Eine Interpretation der biblischen und sumerischen Flut-Berichte

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Galaktische Begegnungen, APOLLO-Objekte und ATLANTIS

Ein katastrophisches Szenario für Diskontinuitäten in der Menschheitsgeschichte (6)

von unserem Gastautor Emilio Spedicato

Abb. 1 Die biblische Sintflut (Girodet, 1806, Scène de déluge)

Legenden von Fluten, die beinahe die Menschheit vernichteten, sind bei vielen Völkern zu finden (mehr als 600 solcher Legenden wurden gezählt). Hier werden wir uns nur mit der biblischen und sumerischen Überlieferung beschäftigen. Unsere Vermutung besteht darin, dass die zwei Quellen das Überleben von zwei unterscheidbaren Menschengruppen in dem Gebiet beschreiben, das von einer Sintflut betroffen war, die einem Apollo-Impakt folgte.

In der ersten Version dieses Essay haben wir angenommen, dass der Atlantisbericht und die biblischen und sumerischen Sintflut-Geschichten sich auf das selbe Ereignis beziehen. Dieser Identifikation sind wir uns heute nicht mehr sicher und wir ziehen es vor zu denken, dass die biblisch-sumerische Sintflut ein späteres Ereignis ist, wahrscheinlich das zweite oder letzte von den drei großen Katastrophen, auf die sich der Priester in Saïs bezieht. Wir diskutieren hier nicht das Problem der Datierung dieses Ereignisses, aber wir sympathisieren mit Patten 134, der es auf circa 2500 B.C. datiert hat. Patten erhielt diese Datierung, indem er die interne Chronologie der Bibel benutzte, wobei er im Wesentlichen Thiele 135 folgte, und Argumente aus seiner Theorie periodischer Annäherungen des Planeten Mars an die Erde, die sich durch gravitationelle Gezeiten-Effekte als katastrophische Ereignisse auf die Erde auswirken, ähnlich denjenigen, die durch einen ozeanischen Apollo-Impakt hervorgerufen werden. Man bemerke auch, dass die Korrektur der ägyptischen Chronologie, die, wie zuvor referiert, von Velikovsky, Bimson, James, Rohl, Clube und Napier vertreten wird, Menes und die Erste Dynastie nach die Sintflut legen würde. Zu Argumenten, dass der Sphinx und die große Pyramide von Gizeh lange vor Menes gebaut wurden, höchstwahrscheinlich zu der Zeit, als die Zivilisation von Atlantis blühte, siehe West 129, Gilbert und Bauval 130, Hancock 131 und Schoch 155.

Die biblische Geschichte von Noah ist in der Genesis 6-9 enthalten, mit zusätzlichen Erwähnungen in anderen Teilen der Bibel. Es ist hier nicht möglich, die vielfältigen Interpretations-Probleme im Zusammenhang mit den biblischen Texten zu besprechen. Man erinnere sich, dass mehr als tausend hebräische Wörter nur aus der Bibel bekannt sind, wo sie nur ein einziges mal auftauchen, und dass es neue Einsichten zu kontroversen Passagen durch die jüngste, wichtige Arbeit von Salibi 156, 157, 158 gibt, der argumentiert hat, dass das Ursprungsland der Hebräer die Asir-Region im südwestlichen Arabien war, wobei er voraussetzt, dass ein Vergleich mit den fortbestehenden Dialekten des Arabischen in dieser Region äußerst nützlich zur Aufklärung der biblischen Sprache ist. Wir werden nur den für gewöhnlich unumstrittenen Haupt-Inhalt der Geschichte konstatieren und dann unsere Interpretation abgeben.

Der Inhalt der Genesis ist folgender:

