Kartographie

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von Tony O’Connell

Abb. 1 Die berühmte 'Atlantis-Karte' des Athanasius Kircher aus dem Jahr 1665

Kartographie wird von der Internationalen Kartographischen Vereinigung als "Die Disziplin" definiert, "die sich mit der Konzeption, Produktion, Verbreitung und dem Studium von Karten befasst." Die ältesten Karten [1] könnten bis nach Babylonien um 1400 v. Chr. zurückverfolgt werden. Im Jahr 2017 offerierte Evangelos Livieratos, emeritierter Professor der Kartographischen Fakultät der Aristotle University of Thessaloniki, Evidenzen dafür, dass die Alten Griechen die ersten waren, die ein urtümliches 'GPS'-System entwickelten, wobei sie die Sterne und ihren Bezug zur Erdoberfläche nutzten. [2]

Die Atlantis-Arena betrat das Thema im Jahr 1665, durch die Veröffentlichung einer spekulativen Karte [3] (Abb. 1) von Athanasius Kircher. Angeblich basierte sie auf älteren ägyptischen Karten, doch unglücklicherweise gibt es kein bestätigendes Beweismaterial, um diese Behauptung zu stützen. KIrchers Karte fand Verwendung, um eine Vielzahl von Lokalisierungs-Theorien auszupolstern: Die Azoren, Russland, die Baffin Bay und Grönland. Kircher selber favorisierte die Azoren.

Abb. 2 Ausschnitt einer Karte Europas von Abraham Ortelius aus dem Jahr 1571. Die Brasilinsel (Hy-Brasil) ist darauf im Westen Irlands eingezeichnet.

Über Hy-Brasil (Abb. 2) hieß es, es sei eine Insel im Westen Islands gewesen, und es wurde des Öfteren mit Atlantis in Verbindung gebracht. Der Genueser Kartograph Angelino de Dalorto (bl. 1339) platzierte Hy-Brasil bereits 1325 auf einer Karte. Allerdings erscheinen auf einigen Karten aus dem 15. Jahrhundert die Azoren-Inseln als Isola de Brazil oder Insulla de Brazil Augenscheinlich wurde Hy-Brasil jedenfalls erst im 19. Jahrhundert aus den offiziellen Seekarten entfernt.

Ein Merkmal auf alten Karten, das Verwirrung hervorrufen kann, ist die Platzierung des Südens auf ihrer Oberseite, wofür Kirchers Atlantis-Karte und Al-Idrisis Tabula Rogeriana Beispiele sind. Auf der Webseite der BBC gibt es einen interessanten Artikel Von Caroline Williams [4], welcher sich mit der Geschichte der Karten-Orientierung befasst.

Die Unverlässlichkeit alter Karten zeigt sich deutlich anhand der Art und Weise, wie Kalifornien abgebildet wurde. (Abb. 3) Im 16. Jahrhundert zeigen die beiden Karten von Mercator und Ortelius die Baja California korrekt als Halbinsel, doch in den folgenden 17. und 18. Jahrhunderten wurde aus ihr auf vielen Karten trotz schriftlich vorhandener Belege für das Gegenteil eine Insel. Es gibt eine dem Studium der 'Insel Kalifornien' gewidmete Webseite [5], die unpassenderweise mit einem kurzen Verweis auf Atlantis endet, und es in den Atlantik, in das Gebiet von Bermuda platziert.

Abb. 3 Eine in der Mitte des 17. Jahrhunderts entstandene Karte von Johannes Vingboons (1616/1617 – 1670), welcher die Baja California fälschlicherweise als Insel darstellte.

Donald S. Johnson bespricht in seinem gut illustrierten Buch Phantom Islands of the Atlantic [6] detailliert die Geschichte sieben legendärer Inseln. Dieses faszinierende Buch liefert jeglichen Grund dafür, die Details früher Kartographie mit äußerster Vorsicht zu behandeln. Weitere Schwierigkeiten im Zusammenhang mit alter Kartographie beruhen darauf, dass die frühen Kartenmacher leere Räume scheuten, eine Ansicht, die in einem unlängst (November 2017) online bei National Geogaphic erschienenen Artikel [7] erläutert wird.

Die in Bezug auf Atlantis und hoch entwickelte uralte Zivilisationen am häufigsten erwähnte Karte ist die des Piri Reis (Abb. 4) [8] Diese bildet offenbar ein eisfreies Antarktika ab und wurde dazu genutzt, die Idee zu entwickeln, dass Atlantis dort gelegen habe und zerstört worden sei, als eine plötzliche Polverschiebung eine Verlagerung der südlichen Eiskappe auf ihre jetzige Position bewirkte. Rose und Rand Flem-Ath sind die führenden Befürworter dieser Vorstellung, die auf den Entdeckungen von Charles Hapgood beruht [9]. Auch von anderen Karten, wie jener, die Philippe Buache, ein angesehener französischer Geograph, 1737 veröffentlichte, wird behauptet, dass sie eine eisfreie Antarktis zeigen.

