Ethnien und morphische Felder

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Volk, "Rasse", Sprache, Land

von unserem Gastautor Dr. Horst Friedrich (1992)

Der Verfasser hat andernorts [1] gefordert, daß wir - wenn wir mehr Luzidität in unsere (vor)geschichtlichen Betrachtungen bringen wollen - notwendigerweise kritischer als bisher werden untersuchen müssen, wie der Eindruck eines "Volkes", einer "Ethnie" überhaupt entsteht und welche Realitäten ihm zugrunde liegen. Jedermann kann sich durch Nachschlagen der einschlägigen Stichworte in einem besseren Wörterbuch davon überzeugen, wie vage/verschwommen/mehrdeutig dergleichen Worte heute gebraucht werden. Schon in der Umgangssprache stellt eine solche Sprach-Schlamperel einen unakzeptablen, gefährliche Verwirrung zeugenden Übelstand dar.

Soweit es wissenschaftliche Forschungen angeht, ist ein solcher Status quo eine Katastrophe, denn offensichtlich wissen wir, genau besehen, dann gar nicht, wovon wir reden. Der umseitig folgende Vergleich grundlegender Definitionen aus zwei großen, sehr verbreiteten Wörterbüchern, dem deutschen Duden und dem englischen Collins, spricht Bände!

Unkritisch-oberflächlich besehen scheint alles dies ganz plausibel zu klingen. Der geneigte Leser möge aber einmal versuchen, anhand konkreter Beispiele dieses listig-mühsam ausgeklügelte, verschwommen-widersprüchliche Definitions-Gewebe auf seine praktische Brauchbarkeit und Aussagefähigkeit hin zu überprüfen! Die "Indios" Lateinamerikas etwa sind nach dem Duden nicht Teil des peruanischen, mexikanischen etc. Volkes oder der peruanischen, mexikanischen etc. Nation. Nach dem Colllns gehören sie zwar zum peruanischen, mexikanischen etc. Volk, sind aber jeweils eine eigene Nation.

Die heutigen, ethnisch extrem heterogenen Bevölkerungen etwa der Malediven, Seychellen, von Mauritius/Reunion, Hawaii etc. wären nach der Duden -Definition jeweils ein Volksstamm. Was im übrigen gar nicht unlogisch ist, waren doch viele der alten Völker und Volksstämme ethno-linguistisch durchaus heterogene Quasi-Einheiten. Zweifellos ließe sich sogar erfolgreich die These verteidigen, daß dies - bedingt durch Kataklysmen, Völkerwanderungen, Eroberungen und maritime Aktivitäten - der weitaus überwiegende Normalfall war. Allein schon eben diese mächtigen "Durcheinanderwirbel-Faktoren" führen ja - handelte es sich nicht sowieso schon rein apriorisch um eine typisch neoscholastische Fiktion [2] - die ganze Vorstellung von angeblich existierenden "Rassen" der Menschheit ad absurdum. [3]

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Man sieht, einem derart verwirrenden Definitions-Gewebe ist beim besten Willen nicht zu entnehmen, was denn nun konkret mit einem "Volk", einer "Ethnie" gemeint sein soll. Das Kriterium einer gemeinsamen Sprache scheint nach Duden/Collins nicht unbedingt zu den zugrundeliegenden Realitäten zu gehören. Hautfarbe und ähnliche körperliche ("rassische") Charakteristika sind nach dem Duden kein Unterscheldungskriterium, nach dem Colllns offenbar bedingt.

Die people/ethnic/tribe-Definitionen widersprechen einander in dieser Hinsicht. Auch der Begriff einer "Nation" bringt uns nicht weiter, denn die Widersprüchlichkeit/Doppeldeutigkeit ihrer Definitionen macht sie für wissenschaftliche Forschungen unbrauchbar. Liegt dann den Begriffen "Volk/Ethnie" überhaupt keine Realität zugrunde? Das kann wohl auch nicht sein, denn wir spüren gefühlsmäßig, daß da etwas Zugrundeliegendes ist, wenn es auch vielleicht in ständiger Veränderung oder Evolution begriffen ist. Was also ist das?

Abb. 1 Der Biologe Rupert Sheldrake legte 1981 seine These der Existenz so genannter 'Morphischer Felder' vor.

Der Verfasser möchte an dieser Stelle eine Lanze brechen für Rupert Sheldrakes (Abb. 1) Pionier-Werk über "morphlsche Felder" (1988). Dieses Buch dürfte sich als eines der bedeutendsten wissenschaftlichen Werke dieses Jahrhunderts herausstellen. Sheldrakes revolutionierende These wird nicht nur die Naturwissenschaften befruchten, sondern uns auch bei der Erforschung der ethno-linguistischen Evolutionsvorgänge im Verlaufe der Menschheitsgeschichte zu einer ganz neuen Sicht, zu einem Durchbruch beim Verständnis verhelfen.

