Eine Interpretation des platonischen Atlantisberichts

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Galaktische Begegnungen, APOLLO-Objekte und ATLANTIS

Ein katastrophisches Szenario für Diskontinuitäten in der Menschheitsgeschichte (5)

von unserem Gastautor Emilio Spedicato

In zwei berühmten Büchern, Timaios und Kritias (vom letzteren existiert nur ein Fragment), die um 360 v. Chr. geschrieben wurden, hat Platon Informationen über eine politische Macht, Atlantis, gegeben, welche die westliche Welt neuntausend Jahre vor seiner Zeit beherrscht hat. Der Atlantisbericht wurde von Kritias (einem alten Mann von 80 Jahren, einem Verwandten Platons und in seiner Jugend einer der dreißig Tyrannen), im Verlauf einer Diskussion mit Sokrates erzählt.

Bevor er die Geschichte erzählte, verbrachte Kritias eine Nacht damit, zu versuchen, sich alle Details ins Gedächtnis zurückzurufen. Er hatte die Geschichte ursprünglich von seinem Großvater, Kritias senior, gehört, als er ein zehn Jahre altes Kind war. Der Bericht hatte ihn so sehr beeindruckt, dass ihm auch nach so vielen Jahren wieder Einzelheiten in Erinnerung kamen. Kritias senior hatte die Geschichte von seinem Vater Dropides erfahren, Diogenes Laertios zufolge, ein Bruder des Solon. Solon erhielt die Informationen über Atlantis in Ägypten. Er hatte geplant, ein Gedicht darüber zu schreiben, konnte seinen Wunsch aber wegen seiner vielen politischen Verpflichtungen nicht realisieren.

Solon erhielt die Geschichte auf folgende Art und Weise. In der Stadt Saïs, einem wichtigen, bis heute archäologisch wenig erforschten, religiösen Zentrum im Nildelta, begann er mit Priestern eine Diskussion über die ältesten Ereignisse in der griechischen Überlieferung, wie die Geschichte von Phoroneus, dem ersten Menschen, und vom Überleben Deukalions und Pyrrhas bei der Flut. Als er versuchte, den Zeitpunkt dieser Episoden durch Generationen-Zählung zu schätzen, wurde er von einem uralten Priester unterbrochen (möglicherweise von demjenigen, der in Plutarchs 'Leben des Solon' Sonchis genannt wird), der behauptet, dass seine griechischen Geschichten nicht von hohem Alter seien. Tatsächlich hätten, so sagte der Priester, die Griechen einige katastrophische Ereignisse in Erinnerung behalten, wie die Phaeton-Geschichte, welche die Konsequenz einer Interaktion zwischen der Erde und einem Himmelskörper war; ebenso die Deukalische Flut, die nur eine kleinere Katastrophe darstellte, aber vollständig die Erinnerung an eine vorhergehende, größere Katastrophe ausgelöscht hatte, eine große Sintflut, welche die meisten ihrer Vorfahren ins Meer gespült hatte, wobei sie nur wenige Überlebende zurückließ.

Die Erinnerung an dieses Ereignis hatte bei den Ägyptern überdauert und war in schriftlicher Form in ihren Tempeln in Saïs festgehalten worden (wie von Krantor bestätigt wird, einem frühen Kommentator Platons, der um 300 v. Chr. lebte; er schrieb, dass ein Reisender aus seinen Tagen diese Inschriften gesehen hatte). Der Grund dafür war, dass die Vorfahren der Ägypter zu diesen Zeiten als Hirten und Schäfer auf dem Hochland lebten und nicht sehr von der Sintflut betroffen waren.

Abb. 1 Die ersten Institutionen des "neuen" Ägypten entstanden nach Spedicato etwa 1000 Jahre nach der Großen Flut.

Die Katastrophe hatte sich neuntausend Jahre zuvor ereignet; tausend Jahre später wurden die ersten ägyptischen Institutionen errichtet. Vor der Katastrophe, sagten die Priester, gab es eine politische Macht, Atlantis, deren Basis auf einer Insel gegenüber der [Wasser-]Straße, die man als Säulen des Herakles kennt, lokalisiert wurde, welche das Mittelmeer vom Atlantik trennt (die Straße von Gibraltar). Atlantis hatte die Kontrolle über die folgenden Regionen:

  • Die dahinter liegenden Inseln
  • Teile eines dahinter liegenden Kontinents, der vollständig das umgab, was man den wahren Ozean nennen könnte, mit dem verglichen das Mittelmeer nur ein See ist, und - auf dieser Seite des Atlantik, der zu diesen Zeiten befahrbar war - Europa bis nach Italien (Tyrrhenien) und Afrika (Libyen) bis nach Ägypten

