Das Schwarze Meer, die Sintflut und Atlantis

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von Tony O’Connell

Abb. 1 Das heutige Schwarze Meer ist aus atlantologie-historischer Sicht eine verhältnismäßig junge Kandidatin als Örtlichkeit für Atlantis. Als solche kam es erst im 19. Jahrhundert ins Spiel.

Das Schwarze Meer wurde, Strabon (1.2.10) zufolge, im Altertum häufig einfach "das Meer" (pontos) genannt. Im Zusammenhang mit dem Atlantis-Rätsel wurde ihm bis ins späte 19. [und frühe 20.; d.Ü.] Jahrhundert hinein kaum Aufmerksamkeit geschenkt, als zwei französische Autoren, André de Paniagua [1] und Moreau de Jonnès [2], unabhängig voneinander Atlantis im Asowschen Meer lokaslisierten. Einige Jahre später, 1923, schrieb R.A. Fessenden, ein kanadischer Professor für Mathematik und elektrische Ingenieurwissenschaften über die prähistorische Überflutung einer Zivilisation in der Kaukasus-Region, die er mit Platos Atlantis in Verbindung brachte. Der Text seines Werkes ist nun via Internet zugänglich. [3] Danach war wieder nur wenig über diese Region zu hören [4], bis 1998 William Ryan und Walter Pitman die Flutung des Schwarzen Meers mit der biblischen Sintflut gleichsetzten. [5]

Im Jahr 2004 veröffentlichten die bulgarischen Ozeanographen, Petko und Dimitar Dimitrov (Vater und Sohn) ihr Buch "The Black Sea, the Flood and the Ancient Myths" auf Englisch, welches Ryans und Pitmans Arbeit ih vieler Hinsicht stützt. Dieses Buch ist jetzt als kostenlose PDF-Datei erhältlich. [6] Ryans und Pitmans Buch regte unbeabsichtigt die Vorstellungskraft einer Reihe von Leuten zu der Annahme an, es bestehe die Möglichkeit einer eventuellen Verbindung zwischen dieser Überflutung und dem Untergang von Atlantis. Während Ryan und Pitman keine solche Annahme getroffen haben, betrachteten andere, wie etwa Ian Wilson [7] eine verschwommene Erinnerung an dieses Ereignis als mögliche Inspiration für Platos Erzählung.

Abb. 2 Das Cover von Nick Thoms Buch zum Thema 'Sintflut' von 2009

2009 publizierte Liviu Giosan, ein Geologe an der Woods Hole Oceanographic Institution, ein Papier, welches nahelegt, dass vor dem Eindringen des Mittelmeers der Spiegel des Schwarzen Meers eher 30 Meter unter seinem heutigen Level gelegen habe als die 80 Meter, die von Ryan und Pitman angenommen wurden. Dies würde einen weniger hohen Grad der Flutung implizieren als zuvor vermutet. Giosan hat dem diesbezüglich skeptischen Ryan die Möglichkeit einer Reproduktion seiner Tests vorgeschlagen.

Nick Thom, ein britischer Ingenieur, schrieb "The Great Flood" [8], welches eine Sektion über das Schwarze Meer einschließt, in der er vorschlägt, dass der Abfluss des Wassers eher vom Schwarzen Meer ins Marmarameer hinein erfolgt sei als in umgekehrter Richtung.

Abb. 3 Flying Eagle (l.) und Whispering Wind (r.)

In jüngerer Zeit haben Christian & Siegfried Schoppe, zwei deutsche Forscher, ebenfalls erklärt, dass das Schwarze Meer der ursprüngliche ‘Atlantische Ozean' gewesen sei, und dass Atlantis sich in dieser Region befunden habe. [9]. Ihre Annahme lautet, dass um 5500 v.Chr. eine Landbrücke am Bosporus durchbrochen worden sei, was eine extensive Überflutung verursachte, welche das schuf, was wir heute als Schwarzes Meer kennen. Bis zu jener Zeit habe es in jener Region nur einen kleinen Süßwasser-See gegeben. Auch wenn ihr Buch auf Deutsch publiziert wurde, betreiben die Schoppes eine Webseite [10] mit einem nützlichen Quantum an Inhalt auf Englisch.

