Eine neue "Theorie" über Atlantis

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Lag die versunkene Insel in Algerien, bei den Azoren - oder doch in der DDR?

von Axel Bojanowski, WELT am SONNTAG, 8. Januar 2006

Ist Atlantis Ein Mythos? Versunkene Realität? Oder doch nur Kokolores? Neben dem Ungeheuer von Loch Ness ist es jedenfalls ein wirklicher Dauerbrenner im Grenzbereich zwischen Wissenschaft und Fantasy. Auch der deutsche Geologe Gernot Spielvogel beklagt, daß bereits zu viele Märchen von Atlantis-Entdeckungen erzählt worden seien. Und sein Jammern hat einen konkreten Hintergrund. Nach 15 Jahren Forschungsarbeit präsentiert Spielvogel nämlich jetzt eine brandneue Theorie, wo die sagenumwobene Insel liegt.

Abb. 1: Dr. Gernot Spielvogel vom 'Atlantis-Institut', Überlingen, vor einer Vitrine mit Artefakten und Meteoriten- Bruchstücken von der vermutlichen Atlantis-Fundstätte bei den Azoren. (Foto: Klaus Wittmann/ddp)

Schon das Wort "Theorie" mag er dabei nicht hören. "Das ist keine Theorie mehr. Wir haben das endgültig bewiesen", prahlt er. Und präsentiert angeblich handfeste Belege dafür, daß Atlantis nahe den Azoren lag. Zum Beispiel habe er Mauerruinen der sagenumwobenen Insel an der Küste Westafrikas entdeckt. Vor 11 500 Jahren habe der Einschlag eines Himmelskörpers Atlantis zerstört und gigantische Tsunamis ausgelöst, die die tonnenschweren Steine an den Strand geworfen hätten.

Heute liege Atlantis in mehr als 1500 Meter Tiefe auf dem Grund des Atlantischen Ozeans vor Nordwestafrika. Den Einwand, ein derartig tiefes Absinken der Insel lasse sich mit moderner Forschung nicht vereinbaren, begegnet Spielvogel mit dem Verweis auf "jahrhundertealte geologische Erkenntnisse". Doch eindeutige archäologische Relikte von Atlantis bleibt der Geologe schuldig. [sic!; vergl. dazu unser Online-Interview; Red. Atlantisforschung.de]

Atlantis boomt. In den vergangenen Monaten traten eine ganze Reihe Atlantiker [sic!; bb] auf, die die Entdeckung der sagenhaften Insel für sich reklamierten. Allein auf der "Atlantis-Konferenz 2005" auf der griechischen Insel Milos wurden 48 neue Erklärungen vorgestellt, wo Atlantis liegen soll: Ein Hobbyforscher vermutet Atlantis unter dem seit Jahrmillionen bestehenden Eispanzer der Antarktis, ein anderer in Südindien.

Ein weiterer Vortragender verglich die Daten aus Platons Texten mit den Maßen aller Inseln der Erde und stellte fest, daß die Angaben nur auf eine zuträfen: auf Irland. Daß Irland nicht versunken ist, scheint nebensächlich. Das unterstrich ein chilenischer Teilnehmer, der in seinem Vortrag feststellte: "Atlantis war Israel." Wenig verwunderlich also, daß auch die nur bedingt ironisch gemeinte Theorie kursierte, die frühere DDR sei Atlantis gewesen. Doch inzwischen gibt es auch eine seriöse [sic!; bb] These: Der deutsche Physiker Ulrich Hofmann präsentiert in seinem Buch "Platons Insel Atlantis" (Books on Demand, Norderstedt) eine beeindruckende Indizienkette, die beweisen soll, daß Atlantis im algerischen Hochland gelegen hat.

Die Fakten aus Platons Geschichte passen zur Region. Die Ausmaße der zentralen Hochebene etwa entsprächen ungefähr denen des von Platon beschriebenen Zentrums von Atlantis. Auf Satellitenbildern seien gar konzentrische Kreise erkennbar - wie von Platon geschildert. Bei dem Binnenmeer, an dem Atlantis nach Platon gelegen haben soll, handele es sich um den ausgetrockneten Tritonsee, der an die Gestade des algerischen Hochlandes plätscherte, meint Hofmann. Das von Platon erwähnte Erdbeben habe Atlantis zerstört, was als Untergang im Meer fehlinterpretiert wurde. Zudem schreibe der Historiker Herodot von dem "libyschen Volk der Atlanter im Nordwesten Afrikas, 60 Tagesreisen von Ägypten entfernt". Historiker sollen nun prüfen, ob es bei Hofmanns Theorie tatsächlich zum letzten Mal heißt: Atlantis entdeckt!


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von Axel Bojanowski © wurde erstmalig als Artikel in der Zeitschrift WELT am SONNTAG vom 8. Januar 2006 veröffentlicht. Bei Atlantisforschung.de erscheint er als Dokumentation in einer redaktionell bearbeiteten Online-Fassung nach http://www.wams.de/data/2006/01/08/828475.html

Bild-Quelle

(1) LINKSZEITUNG unter http://linkszeitung.de/content/view/7731/50/