ABORA III - Ein rundes Jubiläum & aktuelle Ausblicke

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10. Jahrestag des Starts der ABORA III-Expedion in New York

Abb. 1 11. Juli 2007: Die ABORA III geht von New York aus auf große Fahrt.

(dg und bb) Am 11. Juli 2017 hat der Verein für experimentelle Archäologie und Forschung e.V. in Chemnitz Grund zum Feiern: Genau zehn Jahre zuvor war die international (Deutschland, Norwegen und USA) besetzte, elfköpfige Crew des Schilfbootes ABORA III unter Leitung des Experimentalarchäologen und 'Steinzeitseglers' Dominique Görlitz von New York aus gestartet. (Abb. 1) Zum ersten Mal in der Seefahrtgeschichte der Neuzeit sollte ein prähistorischer Rahsegler den für unpassierbar gehaltenen Nordatlantik überqueren.

Obwohl das geographische Ziel der Expedition damals nicht erreicht werden konnte, war sie in wissenschaftlicher Hinsicht ein enormer Erfolg: Zum einen konnte nachgewiesen werden, dass ein steinzeitlicher Rahsegler durchaus in der Lage war, sich aus eigener Kraft aus den im Golfstrom auftretenden gewaltigen Wasserwirbeln - den so genannten 'Eddies' - zu befreien. Dies wurde sowohl von Ozeanographen als auch Seefahrthistorikern immer in Frage gestellt, weshalb ein Rückkontakt über den Nordatlantik in der Vorzeit lange als technisch unmöglich galt.

Abb. 2 Mit ihren Driftexperimenten konnte die Crew der ABORA III wissenschaftlich nachweisen, dass Samen und Früchte wichtiger Kulturpflanzen sich nur mit Hilfe des Menschen von Kontinent zu Kontinent verbreiten konnten.

Zum zweiten erbrachten die auf der Fahrt durchgeführten Experimente bahnbrechende Erkenntnisse zur Vegetationsgeographie, genauer gesagt zur interkontinentalen Verbreitung wichtiger Kulturpflanzen. Das Team der ABORA III konnte nachweisen, dass die Früchte und Samen von Tabak, Kokospalmen, Mais und Flaschenkürbissen, die man in Schleppnetzen im Wasser treibend mitführte, sich als nicht salzwasserresistent erwiesen und schon nach einigen Wochen abzusinken begannen. (Abb. 2) Diese Driftexperimente können, wie Dominique Görlitz betont, der inzwischen zu diesem Thema promoviert hat [1], "viel zur Anerkennung der Kulturdiffusion und der Ausbreitungsfähigkeit der frühen Kulturvölker beitragen. Zuvor waren Wissenschaftler der Ansicht, dass sich die Samen und Früchte dieser Pflanzen als 'Treibgut' auch ohne Zutun des Menschen von Kontinent zu Kontinent verbreiten konnten."

Zusätzliche Informationen zur ABORA III und ihrer Fahrt:

  • Der Rumpf der ABORA III war schon beim Transport in die USA beschädigt worden. Nachdem das Schiff während der 56-tägigen Fahrt dreizehn z.T. schwere Stürme zu überstehen hatte, musste es nach einem gewaltigen Orkan am 5. September, etwa 600 Seemeilen vor den Azoren, aufgegeben werden. Zuvor hatte die ABORA III zwei Stürme mit jeweils 10 Windstärken ohne nennenswerte Schäden überstanden.


Neue Projekte und Aktionen

Dominique Görlitz plant indes eine neue Expedition. Dieses Mal geht es nicht in den Nordatlantik oder in das Mittelmeer [2], sondern das Schwarze Meer ist das Ziel. Gemeinsam mit deutschen und russischen Wissenschaftlern sollen uralte Handelsrouten zwischen dem Kaukasus, Kreta und den alten Ägypten experimentell erforscht werden. [3]

Zur Vorbereitung dieser Fahrt und weiter möglicher ABORA IV-Expeditionen wird das Team vom 4. bis zum 11. August 2017 ein größeres Segelcamp am Geiseltalsee in Braunsbedra organisieren. Interessenten können in diesen Tagen das Experimentalfloß DILMUN S unter vollen Segeln in Augenschein nehmen. Mehr Infos dazu in Bälde unter: www.abora.eu sowie bei Atlantisforschung.de.


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Siehe: Dominique Görlitz, "Prähistorische Ausbreitungsmechanismen transatlantisch verbreiteter Kulturpflanzen" (Dissertation); in Buchform erschienen: Gotha, 2012, Hardcover (Format: 29,7 x 21,0 cm), 116 Seiten, ISBN 978-3-93918-246-7
  2. Siehe: MISSION ABORA (abora.eu). unter: ABORA II - 2002
  3. Siehe dazu bei Atlantisforschung.de auch: "Pressemitteilung des ABORA-Teams vom 10. April 2017 - ABORA-Event in Chemnitz wirbt für neue Forschungen im Kielwasser prähistorischer Kulturen

Bild-Quellen:

1) Bild-Archiv Dominique Görlitz
2) ebd.