Plinius der Ältere

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von Tony O’Connell

Abb. 1 Plinius der Ältere (Gaius Plinius Secundus), 23-79 n.d.Z.

Plinius der Ältere (23 -79 n.d.Z.) - oder genauer gesagt: Gaius Plinius Secundus (Abb. 1) - war ein römischer Schriftsteller und Naturforscher, dessen einziges erhalten gebliebenes Werk die 37-bändige Naturalis historia (Abb. 2) ist, die heute als erste Enzyklopädie betrachtet wird. Plinius dem Älteren wird der Ausspruch zugeschrieben, es sei "nur eines sicher, nämlich dass nichts sicher ist.”

Abb. 2 Titelblatt einer neuzeitlichen Ausgabe der Naturalis historia(e)

Plinius liefert eine Reihe von Verweisen auf Atlantis, die uns zusätzlich zu den Schriften Platos einige kleine Hinweise verschaffen. Jürgen Spanuth zitiert eine Textstelle (vi.49), wo Plinius notiert, dass es in Sogdien, im heutigen Usbekistan, angeblich einen Altar und ‘Säulen des Herakles’ gegeben habe. Zudem beschreibt er (vii.56) den Zusammenstoß zwischen den Athenern und Atlantern als erste verzeichnete Schlacht [der Geschichte]. Interessanter Weise berichtet er darüber hinaus über diesen Konflikt, es sei dabei mit im Feuer gehärteten Holzstöcken gefochten worden, da [die Beteiligten] noch nicht über Eisen verfügten. Aus diesem Kommentar können wir zudem ableiten, dass sie auch noch keine Bronze kannten, womit dieser Krieg der Steinzeit zuzuordnen wäre. Plinius´ Kommentar würde dieses Ereignis somit irgendwann zwischen 4000 v.Chr. und 2000 v.Chr. platzieren.

Anton Mifsud notiert [1], wie über die Jahrhunderte hinweg diverse Versionen von Plinius´ Texten Auslassungen und Abänderungen bewirkt haben. Plinius erwähnt Atlantis bei mehreren Gelegenheiten, doch individuelle Übersetzungen haben differierende Bezüge auf ‘Atlantis’, die 'Inseln von Atlantis’ und dem 'Atlantischen Meer' verursacht. Zumal davon ausgegangen wird, dass Plinius´ Schriften mit Fehlern behaftet sind [2], trägt solch willkürliche Herumpfuscherei am Text durch Übersetzer kaum dazu bei, bei einem durchschnittlichen Leser Vertrauen zu wecken! [3]

In seinen Bemerkungen zu den Inseln vor der Westküste Afrikas bemerkt Plinius, dass es dort, [mehrere Tagesreisen; d.Ü.] ‘entfernt vom Berg Atlas eine Atlantis genannte Insel gegeben habe (vi.36). [4]

Plinius zufolge sei 'Atlantier' einst der Name gewesen, der für alle Äthiopier verwendet wurde, einschließlich einiger, die als 'Weiße Äthiopier' bekannt waren. Äthiopier war wiederum ein Begriff, der auf alle Afrikaner angewendet wurde.

Plinius starb an einer Vergiftung durch tödliche Gase, während er bemüht war, einen Ausbruch des Vesuvs zu studieren.



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Anmerkungen und Quellen

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Dieser Beitrag von Tony O’Connell (©) wurde in englischspachiger Origiginalfassung am 10. Juni 2010 bei Atlantipedia.ie unter dem Titel "Pliny the Elder" veröffentlicht. Bei Atlantisforschung.de erscheint er (24.01.2012) als Eigenübersetzung ins Deutsche mit redaktioneller Bearbeiung.

Einzelverweise:

  1. Siehe: Anton Mifsud, Simon Mifsud, Chris Agius Sultana, Charles Savona-Ventura, "Malta – Echoes of Plato’s Island", Prehistoric Society of Malta, 2000
  2. Red. Anmerkung: ...was bei antiken Texten zur Geographie und Geschichte wohl auch kaum anders möglich ist!
  3. Red. Anmerkung: Hierzu sei erläuternd auf die zugrunde liegende Übersetzungs-Problematik hingewiesen. In der Tat bedeutete Άτλαντὶς (Átlantìs) - für sich genommen - zunächst ja nur "zum Atlas gehörig" oder sinngemäß "atlantisch". Eine genauere Ausdeutung wird erst in Verbindung mit einem Hauptwort möglich, so zuerst bei Herodot in Kombination mit dem Begriff θάλασσα (thálassa = Meer) als "Atlantische See" und später (bei Platon) in Kombination mit dem Wort νῆσος (nē̂sos = Insel) als "zum Atlas gehörige Insel" oder sinngemäß "Atlantikinsel". (Einmal mehr ist zu betonen, dass es sich bei 'Atlantis' - als verkürzte Form von "Άτλαντὶς νῆσος" (= Atlantis insula = "Atlantische Insel") - ursprünglich NICHT um einen Eigennamen, sondern um einen ortsbestimmenden, geographischen Begriff gehandelt hat!) Da bereits bei den nachplatonischen Autoren der Antike offenbar ein entsprechender sprachlicher 'Abschliff' der beiden genannten Wortkombinationen stattfand (durch das Weglassen des jeweiligen substantivischen Bestimmungsbegriffs), werden die Interpretations-Probleme bzw. die Konfusion nachvollziehbar, auf welche Mifsud im Zusammenhang mit den Übersetzungen der Naturalis historia hinweist.
  4. Red. Anmerkung: Dabei ist kaum davon auszugehen, dass Plinius´ und Platons 'Atlantiden' identisch sind. Augenscheinlich handelt es sich dabei um unterschiedliche Atlantik-Inseln.

Bild-Quellen:

(1) Wikimedia Commons, unter: File:Grande Illustrazione del Lombardo Veneto Vol 3 Plinio Secondo 300dpi.jpg

(2) Wikimedia Commons, unter: File:Naturalishistoria.jpg