Der erste Perserkrieg (493-481 v. Chr.)

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Atlantis und die Perserkriege, Teil III

Abb. 1 Großkönig Dareios I. von Persien reagierte auf die griechische Unterstützung des Ionischen Aufstands, wie zu erwarten: Er mobilisierte seine Militär-Maschine zu einem vernichtenden Schlag gegen die dreisten Zwergstaaten im fernen Westen seines riesigen Reiches.

(bb) Für den Perser-Großkönig Dareios (Abb. 1) war die halbherzige 'Schützenhilfe', welche die aufständischen ionischen Griechen aus ihrem Mutterland erhalten hatten, eine Provokation, die er nicht unbeantwortet lassen konnte: "Wenn auch die einfachen Transportmöglichkeiten und die weiten Entfernungen dem Perserkönig nur die Aufbietung eines verhältnismäßig kleinen Teiles seiner Streitkräfte gestattete, so war doch das Heer, mit dem 493 v. Chr. Mardonios, der Schwiegersohn des Königs, den Hellespont überquerte, für die Griechen ein übermächtiger Gegner. Mardonios begann zu Wasser und zu Lande gleichzeitig den Angriff. Er unterwarf die makedonische Insel Thasos ohne Widerstand und zwang die Makedonier, die [...] sich in der Sicherheit ihrer Berge immer wieder erhoben, [erneut] unter die persische Herrschaft." [1]

Schon zwanzig Jahre zuvor war ihm im Verlauf eines Feldzuges gegen die europäischen Skythen die "Einrichtung zweier, wenn auch loser europäischer Untertanenbezirke" gelungen, "dem thrakischen Balkangebiet und dem nördlichen Teil von Griechenland mit Makedonien und Thessalien." [2] Der eigentlich geplante Großangriff des Mardonios auf Hellas musste jedoch zunächst noch unterbleiben, da die persische Expeditions-Flotte verloren ging: "Sie hatte Befehl, Mardonios im Thermaischen Meerbusen zu erwarten. Als sie das Vorgebirge Athos umsegelte, wurde sie in dem klippenreichen Meer von einem heftigen Sturm vernichtet. Mardonios trat den Rückzug an, der Zusammenstoß mit den Griechen war hinausgeschoben." [3]

Dareios schickte daher zunächst "Gesandte nach Griechenland, die Erde und Wasser zum Zeichen der Unterwerfung fordern sollten. Die Inseln demütigten sich fast ausnahmslos, ebenso viele Städte. Selbst Ägina, damals die erste Seemacht von Hellas, ergab sich. Nur Sparta und Athen ermordeten wider das Völkerrecht die Gesandten Persiens." [4] Damit hatten Sparta und Athen sich endgültig die Todfeindschaft des persischen Herrschers zugezogen, der nun eine noch massivere Mobilmachung betrieb, um zu Lande und zur See einen vernichtenden Schlag führen zu können. 490 v. Chr. schifften sich die persischen Streitkräfte unter dem Befehl des Meders Datis sowie von Artaphernes, einem Schwiegersohn des Großkönigs, an der kilikischen Küste ein.

Das erste Ziel der Perser war die Insel Euböa: "Die wichtigste Stadt der Insel, Eretria, war das erste Angriffsziel, weil sie den aufständischen Joniern zu Hilfe gekommen war. Obwohl die Bürger anfangs von Athen Unterstützung bekamen, wagten sie den Kampf nicht in offener Feldschlacht, sondern verteidigten sich hinter ihren Mauern. Aber schon nach sechstägiger Belagerung drangen die Perser durch Verrat in die Stadt ein und zerstörten sie als Vergeltung für den Brand von Sardes." [5]

Nun stieß die Flotte gen Attika vor, um Athen anzugreifen, das inzwischen fast völlig isoliert war und ohne Verbündete dastand, denn von seinen thebanischen Nachbarn war keine Unterstützung zu erwarten, und auch die mit Athen um die Vormachtstellung in der hellenischen Welt konkurrierenden Spartaner lehnten jede Waffenhilfe kategorisch ab, obwohl ihnen klar sein musste, dass sie selber das nächste Angriffsziel der persischen Streitkräfte sein würden. Offiziell berief sich der spartanische Hof dabei auf hohe religiöse Feiertage, an denen im Lande Friedenspflicht herrsche; wahrscheinlicher ist, dass man darauf setzte, dass die Truppen der Athener und Perser sich gegenseitig dezimieren würden, bevor man selber in die Kampfhandlungen eingriff.

Abb. 2 Die Schlacht von Marathon ging nicht als taktische Meisterleistung des Athener Feldherrn Militiades in die Geschichte ein, sondern durch eine eigentlich unwesentliche Episode im Anschluss an die Kampfhandlungen: den tödlich endenden 'Marathon-Lauf' des Melders, der die Siegesbotschaft überbrachte.