  • vor der Sintflut hatte sich die Menschheit über die Erde ausgebreitet; große Gewalttätigkeit beeinflusste die menschliche Gesellschaft nachteilig
  • Noah, der von Gott im Traum gewarnt wurde, dass eine Katastrophe die Menschheit vernichten würde, baute eine hölzerne Arche, 300 Ellen lang, 50 breit, 30 hoch, von außen mit Pech abgedichtet, und von innen mit einem Material namens Gopher (möglicherweise ein essbares Material, eine Mischung von gerösteter Gerste und Wasser. Das ist ein Grundnahrungsmittel vieler primitiver Völker, wie etwa der alten Guanchen-Bevölkerung der Kanarischen Inseln, die es verblüffenderweise Gofio nannten. Es ist heute noch die Volksnahrung der Tibeter, die es Tsampa nennen)
  • nachdem Noah mit seiner Familie und verschiedenen Tieren Zuflucht in der Arche gesucht hatte, "waren die Brunnen der großen Tiefe aufgetan und die Fenster des Himmels öffneten sich" (aus der heiligen Bibel, revidierte authorisierte Version)
  • "der Regen ging vierzig Tage und vierzig Nächte auf die Erde nieder; die Wasser stiegen und hoben die Arche empor"; "die Wasser beherrschten die Erde und die höchsten Erhebungen wurden davon bedeckt"
  • nach fünf Monaten stieß die Arche bei einem Gebirge Armeniens, im Text Urartu genannt, auf Land (üblicherweise und vermutlich unrichtig als 'Ararat' übersetzt); nach vier weiteren Monaten verließ Noah die Arche, nachdem das Land schließlich wieder trocken lag
Abb. 2 Assyrische Darstellung eines Opfers der Großen Flut

Die sumerische Sintflut-Geschichte wurde auf einer Anzahl von Tafeln mit Keil-Inschriften von Anatolien bis hin zum südlichen Mesopotamien gefunden. Die Datierungen der Tafeln variieren vom Beginn des zweiten Jahrtausends v. Chr. bis zum siebten Jahrhundert v. Chr. (die Tafeln aus der Bibliothek von Ashurbanipal in Nineveh). Die Sprachen waren ebenfalls vielfältig, wie Sumerisch, Akkadisch, Hurri, Assyrisch, Hethitisch, Alt-Babylonisch. Abgesehen von ein paar Differenzen zum Inhalt der Tafeln besteht Konsens darüber, dass sie alle von einer einzigen sumerischen Quelle abstammen. Die ersten Tafeln wurden in der zweiten Hälfte des vergangenen [19.; d. Red.] Jahrhunderts gefunden, und 1882 publiziert. Faszinierende Evidenzen, dass der sumerische Flutbericht auch in der mündlichen Überlieferung der armenischen Region überlebt hat, stammen von dem armenischen Schriftsteller Gurdijeff, der 1877 in Alexandropolis (später Leninakan, in der armenischen Provinz Kars) geboren wurde.

In seinem posthum erschienenen Buch "Rencontres avec des hommes remarquables" 102, sagt er, dass sein Vater Adash einer letzten Geschichtenerzähler der transkaukasischen Region war. Einer der Gesänge seines Vaters hieß "Die Legende von der Flut vor der Flut". Ein paar Jahre vor dem ersten Weltkrieg las Gurdijeff in einem Magazin die Geschichte von Gilgamesch. Er war erstaunt als er sah, dass diese Geschichte fast identisch mit dem 21. Gesang der Legende von der Flut vor der Flut war. Wenn seine Aussage wahr ist, haben wir einen starken Beleg dafür, dass eine mündliche Überlieferung tausende von Jahren getreu überstehen kann. Der faszinierende Name "Flut vor der Flut" könnte anzeigen, dass die sumerische Flut nicht die jüngste der (drei?) großen Fluten war, die im platonischen Text erwähnt werden.

Abb. 3 Gilgamesch, der "Noah" der sumerischen Sintflut-Legende

Der Sintflut-Bericht ist in der sumerischen Überlieferung in das Epos von Gilgamesch eingebettet, eines großen Königs der sumerischen Stadt Uruk, welcher wahrscheinlich im dritten Jahrtausend v. Chr. lebte (siehe Kramer 68). Kurz gesagt, baute Gilgamesch eine tiefe Freundschaft zu Enkidu auf, welcher zuvor ein Wilder war, der in den Wäldern lebte. Mit ihm unternahm er eine Expedition in ein fernes Land mit großen Zedernbäumen, wo er das Monster Humwawa tötete. Während der Rückkehr nach Uruk nahmen die Götter Rache für den Tod von Humwawa, und ließen Enkidu an einer Krankheit sterben. Tief betroffen vom Verlust seines Freundes und voller Furcht vor seinem eigenen Schicksal als sterbliches Wesen, ging Gilgamesch auf eine neue Reise zu dem weit entfernten Land, wo Utnapischtim (im assyrischen Text; Ziusudra im sumerischen text) lebte, der Mann, der die Sintflut überlebt hatte und dem von den Göttern Unsterblichkeit gewährt worden war.