Die Armee von Atlantis begann eine militärische Operation, um die Kontrolle auf das östliche Mittelmeer-Becken auszudehnen, wobei sie gegen die Vorfahren der Griechen und Ägypter kämpfte. Atlantis wurde besiegt und verlor die Kontrolle über das westliche Mittelmeer-Becken. Gleich nach Kriegsende gab es ein Erdbeben und eine Flut von außergewöhnlicher Gewalt. An einem einzigen schrecklichen Tag und einer Nacht wurden die kämpfenden Armeen weggeschwemmt und die griechischen Städte ins Meer gespült. Die Insel Atlantis wurde von der See verschlungen und verschwand. Der Ozean wurde für die Seefahrt unpassierbar und schlammige Gewässer tauchten in der Region der verschwundenen Insel auf.

Die obigen Informationen findet man im Timaios. Im Kritias wird hauptsächlich die politische Situation in Griechenland und in Atlantis zu diesen Zeiten besprochen, aber es gibt dort auch zusätzliche Informationen über Atlantis. Es wird festgestellt, dass es sich bei der Katastrophe um die dritte vor der Deukalischen Flut handelte und dass es Nacht war, als die Flut über Griechenland kam. Einige geographische Formen der Insel von Atlantis werden angegeben. Es gab dort viele Berge, die "höher und schöner als irgendwelche heute existierenden" waren. Es gab Flüsse, Seen, Weide- und Waldland mit einem Überfluss an Nutzholz. Aromatische Gewürze waren dort zu finden.

Es gab eine Fülle an domestizierten und wilden Tieren, darunter Elefanten. Da waren Bergwerke, von denen einige "Oreichalkos" produzierten, eine Substanz "glänzend wie Feuer", die zu jener Zeit das Wertvollste war, wenn man von Gold absieht. Im südlichen Teil der Insel lag eine Ebene von rechteckiger Form, die landwirtschaftlich genutzt wurde und vollständig durch ein System von Kanälen bewässert wurde; diese Ebene wurde durch eine Hügelkette vor dem Nordwind abgeschirmt. Auf der Ebene gab es [...] einen See von runder Form, dessen Durchmesser zehn Kilometer betrug und dessen Zentrum fünfzehn Kilometer von der Küstenlinie entfernt war. (Abb. 2)

Abb. 2 Eine Skizze des gesamten Areals der Hauptstadt von Atlantis.

Der See war mit dem Meer durch einen hundert Metern breiten und dreißig Metern tiefen Kanal verbunden worden. Im Zentrum des Sees gab es eine kleine Insel von einem Kilometer Durchmesser, umgeben von zwei Land-Ringen, jeder vom anderen durch Wasser getrennt. Auf der Zentral-Insel gab es einen Palast, erbaut aus weißen, schwarzen und und roten Steinen, die auf der Zentral-Insel selbst gehauen worden waren und von den umgebenden Ringen. Auf den äußeren Ringen gab es Tempel, Gärten und ein Areal für sportliche Aktivitäten. Der See wurde als wohlgeschützter Hafen genutzt, der von Schiffen aus allen Ländern frequentiert wurde, die von Atlantis kontrolliert wurden. Die Geschäfts- und Residenz-Areale wurden um den See herum und entlang des Kanals gebaut. Die gesamte Stadt, die Hauptstadt von Atlantis, wurde von einer kreisförmigen Mauer umfasst, die auf den Palast zentriert war und deren Radius fünfzehn Kilometer betrug, womit das Gebiet insgesamt etwa 700 Quadrat-Kilometer beinhaltete.

Einige Zahlen zu den Dimensionen von Atlantis lauten wie folgt. Im Timaios heißt es, dass Atlantis größer als Asien und Afrika (Libyen) zusammen war. Im Kritias [steht], dass die bewässerte Ebene dreitausend Stadien lang und zweitausend breit war, sagen wir etwa 600 mal 400 Kilometer. In etwa mehr als 3600 Arbeiten sind über Atlantis geschrieben worden, man schaue beispielsweise bei Bramwell 59, Spanuth 60, Pinotti 138, Zhirov 93 und speziell Kukal 94 in die Bibliographien. Vor dem Zweiten Weltkrieg erregte die Entdeckung überfluteter Berge im Atlantischen Ozean diejenigen, die nach einem versunkenen Kontinent suchten; wie auch immer, war das nur die Entdeckung von Teilen der ozeanischen Rücken, von denen man nun weiß, dass sie sich mehr als 60 000 km in der Mitte des Ozeans erstrecken. In jüngerer Zeit, nach der Entdeckung des großen Santorin-Ausbruchs im zweiten Millennium v.Chr. (siehe Warren 95 zu einer Diskussion von Datierungs-Problemen), wurde theoretisiert (siehe etwa Carpenter 61 oder Luce 62, dass Atlantis das Minoische Kreta war, und durch den Tsunami zerstört wurde, der dem Kollaps der vulkanischen Kammer im Santorin folgte.

