Attika

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Abb. 1 Kartographische Abbildung der Halbinsel Attika

(red Die Halbinsel Attika (Abb. 1) - altgriechisch: Ἀττική (Attikē) - ist eine historische Landschaft in Mittelgriechenland, deren bedeutendste Stadt schon zu protohistorischer Zeit Athen war. Im Westen grenzt sie "mit dem Gebirge Kithairon an Böotien. Im Süden wird die Halbinsel durch das Kap Sounion begrenzt. Wichtige Orte waren der Hafen von Piräus bei Athen, Marathon im Nordosten, Eleusis im Westen und Thorikos im Osten. Neben dem Heiligtum der Athene auf der athenischen Akropolis waren das Heiligtum des Poseidon am Kap Sounion, die Mysterien von Eleusis und das Artemis­heiligtum in Brauron bedeutende Kultstätten Attikas." [1]

Im Platonischen Atlantisbericht werden einige der sagenhaften frühen Könige namentlich erwähnt, die einst in Attika geherrscht haben sollen: "...Solon erzählte, die ägyptischen Priester hätten über den damaligen Krieg dergestalt berichtet, dass sie jene alten Athener meistens mit allen denjenigen Namen benannten, nämlich mit dem des Kekrops, Erechtheus, Erichthonios, Erysichthon und den meisten anderen, wie ein jeder auch wirklich von den Vorgängern des Theseus im Umlauf ist, und ebenso sei es mit denen der Frauen gewesen." (Kritias 110 a-b) [2]

Abb. 2 Aigeus, der letzte der zehn sagenhaften Könige von Attika, die dort vor dem Regnum des Theseus geherrscht haben sollen, mit Themis, der Schutzherrin des Orakels von Delphi (Attischer Kylix, ca. 440-430 v. Chr. aus Vulci)

Zu weiterführenden atlantologischen Überlegungen erfahren wir bei Tony O’Connell: "Darauf und auf den Schriften des Pausanias (Graeciae Descriptio 1.2.6) und der Bibliotheke des Apollodorus [3] aufbauend, hat Stavros Papamarinopoulos [4] eine Königsliste Attikas erstellt - Aktaios, Kekrops, Erysichthon, Kranaos (3.14.5), Erichthonios, Pandion, Erechtheus, Kekrops II., Pandion II., Aigeus und Theseus. Obwohl einige [Kritiker] mit Details dieser Liste nicht einverstanden sind, indem sie zum Beispiel behaupten, dass Kekrops und Pandion I und II Duplizierungen sind, ist seine Rekonstruktion vermutlich weitgehend korrekt." [5]

S. Papamarinopoulos kam letztlich, wie es bei Tony O’Connell weiter heißt, zu dem Ergebnis, "dass die Könige, die sich den Atlantiern entgesenstellten, im 16. Jahrhundert v.Chr. lebten. Andere Quellen [6] legen ihr Regnum ins 15. bis 13. Jahrhundert v.Chr., und so gibt es, obwohl vergleichsweise kleinere Unterschiede bei den Kommentatoren vorhanden sind, einen Konsens, dass das 2. vorchristliche Jahrtausend die Zeit dieser frühen Könige war, aber definitiv nicht das 10. Millennium v.Chr. Wie man sehen kann, stützt die Parische Chronik Papamarinopoulos’ Analyse substantiell." [7]

Von atlantologie-historischem Interesse ist im Zusammenhang mit Attika eine Randnotiz, die sich bei Alexander Bessmertny findet: "Eigentümlich ist der Versuch Bartolis [8], der meinte, die Atlantier Platons seien in Wirklichkeit die Perser gewesen und sein ganzer Bericht nur eine mythische Version für den Krieg zwischen Persern und Athenern: Solon habe diese Geschichte erfunden, Plato sie aufgenommen und der Schauplatz des Krieges sei als Atlantis bezeichnet worden. In Wirklichkeit aber sei es Attika [...] Bezeichnend ist es, daß im Jahr 1829, zur Zeit der Hellenschwärmerei, auch Latreille die Meinung vertreten konnte, Atlantis sei in Attika zu suchen." [9] Die letztgenannte Information erscheint allerdings im Licht jüngster Forschung obsolet, denn Thorwald C. Franke bemerkt dazu in aller Kürze: "Bessmertny irrt, wenn er sagt, Latreille [10] [habe] Atlantis in Attika gesehen." [11]


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Quelle: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter: "Attika (Landschaft)" (abgerufen: 10. August 2017)
  2. Quelle: Platon, "KRITIAS (Atlanticus)", nach der Übersetzung von Dr. Franz Susemihl, in: Platon's Werke, vierte Gruppe achtes Bändchen, Stuttgart 1857 (online als PDF-Datei bei opera-platonis.de)
  3. Siehe auf Englisch: Apollodorus - THE LIBRARY BOOK 3, TRANSLATED BY J. G. FRAZER, bei theoi.com (abgerufen: 10. August 2017)
  4. Siehe: Papamarinopoulos S.P. (University of Patras, Department of Geology, Patras, Greece), "ATLANTIS IN SPAIN - Part III: Removing the misunderstandings" (online als PDF-Datei; abgerufen: 10. August 2017)
  5. Quelle: Tony O’Connell, "Attica (L)", 20. Oktober 2011, bei Atlantipedia.ie (abgerufen: 10. August 2017; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  6. Siehe z.B.: YHWH AND THE 70 THIEVES - The History and Chronology of the Bible, unter: Reconstructing the Greek King Lists (abgerufen: 10. August 2017)
  7. Quelle: Tony O’Connell, op. cit. (2011)
  8. Siehe: Giuseppe Bartoli, "Essai sur l'Explication Historique que Platon a donnée de sa République et de son Atlantide", in: Derselbe, Discours par lequel sa Majesté le Roi de Suède à fait l'ouverture de la Diète etc., Band 1, Paris (Couturier), 1779, S. 39-228 (nach: Thorwald C. Franke, siehe Fn. 11)
  9. Quelle: Alexander Bessmertny, "Das Atlantisrätsel - Geschichte und Erklärung der Atlantishypothesen, Leipzig (R. Voigtländer's Verlag), 1932, S. 27
  10. Siehe: Pierre André Latreille, "De l'Atlantide de Platon, lu à l'Académie des Sciences, dans sa séance du 5 juillet 1819", in: Derselbe, Mémoires sur divers surets de l'histoire naturelle des insectes, de géographie ancienne et de chronologie, Paris (Deterville), 1819, S. 196-221
  11. Quelle: Thorwald C. Franke, "Kritische Geschichte der Meinungen und Hypothesen zu Platons Atlantis - Von der Antike über das Mittelalter bis zur Moderne", Norderstedt (BoD), 2016, S. 373

Bild-Quellen:

1) Tony O’Connell, op. cit. (2011)
2) Bibi Saint-Pol bei Wikimedia Commons, unter: File:Themis Aigeus Antikensammlung Berlin F2538.jpg