Dort bekam Gilgamesch, dessen Ersuchen nach Unsterblichkeit zurückgewiesen wurde, die Geschichte der Sintflut erzählt. Man beachte, dass bei Spedicato 159 Argumente dafür genannt werden, dass der Ort des Humwawa mit dem Hochland von Baltistan gleichgesetzt werden sollte, das im heutigen Pakistan, nahe beim Khunjerab-Pass liegt, und dass Humwawa ein gewaltiger Yeti gewesen sein könnte; Utnapischtims Ort wird [ansonsten] mit der Ani-Machi-Bergkette, im heutigen Chinghai in China identifiziert, einem Massiv, das an drei Seiten vom Gelben Fluss umgeben wird, und traditionell ein heiliger Berg des ortsansässigen Ngolok-Stammes ist.

Die Geschichte ist die folgende (siehe Kramer 68 für eine Übersetzung des unvollständigen sumerischen Texts, oder Sandars 69 für den assyrischen Text, oder Pettinato 119 zu den meisten der erhalten gebliebenen Texte):

  • vor der Sintflut hatten sich die Menschen stark vermehrt und viele Städte wurden gebaut. Die ständigen Aktivitäten des Menschen störten die Götter, die beschlossen, eine Sintflut zu senden
  • Utnapishtim, ein Mann aus der Stadt Shurrupak, wurde von Gott Ea in einem Traum vor der drohenden Katastrophe gewarnt. Er baute ein großes, quadratisches Boot, mit einer Seitenlänge von 120 Ellen, bedeckt mit einem Dach, abgedichtet mit Pech, und nahm dann dort Zuflucht mit seiner Familie und verschiedenen Tieren
  • beim ersten Tageslicht erschien eine schwarze Wolke am Horizont und das Tageslicht verwandelte sich in Dunkelheit. Ein Sturm tobte mit zunehmender Wut. Der Wind blies sechs Tage und Nächte lang (im assyrischen Text; sieben im sumerischen Text) und Sturz-Regen und Flut überwältigten die Welt
  • nach sieben Tagen ließ der Sturm nach; das Boot stieß an den Hängen des Berges Nisir auf Land; die Welt war verwüstet, und Schlamm bedeckte beinahe alles

Im Kritias stellt der Priester von Saïs fest, dass es drei große Fluten vor und mit der Deukalischen Flut gab, von denen die eine, die Atlantis zerstörte, die erste und größte war. 1929 haben die Ausgrabungen von Woolley 70 in Mesopotamien die Existenz einer Sediment-Schicht bewiesen, welche zwei Strata voneinander trennt, die beide archäologische Artefakte aufweisen, und von der sich später herausstellte, dass sie sich vom Persischen Golf über 600 km ins Landesinnere erstreckt; das Alter der Schicht wurde auf 4000 Jahre v. Chr. geschätzt. Nach derzeitiger Meinung ist diejenige Flut für diese Schicht verantwortlich, auf die sich die Utnapischtim-Ziusudra Legenden beziehen, und die Noah-Geschichte ist nur eine andere, möglicherweise spätere Version des selben Geschehnisses.

In unserer Interpretation könnten der biblische und sumerische Bericht das selbe Ereignis beschreiben, das jedoch von zwei verschiedenen Gruppen von Überlebenden, an zwei verschiedenen Punkten auf der Welt, bezeugt wurde.

Nun zu einer grundlegenden Frage. Wer hat die besten Chancen, in dem Gebiet zu überleben, das von den entsetzlichen Konsequenzen eines ozeanischen Apollo-Objekt-Impakts betroffen ist? Mit Sicherheit niemand in den weiträumigen Küstengebieten, die den Tsunami-Wellen ausgesetzt sind. Mit großer Wahrscheinlichkeit niemand im Flachland oder in den Tälern der inneren Kontinental-Gebiete, die von der Sintflut betroffen waren, welche der Verdampfung von tausenden Kubik-Kilometern Wasser folgte. Möglicherweise jemand, der in Höhlen an Hängen oder auf den Gipfeln von Bergen lebte, oder jemand, der in einem Boot, das mit Nahrungsmitteln versehen war (oder zumindest teilweise aus essbarem Material bestand...) auf einem innerkontinentalen See oder auf einem Binnenmeer unterwegs war, wohin die Tsunami-Effekte nicht gelangten.