Abb. 3 Die minoische Hochkultur auf Kreta wurde von einer Reihe von Atlantisforschern mit den Atlantern Platons identifiziert.

Diese Theorie, die heute weithin akzeptiert wird, erfordert so viele substantielle Änderungen am platonischen Text, dass dies unserer Meinung nach einer Zurückweisung des Textes gleichkommt. Zu den anderen Theorien, welche substantielle Änderungen erfordern, gehören die von Spanuth 60, der Atlantis nach Helgoland verlegte, und und von [Tantalis - das Atlantis des Peter James[|James]] 108, der Atlantis mit der Hauptstadt des alten Königreichs von Tantalus in der westlichen Türkei in Verbindung brachte, welches offenbar durch eine große Schlammflut zerstört wurde. Eine faszinierende Identifizierung von Atlantis mit der Halbinsel Antarktika in der Antarktis wurde von Barbiero 133 vorgeschlagen und von Flem-Ath 110 neu entwickelt. Die Idee, dass der Atlantisbericht aus einer Erinnerung an die Flutung des Kontinental-Schelfs Nordeuropas herstammt, welche dem Anstieg der Meeresspiegel nach dem Ende der jüngsten Eiszeit folgte, wurde von Castellani entwickelt 152.

In unserem Szenario werden die Informationen im platonischen Text als essentiell korrekt akzeptiert. Nur zwei größere Modifikationen werden gemacht, namentlich an den Statements, die sich auf die Größe von Atlantis und auf die bewässerte Ebene beziehen. Wir akzeptieren die Zahlen, aber wir ändern ihre Attribution. Wir denken, dass sich zu späterer Zeit ein Irrtum in das überkommene Manuskript eingeschlichen hat, oder dass Kritias´ Gedächtnis bei der korrekten Zusammenstellung der Details versagte, worüber man sich nicht zu wundern braucht, da er versuchte, Informationen wieder zusammenzustellen, die [ihm] siebzig Jahre zuvor gegeben wurden.

Bevor wir zur Interpretation des platonischen Textes kommen, ist es wichtig, auf die Konfiguration der Erde während der jüngsten Eiszeit zurückzuschauen (wozu wir etwa die Karte nutzen, die Kukal im Scientific American vorstellt, siehe Broecker 63). Eis bedeckte Nordeuropa, Westsibirien und einen großen Teil von Nordamerika. Das Klima war trockener und kälter als jetzt in den Regionen unterhalb der Eisgrenze, die jedenfalls eine substantielle Population großer Herbivoren, darunter Mammuts, große Carnivoren, wie Ursus speleus, und den Menschen erhalten konnte. In tieferen Breitengraden, die gegenwärtig ariden Regionen wie dem nördlichen Mexiko, der Sahara und der mesopotamisch-kaspischen Region entsprechen, waren die klimatischen Konditionen besser als heute, und wahrscheinlich günstig für Viehzucht und Landwirtschaft. Besonders die Sahara war ein riesiges Grasland, ihre Berge waren bewaldet, große Seen füllten die Niederungen und große Flüsse strömten dort, was spektakulär durch Radar-Fotografien aus einem Shuttle bestätigt wurde.

Abb. 4 Was würde von unserer heutigen Zivilisation übrig bleiben, wenn Mega-Tsunamis weltweit die Küsten und große Teile der Kontinente überrollen? (Bild aus dem Film: 'Deep Impact')

