein könne, das von akkadischen Priestern kreiert wurde", um zu liturgischen Zwecken genutzt zu werden. Diese Vorstellungen wurden erstmals gegen Ende des 19. Jahrhunderts von dem angesehenen Orientalisten Joseph Halévy zu Ausdruck gebracht. Andi Zeneli hat vergleichbare Vorstellungen hinsichtlich der sumerischen Sprache formuliert. [21] [22]


Anmerkungen und Quellen

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Dieser Beitrag von Tony O’Connell (©) wurde in englischsprachiger Original-Fassung erstmals am 7. Juli 2010 unter dem Titel "Sumeria" bei Atlantipedia.ie veröffentlicht. Übersetzung ins Deutsche und redaktionelle Bearbeitung durch Atlantisforschung.de im Dezember 2017.

Fußnoten:

  1. Siehe zu dieser auch: Radek Brychta, "Die Entdeckung von Platons Atlantis", unter: "4. Atlantis und die sumerische Mythologie"
  2. Siehe: Ashok Malhotra, "In Search of Atlantis - Getting Closer", 29. September 2006, bei ezinearticles.com (abgerufen: 10. Dezember 2017; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  3. Siehe zu Dilmun auch: Ḏḥwty, "The Dilmun Civilization: An Important Location for Ancient Mythology and Trade", 25. Oktober 2015, bei Ancient Origins (abgerufen: 10. Dezember 2017)
  4. Siehe: George Michanowsky, "The Once and Future Star", Hawthorn Books Limited, 1977, S. 66
  5. Siehe dazu einführend auch: David Hatcher Childress, "Lost Cities of Atlantis, Ancient Europe & the Mediterranean", Adventures Unlimited Press, , 1996, S. 66
  6. Siehe zu dieser auch: April Holloway, "The Sumerian King List still puzzles historians after more than a century of research", 30. Januar 2014, bei Ancient Origins (abgerufen: 10. Dezember 2017)
  7. Siehe: John Sassoon, "From Sumer to Jerusalem: The Forbidden Hypothesis", Intellect Books, 1993
  8. Siehe: Radek Brychta, "Objevení Platónovy Atlantidy" (Die Entdeckung von Platons Atlantis), Hradec Králové, 2001
  9. Red. Anmerkung: Auf Deutsch bei Atlantisforschung.de; siehe: Radek Brychta, "Die Entdeckung von Platons Atlantis"
  10. Siehe: Hermann Burgard, "Encheduanna", Ancient Mail Verlag, 2012
  11. Siehe dazu auch: o.A., "Buchneuerscheinung: >Encheduanna - Geheime Offenbarungen<", 23. März 2015, bei grenzwissenschaft-aktuell.de; sowie die online als PDF-Datei zu findende Rezension des Buches von Gernot L. Geise (beide abgerufen: 11. Dezember 2017)
  12. Siehe: Andreas Müller, "Irakischer Transportminister: >Schon vor 7.000 Jahren betrieben Sumerer Raumfahrt<", 4. Oktober 2016, bei grenzwissenschaft-aktuell.de (abgerufen: 11. Dezember 2017)
  13. Siehe: Dieter Bremer, "Der verborgene Schlüssel zu Atlantis", edition winterwork, 2006; sowie Derselbe: "Atlantis und das Altersparadoxon", edition winterwork, 2009; und Derselbe: "Was die Wissenschaft übersehen hat", BoD, 2016
  14. Siehe: Jakob Vorberger, „Der Schlüssel zu den Göttersagen“, Selbstverlag, 1995 (Erstauflage)
  15. Red. Anmerkung: Zur vermuteten Erwähnung einer Raumstation in sumerischen Texten - allerdings erfreulicherweise ohne Bezug auf Atlantis - siehe auch: Hermann Burgard, "NIBIRU gesucht – Raumstation HIMMEL gefunden", Ancient Mail Verlag, 2016; mehr dazu bei: Andreas Müller, "Neues Buch: >NIBIRU gesucht – Raumstation HIMMEL gefunden<", 02. November 2016, bei grenzwissenschaft-aktuell.de (abgerufen: 11. Dezember 2017)
  16. Siehe: Alpheus Hyatt Verrill und Ruth Verrill, "America's Ancient Civilizations", GP Putnam's Sons, New York, 1953
  17. Siehe: James Bailey, "Sailing to paradise: the discovery of the Americas by 7000 B.C.", Simon & Schuster, 1994, S. 66
  18. Siehe: Dr. Clyde Winters, "Was Bolivia-Peru the Sunset Land of the Sumerians?", 24. September 2016 bei Ancient Origins (abgerufen: 11. Dezember 2017)
  19. Siehe zu diesem Objekt auch: April Holloway / The Epoch Times, "Fuente Magna, the Controversial Rosetta Stone of the Americas", 24. August 2015, bei Ancient Origins (abgerufen: 11. Dezember 2017)
  20. Siehe: Diego Marin, Ivan Minella und Erik Schievenin, "The Three Ages of Atlantis - The Great Floods That Destroyed Civilization", Inner Traditions / Bear & Company, 2013, ISBN-13: 9781591431794
  21. Siehe: Andi Zeneli, "Sumerian secrets - THE ARTIFICIAL LANGUAGE (Version 1.1)", bei The secret language (abgerufen: 11. Dezember 2017)
  22. Siehe zur These der 'erfundenen Sumerer' auch: Gunnar Heinsohn, "Die Sumerer gab es nicht: von den Phantom-Imperien der Lehrbücher zur wirklichen Epochenabfolge in der "Zivilisationswiege" Südmesopotamien - Darstellung der Probleme und Vorschläge für ihre Lösung in einem chronologischen Überblick", Scarabäus bei Eichborn, 1988

Bild-Quellen:

1) Timk70 (Bearbeitung) bei Wikimedia Commons, unter: File:Cities of Sumer-de.svg; auf Basis von: Crates, ebenda unter: File:Ciudades de Sumeria.svg
2) HJunghans (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:Sumerische Königsliste.JPG
3) Applejuice (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:Ebih-ii en priere.jpg