Abb. 4 Der Berg "Ararat" in der heutigen Türkei aus einem Space Shuttle fotografiert. Hier soll Noah mit seiner Arche gestrandet sein.

Wir vermuten, dass Noah ein Mann war, der möglicherweise vom Handel entlang eines der verschiedenen inneren Seen lebte, die auf dem ostanatolischen Plateau zu finden sind (wie der Van Golu in Türkisch-Armenien, der Ozero Seven in Armenien, der See Urmiah im heutigen iranischen Kurdistan, früher ein Teil Armeniens). Unseren vorausgegangenen klimatologischen Betrachtungen zufolge gab es in Zentralasien, Mesopotamien und dem Mittelmeerraum während der jüngsten Eiszeit ein begünstigtes Klima. Höchstwahrscheinlich entwickelte sich die Zivilisation in diesen Regionen und der natürliche Transit-Weg zwischen ihnen verlief durch das heutige Armenien. Die Existenz von Booten für den Gütertransport auf den armenischen Seen sollte, auf Grund der technologischen Fähigkeit Noahs ein großes (besonders floßähnliches) Boot zu bauen, anzunehmen sein.

Wir vermuten gleichfalls, dass Utnapischtim-Ziusudra ein Mann war, der mit Seehandel irgendwo längs der Ostküste des großen Binnenmeers zu tun hatte, welches während der jüngsten Eiszeit das Schwarze Meer, das Kaspische Meer und den Aral-See verband (oder möglicherweise auch [mit Handel] entlang der Inland-Seen, die bis zur Provinz Xinjang in China reichten). Unsere geographische Unterscheidung wird durch die folgenden wichtigen Unterschiede zwischen den sumerischen und biblischen Texten nahegelegt:

  • die Utnapischtim-Geschichte erzählt, dass eine große schwarze Wolke morgens am Horizont erschien und dass sich das Tageslicht in Dunkelheit verwandelte. Die Erwähnung dieses sicherlich beeindruckenden Phänomens gibt es im biblischen Text nicht. Eine natürliche Erklärung besteht darin, dass die Wolkenfront Armenien während der Nacht überquerte, weshalb der plötzliche Wechsel von Tageslicht zu Dunkelheit nicht auftaucht. Die zusätzliche Zeit, die eine Wolke brauchen würde, um Zentral-Asien zu erreichen, würde wohl ein paar Stunden betragen, wozu ein zeitlicher Rückstand wegen der Längengrad-Differenz addiert werden sollte, wodurch die unterschiedliche Tageszeit, an der die Sintflut ortsbezogen begann, zu erklären ist.
  • in der Geschichte über Utnapischtim dauert die Sintflut nur sechs oder sieben Tage, viel weniger als die vierzig Tage in der Bibel, und darüberhinaus erscheint der Anstieg des Wassers nicht so beeindruckend wie im biblischen Text. Eine Wolkenfront, die Regen vom Atlantik bringt, würde sich auf ihrem Weg nach Osten erschöpfen und somit würde eine geringere Wassermenge Zentral-Asien überspülen als Armenien. Auch bezüglich der maximalen Reichweite der Wolkenfront ist eine absteigende Zeit-Funktion zu erwarten, da die magmatischen Emissionen, die für die Verdampfung verantwortlich sind, mit der Zeit abnehmen würden; dies würde die kürzere Dauer der Sintflut in Zentral-Asien erklären.
Abb. 5 Die heutige Stadt Sanliurfa (Urfa) hat eine Geschichte, die bis in proto-historische Zeiten zurückreicht.

Unsere Vermutung, dass die Utnapishtim-Flut in Mittel-Asien bezeugt wurde, stimmt auch mit einem möglicherweise zentral-asiatischen Ursprung des sumerischen Volkes überein, der schon lange vermutet wurde. Tatsächlich ist die sumerische Sprache nicht semitisch, sondern verwandt mit den Turk-Sprachen Zentral-Asiens (auch mit Ungarisch). Völkerschaften mit anthropozentrischen Merkmalen, ähnlich denjenigen der Sumerer, wurden in Afghanistan und Belutschistan gefunden (Keith, zitiert bei Ceram 71). Verbindungen zwischen der sumerischen und der Harappa-Zivilisation haben sich angedeutet und Heyerdahl 72 hat gezeigt, dass Mesopotamien und das Indus-Tal auf dem Seeweg in Reichweite liegen, wenn man Riet-Boote benutzt. Unsere Vermutung, dass Utnapischtim ein Mann aus Zentral-Asien war, würde einschließen, dass seine Nachkommen, oder einige von ihnen, südwärts wanderten, wobei sie einige Gruppen entlang ihres Weges zurückließen, und schließlich Mesopotamien über das Industal und den Indischen Ozean (oder via Iran) erreichten. Es ist gut möglich, dass die Kenntnis von guten Lebensbedingungen in Mesopotamien vor der Flut unter diesen Wandervölkern überdauert hatte.