Auch in West- und Zentral-Asien war das Klima begünstigt, ebenfalls Dank der Präsenz eines großen Binnenmeers, welches das Schwarze Meer (während der Eiszeit war das Schwarze Meer nicht mit dem Mittelmeer verbunden), dem Kaspischen Meer und wahrscheinlich den Aral-See umfasste, mit einer [Gesamt-] Ausdehnung, die fast derjenigen des Mittelmeers gleichkam. Schließlich bedeckte dichte Vegetation die zirkum-karibische Region, Teile von Zentral-Afrika und die zirkum-pazifischen Regionen Asiens und Australiens vom mittleren China bis zum südlichen Australien. Es ist eine bemerkenswerte Beobachtung, dass während der Eiszeit die Menge an Land, die durch die Eisdecke unwirtlich gemacht war, durch die Nutzbarkeit guten Graslands in Gebieten, die heute Wüste (mehr als zwanzig Millionen Quadratkilometer zwischen Afrika und dem westlichen Zentralasien) oder von Dschungel bedeckt sind (das Amazonas-Becken war wahrscheinlich vorwiegend Grasland, obgleich jüngste Analysen von Sedimenten vom Grund eines Sees indizierten, dass der Wald noch vorhanden war, jedoch mit einer anderen Vegetations-Struktur, die mit weniger warmen Bedingungen übereinstimmt; siehe Colinvaux et al. 113), mehr als ausgeglichen wurde.

Wenn wir voraussetzen, dass die klimatischen Schwankungen während der zwölftausend Jahre der jüngsten Eiszeit mit denen der postglazialen Zeiten vergleichbar waren, dann wären die Bedingungen für die Entwicklung einer Zivilisation während dieser Zeit ähnlich, wenn nicht besser als diejenigen gewesen, die während der folgenden zwölftausend Jahre die Entwicklung der gegenwärtigen Zivilisation zugelassen haben. Wir nehmen an, dass dies in der Tat der Fall war, und dass die Geschichte über Atlantis und viele andere Überlieferungen, die wir hier nicht berücksichtigen, sich auf das Endstadium dieser Zivilisation beziehen. Wir nehmen an, dass das katastrophische Ereignis aus Platons Bericht der ozeanische Impakt war, der die jüngste Eiszeit beendete, wie zuvor hypothetisiert. Der große Atlantik-Tsunami verwüstete Amerika, Europa und Afrika. Der Ozean drang möglicherweise tausend Kilometer tief in das Amazonasbecken und in die Sahara ein. Immense Verwüstung traf die mediterrane Region.

Keine architektonische Struktur, die bereits durch das Erdbeben geschwächt war, das dem Tsunami vorausging, könnte widerstanden haben. Eine Tsunami-Welle der ins Auge gefassten Größe würde eine Stadt nicht nur planieren, sondern ihre Überreste forttragen, wobei sie tatsächlich keine Spur zurückließe. Die Sintflut, die dem Magmaausstoß folgte, würde den größten Teil von Europa, das nördliche Afrika und das westliche Zentralasien betroffen haben, und brachte die Verwüstung dorthin, wohin der Tsunami nicht gelangen konnte. Schließlich hätte das Schmelzen des Eises und der anschließende Anstieg der Meeresspiegel von 60 Metern die Konfiguration der Küstenlinien verändert und die Richtung von Strömungen beeinflusst, was die Behauptung rechtfertigt, dass Atlantis verschwunden und der Ozean unpassierbar geworden war. Wir können uns durchaus fragen, wie viel von den Strukturen unserer Zivilisation einem ähnlichen Ereignis widerstehen könnte (Abb. 4).

Lassen Sie uns nun die Details von Platons Geschichte betrachten, und sie in unser Szenario für das Ende der jüngsten Eiszeit einfügen. Das angegebene Datum für die Katastrophe, das etwa 11 600 B.P. entspricht, passt gut in die allgemein akzeptierte Anfangszeit für den Rückzug des Eises (wie in der vorhergehenden Sektion gesagt wurde, wird dieser Zeitpunkt jetzt auf 11 450 B.P. geschätzt). Man bemerke, dass eine präzise Datierung für diese Ereignisse nicht mittels Radiokarbon- oder Sediment-Analysen gemacht werden kann; ein Unsicherheitsfaktor von fünf Prozent sollte unserer Meinung nach ohne Schwierigkeit zu akzeptieren sein (wir halten fest, dass von Ganapathy 40 für einen Bohrkern antarktischen Eises, das lediglich ein Jahrhundert alt war, eine Fehlerquote von 8% bei der Datierung der Schichten vorausgesetzt wurde!).

Halten wir auch fest, dass, während unsere Annäherung an die Eiszeiten ein rapides Wachstum der Eisdecke in nur wenigen Monaten voraussetzt, das Verschwinden des Eises nicht plötzlich geschehen sein kann; benötigen die dickeren Schichten doch tausende von Jahren, um zu schmelzen (tatsächlich befinden wir uns noch in den letzten Ausläufern der Entgletscherung, wie durch den positive bradisism in Schweden und den anhaltenden Abbau von Gletschern in der nördlichen Hemisphäre gezeigt wird, wenn auch Faktoren infolge menschlicher Aktivitäten nun eine größere Rolle spielen).

