Die hohle Welt der Nationalsozialisten

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von Louis Pauwels und Jaques Bergier

Abb. 1 Die Hohlweltlehre propagiert ein Weltbild, nach dem wir auf der Innenseite einer gewaltigen Hohlkugel leben.

Wir schreiben den Monat April des Jahres 1942. Deutschland opfert alle seine Kräfte für den Krieg. Nichts, so scheint es, kann die Techniker, die Gelehrten und die Generäle von ihrer unmittelbaren Aufgabe abbringen. Und doch verläßt eine geheimnisvolle Expedition mit der Zustimmung Görings, Himmlers und Hitlers das Festland. Die Mitglieder dieser Forschergruppe sind einige der besten deutschen Radar-Spezialisten.

Unter Führung von Dr. Heinz Fischer, der sich durch seine Arbeiten über die Infraroten Strahlen einen Namen gemacht hat, landen sie auf der Ostseeinsel Rügen. Sie sind mit den vollendetsten Radargeräten ausgestattet. Dabei gibt es zu diesem Zeitpunkt erst wenige dieser Apparate, und man benötigt sie vor allem an den neuralgischen Punkten der deutschen Verteidigung. Die Beobachtungen jedoch, denen man sich auf der Insel Rügen widmen soll, werden im Generalstab der Marine als unerläßlich für die Offensive angesehen, die Hitler an allen Fronten vorbereitet.

Kaum gelandet, läßt Dr. Fischer die Geräte in einem Winkel von 45 Grad gegen den Himmel richten. In der gewählten Richtung ist jedoch offensichtlich nichts zu entdecken. Die anderen Mitglieder der Expedition glauben, es handele sich um einen Versuch. Sie ahnen nicht, was man von ihnen erwartet. Der Zweck der Untersuchungen soll ihnen erst später mitgeteilt werden. Erstaunt bemerken sie, daß die Radargeräte mehrere Tage hindurch in der selben Position verbleiben.

Dann aber kommt die Aufklärung: Der Führer hat gute Gründe, anzunehmen, daß die Erde nicht konvex sondern konkav ist. Wir wohnen nicht auf der Erde, sondern innen und sind somit Fliegen vergleichbar, die sich über die Innenfläche einer Glaskugel bewegen. Die Expedition hatte den Auftrag, den wissenschaftlichen Beweis dieser Wahrheit zu erbringen. Durch die Reflexion der Radarwellen, die sich in gerader Linie fortpflanzen, würde man Bilder von den entferntesten Punkten im Inneren der Kugel erhalten. Die zweite Aufgabe der Expedition war es, durch Reflexion Aufnahmen der bei Scapa Flow ankernden englischen Flotte zu beschaffen.

Martin Gardner berichtet über dieses verrückte Unternehmen auf Rügen in seiner Arbeit In the Name of Science. Auch Dr. Fischer selbst spielt nach dem Krieg darauf an. Professor Gerard P. Kuiper vom Observatorium auf dem Mount Palomar widmete im Jahre 1946 eine Reihe von Artikeln der Hohlweltlehre, die den Anlaß zu dieser Expedition gegeben hatte. So schreibt er in Popular Astronomy: "Wichtige Persönlichkeiten in der deutschen Marine und der Luftwaffe glaubten an die Hohlweltlehre. Vor allem meinten sie, daß es auf Grund dieser Lehre möglich sei, die Bewegungen der englischen Flotte zu beobachten, da die konkave Krümmung der Erde Beobachtungen auf sehr weite Entfernung vermittels der infraroten Strahlen gestatten würde, die ja weniger gekrümmt verlaufen als die sichtbaren Strahlen."

Der Ingenieur Willy Ley berichtet dieselben Tatsachen in seiner im Mai 1947 verfaßten Studie Pseudoscience in Naziland [1]. So erstaunlich es klingt, es ist wahr: hohe nationalsozialistische Funktionäre und Militärexperten leugneten glattweg das, was für jedes kleine Kind unserer zivilisierten Welt eine augenscheinliche Wahrheit ist, daß nämlich die Erde eine Kugel ist und daß wir außen, auf ihrer Oberfläche leben. Über uns, so denkt das kleine Kind, erstreckt sich das endlose Firmament mit seinen Myriaden von Sternen und Milchstraßen. Unter uns befindet sich das Gestein der Erde.