Dass die persischen Kommandeure nicht vorhatten, Athen zu schleifen, sondern es unter ihre Oberhoheit zwingen wollten, wird daran deutlich, dass sich der Peisistratide Hippias, vor der demokratischen Revolution Tyrann von Athen, als Gast bei ihnen befand. Vermutlich durfte er darauf hoffen, erneut die Herrschaft über den Stadtstaat zu erringen, wenn auch nur von Dareios´ Gnaden und als Gouverneur eines hellenischen Satelliten des Perserreiches: "Er riet zur Landung an der Strandebene von Marathon, wo einst sein Vater gegen Athen vorgerückt war. Die Perser folgten Hippias und landeten bei Marathon, wo ein Vorgebirge den Schiffen Sicherheit gegen den Nordsturm bot." [6]

Die Athener erwarteten den Aufmarsch der Invasoren nicht "hinter ihren Mauern", wie die unglücklichen Eretrier, sondern die Truppen verließen auf Drängen des Feldherrn Militiades die Stadt, um den Feind im Sumpfland von Marathon zu stellen, wo die zahlenmäßige Überlegenheit der Perser zum Teil kompensiert wurde: "Das versumpfte Gelände zwang die Perser zur Aufgabe ihrer zuwartenden Haltung. Bei Beginn des Angriffes ließ Militiades die Seiten im Laufschritt vorrücken, damit sie dem Pfeilhagel entgingen. Militiades hatte, um seine Schlachtlinie der feindlichen gleich auszudehnen, beide Flügel verstärkt und die Mitte unter Aristides und Themistokles in nur geringer Tiefe aufgestellt. Die Barbaren durchbrachen das Mitteltreffen und drängten die Griechen zurück. Der Sieg war aber entschieden, als die beiden hellenischen Flügel sich zur Mitte drehten und den Feind gleichsam in einer engen Gasse einschlossen." [7]

Bezeichnender Weise war es eine kleine und historisch eigentlich unwesentliche Episode im Anschluss an die Kampfhandlungen, die den Nachruhm dieser Schlacht begründete: "Die Frohbotschaft des Sieges brachte ein Läufer von Marathon über die 42 Kilometer lange Strecke nach Athen. Darauf brach er tot zusammen." [8] Aus militärischer Sicht hatte das Treffen bei Marathon nur einen begrenzten Wert. Die feste Phalanx der geordnet vorgehenden attischen Hopliten hatte sich zwar dem in loser Formation kämpfenden persischen Fußvolk als überlegen erwiesen; der Gegner war jedoch keineswegs vernichtend geschlagen, sondern lediglich zu einem überhasteten Rückzug genötigt worden.

Heuß erklärt dazu: "Marathon konnte auch deshalb keine Vernichtungsschlacht sein, da die Verfolgung des Feindes die Schlachtordnung gelöst hätte. Das persische Heer und die persische Flotte sind also bei verhältnismäßig geringen Verlusten in halbwegs intaktem Zustand entkommen", wobei die Kampfmoral der Perser zunächst ungebrochen blieb. Sie "konnten sogar daran denken, zur See einen Überraschungsschlag auf die vermeintlich vom Heer entblößte Stadt zu unternehmen." Militiades hatte seine Truppen jedoch schon in einem Gewaltmarsch nach Athen zurückgeführt. "Als sie den Irrtum bemerkten [...], brachen die Perser den Feldzug ab und fuhren nach Kleinasien zurück. Die Unterwerfung Griechenlands war wiederum zum bloßen Programm geworden." [9] Ein "Programm" jedenfalls, das von nun an wie ein 'Damokles-Schwert' über den Köpfen der Hellenen baumeln sollte.

Außerdem mag der "Sieg" von Marathon den Athenern zu Kopf gestiegen sein, sie gingen gewissermaßen sogar zum Gegenangriff über: "Um den Persern die Möglichkeit zu nehmen, sich bei einem Angriff auf Athen der ägäischen Inseln als Stützpunkte zu bedienen, fuhr Miltiades mit einem Geschwader von siebzig Schiffen gegen einige kleinere Inseln und steuerte dann nach Paros. Hier stieß er auf so tapferen Widerstand, daß er unverrichteter Dinge heimkehren mußte." [10] Dieser Misserfolg brachte den Feldherrn, der bei den Kämpfen um Paros schwer verwundet wurde, vor ein Scherbengericht, bei dem er nur knapp dem Todesurteil entging. In Ungnade gefallen, starb der Held von Marathon wenig später im Gefängnis an seinen Verletzungen.


Fortsetzung:


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Quelle: Nack & Wägner, "Hellas - Land und Volk der alten Griechen", Bibliothek der alten Kulturen, Wien, 1955 u. 1975, S. 139
  2. Quelle: Alfred Heuß, "Die klassische Zeit - Persisch-karthagischer Angriff und griechische Behauptung", Der Ionische Aufstand; in: Propyläen Weltgeschichte - Eine Universalgeschichte, Herausgegeben von Golo Mann und Alfred Heuß, Dritter Band: Griechenland. Die hellenistische Welt, Berlin / Frankfurt a.M. / Wien, 1962, S. 217
  3. Quelle: Nack & Wägner, op. cit., S. 139
  4. Quelle: ebd.
  5. Quelle: ebd.
  6. Quelle: ebd., S. 140
  7. Quelle: ebd.
  8. Quelle: ebd.
  9. Quelle: Alfred Heuß, op. cit., S. 222-223
  10. Quelle: Nack & Wägner, op. cit., S. 140-141

Bild-Quellen:

1) Wikipedia, Dareios I (Version nicht mehr online)
2) Ralf Eschbach, ABRISS DER GRIECHISCHEN GESCHICHTE VON SOLON (594 v. Chr.) BIS ZUM ENDE DES HELLENISMUS (ca.30 v. Chr.)