Die Mythen der Cheyenne (III)

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von Dr. Renate Schukies

Abb. 1 Oben: Eine Felsritzzeichnung der Mississippi-Kultur, Washington State Park, Missouri [Wellmann, 1976, 88]; unten: Felsritzzeichnung vom selben Ort: Großer und kleiner Donnervogel; vor dem Schnabel Sprachsymbole (Donner); aus dem Flügel kommen Pfeile (Blitze) [Wellmann, 1976, 88].

Die Cheyenne [1] erinnern sich an eine Phase des Gigantismus, in der Menschen und Tiere riesig groß waren. Nach Schlesier beschreiben die Cheyenne ausgestorbene Tiere der Eiszeit, unter anderem den Säbelzahn-Tiger. Sie erinnern sich an drei verschiedene Arten von Pferden (Abb. 2), die sie in ihrer Geschichte gesehen haben: Zuerst gab es kleine Miniaturpferde, dann die riesigen Pferde. Auch das Pferd, wie wir es heute kennen, ist den Cheyenne bereits bekannt gewesen, lange bevor die Spanier es auf dem Kontinent wieder einführten. Fossile Knochen lassen darauf schließen, daß Pferde während der Eiszeit weit verbreitet waren. Zu früheren Zeiten gab es anders aussehende Pferde mit dreifach gesplitteten Hufen, ebenso sehr kleine Pferde von der Größe einer Katze.

Mit erneuten Fluten begann der Frühling und ein reiches Wachstum. Gott gab den roten Menschen Mais zu pflanzen und das Fleisch der Büffel. Von da an gab es keine Fluten mehr und auch keine Hungersnöte. Die roten Menschen blieben in Amerika. Sie vermehrten sich und entwickelten sich in die verschiedenen Stämme mit unterschiedlichen Sprachen. Die Menschen wurden stark im Geiste (Kulturbildung).

Abb. 2 Hier die zeichnerische Rekonstruktion eines Exemplars von Equus conversidens, einer von mehreren Pferdearten, die am Ende des jüngsten Glazials in Nordamerika ausstarben. Woher bezogen die Cheyenne ihr diesbezügliches Wissen, wenn nicht aus uralten Überlieferungen?

In der Phase des Gigantismus brachte Motseyoef / Sweet Medicine den Tsistsistas ihre Kultur, wie sie bis heute überdauert hat. Er übergab ihnen vier heilige Pfeile (Abb. 1), Zeremonien, Sozialstruktur - alles was sie sind. Dies geschah in den Black Hills, am heiligen Berg "Novawhus", "Wo die Menschen gelehrt werden". Von da aus begannen sie mit ihrer Wanderung in die vier Himmelsrichtungen. Zur Zeit des ersten Kulturkontaktes mit den Weißen, der östlich des Mississippi bei den Großen Seen stattfand, befanden sich die Tsistsistas, ihrer eigenen Geschichte gemäß, auf einer ihrer Ost-West-Wanderungen. Sie selbst sagen, dass sie wiederholt in den Plains gelebt haben. Für die Ethnologie hingegen beginnt die Geschichte der Cheyenne im 16. Jahrhundert in den Waldländern der Großen Seen, aus denen sie dann auf die Plains gedrängt wurden und ihre typische Kultur entwickelten.

Die Geschichte über die Besiedelung Nordamerikas, wie sie die Tsistsistas als Zeremonialwissen des Stammes über Generationen mündlich überlieferten, scheint mir eine sehr realistische Schilderung weit zurückliegender Ereignisse zu sein. Doch diese Erinnerung ist präziser als das, was unsere Wissenschaft darüber zu berichten weiß. Könnte es sein, daß die Tsistsistas mehr wissen als wir? Es gibt wissenschaftliche Parallelen: Die direkten Vorfahren des rezenten Menschen lebten nach herrschender Meinung mindestens 50.000 Jahre zeitgleich mit den Neandertalern zusammen. In ihrem südöstlichsten asiatischen Verbreitungsgebiet herrschte auch während der Phasen starker Vergletschenıng recht mildes Klima. In dieser Region begegneten sich die beiden Menschenformen wahrscheinlich zum ersten Mal. Die Steinwerkzeuge, die von den beiden unterschiedlichen Bevölkerungen hergestellt wurden, scheinen einander sehr ähnlich gewesen zu sein. Beide benutzten das gleiche für die mittlere Altsteinzeit typische Werkzeugarsenal. Anatomisch waren die beiden Menschengruppen jedoch sehr verschieden.


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Anmerkungen und Quellen

Dieser - auf einem von der Autorin an der Universität Hamburg gehaltenen Vortrag anlässlich des 500. Jahrestags der angeblichen 'Entdeckung' Amerikas durch Christoph Kolumbus basierende - Beitrag von Dr. Renate Schukies (©) wurde erstveröffentlicht in VORZEIT FRÜHZEIT GEGENWART - Interdisziplinäres Bulletin, Heft 1 / 6. Jahrgang - März 1994. Bei Atlantisforschung.de erscheint er im Februar 2019 in einer redaktionell bearbeiteten, mehrteiligen Online-Version.

Fußnote:

  1. Red. Anmerkung: Der obige Link führt zur Webseite des Northern Cheyenne Tribe. Wer Informationen zu den südlichen Cheyenne wünscht (die offenbar keine eigene Homepage haben), sei hier auf den Artikel "CHEYENNE, SOUTHERN" der Oklahoma Historical Society verwiesen (abgerufen: 21. Februar 2019).

Bild-Quellen:

1) Bild-Archiv Dr. Renate Schukies
2) Karkemish et al. bei Wikimedia Commons, unter: File:Equus conversidens.jpg (Lizenz: Creative-Commons, „Namensnennung 3.0 nicht portiert“)