Ceterum censeo Wikipediam esse modificandam

(...und im übrigen bin ich der Meinung, dass Wikipedia verändert werden muss)

Warum wir viele Artikel aus der deutschsprachigen Wikipedia nur unter Vorbehalt (oder gar nicht) zur Verlinkung verwenden können - und warum wir der Meinung sind, dass sich dort einiges ändern muss

Abb. 1 Als ein zentrales Informations-Medium im Internet wird Wikipedia von einem Teil seiner MacherInnen offenbar als Instrument zur Erhaltung überholter Lehrmeinungen und eines scientistischen Status Quo missbraucht.

(red) Bereits im Jahr 1970 hielt der sowjetische Wissenschaftler Dr. Nikolai Zhirov, einer der bedeutenden Pioniere (grenz-)wissenschaftlicher Atlantisforschung fest, "dass die Bandbreite von Kenntnissen eines Atlantologen enzyklopädisch sein muss, um ihn in die Lage zu versetzen, die Daten aus verschiedenen Wissenschaften zu vergleichen und zu generalisieren." Ganz in diesem Sinne versuchen wir, die MacherInnen von Atlantisforschung.de, unsere Leserinnen und Leser, die sich ernsthaft und tiefergehend mit atlantologischen und 'artverwandten' Fragen befassen wollen, beim Erwerb dieses umfassenden Wissens möglichst effektiv zu unterstützen, wobei wir nicht zuletzt auch das Mittel der Verlinkung mit externen Informationsquellen im Internet einsetzen.

Eine der wesentlichen Online-Quellen, auf welche wir dabei zurückgreifen, ist Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, zu der - grob geschätzt - zwischen achtzig und neunzig Prozent aller externen Links auf unseren Seiten führen. Dazu halten wir allerdings ein paar erläuternde Worte für dringend notwendig.

Einerseits sind wir, was "neutrale" Themenbereiche angeht, voll des Lobes, weil mit Wikipedia (z.B. in Sachen Geographie) ein wirklich erstklassiges enzyklopädisches Werk entstanden ist. Wenn wir z.B. zur enzyklopädischen Ergänzung eines unserer Artikel einen externen Beitrag über ein winziges "Kuh-Kaff" im australischen Outback suchen, stehen die Chancen recht gut, dass wir bei der deutschsprachigen Wikipedia fündig werden. Sobald es jedoch um "problematische" - weil durchaus umstrittene - Fragen im Bereich der Erd-, Menschheits- und Zivilisationsforschung, oder aber um grundsätzliche Probleme des 'Real existierenden Wissenschaftsbetriebs' geht, so müssen wir bedauernd feststellen, dass sich bei der Ausarbeitung und Kategorisierung solcher Lemmata offenbar - fast immer - "WikipedianerInnen" durchsetzen, die einem rigiden Scientismus frönen.

Das heißt: wer sich z.B. bei Wikipedia über Themen wie Atlantis, Lemuria/Mu, Meropis/Meropa und andere 'mythisch-legendäre' Orte informieren will, wird dort fast grundsätzlich und ganz selbstverständlich mit den - freundlich formuliert - konservativsten Positionen schulwissenschaftlicher Provenienz 'abgespeist', und bekommt "beigebracht", dass es sich dabei um fiktive Örtlichkeiten handle.

Abb. 2 Ohne weitere Worte...

Das selbe gilt auch für andere 'umstrittene' Themen der Ur- und Frühgeschichtsforschung. So will man den LeserInnen bei Wikipedia allen Ernstes weismachen, die Erstbesiedlung Amerikas sei nach "heutigem Forschungsstand" vor "nicht mehr als 15.000 bis 11.500 Jahren" erfolgt [1], die "Bosnischen Pyramiden" [2] seien - ebenso wie die so genannte Bimini Road [3] - "wissenschaflich" widerlegte Phantasmen, und Ereignisse wie der, inzwischen bestens belegte "Chiemgau-Impakt" [4] werden dort nach wie vor nur mit 'spitzen Fingern' angefasst. Aufschlussreich sind hierbei nicht zuletzt die Diskussions-Seiten der Wikipedia, bei deren Lektüre schnell deutlich wird, mit welcher Arroganz sowie Ignoranz dort häufig den Verfechtern devianter Forschung und deren Ergebnissen begegnet wird.

