Albert Rivaud

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Forscher- und Autorenportrait

Abb. 1 Links: Albert Rivaud (1876-1955); Mitte: Das Cover einer zeitgenössischen Ausgabe seiner "Histoire de la Philosophie" (Band 1); rechts: Das Cover einer Neuausgabe seines Werks "Le Probleme Du Devenir Et La Notion de La Matiere Dans La Philosophie Grecque..." (2012)

(red) Dr. phil. Albert Rivaud (Abb. 1, links) (* 14. Mai 1876 in Nizza; † 15. November 1956 in Bourges, Département Cher) [1]) war ein französischer Altphilologe, Philosoph und - in fortgeschrittemem Alter auch - Politiker. In Bezug auf Platons Atlantisbericht gehörte er zu den Verfechtern der Fiktionalitäts-These. Ab 1939 war er gewähltes Mitglied des französischen Instituts der Académie des sciences morales et politiques (Akademie der moralischen und politischen Wissenschaften).

Bei der deutschsprachigen Wikipedia heißt es über Albert Rivaud kurz: "Von ihm stammen zahlreiche maßgebliche Quelleneditionen, etwa von Platon. 1908 wurde er Professor an der Universität Poitiers. 1927 übernahm er von Léon Brunschvicg den Lehrstuhl für Philosophie an der Sorbonne. 1940 war er kurzzeitig Bildungsminister von Frankreich im ersten Kabinett von Henri Philippe Pétain." [2] [3]

Prof. Rivaud und Atlantis

Abb. 2 Das Frontcover der aktuellen Neuauflage von Rivauds Übersetzung der Dialoge Timaios und Kritias ins Französische

Hinsichtlich der platonischen Atlantida vertrat Albert Rivaud zwar, wie schon eingangs bemerkt, die Auffassung, sie sei keinesfalls als Historie anzusehen, aber immerhin scheint er sie differenzierter betrachtet zu haben als viele andere Klassische Philologen seiner Zeit und nach ihm. So enthält seine kommentierte Übersetzung der Dialoge Timaios und des unvollendeten Kritias (Platon. Oevres complètes, Band X) (Abb. 2) offenbar auch Hinweise, die von einigem atlantologischen Interesse sind. Schon 1937 machte z.B. James Guy Bramwell in seinem Buch Lost Atlantis [4] auf Rivauds Feststellung aufmerksam, "dass der Begriff 'Oreichalkos' bereits vor Plato bekannt war, und nicht bloß eine Erfindung von ihm." [5]

Das abrupte Ende des Kritias (und damit auch des Atlantisberichts) sowie die von Platon unterlassene Abfassung seines geplanten Dialogs Hermokrates betreffend, spielte Albert Rivaud augenscheinlich - unter Bezugnahme auf den deutschen Philologen Eduard Munk - mit dem Gedanken, dies sei keineswegs zufällig geschehen, sondern vielmehr eine bewusste Unterlassung Platons gewesen. [6] Der Autor Ivar Lissner zitierte [7] Rivaud bei seinen eigenen Überlegungen zur unvollendeten Natur der Hermokrates-Trilogie dahingehend, die vorliegenden Teile (der Dialog Timaios und das Kritias-Fragment) enthielten "nicht nur altertümliche Überlieferungen, sondern auch die Resultate jüngster zeitgenössischer Forschungen, die zu Platos Lebzeiten vorgenommen wurden." [8]


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Quelle: Bibliothèque nationale de France (data.bnf.france), unter: "Albert Rivaud (1876-1956)" (abgerufen: 1. April 2017)
  2. Quelle: Wikipedia - die freie Enzyklopädie, unter: "Albert Rivaud" (abgerufen: 1. April 2017)
  3. Red. Anmerkung: Tony O’Connell weist in seiner Atlantipedia.ie (siehe Fn. 5) darauf hin, Rivaud habe seine Biographie (in fortgeschrittenem Alter) durch "expressions of anti-Semitism and admiration for Hitler" (Ausdrücke des Antisemitismus und der Bewunderung für Hitler) verunziert. Dies und seine zumindest kurzzeitige Beteiligung am 'Vichy-Regime' (er war vom 16. Juni bis zum 12. Juli 1940 Bildungsminister in Marschall Pétains Kabinett) haben Rivauds Image - gerade in Frankreich - schweren Schaden zugefügt, seine Reputation als brillanter Klassischer Philologe aber nicht dauerhaft untergraben.
  4. Siehe: James Guy Bramwell, "Lost Atlantis", London (Corden Sanderson), 1937 (Reprint 1974), S. 91
  5. Quelle: Tony O’Connell, "Rivaud, Albert (L)", 4. April 2011, bei Atlantipedia.ie (abgerufen: 1. April 2017; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  6. Quelle: Howard B. White, "Peace Among the Willows: The Political Philosophy of Francis Bacon", Springer Science & Business Media (Reprint der Ausgabe bei Martinus Nijhoff, Den Haag, 1968), S. 112; Anmerkung: White bemerkt dort in einer Fußnote (Fn. 11) dazu: "This possibility is noted by Albert Rivaud in the Bude edition of 'Timaios' and 'Critias' (Paris, 1925), p. 16, where he cites the opinion of Munk."
  7. Siehe: Ivar Lissner, "Silent Past: Mysterious and Forgotten Cultures of the World", London (Jonathan Cape), 1963, S. 158 - Hinweis: Das Buch erschien bereits 1961 in deutscher Sprache mit dem Titel "Rätselhafte Kulturen".
  8. Quelle: Tony O’Connell, op. cit. (abgerufen: 1. April 2017; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)

Bild-Quellen:

1) Bild-Archive Tony O’Connell (Atlantipedia.ie) und Atlantisforschung.de
2) Verlag LES BELLES LETTRES (Link zur Buchpräsentation) / Bild-Archiv Atlantisforschung.de