Die Stadt Atlantis wird von Platon hinter den Säulen des Herakles lokalisiert und es wird festgestellt, dass der Ozean zu dieser Zeit befahrbar war. Atlantis übte die Kontrolle über Inseln dahinter und Teile des Kontinents aus, der vollständig den wahren Ozean umgab. Unsere Interpretation ist, dass es sich bei der Insel von Atlantis um die große Karibikinsel handelt, die von Kolumbus auf seiner ersten Reise entdeckt wurde, von ihm Hispaniola getauft wurde, und gegenwärtig zwischen Haiti und der Dominikanischen Republik aufgeteilt ist. Zu Zeiten von Kolumbus war ihr lokaler Name Quisqueya, was die bemerkenswerte Bedeutung "Mutter der Länder" hatte (eine Erinnerung an seine dominante Rolle in vergangenen Zeiten?).

Diese Annahme impliziert natürlich, dass in Amerika während der jüngsten Eiszeit Menschen lebten, ein Faktum, das jetzt durch anwachsende archäologische Evidenzen bestätigt wird (siehe beispielsweise Morell 100). Daher sind die Inseln hinter Atlantis die anderen großen Karibikinseln (Kuba, Jamaica) und der Kontinent dahinter ist Amerika. Wie bereits beobachtet, war die Beringstraße während der jüngsten Eiszeit eine Landbrücke, Australien war annähernd mit Asien verbunden, und somit umgab ein riesiger Kontinent fast vollständig den Pazifischen Ozean (den wahren Ozean aus Platons Bericht). Man mag sich übrigens die Frage stellen, ob nicht Eis aus Antarktika, zumindest während der australen Winterzeit, die Passage zu den Atlantischen und Indischen Ozeanen effektiv verschloss.

An diesem Punkt sollte man die Existenz von ein paar zusätzlichen klassischen Quellen zur Kenntnis nehmen, die Kenntnisse in der Alten Welt über Amerika nahelegen, welche einigen Bezug zu den Informationen über die Geschichte von Atlantis haben. Bei einer handelt es sich um eine Passage in Plutarchs (Abb. 6) "De facie quae in lunae orbe apparet", die Folgendes enthält:

Abb. 5 Der Geschichtsfreund Plutarch berichtete u.a. von einem Besucher Karthagos, der aus einem Land "auf der anderen Seite des Atlantik" kam.
  • der Mann beschrieb eine Region in diesem Land, die etwa auf den Breitengraden der Maeotischen See an der großen Mündung eines Flusses lag, der in alten Zeiten von den Vorfahren der Griechen besucht wurde
  • die Region kann mit der Mündung des St. Laurence identifiziert werden; wir sollten festhalten, dass Vinci 153 hat überzeugend argumentiert, dass die Homerische Welt in das Baltikum und in die Nordsee zu einer Zeit gelegt werden sollte, in der das Klima-Optimum 1600 v. Chr. beendet war, wo die Bedingungen für Schiffahrt im Nordatlantik günstig gewesen waren.

Die andere Passage ist ein Aelian zugeschriebenes Statement 154 zu Theopompus, in dem es heißt:

  • Es gibt zwei Kontinente auf der Erde. Einer besteht aus Europa, Afrika und Asien; der andere ist weit entfernt inmitten des Ozeans

Auf dem weit entfernten Kontinent gab es zwei große Städte: eine (die Hauptstadt des Atlantis-Reiches?) wurde von Leuten bewohnt, die auf Krieg und Eroberung aus waren; die andere (möglicherweise eine der Großstädte, deren Überreste in Form von großen Erd-Mounds im mittleren Teil der Vereinigten Staaten gefunden wurden?) wurde von einem friedlichen Volk bewohnt. Man bemerke, dass man, falls das Zeitalter von Atlantis, welches sein Ende durch einen gewaltigen Tsunami fand, mit dem Ende der jüngsten Eiszeit assoziiert werden kann, erwarten darf, dass die Wassermassen der Karibischen See in große Teile des niederen und mittleren Mississippi-Beckens eindrangen, wobei sie den Großteil der von Menschen erbauten Strukturen zerstörten und fortspülten.