Bezüglich der Atlantisforschung zeigt sich dies unter anderem auch daran, dass bei Wikipedia zwar enzyklopädische Beiträge zu zahlreichen Geistesgrößen und Persönlichkeiten aus Gegenwart und Vergangenheit - darunter viele WissenschaftlerInnen - zu finden sind, die sich aktiv mit dem Atlantis-Problem beschäftigt haben, wobei letzteres Faktum jedoch erstaunlich häufig [5] ausgeblendet wird. [6] (Dies erscheint um so befremdlicher, da einige der betreffenden Personen im Wikipedia-Hauptartikel "Atlantis" namentlich erwähnt werden!) Lediglich anhand der Publikationslisten am Ende einiger solcher Beiträge können aufmerksame LeserInnen entsprechende Schlüsse ziehen, aber selbst hier wird bisweilen manipuliert. [7]

Diejenigen ForscherInnen und AutorInnen dagegen, die sich - außerhalb des universitären Bezirks - im Bereich der alterativen Ur- und Frühgeschichtsforschung einen Namen gemacht und Meriten erworben haben, wie etwa Augustus Le Plongeon [8], Charles Berlitz [9], Robert Charroux [10] oder Dr. Horst Friedrich [11] werden verkürzend, tendentiös-abwertend sowie ohne jede tiefere Sachkenntnis abgehandelt, und - siehe etwa Friedrich, der als "Chronologiekritiker" präsentiert wird - in 'Schubladen' kategorisiert, die sich in erster Linie an den Vorurteilen und Diffamierungs-Bedürfnissen der 'Crackpot-Hunter' orientieren, welche in der Wikipedia-Hierarchie bisher ziemlich unbeschränkt agieren können.

Letztlich bewirkt das bei Wikipedia enzyklopädisch umgesetzte, neo-scholastische 'Schubladen-Denken' zielführend, dass Wikipedia-LeserInnen den Eindruck gewinnen müssen, Atlantisforschung & Co. seien höchst dubiose und keineswegs ernst zu nehmende Angelegenheiten, mit welchen sich nur "SpinnerInnen", aber keine "seriösen" ForscherInnen befassen - eine Feststellung, die natürlich gleichermaßen auch für alle anderen Bereiche alternativer oder devianter Forschung gilt.

Ein weiteres, Wikipedia betreffendes, Problem ist - nicht nur aus unserer Sicht - die Dreistigkeit, mit der dort missliebige Beiträge in die "Löschhölle" geschickt, d.h. letztlich vernichtet werden, wobei den AdministratorInnen zumindest der Vorwurf zu machen ist, diesem Treiben durch Tatenlosigkeit Vorschub zu leisten. Betroffen sind auch hier gerade Beiträge über außenseiterische ForscherInnen - wie etwa François de Sarre [12], der bei der französischsprachigen Wikipédia anstandslos behandelt werden kann [13] - oder solche, die man dort offenbar dafür hält - wie etwa Franz Wegener [14] - dessen Lemma bei Wikipedia gelöscht wurde, obwohl seine Arbeiten in diversen anderen Beiträgen der "freien Enzyklopädie" erwähnt und als Quellen verwendet werden (siehe dort: Suchergebnisse).

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Was diese Löschpraxis (nicht nur) gegenüber missliebigen Beiträgen zu wissenschaftlich devianten bzw. grenzwissenschaftlichen Fragen, oder über Personen aus diesem Bereich, angeht (wobei offenbar besonders gerne "Relevanzkriterien" vorgeschoben werden [15]), kann einem - auch bei größter Sympathie für das 'Gesamtkunstwerk Wikipedia' - bisweilen schon der sprichwörtliche 'Kragen platzen', und es erscheint uns wenig verwunderlich, dass inzwischen mehrere Alternativ-Wikis entstanden sind, die sich ausschließlich oder zum großen Teil der 'Rettung' von Beiträgen widmen, die bei ihrer 'großen Schwester' wegzensiert werden (siehe etwa: MARJORIE-WIKI - Enzyklopädie der gelöschten Wikipedia Artikel (leider nicht mehr online!; Dez. 2013) und Enzyklopädie PlusPedia - Wissen ist Willkommen). [16]

Vor diesem Hintergrund dürfte nachvollziehbar sein, warum wir in vielen Fällen auf eine Verlinkung zu Wikipedia verzichten müssen [17], und stattdessen versuchen, entweder auf andere externe Quellen zurückzugreifen, oder aber trotz des zusätzlichen Arbeitsaufwands eigene Beiträge, z.B. zur Diskussion und Bestimmung bestimmter Begriffe und Termini, zu erstellen. In jedem Fall weisen wir unsere LeserInnen ausdrücklich darauf hin, dass auch von uns verlinkte Artikel bei Wikipedia, die sich mit dem Themenfeld 'Wissenschaft' befassen, mit Vorsicht zu 'genießen' sind, und dies gilt natürlich ebenso für solche Artikel, in denen es um Begriffe und Inhalte zur Erd-, Menschheits- und Zivilisationsgeschichte bzw. zu deren Erforschung geht.

