Pyramiden in Nordamerika

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Abb. 1 Der so genannte 'Monk's Mound' in Cahokia. Seine ursprünglich rechtwinklig-pyramidalen Form ist heute kaum noch zu erkennen.

(rmh) Semir 'Sam' Osmanagić führt in seinem Buch Die Pyramiden von Bosnien auf der ganzen Welt" (Hanau 2014) zahlreiche Pyramidenfunde in der ganzen Welt auf und gibt an, dass sich 200 davon auf dem Boden der Vereinigten Staaten befinden. [1] Die höchste Pyramide der USA sei höher als die Große Pyramide von Gizeh, und die Anzahl der Tumuli (Hügelgräber) in den USA überzeige die Anzahl aller Tumuli in ganzen Westeuropa zusammengenommen.

Im südwestlichen Teil des amerikanischen Bundesstaates Illinois befindet sich der Nationalpark „Cahokia“, der nach einem kleinen Indianerstamm benannt wurde, der dort im 17. Jahrhundert siedelte. Auf einer Fläche von 15 Quadratkilometern sind zahlreiche mit Erde und Gras bedeckte Hügel zu sehen, die Osmanagić zufolge eindeutig pyramidale Strukturen aufweisen.

Die höchste der Pyramidenstrukturen nennt man „Monk’s Mound“ (Mönchshügel). Osmanagić weist darauf hin, dass alle Pyramiden im Cahokia-Park und an anderen Orten der USA fälschlicherweise als „Mound“ bezeichnet werden und besteht darauf, dass es sich bei ihnen um „geplante und stabile Bauwerke aus Lehm, Schotter, Sand und Felsplatten“ handelt. Sie seien mit quadratischen Soden aus roter Erde und umgedrehten Gras bedeckt. Osmanagić weist darauf hin, dass diese mehrlagige Bauweise Stabilität und Langlebigkeit schaffe.

Abb. 2 Eine künstlerische Rekonstruktion des 'Monk´s Mound' aus: SMITHSONIAN INSTITUTION; BUREAU OF AMERICAN ETHNOLOGY BULLETIN 30, 1907

Semir Osmanagić schreibt: „Im Gegensatz zu den vereinzelten Tumuli, die in mehreren Staaten entlang des Mississippi zu finden sind, umfasst der Cahokia-Komplex drei Gebiete mit insgesamt 200 Bauwerken. Darunter gibt es einige dutzend Pyramiden. Die Ausrichtung der vierseitigen Strukturen ist unendlich: Sie orientieren sich an den Himmelrichtungen (Ost-West, Nord-Süd. Die Position des zentral gelegenen Monk‘s Mound weicht nur minimal ab: Anders als die übrigen Pyramiden, die nach dem kosmischen Norden und dem Nordstern ausgerichtet sind, orientiert er sich am magnetischen Norden. Also finden wir auch hier drei typische Eigenschaften der Pyramide: Geometrie, Ausrichtung und Baumaterial.“

Semir Osmanagić betont, dass die Erbauer dieser Anlage sehr fortschrittlich gewesen sein müssen. Sie hätten einige Duzend Quadratkilometer Boden eingeebnet, genau wie es die Erbauer der Gizeh-Pyramiden in Ägypten und der Pyramide in der mexikanischen Stadt Monte Albán der Fall sei.

Nach traditioneller Lesart geschah dies in einem relativ kurzem Zeitraum: Zwischen 950 und 1100 n. Chr. Osmanagić weist jedoch darauf hin, dass man allein für die Errichtung des im Zentrum gelegenen Objekt, nämlich des Monk’s Mound, umgerechnet 230.000 Lastwagen Baumaterial verwendet worden sei. Er sagt: „Für den Bau hunderter kleiner Objekte war eine beinahe unvorstellbare Menge an Material erforderlich."

Abb.3 Über die Städtebauer-Kultur von Cahokia ist kaum etwas bekannt. Archäologen gehen jedenfalls davon aus, dass sie ihren Göttern Menschenopfer darbrachte (Bild).

Weiter heißt es bei Semir Osmanagić: „Auf der Grundlage dieser Daten gelangten die Archäologen einstimmig zu dem Schluss, dass hier eine fortschrittliche Stadt mit hoher Bevölkerungszahl florierte. Die Bevölkerung wird auf mindestens 50.000 Menschen geschätzt, was diese ‚Stadt der Sonne‘, wie sie auch genannt wird, zur größten Stadt der Welt vor 1.000 Jahren machte.“ Und weiter: „Gelegentliche Ausgrabungen am Monk’s Mound haben gezeigt, dass die Struktur ursprünglich als echte Pyramide mit einem abschließenden Plateau gedacht war. Die Stufen wurden später hinzugefügt. Die heutige Oberfläche der Pyramide beläuft sich auf 60.000 Quadratmeter; das ist immerhin 10 % mehr als bei der Großen Pyramide in Gizeh.