Die Identifikation von Atlantis mit Hispaniola wird gestärkt durch die Platonische Beschreibung der Insel: schöne hohe Berge, Flüsse, Seen, eine Ebene, Steil-Küsten, Wälder und Tiere. Tatsächlich gibt es auf Hispaniola Berge über 3000 Meter (der Pico Duarte ist 3175 Meter hoch), einige davon (zum Beispiel der La Selle, 2680 Meter) liegen sehr nahe an der Küste. Den Effekt der Höhe solcher Berge für einen Beobachter von See sollte man mit demjenigen eines Beobachters des Monte Bianco (4807 Meter) vom Val d' Aosta aus vergleichen können. Solche Berge könnten sehr wohl höher gewirkt haben, als alles, was Beobachter aus Griechenland oder Ägypten kannten.

Abb. 6 Die Karibik-Insel Hispaniola auf einer portugiesischen Seekarte aus dem 'Zeitalter der Entdecker'.

Der üppige tropische Wald, der Hispaniola in glazialen Zeiten und bis vor einigen Jahren bedeckte (jetzt ist die Insel weitgehend entwaldet), galt sicherlich bei Besuchern aus dem Mittelmeerbecken als Attraktion. Es ist eine interessante Feststellung, dass Kolumbus wahrhaftig fasziniert von den Naturschönheiten der Karibik-Inseln war, ein Thema, das häufig in seinen Tagebüchern wiederkehrt. Flüsse und Seen (darunter zwei Seen unterhalb des Meeresspiegels, Imani und Enriquillo) gibt es auf Hispaniola reichlich. Die Erwähnung von Elefanten mag sich nicht notwendigerweise auf die gegenwärtige afrikanische Art beziehen (obwohl einige Exemplare dorthin verschifft worden sein könnten), sondern auf die amerikanische Art Proboscidates (Mammuts oder Mastodonten), die bei der Katastrophe verschwand, welche die Eiszeit beendete.

Die Erwähnung, dass die Küsten von Atlantis steil waren, weist stark auf Hispaniola hin (aber siehe Collins 161 zu Argumenten, die für Kuba sprechen). Hispaniolas Küsten sind zumeist hochgelegen und unzugänglich. Der Ozean um Hispaniola herum ist zudem tief, was impliziert, dass die Form der Insel während der Eiszeit, als der Ozean 60-130 Meter niedriger lag, im Wesentlichen die selbe wie jetzt war, während beispielsweise Kuba substantiell größer war, und eine Großinsel wurde lokalisiert, wo heute die Bahamas sind. Eine grob rechteckig geformte Ebene liegt in der süd-östlichen Ecke von Hispaniola (dort befindet sich Santo Domingo), mit einer Hügelkette auf ihrer Nordseite.

Hier mag die bewässerte Ebene gelegen haben, die von Kritias beschrieben wird. Wenn dem so ist, dann sollte die Hauptstadt von Atlantis an einer jetzt überfluteten Stätte entlang eines Teils der Dominikanischen Republik lokalisiert werden, irgendwo längs des heutigen Levels von minus 60-130 Meter Meerestiefe. Eine weitere mögliche Lokalität könnte in dem flachen Gebiet liegen, mit Bergen sowohl an der Nord- als auch an der Südseite, das Plaine de Cul-des-Sac genannt wird, und eine Anzahl von Seen beinhaltet, besonders den See Enriquillo. Dieser See ist besonders salzig und seine Oberfläche liegt unterhalb des Meeresspiegels (-44 Meter). Dieses ganze Gebiet wurde zu Zeiten des Quartärs von der See verschlungen (siehe Wendell et al. 96 oder Butterlin 97) und könnte wohl Korallen-Strukturen beinhalten, die jetzt von jungen Sedimenten bedeckt werden. Die Informationen zur Ring-Struktur des Zentrums der Hauptstadt von Atlantis und über die dort geschnittenen farbigen Steine legen in der Tat nahe, dass die Stätte eine korallenhafte Atoll-Struktur hatte, die freigelegt wurde, als das Einsetzen der Eiszeit die Meeresspiegel absenkte.

Abb. 7 Das nordwestliche Mittelmeerbecken . Auch dieser Teil des mediterranen Großraums soll nach Platon zum Machtbereich der Atlanter gehört haben.

