Libyen

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Definition

Abb. 1 Vertreter der vier bedeutendsten Ethnien des ur- und frühgeschichtlichen Nordafrika (v.l.n.r.): Syrier, Nubier, Libyer und Ägypter

(bb) Wenn in antiken Texten, z.B. bei Herodot oder in Platons Atlantida von Libyen oder den Libyern die Rede ist, dann sind damit natürlich nicht das Staatsgebiet der heutigen Sozialistischen Libysch-Arabischen Volksrepublik und seine - im modernen Sinn - arabischen Bewohner gemeint.

So heißt es etwa bei Klaus Zimmermann dazu, dass die Bedeutung dieser Begriffe "offenkundig im Sprachgebrauch antiker Quellen zu suchen" ist. "Dieser allerdings erweist sich bei näherem Hinsehen ebenfalls als höchst uneinheitlich. Sowohl das Toponym als auch das Ethnikon können zu verschiedenen Zeiten in verschiedenem Kontext für unterschiedliche Inhalte stehen. Wenn sich in der modernen Forschung der Begriff >Libyer< für die Gesamtheit der hellhäutigen Bewohner Nordafrikas eingebürgert hat, so entspricht dies etwa seiner Verwendung durch Herodot [IV, 197,2] (neben der das Ethnikon jedoch noch eine Reihe anderer Bedeutungen annehmen konnte). Für den Gbrauch des Toponyms >Libyen< in der althistorischen Forschung fehlt hingegen jede Konvention; häufig dient es ohne weiteren Kommentar der Wiedergabe des griechischen Begriffs in den Quellen; gelegentlich wird in allgemeiner Form auf die Problematik seines Verständnisses hingewiesen." [1]

Abb. 2 Die Überreste des Eingangstors der altägyptischen Festung bei Zawiyet Umm el-Rakham aus der ramessidischen Periode (ca. 1292 v. Chr. bis ca. 1070 v. Chr.). Dieses und andere Bollwerke sollten die den Westgrenze Ägyptens gegen Einfälle der Libyer sichern.

Die ältesten Erwähnungen Libyens und seiner Bewohner finden sich jedenfalls in den Hieroglyphentexten der Alten Ägypter. K. Meyer schreibt : "Im Alten Reich und Mittleren Reich war die Westliche Wüste hinter Ägyptens Grenzen die Heimat der Tjehenu, was meist als >Libyer< übersetzt wird. Von den Ägyptern wurden sie gewöhnlich hellhäutig und bärtig dargestellt, zuweilen auch mit blondem Haar und blauen Augen. Sie waren offenbar halbnomadische Hirten, die gelegentlich schon in der frühen ägyptischen Kunst auftauchen; allerdings ist es schwer, sie eindeutig von den Bewohnern des ägyptischen West-Deltas zu unterscheiden. Es gilt jedoch als wahrscheinlich, dass es sich bei dem besiegten Feind auf der spät-prädyn. Schlachtfeldpalette (um 3100 v. Chr.) um Libyen handelte.

König Djer (um 3000 v. Chr., 1. Dynastie) soll eine Expedition gegen die Lybier entsandt hahen, weitere Feldzüge sind aus der Zeit der Könige Snofru (2613-2589 v. Chr., 4.Dynastie) und Sahura (2487-2475 v. Chr., 5. Dynastie) belegt. lm Totentempel des Sahura gab es Reliefs, auf denen der ägyptische König einen libyschen Häuptling tötet, eine Szene, die im Totentempel von Pepi II. (2278-2181 v. Chr., 6. Dynastie) kopiert worden ist und auch in späteren Zeiten noch verbreitet war." [2]

In der späten Bronzezeit, im fünften Regierungsjahr des Pharao Merenptah (vermutl. 1227 v.d.Z.), scheinen die Libyer eine umfassende Offensive gegen die Ägypter begonnen zu haben. "Der Grund für diesen Vorstoß der Libyer gegen Ägypten wird uns", wie es bei Jürgen Spanuth heißt, ebenfalls in den Hieroglyphentexten "genannt: >Libyen ist zur Wüste geworden und ohne Frucht. Die Libyer kommen nach Ägypten, um ihres Leibes Nahrung zu suchen (Karnakinschnift, Z. 22. W. Hölscher 1937, 61ff.)." [3] Auch in den späteren 'Seevölkerkriegen', waren die Libyer - ebenso erfolglos wie bei diesem ersten Invasionsversuch - Alliierte diverser Koalitionen, die das Nil-Imperium zu überrennen versuchten. [4]

Jahrhunderte später benannten dann die Griechen, die auch in Nordafrika Kolonien gründeten, wie es bei Wikipedia heißt, "das Land beiderseits der Großen Syrte" nach den Libyern. "Vom 7. Jahrhundert v. Chr. an gründeten sie an der Küste Kolonien, darunter die Stadt Kyrene. Dieser Teil des Landes, die Kyrenaika, stand in den folgenden Jahrhunderten unter der Herrschaft Ägyptens. In dem sich westlich daran anschließenden Gebiet hatten die Phönizier etwa um 700 v. Chr. die drei Städte Sabratha, Oea und Leptis Magna gegründet - der Name Tripolitanien (Drei-Städte-Land) hat hier seinen Ursprung. Nach der Zerstörung Karthagos 146 v. Chr., das das Gebiet in Besitz gehabt hatte, geriet Tripolitanien unter römische Herrschaft, 96 v. Chr. wurde auch die Kyrenaika Teil des Römischen Reiches." [5]


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Quelle: Klaus Zimmermann, Libyen: das Land südlich des Mittelmeers im Weltbild der Griechen (VESTIGIA - BEITRÄGE ZUR ALTEN GESCHICHTE - BAND 51), C.H.Beck, 1999, S. 1-2
  2. K. Meyer, SPHINX-SUCHE, unter: Libyer (Tjehenu, Tjemehu, Meschwesch, Libu)
  3. Quelle: Jürgen Spanuth, "Die Atlanter - Volk aus dem Bernsteinland", Tübingen, 6. Aufl. 1998, S. 312
  4. Vergl. dazu: Dr. Horst Friedrich, "Das derzeitige Seevölker-Paradigma", Atlantisforschung.de
  5. Quelle: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, Stichwort: Libyen

Bild-Quellen:

1) CedricBLN bei Wikimedia Commons, unter: File:Seti1a.jpg
2) Einsamer Schütze bei Wikimedia Commons, unter: File:Zawiyet Umm el-Rakham 06.JPG