Hispaniola und die Atlantis-Theorie des Prof. Dr. Emilio Spedicato

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Abb. 1 Die Karibik-Insel Hispaniola auf einer alten Seekarte von 1564. Nach Prof. Dr. Emilio Spedicato war dies der Ort, den Platon in seinem Atlantisbericht beschrieb.

(red) Der renommierte Mathematiker Prof. Emilio Spedicato, der an der Universität von Bergamo in Italien lehrt, gehört weltweit zu den bedeutendsten Vertretern des Neo-Katastrophismus - und zu denjenigen Atlantisforschern, die vehement die These vertreten, dass es schon gegen Ende der jüngsten Eiszeit hochentwickelte Menschheits-Kulturen gegeben habe, deren Nachhall sich z.B. auch im platonischen Atlantisbericht wiederfinde.

Spedicatos Atlantis-Lokalisierung (ent)führt uns auf die Antillen-Insel Hispaniola, die in der europäischen Allgemeinbildung vor allem deshalb bekannt ist, weil Christoph Kolumbus nach ihrer Entdeckung im Jahr 1492 dort "La Navidad", die erste europäische Siedlung in der 'Neuen Welt', gründete. [1] Damit begann für die indigenen Völker der Karibik und Mesoamerikas eine Jahrhundertelange Zeit der Entrechtung und Unterdrückung, des Völkermords und der systematischen Vernichtung ihrer kulturellen Identität. Die auf Hispaniola ansässigen Taino bekamen dies als erste zu spüren:

"Als Kolumbus 1492 vor der Insel erschien, lebten auf ihr ca. 300 000 Taino in fünf Stammesgebieten. Charakteristisch für die Taino war ihre Friedfertigkeit. Lediglich die Taino im Nordosten bei der Halbinsel Samana mussten sich der dort lebenden Kariben (>Menschenfresser<) erwehren. Im Zentrum der Götterverehrung standen >Yocahu<,der Gott des Reichtums an Nahrung und >Uragan<,der Gott der Stürme und der Zerstörung,der im Wort >Hurrikan< weiterlebt. [...] Durch eingeschleppte Infektionskrankheiten, Zwangsarbeit sowie durch den Terror der Spanier nach Aufständen reduzierte sich die Anzahl der Taino bis 1548 auf ca. 500." [2]

Abb. 2 Die indianischen Taino, auf die Christoph Kolumbus bei seiner Entdeckung Hispaniolas stieß, sind offenbar erst in historischer Zeit auf die Insel eingewandert.

Da die wenigen verbliebenen "Eingeborenen" nicht ausreichten, um die Naturschätze des Landes für die europäischen "Herren" auszubeuten, holten diese nun das benötigte "Menschenmaterial" daher, wo es ihnen reichlich und zu Spottpreisen zur Verfügung stand: 1505 erreichte das erste Schiff mit Sklaven aus Afrika die Insel. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts lebten bereits ca. 30 000 gänzlich unfreiwillige Siedler aus Afrika auf Hispaniola, dessen Bevölkerung nach dem Verlöschen der Taino-Kultur nun eine völlig andere ethnische Zusammensetzung hatte. Das, was wir heute noch über die Taino von Hispaniola wissen, verdanken wir archäologischen Befunden und den bisweilen mehr als tendentiosen Schilderungen der frühen europäischen Kolonialherren.

Nicht zum ersten Mal in der Inselgeschichte hatten dort Neuankömmlinge eine eingesessene Bevölkerung völlig verdrängt: "Schon bevor die von Kolumbus geführten Europäer in Erscheinung traten, hatte die Insel eine erste >Invasion< erlebt. Ungefähr vom zweiten nachchristlichen Jahrhundert an besiedelten die Taino das Eiland und verdrängten die Jäger- und Sammlerkultur der Siboneys, deren Spuren seit dem dritten Jahrtausend v. Chr. belegt sind. Die zur Gruppe der Arawak-Indianer zählenden Taino stammten aus dem Einzugsgebiet des Orinoco an der Nordspitze Südamerikas und kamen in Kanus, die bis zu 80 Menschen fassen konnten, entlang der Kleinen Antillen und Puerto Rico in ihre neue Heimat,die sie >Aiti< (bergiges Land) bzw. >Quisqueia< (Mutter Erde) nannten." [3]