Sheldrake stellt die Hypothese auf, "daß spezifische morphogenetische (=formblldende) Felder [4] für die charakteristische Form und Organisation von Systemen auf allen Ebenen unterschiedlicher Komplexität zuständig sind, und dies nicht allein im biologischen Bereich, sondern auch in den Bereichen der Chemie und Physik. Diese Felder ordnen die Systeme, mit denen sie verbunden sind, indem sie auf Ereignisse einwirken, die energetisch gesehen, als indeterminiert oder wahrscheinlichkeitsbedingt erscheinen; sie legen den potentiell möglichen Ergebnissen physikalischer Prozesse bestimmte 'Beschränkungsmuster' auf." [5]

Derartige Felder wären - auf den ethnolinguistlschen Problemkreis angewandt - demzufolge eine Art kumulatives Gedächtnis der "ethno-linguistlschen Quasi-Einheiten". Platzgründe verbieten es, hier eine umfassende Darstellung von Sheldrakes These zu geben. Der Leser muß auf seine Originalwerke verwiesen werden; er wird deren Lektüre nicht zu bereuen haben.

Sind durch "morphische Resonanz" entstehende und sich stabilisierende 'morphische Felder" die zugrundeliegende Realität hinter den Phänomenen von "Völkern"/"Ethnien", dann lassen sich kulturelle oder körperliche ("rassische") Charakteristika als partieller Aspekt solcher Felder, respektive als Manifestation nachgeordneter morphischer Felder verstehen. Auch die Ausprägung und Evolution der Sprachen wäre dann Manifestation morphischer Felder, die sich mit jenen anderen Feldern überlagern. Sheldrake spricht ausdrücklich von Hierarchien morphischer Felder.

Auf einer solchen theoretischen Basis scheint auch ein Einfluß des Landes auf Volk und Sprache zum ersten Mal vorstellbar. China/Indien/Europa etwa oder Griechenland/Italien/Spanien wurden von sehr ähnlichen Völkerschaften besiedelt. Woher dann dennoch die eigentümliche, typische "Atmosphäre" jeder Region und die eigentümlichen, unverwechselbaren Charakteristika der Bewohner dieser Länder? Oder wie sonst sollte man das sehr nachdenklich machende Phänomen erklären, daß aus Europa und Afrika stammende Bevölkerungstelle in den Vereinigten Staaten dort binnen kurzem körperliche Charakteristika des nordamerikanischen Indianers produzieren?

Nicht minder nachdenklich machen jene Fälle, wo Europäer jahrzehntelang etwa in China leben, um nach ihrer Rückkehr von ihren Landsleuten in ihrer ganzen Art, ja selbst den Gesichtszügen nach als chinesisch empfunden zu werden. Hier scheint sich das körperlich-seelische Gepräge sogar bereits innerhalb der Lebenszeit des Individuums zu wandeln.

Man muß also wohl, unter Berücksichtigung der Theorie der "morphogenetlschen Felder", davon ausgehen, daß auch in linguistischer Hinsicht allein durch die geographische Verlagerung eines Volksteiles die Sprache sich ebenfalls verändert.


Literatur

Collins Dictionary of the English Language (1985); London/Glasgow

Deutsches Universalwörterbuch (1989, zweite völlig neu bearbeitete und starkerweiterte Ausgabe); Mannheim/Wien/Zürich

Friedrich, Horst (1992): "Kelleys Schlüssel funktioniert!"; in Vorzeit-Frühzeit- Gegenwart IV (3) 21

Sheldrake, Rupert (1988): The Presence of the Past; London; deutsch (1988): "Das Gedächtnis der Natur", Bern

Sheldrake, Rupert (1991): Das schöpferische Universum. Die Theorie des morphogenetischen Feldes; München, 19831; englisch (1981): A New Science of Life; London


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von Dr. Horst Friedrich wurde erstmals veröffentlicht Vorzeit-Frühzeit-Gegenwart 4-5/92. Bei Atlantisforschung.de erscheint er (April 2012) im Dr.Horst Friedrich Archiv in einer redaktionell bearbeiteten Fassung nach: http://alt.geschichte-chronologie.de/l2-wahl/l2-autoren/l3-friedrich/ethnos.html

  1. Red. Anmerkung: Friedrich, Horst (1992): "Kelleys Schlüssel funktioniert!"; in Vorzeit-Frühzeit- Gegenwart IV (3) 21
  2. Anmerkung des Verfassers: Bekanntlich führt der Glaube an getrennte Menschenrassen, konsequent zu Ende gedacht, über arische/mongoloide/negroide Menschenaffen schnurstracks zu arlichen/mongoloiden/negroiden Protozoen.
  3. Red. Anmerkung: Siehe dazu bei Atlantisforschung.de auch: Dr. Horst Friedrich, "Der Mythos von den angeblichen »Rassen« der Menschheit" (1994); sowie: Martin Marheinecke, "„Menschenrassen gibt es nicht!" - Bringen die Ergebnisse der Genforschung das Ende des Rassismus?" (2003)
  4. Red. Anmerkung: Später von Sheldrake einfacher als "Morphische Felder" bezeichnet.
  5. Quelle: Sheldrake, Rupert: "Das schöpferische Universum. Die Theorie des morphogenetischen Feldes", München, 1991, S. 13; englisch (1981): "A New Science of Life", London


Bild-Quellen

(1) Wikimedia Comons, unter: File:RupertSheldrake.jpg