Der platonische Text stellt fest, dass Atlantis größer war als Libyen und Asien zusammen, und dass die bewässerte Ebene ungefähr 600 mal 400 km maß. Kein verschwundenes Land von dieser Größe hat in rezenten geologischen Zeiten existiert, keine Ebene dieser Größe und Charakteristika ist heute auf der Erde zu finden, noch ist der Mensch selbst in der Gegenwart dazu in der Lage gewesen, eine zusammenhängenden Landstrich von solchen Dimensionen zu bewässern. Die Daten im Text sind fehlerhaft. Wir glauben jedenfalls, dass sie tatsächliche Informationen übermitteln, die im Text falsch abgefasst wurden, höchst wahrscheinlich durch eine Erinnerungslücke von Kritias. Wir vertreten die Meinung, dass die Erwähnung der Größe von Atlantis vielmehr ein Hinweis auf den dahinter liegenden Kontinent, also Amerika, ist, von dem, wie berichtet wird, ein Teil unter der Kontrolle von Atlantis war, oder zum Reich von Atlantis gehörte, das Teile von Afrika und von Europa beinhaltete. Die Dimensionen, die für die Ebene genannt werden, liegen bemerkenswert nahe bei den Abmessungen von Hispaniola von etwa 650 mal 300 Kilometern (die im wesentlichen unverändert bleiben, wenn der Wasserspiegel 60-130 Meter fällt). Daher denken wir, dass die vorige Erwähnung sich tatsächlich auf die Insel Atlantis selber bezog.

Ein paar abschließende Betrachtungen müssen noch bezüglich der Behauptung gemacht werden, dass Atlantis die Kontrolle über das westliche Mittelmeerbecken (Abb. 7) hatte und Krieg gegen die Vorfahren der Griechen und Ägypter führte. Dem platonischen Bericht folgend, war der Ozean befahrbar und die Hauptstadt von Atlantis verfügte über einen großen Hafen. Die Entwicklung der Seefahrt ist ein Charakteristikum von Zivilisation und darf natürlich erwartet werden, wenn man das Ende der jüngsten Eiszeit als eine Periode aufblühender Zivilisation betrachtet. Welche Bootstypen könnte es zu jener Zeit gegeben haben? Unglücklicherweise könnten nur unzweifelhafte archäologische Funde darauf eine Antwort geben. Jedenfalls heben wir hervor, dass große Übersee-Distanzen und substantieller Transfer von Menschen und Material bewältigt werden können, auch wenn nur sehr primitive seefahrerische Mittel benutzt werden. Dies wurde durch die klassischen Forschungsreisen von Thor Heyerdahl 64, 65 bewiesen, der den Pazifik (von Peru zu den Tuamotu-Inseln) auf einem Balsa-Floß überquerte, und den Atlantik (von Marokko nach Trinidad) auf einem Riet-Boot, das von Fischern am Tschad-See nach einem Jahrtausende alten Muster gebaut wurde. Heyerdahl 66 was auch in der Lage, in Polynesien vor Ort die Bestätigung eines Statements von Sarmiento de Gamboa 67 zu finden, dass der Inka Tupac einst eine pazifische Rundreise mit einer großen Flotte von Balsa-Flößen unternahm, die mehr als 20 000 Männer trug. Heyerdahls Arbeit hat also gezeigt, dass selbst so einfache Boote wie Flöße eine große Armee über ozeanische Distanzen transportieren können.

Abb. 8 Als die Front des mörderischen Mega-Tsunami Platons Ur-Hellenen erreichte, können seit dem vermuteten Impakt im Atlantik schon bis zu zwölf Stunden vergangen sein.

Boote dieser simplen Art, die von Heyerdahl ins Auge gefasst wurden, überqueren Ozeane im Wesentlichen, indem sie Strömungen folgen (aber siehe nochmals Heyerdahl 66 zu der bemerkenswerten Flexibilität, die Guara-Bretter auf Balsa-Flößen haben). Es ist möglich, in heutiger Zeit aus einem peruanischen Hafen nach Poynesien auszulaufen und, entlang einer kreisförmigen Route den Strömungen folgend, wieder dorthin zurückzukehren. Es ist gegenwärtig möglich, die Säulen des Herakles (Gibraltar) zu verlassen und auf den Strömungen in etwa zwei Wochen Amerika zu erreichen, aber nicht, von dort zurückzufahren, da der Golfstrom sich in Richtung Skandinavien bewegt. Während der jüngsten Eiszeit war der Atlantische Ozean jedoch nördlich einer Linie Neuengland - Irland von Eis bedeckt und der Golfstrom hatte eine andere Richtung. In der Tat hat es sich gezeigt, siehe Pinet et al. 98 und Keffer et al. 99, dass sich der Golfstrom während der Eiszeit des Quartärs auf Gibraltar zu bewegte. Somit war eine Zweiweg-Verbindung zwischen Amerika und Europa möglich, auch wenn man höchst primitive Boote benutzte.