Bleibt abschließend die Frage, ob die gegenwärtigen Mißstände bei der deutschsprachigen Wikipedia resignierend als unveränderlich hingenommen werden müssen, oder ob sich daran etwas ändern lässt; ob sich z.B. grenzwissenschaftlich tätige Fachleute mit Sachkompetenz innerhalb des Projekts Wikipedia stärker engagieren sollten, um ein Gegengewicht zum derzeit dominanten Scientisten-Lobby aufzubauen, oder ob stattdessen die Entwicklung alternativer 'Spezial-Wikis' als informationelle Alternativen vorzuziehen sei.

Im Prinzip stehen wir diesbezüglich auf dem Standpunkt, dass Wikipedia als zentrales, enzyklopädisches Informationsmedium im Internet ein viel zu wertvolles - und im Grundsatz höchst unterstützenswertes! - Projekt ist, als dass es 'kampflos' denjenigen überlassen werden sollte, die versuchen, es als Mittel zur Propaganda für bestimmte Weltanschauungen (wie Scientismus und Pseudo-Skeptizismus) zu instrumentalisieren. Alternative Projekte aufzubauen mag in einzelnen Fällen (z.B. Grewiki) Sinn machen, dürfte aber in der Regel - sofern es sich um 'offene' Wikis wie das Original handelt - nicht zuletzt angesichts des im Web ansteigenden Vandalismus, ein höchst problematisches Unterfangen darstellen. [18] Überdies würde mit einer reinen 'Ausweichstrategie', die ausschließlich auf alternative Spezial-Wikis setzt, letztlich nur denjenigen ein Gefallen getan, die ohnehin bestrebt sind, Andersdenkende aus dem Projekt zu drängen, um dort um so unbeschwerter 'schalten und walten' zu können.

Allerdings wäre es, angesichts der - mehr oder weniger - fruchtlosen Diskussionen, die in der Vergangenheit bei und um Wikipedia bereits geführt wurden (siehe etwa die Relevanzdebatte Ende 2009), blanke 'Donquichotterie' und reine Zeitverschwendung, als 'EinzelkämpferIn' oder in kleinen Grüppchen die verkrusteten Strukturen bei der deutschsprachigen Wikipedia aufbrechen und das Projekt 'renovieren' zu wollen. Dazu bedarf es vermutlich konzertierter Aktionen und der Vernetzung konstruktiver Wikipedia-KritikerInnen mit ganz unterschiedlichem Hintergrund, sowie ernsthafter Anstrengungen, um möglichst viele NutzerInnen der "freien Enzyklopädie" zum Nachdenken zu bewegen und zu aktivieren.

Was unser eigenes Projekt, Atlantisforschung.de, angeht, versuchen wir damit jedenfalls unter anderem auch all jenen, die für Wikipedia qualifizierte Beiträge zu Themen aus Bereichen wie Atlantisforschung, Primhistorik alternative Erd-, Menschheits- und Zivilisations-Geschichtsforschung (Katastrophismus, Diffusionismus usw.), Wissenschaftskritik [19] etc. verfassen (oder bestehende verbessern) möchten, dazu notwendiges Grundlagen-Material - inklusive der benötigten Quellenangaben - an die Hand zu geben. Damit wollen wir nicht nur einen, zumindest indirekten, Beitrag zur Verbesserung von Wikipedia leisten; als - mit derzeit bereits weit mehr als zehntausend Links auf Wikipedia - einer der quantitativ größten aktiven Nutzer dieser Online-Enzyklopädie verstehen wir unsere diesbezügliche 'Zuliefer-Arbeit' in gewisser Weise auch als ein 'Dankeschön' an die Adresse aller WikipedianerInnen, die durch ihre beeindruckende, kollektive Leistung 'enzyklopädische Geschichte' geschrieben - und auch uns bei unserer Arbeit sehr geholfen haben!

