Hy-Brasil (Brasilinsel)

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von Tony O’Connell

Abb. 1 Die Brasiliinsel auf der 1572 veröffentlichten Europa-Karte von Abraham Ortelius

Hi-Brasil oder Hy-Brasil [deutschsprachig auch: "Brasilinsel"; d.Ü.] wird manchmal als 'irisches Atlantis' bezeichnet, und ist ein Name, der einer legendären Insel im Westen Irlands gegeben wurde. Es wird häufig als 'Insel der Seligen' bezeichnet, die offensichtliche Nachklänge auf die Hesperiden aufweist. Eine andere irische Bezeichnung ist Tir fo-Thuin oder 'Land under the Wellen'. Eine weitere Erklärung für die Herkunft des Namens ist, dass er von einem alten Begriff "Brasil" abgeleitet ist, der sich auf die Quelle eines seltenen Farbstoffs bezieht, der an den teuren lila Farbstoff erinnert, welcher aus der von den Phöniziern gehandelten Purpurschnecke gewonnen wurde.

Eine Theorie besagt, dass in der trüben und fernen Vergangenheit ein Teil der heutigen Porcupine Bank westlich von Irland freigelegt wurde, als der Meeresspiegel infolge der letzten Eiszeit niedriger war. Als das Merkmal von den steigenden Meeren überflutet wurde, wurde es wahrscheinlich durch die Meeresströmungen weiter erodiert. Die Behauptung ist, dass eine Erinnerung an das exponierte Land in der Volkserinnerung der Bewohner der Westküste Irlands verweilte.

Der genuesische Kartograph Angelino de Dalorto (bl. 1339) platzierte Hy-Brasil bereits 1325 westlich von Irland auf einer Karte. Auf einigen Karten aus dem 15. Jahrhundert erscheinen die Inseln der Azoren jedoch als Isola de Brazil oder Insulla de Brasil. Anscheinend wurde Hy-Brasil erst 1865 endgültig von den offiziellen Seekarten gestrichen. Auf mittelalterlichen Karten wurde auch eine andere mysteriöse Insel südlich von Brasil gefunden, die manchmal als Mayda, Asmaidas (Abb. 2) oder Brazir [1] auftrat.

Abb. 2 Hy-Brasil und Asmaydas als zwei unterschiedliche Inseln auf der Karte von Willem Blaeus aus dem Jahr 1649

Phantominseln finden sich seit Hunderten von Jahren auf Karten abgebildet, einige auch erst im 20. Jahrhundert [2].

Einer der bekanntesten [angeblichen!; d.Ü.] Besuche auf Hy-Brasil war 1674 von Kapitän John Nisbet aus Killybegs, County Donegal, Irland. Er und seine Crew befanden sich in vertrauten Gewässern westlich von Irland, als Nebel aufkam. Als sich der Nebel wieder hob, befand sich das Schiff gefährlich nahe an Felsen. Während die Mannschaft sich orientierte, ankerte das Schiff in drei Faden tiefem Wasser, und vier Besatzungsmitglieder ruderten an Land, um Hy-Brasil zu besuchen. Sie verbrachten einen Tag auf der Insel und kehrten mit Silber und Gold zurück, das ihnen ein alter Mann gegeben hatte, der dort lebte. Nach der Rückkehr der Besatzung nach Irland brach ein zweites Schiff unter dem Kommando von Alexander Johnson auf. Auch er fand die gastfreundliche Insel Hy-Brasil und kehrte nach Irland zurück, um die Geschichten von Kapitän Nisbet und desen Besatzung zu bestätigen.

Die letzte gemeldete Sichtung von Hy-Brasil erfolgte 1872, als der Autor T. J. Westropp und mehrere Gefährten die Insel erscheinen und dann verschwinden sahen. Dies war Westropps dritte Sichtung von Hy-Brasil, aber auf dieser Reise hatte er seine Mutter und einige Freunde mitgebracht, um die Existenz der Insel zu überprüfen.

Auch der irische Historiker W.G.Wood-Martin schrieb vor über hundert Jahren [3] über Hi-Brazil.

Donald S. Johnson hat in Kapitel 6 seines Buches "Fata Morgana der Meere. Die verschwundenen Inseln des Atlantiks" [4] einen illustrierten und ausführlicheren Bericht über die „Geschichte“ von Hi-Brazil verfasst.

Eine moderne Wendung der Geschichte entstand im Zusammenhang mit dem Rendlesham-Forest-UFO-Zwischenfall von 1980, als Koordinaten, die einem der [vermuteten] Standorte in Hy-Brasil entsprechen, angeblich an einen Feldwebel namens Jim Penniston übermittelt wurden, der dies dreißig Jahre lang geheim gehalten haben soll!

Im Jahr 2010 wurde in der Ausgabe vom 11. September-der Londoner Daily Mail (und ihrer Schwesterzeitung, der Irish Daily Mail) ein Artikel mit der abenteuerlichen Überschrift „The Atlantis of Connemara“ veröffentlicht, der Berichte von Zeugen rätselhafter Visionen an der Westküste von Galway aus dem 20. Jahrhundert enthält. Eingeschlossen ist eine kurze Auflistung aufgezeichneter Sichtungen seit 1460.

2013 veröffentlichte Barbara Freitag eine wertvolle eingehende Studie [5] über Hy-Brasil, die sich mit Kartographie, Geschichte und Mythologie befasst.


Anmerkungen und Quellen

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Dieser Beitrag von Tony O’Connell wurde seiner atlantologischen Online-Enzyklopädie Atlantipedia.ie entnommen, wo er am 08. Juni 2012 unter dem Titel "Hi-Brasil or Hy-Brasil" erschienen ist. Übersetzung ins Deutsche und redaktionelle Bearbeitung durch Atlantisforschung.de.

Fußnoten:

  1. Siehe: Wikipedia - The Free Encyclopedia, unter: "Mayda" (abgerufen: 16. Dezember 2020)
  2. Siehe z.B.: en.protothema.gr, unter: "List of various phantom islands recorded throughout history"
  3. Siehe: W.G.Wood-Martin, "Traces of the elder faiths of Ireland; a folklore sketch; a handbook of Irish pre-Christian traditions - Vol I", London 1902, S. 212
  4. Siehe: Donald S. Johnson, "Fata Morgana der Meere. Die verschwundenen Inseln des Atlantiks", München und Zürich (Diana Verlag), 1999; Originalausgaben: "Phantom Islands of the Atlantic", Fredericton, N.B., Kanada, 1994; sowie: "Phantom Islands of the Atlantic", London, (Souvenir Press), 1997
  5. Siehe: Barbara Freitag, "Hy Brasil: The Metamorphosis of an Island", Amsterdam (Rodopi), 2013

Bild-Quellen:

1) AFBorchert (Uploader und Bearbeiter) bei Wikimedia Commons, unter: File:Ortelius 1572 Ireland Map.jpg
2) Rotesdiadem (Uploader) bei Wikimedia Commons, unter: File:Mayda (Americae nova Tabula - Map of North and South America).jpg