Abb. 2 Im 'Dritten Reich' hatte die Hohlwelt-Lehre 'Hochkonjunktur'. Bild: Das Cover von Johannes Lang´s Buch "Die Hohlwelttheorie" in der 2. Ausgabe von 1938

Gleichgültig, ob das Kind Franzose, Engländer, Amerikaner oder Russe ist, es stimmt in dieser Ansicht völlig überein mit der offiziellen Wissenschaft und ebenso mit allen anerkannten religiösen und philosophischen Thesen. Unsere Moral, unsere Kunst und unsere Technik gründen auf dieser Ansicht, die durch die Erfahrung bewiesen scheint. Wenn irgendetwas die Einheitlichkeit der modernen Kultur deutlich machen kann, dann gewiß die Kosmogonie, die wir alle anerkennen. Über das Wesentliche, nämlich über die Stellung des Menschen und der Erde innerhalb des Universums, sind wir alle einer Meinung, ob wir Marxisten sein mögen oder nicht. Einzig die Nationalsozialisten teilten diese Auffassung nicht.

Für die Anhänger der Hohlweltlehre, die jene berühmte pseudowissenschaftliche Expedition auf die Insel Rügen veranstalteten, leben wir im Innern einer Kugel und sind somit in eine Gesteinsmasse eingeschlossen, die sich bis in die Unendlichkeit erstreckt. Wir haften gewissermaßen an der konkaven Innenseite der Kugel, in deren Mitte sich der Himmel befindet. Dieser wiederum ist eine Masse aus bläulichem Gas mit glänzenden Lichtpunkten, die wir für Sterne halten. Es gibt nur die Sonne und den Mond, doch sind diese unendlich viel kleiner, als die orthodoxen Astronomen behaupten. Damit aber erschöpft sich das Universum. Wir sind allein, im Fels eingeschlossen.

Wir wollen jetzt einmal sehen, wie diese Anschauung entstanden ist. Sie leitet sich aus Legenden, aus intuitiven Eingebungen und Erleuchtungen her. Eine Nation, die in einen Krieg verwickelt ist, in dem die Technik alles bedeutet, verlangt im Jahr 1942 von der Wissenschaft, sie solle die Mystik unterstützen, und von der Mystik, sie solle die Technik bereichern.

Auch in Paris oder London gibt es exzentrische Denker, Entdecker abwegiger Kosmogonien, Propheten aller möglichen Verrücktheiten. Sie verfassen Flugschriften, sie stöbern in den Hinterzimmern der Buchhandlungen herum, sie halten Ansprachen im Hyde Park oder in der "Salle de Géographie" auf dem Boulevard Saint-Germain. In Hitlerdeutschland hingegen erleben wir es, daß Leute diese Art die Kräfte der Nation und die technische Apparatur einer im Krieg befindlichen Armee mobilisieren. Wir erleben es, daß sie auf die Generalstäbler, die Politiker und Wissenschaftler einen entscheidenden Einfluß ausüben.

Wir stehen hier einer völlig neuen Geistesrichtung gegenüber, die sich auf die Verachtung der klassischen Kultur und der Vernunft gründet. Die Intuition, die Mystik, die dichterische Eingebung rangieren hier auf gleicher Stufe mit der wissenschaftlichen Forschung und der rationellen Erkenntnis. "Wenn ich von Kultur reden höre, ziehe ich meinen Revolver", sagt Göring. Dieser Satz ist in doppelter Hinsicht erschreckend: einmal im wörtlichen Sinne, der uns Göring-Ubu zeigt, wie er den Intellektuellen den Schädel einschlägt, zum anderen aber in einem viel tieferen und für das, was wir Kultur nennen, viel gefährlicheren Sinne, denn hier zeigt sich uns ein Göring, der Explosivgeschosse wie die Hörbigersche Kosmogonie [vergl. dazu: Hanns Hörbiger: Ein Universum aus Feuer und Eis?; d.Red.], die Hohlweltlehre oder die Mystik der Thule-Gesellschaft abfeuert.

Die Hohlweltlehre wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Amerika geboren. Am 10. April 1818 erhielten alle Mitglieder des amerikanischen Kongresses, die Rektoren der Universitäten und einige bedeutende Wissenschaftler den folgenden Brief: "Saint Louis, Missouri, Nordamerika, 19. April. An die ganze Welt! Ich erkläre hiermit, daß die Erde hohl und in ihrem Inneren bewohnbar ist. Sie enthält mehrere konzentrische feste Kugeln, die ineinander verschachtelt sind, und ist am Pol mit einer Öffnung von 12 bis 16 Grad versehen. Ich mache mich anheischig, die Wahrheit meiner Behauptung zu beweisen, und bin bereit, das Innere der Erde zu erforschen, wenn die Welt sich entschließt, mich bei meinem Vorhaben zu unterstützen. Jno. Cleves Symnes, Hauptmann der Infanterie a.D. von Ohio."

