Chryse und Argyre

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Abb. 1 Eine moderne Faksimile-Karte von Martin Behaims Erdapfel-Globus aus dem Jahr 1492. Chryse und Argyre befinden sich im selben Kartenausschnitt wie Cipangu (Japan) auf der rechten Seite. Chryse befindet sich westlich der Südspitze und ist mit Crisis bezeichnet und gelbbraun gefärbt. Argyre liegt südwestlich von Chryse, ist mit Argire bezeichnet und weiß gefärbt. Man beachte das Fehlen von Amerika. (Für eine vergrößerte Ansicht bitte das Bild anklicken!)

(red) Chryse [1] und Argyre sind die Namen zweier sagenhaft-legendärer Inseln im Indischen Ozean (Abb. 1), die ihre Benennung der Behauptung verdanken, dass sie aus Gold (auf Griechisch: Chrysos) und Silber (Argyros) bestanden, oder aber zumindest enorm reich an diesen Edelmetallen gewesen sein sollen. [2]

Im 6. Buch, Kapitel 23, seiner Naturalis historia schrieb Plinius der Ältere (Abb. 2) (23–79 n. Chr.) über die Gebiete am Indus unter anderem: "Jenseits der Indusmündung liegen die an Metallen reichen Inseln Chryse und Argyre Aber was einige Leute anbelangt, die sagen, dass ihr Boden aus Gold und Silber besteht, so bin ich nicht bereit, dies zu glauben." [3]

Abb. 2 Plinius der Ältere lieferte die älteste bekannte Erwähnung von Chryse und Argyre

Etwa fünf oder sechs Jahrhunderte später wiederholte Isidor von Sevilla (ca. 560–636) in Abschnitt XIV.vi.11 seinen enzyklopädischen Etymologiae die gleichen Informationen: "Chryse und Argyre sind Inseln im Indischen Ozean, die so reich an Metall sind, dass viele Menschen behaupten, diese Inseln hätten eine Oberfläche aus Gold und Silber, wovon ihre Namen abgeleitet sind." [4] Dies wurde - wie auch vieles andere in den Etymologiae, wie Isidor offen eingestand - mit ziemlicher Sicherheit direkt aus der Naturgeschichte des Plinius entnommen. Beide lateinischen Werke, die Naturalis historia und insbesondere die Etymologiae, waren im Mittelalter in Europa weit verbreitet, und dies sicherte das Überleben der Legende von den Gold- und Silberinseln bis zum Beginn des Zeitalters der Entdeckungen.

Als europäische Geographen zuverlässigere Informationen über den Indischen Ozean sammelten, verlagerte sich der vermutete Standort von Chryse und Argyre immer weiter nach Osten an den Rand der bekannten Welt. Als Martin Behaim 1492 seinen Erdapfel-Globus schuf, wurde angenommen, dass die Inseln in der Nähe von Japan liegen, möglicherweise weil Marco Polo Japan selbst (das er Cipangu nannte) als reich an Gold und Silber bezeichnet hatte. Es ist bekannt, dass Behaim sowohl Plinius als auch Marco Polo als Quellen genutzt hat.

Dann veränderte die moderne Wiederentdeckung Amerikas alles. Europäische Entdecker fuhren nun auf der Suche nach sagenumwobenen Goldländern in Richtung Westen nach El Dorado, anstatt gen Osten nach Cipangu. Die Werke des Isidor von Sevilla gerieten aus der Mode, und die Inseln Chryse und Argyre verschwanden langsam aus dem allgemeinen Wissensschatz. Dies änderte sich erst wieder im 19. Jahrhundert, als der italienische Astronom Giovanni Schiaparelli - ein Kenner antiker Erdkunde und Mytho-Geographie - bei seinen Mars-Observationen zwei von ihm beobachtete Strukturen auf dem 'Roten Planeten' nach den beiden legendären Inseln benannte, die heute als as Chryse Planitia, (Chryse-Ebene) und Argyre Planitia (Argyre-Ebene) bekannt sind.



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Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag basiert auf dem Lemma "Chryse and Argyre" bei Wikipedia - The Free Encyclopedia (Stand: 14. Dezember 2019). Übersetzung ins Deutsche und redaktionelle Bearbeitung durch Atlantisforschung.de.

Fußnoten:

  1. Anmerkung: Nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen und ebenfalls sagenhaften Insel Chryse in der nördlichen Ägäis!
  2. Anmerkung: Stelios Grant Pavlou verweist allerdings auf Johnson's Universal Cyclopaedia aus dem Jahr 1894, in der hinsichtlich Argyre eine völlig andere Darstellung präsentiert wird. Unter dem Stichwort »Iabadin« heißt es dort: Dies ist "der Name, unter dem Ptolemaios eine riesige Insel Ostindiens in der Nähe des Goldenen Chersonēsos beschrieb. Sie war an Korn fruchtbar und brachte Gold hervor; Die Hauptstadt hieß Argyre. Aufgrund der Ähnlichkeit der Namen, die beide >Gerste< bedeuten, wird angenommen, dass sie mit Java identisch sind, obwohl Humboldt für Sumatra argumentiert." Quelle: Adams, Charles K., in Johnson's Universal Cyclopaedia. New York (A.J. Johnson Co], 1894, Band 4, S. 469; zit. nach: Stelios Grant Pavlou, "Argyre" bei Atlantipedia.org (abgerufen: 14. Dezember 2019; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  3. Siehe: Pliny the Elder, Bostock, John; Riley, H.T. (Hrsg.), "The Natural History, Book 6", Perseus Digital Library, Tufts University
  4. Siehe: Isidore of Seville. Barney, Stephen A.; Lewis, W.J.; Beach, J.A.; Berghof, Oliver (Hrsg.), "The Etymologies of Isidore of Seville" (PDF-Datei), sfponline.org, Cambridge University Press, S. 294

Bild-Quellen:

1) Ernst Ravenstein (1834–1913) (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:RavensteinBehaim.jpg
2) Library of Congress (Sammlung) bei Wikimedia Commons, unter: File:Pliny the Elder.png