Team Atlantisforschung.de (Dezember 2010)


Externa


Anmerkungen und Quellen

  1. Siehe den Wikipedia-Artikel: Besiedlung Amerikas (Stand: 20. Feb. 2010)
  2. Siehe den Wikipedia-Artikel: Visočica, Abschnitt: Die sogenannten Pyramiden bei Visoko (Stand: 20. Feb. 2010)
  3. Siehe den Wikipedia-Artikel: Bimini (Bahamas), Abschnitt: Die Bimini Road (Stand: 20. Feb. 2010)
  4. Siehe dazu den Wikipedia-Beitrag: Chiemgau-Einschlag (Stand: 20. Feb. 2010)
  5. Anmerkung: Nur in wenigen, besonders prominenten Fällen, bei denen es schlechterdings unmöglich ist, den Bezug der betreffenden Personen zur Atlantisforschung auszublenden, wird von dieser 'Wikipedia-Regel' abgewichen. Siehe dort z.B.: Jean-Sylvain Bailly, Spyridon Marinatos, Eberhard Zangger, Jürgen Spanuth und Siegfried Schoppe
  6. Siehe dort z.B.: Alexander von Humboldt, Gerhard Herm, Charles Schuchert, Pierre-Marie Termier, Helmut Tributsch, John V. Luce, Ulrich Sonnemann (zu ihm siehe zum Vergleich auch: "Ulrich Sonnemann" bei Atlantisforschung.de)
  7. So findet sich etwa die sowohl atlantologische als auch meeresgeologische - also explizit wissenschaftliche Arbeit "Atlantide" des französischen Geologen Pierre-Marie Termier (immerhin veröffentlicht im 'Bulletin de l’Institute Océanographique de Monaco', Bd. 256, S. 1 – 146, 1913!) im Wikipedia-Beitrag über Termier (Stand: 1. Feb. 2010) nicht unter seinen geologischen Werken eingeordnet, sondern unter "Literarische Schriften".
  8. Siehe den Wikipedia-Beitrag: Augustus Le Plongeon (Stand: 20. Feb. 2010)
  9. Siehe den Wikipedia-Beitrag: Charles Berlitz (Stand: 20. Feb. 2010)
  10. Siehe den Wikipedia-Beitrag: Robert Charroux (Stand: 20. Feb. 2010)
  11. Siehe den Wikipedia-Beitrag: Horst Friedrich (Chronologiekritiker) (Stand: 20. Feb. 2010) sowie die dazu gehörige Diskussionsseite, auf welcher dem promovierten Wissenschaftshistoriker von Hobby-Enzyklopädisten abgesprochen wird, ein Wissenschaftler zu sein.
  12. Siehe dazu die, an 'Dummdreistigkeit' kaum zu überbietende Lösch-"Diskussion" bei Wikipdia
  13. Siehe: François de Sarre, bei: Wikipédia - L'encyclopédie libre (Stand: 20. Feb. 2010)
  14. Siehe dazu die Lösch-"Diskussion" bei Wikipedia
  15. Vermutlich spielt hierbei vielmehr eine pseudo-skeptische scientific correctness die zentrale Rolle, zumal anzunehmen ist, dass bei der deutschsprachigen Wikipedia hinter den Kulissen gezielte 'Lobby-Arbeit' durch AnhängerInnen der so genannten "Skeptiker-Bewegung" betrieben wird. Siehe dazu auch: GWUP-POV bei Wikipedia (GWUP-Watch)
  16. Für ein vergleichbares Projekt im Zusammenhang mit der englischsprachigen Wikipedia, wo vergleichbare Zustände herrschen, siehe z.B. das: Speedy deletion Wiki (abgerufen: 11.12.2013)
  17. Als besonders prägnantes Beispiel sei hier der Wikipedia-Beitrag zum Begriff "Forschung" erwähnt, der ein 'Paradebeispiel' für Scientismus in Reinkultur darstellt; wird dort doch per definitionem suggeriert, bei "Forschung" handle es sich um eine Tätigkeit, die ausschließlich an Universitäten und Instituten bzw. "in industriellem Rahmen" stattfinde.
  18. Nicht ohne Grund haben wir bei Atlantisforschung.de - und auch die KollegInnen der englischsprachigen atlantipedia.com - uns für redaktionell gesteuerte Konzepte entschieden!
  19. Ein 'Wink mit dem Zaunpfahl': Das Lemma "Wissenschaftskritik" gibt es - bezeichnender Weise! - bei Wikipedia (noch) nicht!!!