Flying Eagle (1920-2007) und Whispering Wind, ein einigermaßen exzentrisches Duo (Abb. 3), das ebenfalls eine Schwarzmeer-Lokalisierung von Atlantis vertrat, nahm eine spezifische Stätte in der Straße von Kertch zwischem dem Schwarzen Meer und dem Asowschen Meer an. Ihre Theorie wurde erstmals dargelegt in ihrem Buch von 2004. [11] Auch sie folgen Ryans und Pitmans Datierung von 5500 v.Chr. für die Überflutung des Schwarzen Meeres. [12]

Eine ganz andere Annäherung wählte der deutsche Forscher Werner E. Friedrich [13], der die Expansion und das Ansteigen des Spiegels des Schwarzen Meeres auf etwa 10000 v.Chr. zurückverlegt, an das Ende der jüngsten Eiszeit. Er meint, dass dies [das Abschmelzen der Gletscher; d.Ü.] zur Überflutung von Atlantis führte, von welchem er behauptet, es habe sich auf einer Ebene befunden, die zwischen altertümlichen Ausläufe der Flüsse Donau und Don gelegen habe. Friedrich lokalisiert die Säulen des Herakles im Marmarameer. [14].

Die legendäre, untergegangene Stadt Ancomah, wird häufig mit Platos Beschreibung der Zerstörung von Atlantis verglichen. Sie soll sich angeblich in der näheren Umgebung der sehr alten Hafenstadt Trabzon befunden haben, welche an der Südost-Küste des Schwarzen Meeres liegt. [15]


Anmerkungen und Quellen

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Dieser Beitrag von Tony O’Connell (©) wurde von ihm estmals am 01.04.2010 in englischer Sprache unter dem Originaltitel "Black Sea (a)" bei Atlantipedia.ie veröffentlicht. Bei Atlantisforschung.de erscheint er am 03.01.2013 in eigener Übersetzung ins Deutsche in einer redaktionell bearbeiteten Fassung.

Einzelverweise:

  1. Siehe: André de Paniagua,"Geographie Mythique", Paris (Ficker), 1911
  2. Siehe: Alexandre-César Moreau de Jonnès, "Les Temps Mythologiques", Paris (Didier), 1876; sowie Ders.: "L’océan des anciens et les peuples préhistoriques", Paris (Didier), 1873
  3. Siehe: Reginald Aubrey Fessenden, THE DELUGED CIVILIZATION OF THE CAUCASUS ISTHMUS, Boston, 1923
  4. Red. Anmerkung: Siehe als Beispiele für solchen kleineren und kaum bekannt gewordenen Publikationen etwa: Rosie Mestel, "Noah's Flood", New Scientist, 4. Oktober 1997, S. 24; sowie: Richard A. Kerr, "Black Sea Deluge May Have Helped Spread Farming", Science, 279:1132, 1998. Quelle: William R. Corliss, "Als der Schlamm-Pfropfen am Bosporus brach...", Atlantisforschung.de (Orig.von 1998 bei Science Frontiers)
  5. Siehe: William B. Ryan und Walter C. Pitman, "Noah's Flood: The new scientific discoveries about the event that changed history, Simon & Schuster, 1998, ISBN 0-684-85920-3
  6. Siehe: Petko Dimitrov und Dimitar Dimitrov, "The Black Sea, the Flood and the Ancient Myths", Varna, 2004 (PDF-Datei, 482,93 KB)
  7. Siehe: Ian Wilson, "Before the Flood: The Biblical Flood as a Real Event and How It Changed the Course of Civilization", London (Orion Books), 2001
  8. Nick Thom, "The Great Flood", Grosvenor House Publishing, 2009
  9. Siehe: Christian & Siegfried Schoppe, "Atlantis und die Sintflut", Books on Demand, 2004
  10. Siehe: Christian & Siegfried Schoppe, Atlantis und die Sintflut im Schwarzen Meer (abgerufen: 01.01.2013)
  11. Siehe: Flying Eagle & Whispering Wind, "Atlantis-Motherland", Hawaii (Cosmic Vortex), 2004)
  12. Red. Anmerkung: Siehe online auch ihre Webseite: THE GREAT ATLANTIS FLOOD: one terrible day and night of misfortune; the extraordinary inundation of Atlantis, Attica and Hellas. By Leon Flying Eagle & Mary Whispering Wind (abgerufen: 01.01.2013)
  13. Siehe: Werner E. Friedrich, "Prähistorische Flutkatastrophe im Schwarzen Meer und Atlantis", Selbstverlag, 2006
  14. Siehe auch: Werner E. Friedrichs Webseiten
  15. Red. Anmerkung: Zu einer neuen Atlantis-Lokalisierung im Schwarzen Meer von 2011/2012 siehe bei Atlantisforschung.de das Forscher- & Autorenportrait zu: Michael A. Cahill

Bild-Quellen:

1) Tony O’Connell, "Black Sea (a)", bei: Atlantipedia.ie
2) Bild-Archiv Atlantisforschung.de
3) ATLANTIS MOTHERLAND by Leon Flying Eagle & Mary Whispering Wind - About the Authors, nach: Tony O’Connell, op.cit.