Abb. 3 Cyrus Teed erklärte bereits 1870, die Erde sei hohl.

Sprague de Camp und Willy Ley fassen in ihrer schönen Arbeit The Lands beyond die Theorie und das Abenteuer des ehemaligen Hauptmanns der Infanterie folgendermaßen zusammen: "Symnes behauptet, daß, da alles in der Welt hohl ist, wie zum Beispiel die Knochen, die Haare, die Pflanzenstengel, auch die Planeten hohl sein müßten und daß man im Falle der Erde fünf kugelförmige Gebilde unterscheiden könne, die ineinander geschoben seien und deren jedes sowohl von innen wie von außen bewohnbar sei. Außerdem seien sie an den Polen mit geräumigen Öffnungen ausgestattet, so daß die Bewohner jeder Kugel sich von jedem beliebigen Punkt des Inneren einen anderen und ebenso auf die Außenseite begeben könnten, so wie eine Ameise, die zuerst über die innere und dann über die äußere Fläche einer Porzellankugel läuft...

Symnes zog seine Vortragsreisen wie Wahlkampagnen auf. Bei seinem Tod hinterließ er Stöße von Notizen und das kleine Holzmodell seines Globus, das sich zur Zeit in der Akademie der Naturwissenschaften von Philadelphia befindet. Sein Sohn, Americ Vespucius Symes, war einer seiner Schüler und versuchte, die nachgelassenen Notizen zu einem einheitlichen Band zusammenzufassen. Er fügte eine Hypothese an, laut der, wenn die Zeit erfüllt sei, die zehn verlorenen Stämme Israels, die vermutlich in der innersten der Kugeln lebten, wiedergefunden würden."

Im Jahr 1870 behauptet ein anderer Amerikaner, Cyrus Read Teed (Abb. 3), ebenfalls, daß die Erde hohl sei. Teed war ein hochgebildeter Mann, der sich insbesondere mit der alchimistischen Literatur befaßt hatte. 1869, während er in seinem Laboratorium arbeitete und über das Buch Jesaia meditierte, hatte er eine Erleuchtung. Er begriff auf einmal, daß wir nicht auf der Erde, sondern in ihrem Inneren wohnen. Da diese Vision seiner Ansicht nach gewisse alte Sagen bestätigte, begründete er eine Art Religion und verkündete seine Lehre in einer kleinen Zeitschrift, die er The Sword of Fire betitelte. 1894 hatte er bereits mehr als viertausend fanatische Anhänger gewonnen. Er gab seiner Religion auch einen Namen: den Koreschismus. Im Jahr 1908 starb er, nachdem er verkündet hatte, daß sein Leichnam nicht in Verwesung übergehen werde. Zwei Tage nach seinem Tod jedoch sahen seine Anhänger sich genötigt, ihn einzubalsamieren.

Diese Vorstellung von der hohlen Erde knüpft an eine Überlieferung an, die man allerorten und zu allen Zeiten antrifft. Die ältesten Werke der religiösen Literatur sprechen von einer abgesonderten, unter der Erdkruste gelegenen Welt, in der die Toten und die Geister hausen. Als Gilgamesch, der legendäre Held der Alten Sumerer und der babylonischen Epen, seinen Ahnherrn Utnapischtim besuchen will, steigt er ins Erdinnere hinab, und hier sucht auch Orpheus die Seele seiner Eurydike. Odysseus bringt, als er an den Grenzen des Abendlandes angekommen ist, ein Opfer, damit die Geister der Abgeschiedenen aus der Tiefe der Erde heraufsteigen und ihm ihren Rat erteilen.

Pluton herrscht in der Unterwelt über die Geister der Toten. Und dorthin verbannen die germanischen Sagen auch Venus. Dante verlegt die Hölle in die inneren Kreise. In der europäischen Folklore wohnen die Drachen unter der Erde, und die Japaner stellen sich vor, daß in den Tiefen ihrer Insel ein Ungeheuer haust, dessen Zuckungen die Erde erzittern lassen.

