Plädoyers für rezente Umwälzungen

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Geologische und ozeanographische Grundlagen für die Pazifika-Hypothese?, Teil IV

Abb. 1 Bei der Eruption des hawaiianischen Vulkans Pu`u `O`o im September 1984 schoss eine 450 m hohe Lavafontäne in den Himmel. Ein beredtes Zeugnis der gewaltigen Natur-Kräfte, die hier nach wie vor wirksam sind. (Foto: C. Heliker, am 19. September 1984)

(bb) Oder sollten sich die jüngsten der vermuteten, schubweisen Absenkungen von Teilen des Pazifikbodens erst vor vergleichsweise kurzer Zeit ereignet haben? Erinnern wir uns nur an die mysteriösen "Guyots", jene erodierten Seeberge mit den flachen, auf Meeresniveau erodierten, Kuppen, die sich heute z. T. in der Tiefsee befinden. Der sowjetische Geologe M. A. Menzbir hatte jedenfalls schon 1923 geschrieben: "Objektive wissenschaftliche Daten verraten uns, dass der Pazifische Ozean nicht so alt ist, wie man denken mag. Sein tropischer Bereich nahm seine [heutige] Form nachweislich nicht früher als während des Miozäns an. Doch auch später, viel später sogar, als der Mensch nicht nur bereits erschienen war, sondern nachdem er bereits ein gewisses kulturelles Niveau erreicht hatte, wuchsen noch zahlreiche Inseln, große und kleine, von seinem Grunde empor." [1]

Sein Kollege und Landsmann D. G. Panov äußerte sich 1961 in gleichem Sinne sowohl über den pazifischen als auch über den atlantischen Großraum: "Mit Pausen und Unterbrechungen setzte sich dort die Zerstörung und das Versinken von Überresten von Landmassen während der gesamten quartären Periode fort, wo heute unterseeische Berg-Ketten und Erhebungen sind. Atlantis sank unter die Wellen dieses Ozeans, Lemuria verschwand im Indischen Ozean, und das Landgebiet von Polynesien und Melanesien sank tief in den Pazifischen Ozean hinab." [2]

Auch Zhirov betonte 1970 bei seiner Diskussion des Lemuria-Problems das erdgeschichtlich geringe Alter der gegenwärtigen pazifischen Topographie: "Die Randmeere des Pazifik bildeten sich erst in geologisch sehr rezenter Vergangenheit." [3] Darüber hinaus hielt er auch sehr späte Landabsenkungen im zentral-pazifischen Raum für wahrscheinlich, und auch er richtete in diesem Zusammenhang sein Augenmerk auf geologische Anomalien im Gebiet des Hawaiianischen Rückens. Dazu schrieb er: "Doch im Zentral-Pazifik gibt es eine Region, die sich essentiell von dem sie umgebenden Gebiet unterscheidet. Dies ist der submarine hawaiianische Rücken, der nach Norden hin bis zu den Komandorsiye-Inseln verläuft. Er ist ein kolossales Gebirgs-System, eine breit gewölbte Erhebung (im Querschnitt bis zu 1100 km), die bis zu zu einer Höhe von fast 1000 Metern aufragt, und an der entlang Bergketten verlaufen. Die Gipfel dieser Berge durchbrechen in Form der Inseln von Hawaii die Meeresoberfläche. Die Hawaii-Inseln sind der einzige Ort im Zentral-Pazifik, wo es aktive Vulkane gibt [...]

R. S. Dietz und [der oben bereits erwähnte; bb] H. W. Menard haben über die Entdeckung unterseeischer Terrassen an der Basis der Inseln berichtet [4] und erwogen, dass diese einst ein Schelf gewesen seien. Die Terrassen wurden in einer Tiefe von 250 bis 270 Metern entdeckt; die versunkene Küstenlinie liegt 550 Meter unterhalb des gegenwärtigen Meeresspiegels. An einigen Stellen wurden Evidenzen für das versunkene Schelf sogar in bis zu 700 Metern gefunden. Auf der Basis von Vergleichen insularer und kontinentaler Lava vermutet R. Furon, dass die Hawaii-Inseln einst Teil eines Pazifik-Kontinents waren [5]. Wir meinen, dass der unterseeische Hawaii-Rücken in nicht allzuferner Vergangenheit noch ein Landgebiet war - Hawaiis; womöglich wurde der Mensch noch Zeuge des Untergangs seiner Überreste." [6]

Umfang und Ursachen der anzunehmenden, rezenten sowie radikalen Veränderungen pazifischer Topographie sind nach wie vor unklar und aus Sicht der meisten Berufs-Wissenschafter - die heute mehrheitlich anderslautenden Lahrmeinungen folgen - ein unerwünschtes Diskussions-Thema. Es sollte jedoch noch einmal hervorgehoben werden, dass auch bei einer aktualistischen Sichtweise, die lediglich Überschwemmungen tiefliegender Gebiete durch die mit dem Ende der jüngsten Eiszeit ansteigenden Ozeane und noch langsamere Absenkungen von Land über Äonen hinweg akzeptiert, zugestanden werden muss: in den jüngsten 12 000 Jahren sind nicht nur im Indischen Ozean, sondern auch in den Weiten des Pazifik enorme Landstrecken versunken.

Darüber hinaus scheinen auch noch in der 'geologischen Gegenwart' (zu historischen Zeiten) im Pazifik regionale Phänomene zu existieren, die das plötzliche Verschwinden von Inseln oder Inselgruppen bewirken können. Ähnlich wie im Mittel-Atlantik [7] verschwanden auch im Pazifischen Ozean selbst noch in jüngster Zeit einzelne kleinere Landgebiete bzw. Inseln, wie etwa die mysteriösen 'Davis Inseln', über die es bei N. Zhirov heißt: "Letztere Inseln wurden gegen Ende des 17. Jahrhunderts im Gebiet der Osterinseln entdeckt (27° S - 105° W), doch der folgenden Expedition gelang es nicht, sie wiederzufinden." [8]

Fortsetzung:

Seeland, Melanesis und Tasmanis - Mikrokontinente des Südwest-Pazifik (bb)


Anmerkungen und Quellen

  1. Siehe: M. A. Menzbir, "Taina Verligoko okeana" ("Riddle of the Pacific Ocean"), Moskau, 1923
  2. Siehe: D. G. Panov, "Proiskhozhdenye materikov i okeanov" ("Origin of Continents and Oceans") Moskau, 1961, S. 174
  3. Quelle: N. Zhirov, Atlantis: Atlantology: Basic Problems, Moskau 1970, S. 147
  4. Siehe: R. S. Dietz und H. W. Menard, "Hawaiian Swell, Deep and Arch. The Subsidence of the Hawaiian Islands", in: Bulletin of the Geological Society of America, Nr. 62, 1951, S. 1431
  5. Siehe: D. G. Panov, "Proiskhozhdenye materikov i okeanov" ("Origin of Continents and Oceans") Moskau, 1961, S. 54 u. 101
  6. Quelle: N. Zhirov, op. cit., S. 153
  7. Vergl. dazu etwa: Atlantis - Argumente, Indizien und Evidenzen für die Plausibilität einer versunkenen Großinsel auf dem Mittelatlantischen Rücken von Frank Joseph
  8. Quelle: N. Zhirov, op. cit., S. 147


Bild-Quelle

(1) http://www.geogr.uni-goettingen.de/kus/apsa/pn/pn08/vulkanismus.html