Walter Papst

Aus Atlantisforschung.de
Wechseln zu:Navigation, Suche
Abb. 1 Der Designer und Alternativhistoriker Walter Papst (1924-2008) Foto: © Wilkhahn Archiv

(bb) Walter Papst (Abb. 1), geb. am 18. September 1924 in Kiel - gest. am 26. März 2008 in Köln [1], war hauptberuflich als Industriedesigner tätig, und beschätigte sich zudem als Forscher und Autor im Grenzbereich der Primhistorik und Paläo-SETI-Forschung. [2] Zu seinen Kernthesen gehörte die Annahme, das die Menschheit ursprünglich nicht auf der Erde beheimatet war.


Walter Papsts Werk als Designer

Als Möbeldesigner zält Walter Papst zu den bedeutendsten Avantgardisten der deutschen Nachkriegsmoderne. Er absolvierte nach dem Zweiten Weltkrieg (1946) zunächst eine Tischlerlehre, und war ab 1949 selbstständig als Möbelfabrikant tätig. 1952 folgte dann ein Studium der Innenarchitektur und Formgebung an der Muthesius-Werkkunstschule in Kiel. 1954 präsentierte er mit dem von ihm entwickelten 'Dreibein', ein Sitzmöbel für Schüler, das Haltungsschäden vermeiden half. [3]

Abb. 2 Ein zeitloser Klassiker des Möbel-Designs: Die sogenannte 'Schaukelplastik' von Walter Papst. Foto: © Wilkhahn Archiv

1957 eröffnete Walter Papst in Köln ein eigenes Atelier für Industriedesign und Produktentwicklung, und wurde mit seinen avantgardistischen Designentwürfen bekannt. [4] Neue Möglichkeiten im Werkstoffbereich - insbesondere den GFK (Glasfaserverstärkten Kunststoff) - nutzte Papst Anfang der 1960er zur Entwicklung bunter Kindermöbel, die sich vor allem durch ihre, für sein Design typische, harmonische Formgebung auszeichneten. In diese Periode von Papsts Schaffen fällt auch der Entwurf der so genannten Schaukelplastik (Abb. 2), die längst zu einem Klassiker der deutschen Designgeschichte avanciert ist. [5]

Nach einem zweijährigen Aufenthalt in Paris unternahm W. Papst ab 1965 Studienreisen nach Afrika und Asien. Es folgten Fotoausstellungen, und seine Arbeiten wurden unter anderem auf der "Triennale Mailand" und im "Musée des Arts décoratifs Paris" präsentiert. [6] Außerdem erhielt er diverse Auszeichnungen, darunter eine des iF Industrie Forums Design. [7]


W. Papst und die alternative Prähistorik

1974 ließ sich Papst erneut in Frankreich nieder [8] und er soll seit dieser Zeit auch als Schriftsteller und Zukunftsforscher gearbeitet haben. [9] Im Jahr 1994 legte er dann sein erstes grenzwissenschaftliches Buch (Abb. 3) unter dem Titel "Der Götterbaum - Unser Schöpfungsort im Kosmos" vor, in dem er eine präastronautische Erklärung zur Entstehung der Menschheit präsentierte.

Abb. 3 Das Cover der Original-Ausgabe von W. Papsts Erstlingswerk, die 1994 erschien

Bei der Paläo-SETI-Chronistin Tatjana Ingold findet sich dazu folgende Beschreibung des Inhalts: "Nach jahrzehntelangen Recherchen erzielt Walter Papst mit diesem Buch einen revolutionären Durchbruch. Die Wissenschaft von der Entstehung aus dem Menschenaffen erweist sich als falsch. Sowohl die Sprache mit ihren Ursilben als such die ältesten Erzählungen and sogar einige Schädelfunde sind bei kritischer Betrachtung auf der Erde nicht einzuordnen. Sie passen weder in die Entwicklungsreihen der Evolutionsbiologen noch zu der uns bekannten Geographie.

Dagegen kann mit Hilfe der Mythologie and der alten Symbole ein kosmisches Hallensystem rekonstruiert werden, dessen Unterwelt sich bis ins Detail nachmodellieren läßt. Dieser labyrinthisch strukturierte Himmelskörper taucht in den Mythen unter den Decknamen "Urriese", Weltenbaum oder Himmelskuh auf. Auch die religiösen Vorstellungen von Himmel, Paradies and Totenwelt haben hier ihren Ursprung. Erdteile, Meere, Flüsse, ja sogar Städte lassen sich im Jenseits lokalisieren.