Tatsächlich stellt sich die Frage, ob es sich bei dem Eindringen der Taino auf "Aiti" wirklich um die erste "Invasion" der Insel gehandelt hat. Setzen wir, wie Spedicato, Tollmann, Muck, Charpentier und noch viele andere Atlantologen voraus, dass bereits gegen Ende des Quartärs BEIDERSEITS des Ozeans transatlantische, cro-magnoide Kulturzentren entstanden, die auf dem Seeweg miteinander interagierten, so dürfen wir darüber spekulieren, ob die Siboney tatsächlich die ersten Bewohner der Insel waren. Wenn wir Prof. Spedicatos Theorie folgen, dann müsste dort ein prädiluviales [4] Zentrum erster Ordnung der Cro-Magnon-Kultur existiert haben - eine Annahme, für die uns bisher noch keine greifbaren, archäologischen Indizien bekannt sind.

Prof. Spedicatos, erstmals 1990 erschienenes, Essay "Galaktische Begegnungen, APOLLO-Objekte und ATLANTIS", das wir bei Atlantisforschung.de nun erstmalig auch in deutscher Sprache vorstellen, beschäftigt sich nur gegen Ende mit Platons Atlantis und mit Hispaniola. Sein Schwerpunkt liegt eindeutig nicht im (alternativ-)historischen, sondern im erdgeschichtlichen und astronomischen Bereich. Spedicato entwickelt darin systematisch und detailliert ein "katastrophisches Szenario für Diskontinuitäten in der Menschheitsgeschichte", wie es im Titel dieser Arbeit weiter heißt, die zu den grundlegenden Werken nonkonformistischer Atlantisforschung der Gegenwart gehört.

Wir haben uns entschieden, diesen Text in unserer Rubrik Theorien zu präsentieren, obwohl er sich vorwiegend mit Fragen der Kataklysmik beschäftigt, wobei er sich unmerklich, aber durchaus zielgerichtet auf die Atlantisproblematik und die Frage nach dem Hintergrund der alten Sintflut-Mythen (gegen Ende des Essays) zubewegt. Wer sich lediglich für Emilio Spedicatos spezifisches Atlantis-Modell interessiert, kann hier auch direkt den diesbezüglichen fünften Teil seiner umfangreichen Arbeit anwählen.

Team Atlantisforschung.de


Prof. Spedicatos Theorie:


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Anmerkung: Eine Siedlung, die übrigens zunächst nur kurzen Bestand hatte. Die spanischen Siedler verhielten sich gegenüber den einheimischen Taino so, wie es in den folgenden Jahrhunderten zum Standard wurde: grausam, brutal und arrogant. Die ursprünglichen Einwohner der Insel, die dort übrigens in Eintracht mit FRIEDLICHEN Kariben zusammen lebten, massakrierten daraufhin die christlichen "Herrenmenschen" der Siedlung, wofür Kolumbus bei seiner Rückkehr blutige Rache nahm.
  2. Quelle: Dominikanische Republik - Geschichte (nicht mehr online)
  3. Quelle: Haiti History (nicht mehr online)
  4. Anmerkung: Der Terminus PRÄDILUVIAL (wörtl. "vorsintflutlich") bezeichnet im Sprachgebrauch moderner, alternativer Urgeschichtsforschung sowie Atlantologie die spät-pleistozäne Periode vor den kataklysmischen Umwälzungen ("Diluvium") am Ende der jüngsten Kalt- oder Eiszeit (vor etwa 11500 Jahren).

Bild-Quellen:

1) http://www.nd.edu/~dharley/HistIdeas/1564Hispaniola.jpg (nicht mehr online)
2) http://pasture.ecn.purdue.edu/~agenhtml/agenmc/haiti/images/native.1.gif (nicht mehr online)