Die Atlantis-Theorie

Regierungs-Offizielle werfen Frage nach ihrer Wahrheit auf

Neue Entdeckungen, welche darauf hindeuten, dass die altertümliche Insel einst Norden und Süden verband, nicht Osten und Westen

aus The Chickasha Daily Express (1908)

Abb. 1 Der Artikel aus dem Chickasha Daily Express vom 15. Juni 1908

Die alte Atlantis-Theorie, dass der diluviale Mensch einst über trockenes Land von der östlichen in die westliche Welt hinüberging, und dass [dieses] Land später unter den Pegel des heutigen Atlantischen Ozeans absank, wird von Wissenschaftlern der US-Regierung angezweifelt, die Ruinen und Hinterlassenschaften entdeckt haben, welche eine neue Theorie stützen, dass die uralte Insel mit Norden und Süden verbunden war, nicht mit Osten und Westen.

Die beiden mit der Angelegenheit von Atlantis in Zusammenhang stehenden Vorkommnisse ereigneten sich im Januar. Das erste war die Vorlage eines Berichts von Dr. J. Walter Fewkes (Abb. 2) bei dem Büro für Ethnologie, nachdem er Monate mit dem Studium der ersten Einwohner der Insel Puerto Rico verbracht hatte. Das zweite war das mysteriöse und vollständige Verschwinden bestimmter großer Inseln vor der Küste von Yucatán. Yucatán ist zugsprochen worden, der ursprüngliche Verteilungs-Punkt gewesen zu sein, von welchem aus primitive Völker nach Südamerika, aber auch nach Mexiko einwanderten. Das Versinken großer Landstrecken innerhalb einer Nacht verleiht der Theorie Farbe, dass einst dort ein immenser Kontinent existierte, wo heute der Atlantik liegt, und dass mit dem Hinfortspülen dieses Kontinents [...] nachfolgend der größere Teil Europas und Nordamerikas geformt wurde.

Der Altvorderen zufolge, von denen wir erste informationen über die Existenz von Atlantis haben, existierte im Atlantischen Ozean, gegenüber vom Berg Atlas, einst eine große Insel, geziert durch jegliche Schönheit, und im Besitz einer zahlreichen Bevölkerung. Ihre Prinzen waren mächtig und drangen nach Europa und Afrika ein, wo sie siegreich waren, zuletzt aber von den Athenern und deren Alliierten geschlagen wurden. Danach, so heißt es in den Mythen, degenerierten die Bewohner von Atlantis bis zur Unfrömmigkeit, und die große Insel wurde daraufhin innerhalb eines Tages und einer Nacht [vom Meer] verschlungen.

Abb. 2 Der Anthropologe und Archäologe Dr. J. Walter Fewkes (im Vordergrund) während Ausgrabungen bei Mesa Verde, Kalifornien, ca. 1910

Dr. Fewkes, der kurz nach der Übernahme der Insel Puerto Rico durch die Vereinigten Staaten dorthin berufen wurde, um die Ethnologie der Insel zu studieren, und der mehrere Jahreszeiten dort verbracht hat, ist zu einer neuen Meinung gelangt und erklärt, die Idee, dass die frühen Menschen jener Insel und der angrenzenden Eilande von Yucatán kamen, und dass die Yucatáner von Atlantis herstammten, sei ziemlich unzutreffend. Er sagt, dass die frühen Puerto-Ricaner aus Südamerika stammten, mir dem die Inseln damals verbunden waren.

Direkt auf die Theorie von Atlantis Bezug nehmend, meint Dr. Fewkes in seinem Bericht: "Bei der Betrachtung der Besiedlung der Westindischen Inseln ist es angemessen, die Möglichkeit zu betonen, dass sich umfassende geologische Veränderungen der Insel-Kontouren ereignet haben können, seit der Mensch sie erstmals kolonisierte. Waren die Kleinen Antillen geologisch in so rezenter Zeit mit Südamerika verbunden, dass der Mensch dort trockenen Fußes eingewandert sein könnte, oder hing Kuba zu einer Zeit mit Nordamerika zusammen, als Erstere ihre frühesten menschlichen Bewohner empfingen?"

"Diejenigen, welche den Gegenstand untersucht haben, machen ein hohes Alter der Hinterlassenschaften des Menschen in diesen Regionen geltend. Die klimatischen Bedingungen, wie sie beispielsweise während der Eiszeit herrschten, könnten den größeren Teil Nordamerikas für eine menschliche Besiedlung ungeeignet gemacht haben, doch der Mensch könnte auf den Westindischen Inseln gelebt haben, während der gesamte nördliche Teil Nordamerikas unbewohnbar war, und während die Antillen von Norden bis Süden ununterbrochen waren."

Deshalb greift die Regierung die Theorie von Atlantis an, indem sie die Worte "von Norden nach Süden" einsetzt, wo es zuvor "von Osten nach Westen" hieß. Dies [war] eine Achse der von bedeutenden Gelehrten hochgehaltenen Theorie, dass [nämlich] Yucatán der ursprüngliche Verbreitungsort auf dieser Seite des Globus gewesen sei, und dass, während die Yucatáner von Atlantis gekommen seien, das Volk von Atlantis aus Ägypten stamme. Andere Wissenschaftler kehrten diese Reihenfolge um und ließen die Ägypter aus Yucatán stammen.


Vergl. dazu auch:


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag eines namentlich ungenannten Autors erschien am 15. Juni 1908 mit dem Titel "Atlantis Theory" in der Zeitung The Chickasha Daily Express aus Chickasha, Oklahoma. Übersetzung ins Deutsche und redaktionelle Bearbeitung durch Atlantisforschung.de nach der digitalisierten Fassung des Original-Artikels (Abb. 1) bei Chronicling America - Historic American Newspapers.

Bild-Quellen:

1) Chronicling America - Historic American Newspapers, unter: The Chickasha daily express., June 15, 1908, Image 7 (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
2) The Technical World Magazine, 1910 / Pmcyclist (Uploader) bei Wikimedia Commons, unter: File:J Walter Fewkes.jpg