Walter Papst rekonstruiert mit diesem Buch die Geschichte der Götter. Er beweist: Der Mensch hat seinen Ursprung in einem anderen Himmelskörper. Wo aber finden wir das System? Alle verfügbaren astrophysikalischen Daten werden herangezogen, die alten Mystiker werden befragt. Dann die sensationelle Entdeckung: Saturnbewohner sind unsere Nachbarn! Das fast Unmögliche wird zur Zukunftsperspektive. Religion and Naturwissenschaft treffen sich in den phantastischen himmlischen Hallen: Eine zweite Welt unter dieser Sonne!" [10]

Im Jahr 2002 erschien dann Walter Papsts zweites alternativ-prähistorisches Buch "Weltenbaum und Götterglaube", mit welchem der Autor neue "Beweise" (die Begriffe Indizien und Argumente erscheinen hier wohl angebrachter) für die Möglichkeit einer prä- oder primhistorischen Luft- und Raumfahrt lieferte. Papst zeichnete in dieser, mit einem Verzeichnis weiterführender Literatur, einem "Glossar Herkunftswelt und Flugtechnik" und einem ausführlichem Sachregister ausgestatteten, Fortsetzung seines Erstlingswerkes von 1994 "die phantastische Kosmographie einer benachbarten Welt", und unternahm den Versuch einer Rekonstruktion von "Raumfahrteinrichtungen, wie sie während der Schöpfungszeit unseres Planeten zur Anwendung gekommen sein könnten.". [11]


Kritik an W. Papsts Publikationen

Abb. 4 Das Cover von W. Papsts 2002 erschienenem Nachfolgeband zu seinem 'Götterbaum'

Sowohl aus einem konservativem, schulwissenschaftlichem als auch aus grenzwissenschaftlichem Blickwinkel heraus weist Walter Papsts nonkonformistisch-präastronautisches Alternativ-Modell zur gängigen evolutionären Erklärung der Menschheitsentwicklung gravierende Mängel auf, und der Kritiker Stefan Böckler, der so weit ging, Papsts "Götterbaum" in die Kategorie 'Satirebücher' einzuordnen, betrachtete das Werk sogar mit einiger Boshaftigkeit - und letztlich unzutreffend - als "Parodie auf die Prä-Astronautik". [12]

In der Tat gelang es Walter Papst, obwohl er einige durchaus bedenkenswerte Indizien und Argumente gegen die herrschende Lehrmeinung zur Menschheits-Entwicklung ins Feld führen konnte, nicht, sein spezifisches Modell auch nur annähernd beweiskräftig durch harte Evidenzen zu unstermauern. Die Schwächen seiner Argumentation werden vor allem im Bereich der Etymologie (bei Böckler: "'Walter Papst und seine Etymologie des Grauens" [13]) deutlich, welcher Papst bei seiner 'Beweisführung' besondere Bedeutung beimaß.

Jörg Dendl bemerkte dazu: "Als «roter Faden» ziehen sich durch das gesamte Werk etymologische Überlegungen, die starke Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Arbeit auslösen. So sieht der Autor in «Uranus» den «Ur-After» (Ur-Anus) oder in dem lateinischen Wort «Mundus» (Welt) den «Mund-Ausgang» oder «Mond-Ausgang».

Den Höhepunkt bildet das 12. Kapitel. Hier wird der Name des nordischen Weitenbaumes «Yggdrasil» ausführlich untersucht. Im «Y», das sogleich mit «I» gleichgesetzt wird, verberge sich demnach «die doppelte Achse des Himmelssystems» (S. 138). «Daneben werden durch das doppelte G zwei Durchgänge verraten», und die Silbe «dra» weise «auf einen Durchgang D, eine Gezeitenbewegung R und eine Energiequelle A» hin, während «sil... für eine Durchschleusung durch ein Siel und für die Farbe Ocker...» stehe (S. 139). Etymologisch ernstzunehmen sind diese Ausführungen nicht. Weiterhin ist zu beobachten, dass Worte aus allen Sprachen, selbst des Sumerischen, mit dem modernen Deutsch in Verbindung gebracht werden." [14]

Unabhängig von diesen Mängeln und seiner zudem durchaus zielführend-einseitigen, euhemeristischen Interpretation alter Mythen und Legenden (inklusive des platonischen Atlantisberichts), die W. Papst zur Stützung seines Hypothesen-Komplexes heranzieht, muss man "Der Götterbaum" als Pionierwerk einer in gewisser Weise neuen Richtung der Präastronautik betrachten und würdigen, die den Ursprung des modernen Menschen nicht auf der Erde, sondern auf anderen Planeten sieht. [15]