Schließlich können wir vielleicht noch einige zusätzliche Informationen aus dem platonischen Bericht deduzieren. Die Katastrophe ereignete sich wahrscheinlich zwischen spätem Frühjahr und Frühsommer, was die Zeit-Limits für Militär-Operationen in klassischen Zeiten gewesen wären und, a fortiori, auch in der Eiszeit. Die Präsenz frischer Blumen in den Mägen gefrorener Mammuts bestätigt dies. Es war Nacht, als die ersten Verwüstungen in Griechenland auftraten, vermutlich auf Grund eines Erdbebens, da die seismischen Wellen viel schneller als die Tsunami-Wellen sind. Die Front des Tsunami könnte ein Dutzend Stunden gebraucht haben, um Griechenland zu erreichen, und es könnte viele Rückschlag-Wellen gegeben haben; dies würde die einen Tag und eine Nacht dauernden Konvulsionen erklären.

Die Küstengebiete Griechenlands und die Ägäischen Inseln müssen voll von dem Tsunami (Abb. 8) betroffen gewesen sein, wobei fast die gesamte Bevölkerung ausgelöscht wurde. Dies könnte den Verlust der Erinnerung an Atlantis in der griechischen Tradition erklären (obgleich sich Reminiszenzen bei Hesiod in den Geschichten vom Goldenen Zeitalter finden), wobei Griechenland selber später von Völkerschaften wiederbesiedelt wurde, die aus nicht betroffenen Gebieten kamen (zentrales Ostasien?). Hier lohnt es, sich die These von Vinci 153 ins Gedächtnis zu rufen, nach welchem die Mykener etwa um die Mitte des zweiten Jahrtausends v. Chr. aus dem baltischen Raum nach Griechenland kamen. In Griechenland vermischten sie sich dann mit der dort zuvor existierenden Bevölkerung, die von ihnen unterworfen wurde. Daher sollten sich alle Erinnerungen, welche die Griechen an uralte Ereignisse gehabt haben mögen, höchstwahrscheinlich auf Ereignisse in Nord-Europa beziehen.

Ägypten muss ebenfalls vollständig von der Tsunami-Welle verwüstet worden sein. Jedenfalls wäre die Bevölkerung des äthiopischen Hochlands (die Hirten und Schäfer im Timaios), möglicherweise zusammen mit Alten Ägyptern und anderen Leuten, die damals durch dass Grasland der Sahara wanderten, dem Tsunami und ebenfalls der vermutlich folgenden Sintflut entkommen. Unter diesen Völkerschaften am Rande des großen Reiches von Atlantis muss die Erinnerung an Atlantis überlebt haben, um an ihre Nachkommen weitergegeben zu werden. Sie besiedelten wieder das Niltal und etablierten die ersten ägyptischen Institutionen eintausend Jahre nach der großen Katastrophe.

Wir schließen mit der Feststellung, dass eine Erklärung für den Atlantisbericht und für das Ende der jüngsten Eiszeit in Form eines Meteoriten-Impakts auch von Muck 101 gegeben wurde. Jedenfalls setzte er eine Position der Insel von Atlantis inmitten des Atlantischen Ozeans und ihr Verschwinden durch die Auswirkungen eines direkten Treffers voraus. Er nahm zudem an, dass die Präsenz von Atlantis auf dieser Position die Bewegung des Golfstroms beeinflusste und verantwortlich für die jüngste Eiszeit war. Diese Argumente laufen etabliertem geologischem Wissen zuwider.


Fortsetzung:

6. Eine Interpretation der biblischen und sumerischen Flut-Berichte


Bild-Quellen

(1) http://ragz-international.com/ikhnaton.htm (Seite nicht mehr online)

(2) Atlantis - The Lost Continent, The Legend of Atlantis

(3) http://www.paleogoddess.com/religion.JPG (Seite nicht mehr online)

(4) Top MOVIES, unter: 20 Movies That Destroy New York

(5) Internet Publikation für Allgemeine und Integrative Psychotherapie, unter: http://www.sgipt.org/hm/gesch/plut0r1.jpg

(6) Tortuga Moto Club Como, Pirati Corsari Bucanieri Filibustieri, unter: http://digilander.libero.it/tortugamotoclub/pirati&co/hispaniola.jpg

(7) http://esapub.esrin.esa.it/eoq/images/eoq_bathym.jpg (Seite nicht mehr online)

(8) HISTORIA-ANTIGUA.COM - Siguiendo las huellas de nuestro pasado, unter: http://www.historia-antigua.com/img/atlantida/tsunami.jpg (Bild nicht mehr online)