Dale Drinnon präsentiert einen interessanten, wenn auch spekulativen Artikel über alte Karten und ihre mögliche Berdeutung für die Atlantiserzählung [10]. Ein anderer Artikel im Magazin Atlantis Rising vom Juli/August 2014 argumentiert, dass die Qualität mittelalterlicher Navigations-Karten (Portolane) des Mittelmeer-Raums die Kapazitäten der Instrumente und die Kenntnisse in der Region jener Zeit überstieg, und dass sie irgendwo anders ihre Ursprünge gehabt haben müssen. [11] Allerdings war Roel Nicolai von der niederländischen Universität Utrecht, der diese Ansichten zum Ausdruck gebracht hat, nicht willens, Atlantis als Quelle der Karten zu nominieren. [...]

Im Jahr 2015 nutzte Melissa Brooks die Daten der Chronologie der Lokalisierungs-Theorien in der Atlantipedia, um eine Karte zu entwickeln, welche die geographische Verteilung und den Grad an Unterstützung der verschiedenen angebotenen Theorien aufzeigt. [12]



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Anmerkungen und Quellen

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Dieser Beitrag von Tony O’Connell (©) wurde von ihm erstmals online veröffentlicht am 27. Oktober 2011 unter dem Original-Titel "Cartography" bei Atlantipedia.ie. Bei Atlantisforschung.de erscheint er am 29. November 2018 in eigener Übersetzung ins Deutsche und mit redaktioneller Bearbeitung.


Fußnoten:

Abb. 4 Die wohl umstrittenste Karte der Welt: Die osmanische Seekarte des Piri Reis aus dem Jahr 1513
  1. Red. Anmerkung: Tony O’Connells Aussage zu den ältesten Karten gibt unhinterfragt die diesbezügliche Ansicht des schulwissenschaftlichen Mainstreams wieder. Tatsächlich wurden einfache Karten zur räumlichen Orientierung bereits im Jungpaläolithikum erstellt, die ältesten vermutlich in Australien. Siehe dazu: Bernhard Beier, "Kartographiegeschichte und alternative Prähistorik", Abschnitt: "Wie alt ist die Kartographie wirklich?". Zu weiteren Beispielen aus dem Oberen Paläolithikum, dem Neolithikum und der Bronzezeit siehe unseren Beitrag: "Paläokartographie" (red)
  2. Siehe: o.A., "Cartography expert: Ancient Greeks in Ionia first used GPS method to navigate", 08.02.2017, bei tornosnews.gr (abgerufen: 29. November 2018)
  3. Siehe dazu z.B.: LoneStar77, "ATLANTIS DISCOVERED", 10. Februar 2009, bei Naked Scientists Forum (abgerufen: 29. November 2018)
  4. Siehe: Caroline Williams, "Maps have 'north' at the top, but it could have been different", 15. Juni 2016, bei BBC future (abgerufen: 29. November 2018)
  5. Siehe: Donald Mark Kennedy, "CALIFORNIA AS AN ISLAND" (abgerufen: 29. November 2018)
  6. Siehe: Donald S. Johnson, https://books.google.de/books?id=E7UQAQAAIAAJ&dq=editions:W6A4qIc-2FAC&hl=de Phantom Islands of the Atlantic - The Legends of Seven Lands That Never Were], Goose Lane, 1994 (diverse Neuauflagen)
  7. Siehe: Greg Miller, "Why Ancient Mapmakers Were Terrified of Blank Spaces - Inventing cities, mountains, and monsters to fill the empty spaces on maps is a centuries-old tradition in cartography", 20. November 2017, bei nationalgeographic.com (abgerufen: 29. November 2018)
  8. Red. Anmerkung: Grundsätzliches dazu in unserem Artikel "Was die Piri Reis Karte berichtet" von Ferdinand Speidel
  9. Siehe: Peter Marsh, "Prof. Hapgood und die Karten der alten Seekönige"
  10. Siehe: Dale Drinnon, "Maps of the Ancient Sea Kings - Stone Atlas of the Atlas" (Originalartikel offline; archiviert bei Atlantipedia.ie, unter: Archive 3591 (abgerufen: 29. November 2018)
  11. Siehe: Martin Ruggles, "Maps from Before History - It Took ‘Impossible’ Knowledge to Create Mysterious Medieval Maps", in Atlantis Rising Nr. 106, Juli/August 2014
  12. Siehe: Melissa Brooks, "Locating Atlantis", bei guerrillacartography.org (abgerufen: 29. November 2018)

Bild-Quellen:

1) Athanasius Kircher, "Mundus Subterraneus, in XII libros digestus; quo divinum subterrestris mundi opificium, mira ergasteriorum naturæ in eo distributio, verbo pantámorphou Protei regnum, universæ denique naturæ majestas", 1665 / Bild-Archiv Atlantisforschung.de
2) Lewenstein (Uploader) bei Wikimedia Commons, unter: File:Ortelius 1572 Ireland Map 2.jpg
3) Durova (Uploader) bei Wikimedia Commons, unter: File:California island Vinckeboons5.jpg
4 CristianChirita et al. bei Wikimedia Commons, unter: File:Piri reis world map 01.jpg