Abgesehen davon stellt "Der Götterbaum", der immerhin in vier Sprachen übersetzt wurde [16], ein echtes Lesevergnügen dar, denn an Walter Papst ist in der Tat ein begnadeter Roman-Autor verloren gegangen, der ausgesprochen fesselnd zu schreiben und nicht nur Möbeln, sondern auch den Inhalten seiner Bücher ein ganz besonderes, charakteristisches Design zu geben verstand. Und so kann man sich - mit Abstrichen - durchaus J. Dendls Conclusio anschließen: "Stellt sich der Leser auf eine amüsante Lektüre ein, die die Gefahren der grenzwissenschaftlichen Forschung satirisch überspitzt aufzeigt, dann wird er einige Erkenntnisse über sich und sein Hobby [sic!; bb] gewinnen, Erkenntnisse, die ihn dazu veranlassen dürften, seine Beschäftigung mit etwas mehr Abstand und Humor zu betrachten." [17]


Danksagung

Verfasser und Redaktion bedanken sich ausdrücklich bei Frau Bertine Pienkos von der Pressestelle des Hauses Wilkhahn für ihre freundliche Unterstützung bei den Recherchen zur Vita von Walter Papst.


Bibliographie


Anmerkungen und Quellen

  1. Quelle: FAZ, 29. März 2008, Ausgabe 74, Seite 37; nach: Wikipedia - Die freie Enzykopädie, unter: Walter Papst (Stand: 17.10.2011)
  2. Anmerkung: In mehreren Quellen im Internet (Wikipedia, koelnarchitektur.de und Wir Kieler) findet sich die Angabe, dass Walter Papst sich auch mit Zukunftsforschung befasst haben soll; eine Aussage, die wir derzeit nicht verifizieren können, da seine Webseiten 'Herkunftswelten' (Abb. 5) nicht mehr online, und deren Inhalte vermutlich für die Forschung verloren sind. Anhand seiner Publikationen (bzw. seiner höchst überschaubaren Bibliographie) lässt sich ein besonderes futurologisches Engagement von W. Papst jedenfalls nicht bestätigen.

    Herkunftswelten.jpg
    Abb. 5 Ein Screenshot (leider nur als Thumbnail) von Walter Papsts 'verschwundener' Homepage "Herkunftswelten"
  3. Quelle: Wir Kieler, unter: Papst, Walter (†) (Stand: 18.10.2011)
  4. Quelle: Wikipedia - Die freie Enzykopädie, unter: Walter Papst (Stand: 17.10.2011)
  5. Quellen: Wir Kieler, unter: Papst, Walter (†); sowie: koelnarchitektur.de, unter: Montags beim Papst (11.01.2010)
  6. Quelle: ebd.
  7. Quelle: Wikipedia - Die freie Enzykopädie, unter: Walter Papst (Stand: 17.10.2011)
  8. Quelle: Wir Kieler, unter: Papst, Walter (†) (Stand: 18.10.2011)
  9. Quelle: ebd; Anmerkung: Vergl. Fußnote 2; auch was eine Betätigung Papsts als Schriftsteller in den 1970er und 1980er Jahren angeht, haben wir bisher keinerlei Belege für die Richtigkeit dieser Angabe finden können.
  10. Quelle: Tatjana Ingold: Grösstes Erich von Däniken-Archiv im Internet, unter: Der Götterbaum (1994)
  11. Quelle: Verlags-Info des Buchverlags König; zit. nach: LOVELYBOOKS, unter: Weltenbaum und Götterglaube von Walter Papst - Inhaltsangabe
  12. Siehe: Stefan Böckler, "Parodie auf die Prä-Astronautik – Textauszüge aus zwei Satirebüchern", bei: Mysteria 3000 - Alternative und interdisziplinäre Archäologie im Fokus, Ausgabe 03 (3/2002)
  13. Quelle: ebd.
  14. Quelle: Jörg Dendl, Der Götterbaum (Walter Papst) - Buchrezension (Erstveröffentl. in: Ancient Skies Nr. 1 / 1995); bei: Tatjana Ingold: Grösstes Erich von Däniken-Archiv im Internet
  15. Siehe dazu bei Atlantisforschung.de auch: "Wir, die Aliens - Stammt die Menschheit von den Sternen?" (red)
  16. Quelle: Wikipedia - Die freie Enzykopädie, unter: Walter Papst (Stand: 17.10.2011)
  17. Quelle: ebd.


Bild-Quellen

(1) Wilkhahn Archiv, nach: koelnarchitektur.de, unter: Montags beim Papst

(2) ebd.

(3) Bild-Archiv Atlantisforschung.de

(4) ebd.

(5) WebsiteWiki, unter: Herkunftswelten-walterpapst.de (Stand: 18.10.2011)