Atlantis und die Perserkriege

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Abb. 1 War Platons Schilderung eines 'Weltkriegs' zwischen den Atlantern und den Völkern des östlichen Mittelmeer-Raums lediglich eine Allegorie auf die Perserkriege? (Graphik) Eine Annahme, die zur Überprüfung einlädt.

(bb) Zu den angeblich "vernünftigen" Hypothesen, welche die orthodox-schulwissenschaftliche Atlantisforschung im Laufe des 20. Jahrhunderts hervorgebracht hat, gehört auch die Vermutung, bei dem Großen Krieg zwischen Atlantern und Athenern, den Platon im Timaios (24c u. 25b-25d) und im Kritias (108e) erwähnt, habe es sich um eine allegorischen Rückgriff auf die 'Perserkriege' der Hellenen gehandelt.

So schrieb etwa William H. Babcock 1922, er betrachte Atlantis als "eine Art früheres und gleichermaßen kolossales Persien, im Westen statt im Osten, welches den Mittelmeer-Raum überrannte, bis es von der unerschrockenen Standhaftigkeit der großen athenischen Republik aufgehalten wurde. Die höchst authentische Glorie Athens war der Sieg über Xerxes und seine Generale. Wäre dies anders gewesen, dann müssten wir annehmen, dass wir nichts über eine vereitelte Invasion durch Atlantis zu hören bekommen hätten." [1]

1952 äußerte sich in ähnlicher Weise der italienische Archäologe Massimo Pallottino (der die Frage nach der Historizität von Platons Atlantis allerdings ausdrücklich als "offen" bezeichnete). [2] Ein Jahr später (1953) gelangte auch der Kieler Altphilologe Hans Diller zu der Auffassung, der Atlantisbericht sei "eine Paralleleerfindung zu den Perserkriegen, zurückprojiziert in die Vorzeit und an die entgegengesetzte Front verlegt." [3]

In jüngster Vegangenheit (im Jahr 2001) hat der britische Wissenschafts-Journalist Paul Jordan die alte Vorstellung vom 'Großen Krieg' der Atlantida als literarische Allegorie auf die Perserkriege erneut aufgewärmt. [4] Auch der Atlantis-Skeptiker Pierre Vidal-Naquet bestand, wie Tony O’Connell feststellt, "hartnäckig darauf, dass die Perserkriege, mit einigen Modifikationen, eine Parallele zum Krieg der Athener mit Atlantis seien." [5] O’Connell verweist auch auf die, 2008 veröffentlichte, Atlantis-Hypothese von "August Hunt, in welcher eine Verbindung von Atlantis mit dem Perserreich behauptet wird, entweder mit Persepolis oder mit Susa als der von Plato beschriebenen Atlanter-Hauptstadt." [6]

Um der Frage nachgehen können, wie ernst zu nehmen solche Interpretationen tatsächlich sind, sollten wir zunächst unser Schulwissen zu den 'Perserkriegen' etwas auffrischen. Rufen wir uns also in Erinnerung, wann sich dieser historische Konflikt ereignete, worum es dabei ging und wie er verlief. Den Anfang dieser militärischen Konfrontation, die sich über ein halbes Jahrhundert hinzog, markierte ein Aufstand der 'ionischen' (kleinasiatischen) Griechen. Dieser 'Ionische Aufstand' gegen die Besatzungsmacht des Perser unter ihrem Großkönig Dareios brach um das Jahr 500 v. Chr. aus und bildete den Ausgangspunkt für eine Generationen währende 'Erbfeindschaft'.


Fortsetzung:


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von Bernhard Beier © wurde im April/Mai 2006 für Atlantisforschung.de verfasst.

Fußnoten:

  1. Siehe: William H. Babcock, "Legendary Islands of The Atlantic - A Study in Medieval Geography", American Geographical Society, 1922
  2. Siehe: Pallottino, Massimo: "Atlantide", in: Archaeologica Classica 4 (1952), S. 228 - 240
  3. Siehe: H. Diller, "Der Atlantisbericht ein Platonischer Mythos", Kiel, 1953; zit. nach: Jürgen Spanuth, "Die Atlanter - Volk aus dem Bernsteinland", Tübingen, 1976, S. 16
  4. Siehe: Paul Jordan, "The Atlantis-Syndrome", Sutton Publishing, 2001
  5. Quelle: Tony O’Connell, "Persian War", bei: Atlantipedia.ie (abgerufen: 10.09.2012; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de) Red. Anmerkung: Eigentlich müsste es korrekt heißen: "...dass der Krieg der Athener mit Atlantis eine Parallele zu den Perserkriegen sei".
  6. Quelle: ebd.

Bild-Quelle:

1) Alles über die Antike - Beiträge von Schülerinnen und Schülern des Viktoria-Luise-Gymnasiums Hameln, unter: http://www.info-antike.de/perser.jpg