Wir können zudem ein paar Spekulationen über die Abkömmlinge Noahs anstellen. Unter den veränderten Bedingungen nach der Sintflut wurden die Nachfahren von Noah vermutlich Schafhirten in den Gebieten Ost-Anatoliens / Nord-Mesopotamiens. Der Fund der größten Sammlung von [Schrift-]Tafeln aus dem dritten Jahrtausend v.Chr. in Ebla hat Aufsehen erregende Informationen erbracht, wie etwa den Gebrauch von Personen-Namen biblischen Typs in Ebla (Abraham, Esauh, David), und die Existenz einer Stadt namens Ur in Nord-Syrien (siehe La Fay 73 für eine Übersicht über die Arbeit von Mattia und Pettinato zu Ebla); man sollte auch Notiz davon nehmen, dass Ammianus Marcellinus sich auf eine Festung namens Ur im nördlichen Syrien bezieht. Die Bibel konstatiert, dass Abraham, ein Mann, dessen Geburtsland Nacor im nördlichen Mesopotamien war, vom Ur der Chaldäer nach Kanaan kam. Lange bevor Ebla entdeckt wurde, lieferte Velikovsky 5 viele Argumente für die These, dass die Chaldäer ein Volk aus Nord-Mesopotamien / Ost-Anatolien waren, das mit den Hethitern zu identifizieren ist. Daher nehmen wir, aufgrund der Ebla-Funde, stark an, dass das biblische Ur der Chaldäer nicht das sumerische Ur war (warum wurde es sonst mit "der Chaldäer" bezeichnet?), sondern eine Stadt im nördlichen Mesopotamien.

Zu Argumenten, dass Abraham nicht semitischer, sondern indoeuropäischer Herkunft war, wie es Armenier und Chaldäer sind, siehe Barbiero 127. Man beachte, dass Abraham in das Land, das ihm vom Pharao gegeben worden war, von der Stadt Haran auszog (heute Harran in der südlichen Türkei), wo er Verwandte zurückließ und wohin Jakob zurückkehrte, um seine zwei Frauen Leah und Rebecca zu nehmen. Etwa 50 km nordwestlich von Haran liegt die alte Stadt Edessa, deren Rolle für das Christentum sehr bedeutsam gewesen ist (nach apokryphen Quellen wechselte ihr König Abgar Briefe mit Jesus; Überlieferungen zufolge war das Versteck in einem Hohlraum seiner Mauern verborgen und wurde dort nach einem Erdbeben wieder-entdeckt). Der Name Edessa wurde ihr von den Makedoniern zum Gedenken an eine alte makedonische Hauptstadt gegeben.

Der heutige Name is Urfa (Abb. 5), und Hurri war ihr Name vor der makedonischen Eroberung. Im zweiten Jahrtausend v. Chr. war sie eine wichtige Stadt, die zu den hurritischen und mitannischen Königreichen gehörte. Örtliche Traditionen pochen darauf, dass Abraham dort weilte (siehe Middleton 132), und heute noch wird eine Höhle gezeigt, wo er, wie man glaubt, geboren wurde (siehe den Türkei-Führer in der Lonely Planet Serie). Zur Lage von Ur in Persien, fünf Tage [-Reisen] von Nisibis, siehe Egeria 140, der Edessa um 380 n. Chr. besuchte.


Fortsetzung:

7. Eine Annahme zum Ursprung der camunischen Zivilisation


Bild-Quellen

(1) académie de Rouen, unter: http://www.ac-rouen.fr/pedagogie/equipes/lettres/romantik/themes/deluge.jpg

(2) BBC News, unter: http://news.bbc.co.uk/media/images/38218000/jpg/_38218301_assyrian300bbc.jpg

(3) Samantha from Indonesia, bei Wikimedia Commons, unter: File:Gilgamesh.jpg

(4) The Genesis Files

(5) Martin Ebbing, mebb.de, unter: Alt wie der allgegenwärtige Staub