Zudem weist Osmanagić darauf hin, dass mithilfe geologischer Kernbohrungen an einigen Stellen unter der Pyramide Wasservorkommen nachgewiesen werden konnten. Zudem habe man bei einer Probebohrung an der Westseite auf Kalksteinblöcke innerhalb der Struktur entdeckt. Laut geophysikalischen Berechnungen seien die Neigungen der Pyramiden auf beiden Seiten ursprünglich gleich gewesen: Sie hätten zwischen 45 und 53 Grad gelegen.

Abb. 4 Die zeichnerische Darstellung eines 'Woodhenge' in Cahokia. Diese Anlagen lassen auf entwickelte astronomische Kenntnisse ihrer Erbauer schließen.

Während eines Gesprächs zwischen ihm, dem Manger des Nationalparks und dem Hauptarchäologen Dr. Mark Esareyhabe Osmanagić erfahren, dass eine Gruppe Indianer, die immer wieder zu Besuch kommt, diese Gegend als Heiligen Boden betrachtet. Osmanagić schreibt weiter, dass die Positionierung der Pyramiden und Tumuli zueinander sich mit der Anordnung der Sternensysteme, von denen in den mündlichen Überlieferungen die Rede ist, deckt.

Wie bei den ägyptischen Pyramiden ist Osmanagić zufolge auch bei den Cahokia-Pyramiden die Zahl „Pi“ in die Konstruktion integriert. In der Nähe befänden sich Reste von Holzkreisen, die astronomischen Ereignissen wie die der Sonnenwende und der Tagundnachtgleiche folgten. Nach ihrem englischen Vorbild „Stonehenge“ wird diese Anlage als „Woodhenge“ (Abb. 4) bezeichnet.

Im Park befindet sich ein sehr gut ausgestattetes Museum, das randvoll mit Informationen über Indianer und künstlerische Visionen über das Leben der damaligen Menschen, die dort lebten, gefüllt ist. Diese Indianer werden von den Archäologen „Mississippi-Indianer“ genannt.

Osmanagić resümiert: „Doch im Grunde sind alle Namen, die dem Komplex oder den Menschen, die damit in Verbindung standen, je gegeben wurde, historisch unkorrekt. Ob Cahokia-Monumente, ‚Stadt der Sonne‘, oder Mississippi-Indianer – in Wahrheit kennen wir bis heute den Namen der Bevölkerung nicht, die diesen einzigartigen bautechnischen Komplex geschaffen hat. Es gibt keine schriftlichen Dokumente über sie. Wir kennen die Quellen ihres fortschriftlichen Wissens über Astronomie, Mathematik, Geometrie und die Ingenieurswissenschaften nicht. Wir wissen nicht, wie sie ihre Stadt nannten. Wir kennen weder den Zweck ihrer Pyramiden noch ihrer genaue Orientierung, Es ist unklar, woher sie ihr Wissen über die Bauweise solch komplexer Anlagen bezogen.

Eines ist allerdings sicher: Die amerikanischen Cahokia-Pyramiden gliedern sich in der Ausrichtung und Geometrie sehr gut in das globale Konzept der Pyramidenstrukturen ein.


Anmerkungen und Quellen

Verwendetes Material:

Die Pyramiden von Bosnien.png
Sam Osmanagich: "Die Pyramiden von Bosnien auf der ganzen Welt", Hanau 2014, S. 210-213

Fußnote:

  1. Red. Anmerkung: In der Frühzeit der nordamerikanischen Archäologie war es übrigens noch durchaus üblich, immer dann von dortigen Pyramiden zu reden, wenn diese Bezeichnung angebracht war. Hier zum Beispiel (Abb. 5) eine Darstellung der Anlagen von Azt(a)lan aus dem Jahr 1892:

    Peet - The Moundbuilders - 1892 - p. 110.jpg

    Die Bildunterschrift lautet auf Deutsch: "Pyramiden und Steinplastiken bei Aztlan, Wiconsin." Später, nach dem Aufkommen des Isolationismus in der Altamerikanistik, war diese Bezeichnung dann verpönt, weil man auf jeden Fall vermeiden wollte, präkolumbische kulturelle Gemeinsamkeiten zwischen Alter und Neuer Welt anzudeuten.

Bild-Quellen:

1) QuartierLatin1968 bei Wikimedia Commons, unter: File:Monks Mound Cahokia 3995a.jpg (Lizenz)
2) Aaron Walden bei Wikimedia Commons, unter: File:Cahokiaoverhead.png
3) Herb Roe bei Wikimedia Commons, unter: File:Mound 72 sacrifice ceremony HRoe 2013.jpg (Lizenz)
4) Herb Roe bei Wikimedia Commons, unter: File:Mound 72 Woodhenge diagram HRoe 2013.jpg (Lizenz)
5) Stephen Denison Peet, "The Mound Builders", 1892, S. 110 / Bild-Archiv Atlantisforschung.de