Abb. 4 Der britische Schriftsteller Baron Edward George Bulwer-Lytton (1803-1873) lieferte mit seinem 1871 erschienenen Roman "The Coming Race" eine literarische Vorlage für spätere Hohlwelt-Theorien.

Wir sprachen bereits von der vor-nationalsozialistischen Geheimgesellschaft, der Vril-Gesellschaft, die diese Legenden mit den Thesen vermengte, die der englische Schriftsteller Bulwer-Lytton (Abb. 4) in seinem Roman The Coming Race aufgestellt hatte. Nach Ansicht der Mitglieder dieser Gruppe bewohnen Wesen, die über höhere psychische Kräfte als wir verfügen, Höhlen im Mittelpunkt der Erde. Eines Tages werden sie daraus hervorkommen, um die Herrschaft über uns anzutreten.

Nach Beendigung des Ersten Weltkriegs entdeckt [Peter] Bender, ein junger deutscher Flieger, der in französische Gefangenschaft geraten war, einige alte Exemplare von Teeds Zeitschrift The Sword of Fire sowie etliche Propagandabroschüren, in denen die Behauptung vertreten wurde, daß die Erde hohl sei. Er fühlt sich von dieser Doktrin angesprochen, erfährt selbst eine Art Erleuchtung und entwickelt die Doktrin weiter. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland begründet er eine Bewegung, die Hohlweltlehre. Dabei stützt er sich auf die Arbeiten eines anderen Amerikaners, Marshall B. Gardner, der im Jahr 1913 ein Werk veröffentlicht hatte, in dem er den Beweis erbringen wollte, dass die Sonne nicht über der Erde steht, sondern in ihrem Mittelpunkt, und daß ihre Strahlen einen Druck ausüben, der uns auf der konkaven Erdoberfläche festbannt.

Für Bender ist die Erde eine Kugel mit denselben Dimensionen, die ihr auch die orthodoxe Geographie zuschreibt; aber sie ist hohl, und das Leben wird vermittels gewisser von der Sonne ausgehender Strahlen auf ihrer Innenfläche festgehalten. Darüber befinden sich unendliche Gesteinsmassen. Die Luftschicht im Inneren der Kugel ist sechzig Kilometer hoch, dann verdünnt sie sich immer mehr bis zu dem absolut luftleeren Raum im Mittelpunkt, in dem drei Körper schweben: die Sonne, der Mond und das Weltall-Phantom.

Das Weltall-Phantom ist eine Kugel aus bläulichem Gas, in der Lichtkörner aufschimmern, die von den Astronomen als Sterne bezeichnet werden. Es wird Nacht auf einem Teil der konkaven Erdenfläche, wenn diese blaue Masse vor der Sonne vorbeizieht und der Schatten dieser Masse Verfinsterungen auf dem Mond hervorruft. Wir glauben an ein äußeres Universum, das sich über uns befindet, weil die Lichtstrahlen sich nicht in gerader Linie bewegen: sie sind, mit Ausnahme der infraroten Strahlen, gekrümmt. Diese Theorie Benders sollte um 1930 populär werden. Leitende Persönlichkeiten des Dritten Reichs, hohe Offiziere der Marine und der Luftwaffe glaubten an die Hohlweltlehre.

Es erscheint uns völlig unbegreiflich, daß Männer, die die Führung einer Nation übernommen hatten, sich in ihren Maßnahmen teilweise nach mystischen Intuitionen richteten, welche die Existenz unseres Universums leugneten. Man muß jedoch bedenken, daß in Deutschland dem einfachen Mann, dem Mann von der Straße, der schwer unter der Wirtschaftskrise und der Arbeitslosigkeit gelitten hatte, um 1930 die Theorien der Hohlweltlehre auch nicht wahnwitziger vorkamen als der Gedanke, daß ein winziges Körnchen Materie unbegrenzte Energiequellen enthalten könne, oder die Vorstellung einer vierdimensionalen Welt.

Die Wissenschaft hatte seit dem Ende des 19. Jahrhunderts einen Weg eingeschlagen, der nicht mehr der des sogenannten gesunden Menschenverstandes war. Für naive, unglückliche und mystisch veranlagte Menschen wurde jede phantastische Idee glaubhaft, vor allem wenn sie so verständlich und tröstlich war wie die Hohlweltlehre. Hitler und seine Gefährten waren Männer aus dem Volk und Gegner des reinen Intellekts; ihnen mußten die Gedanken Benders viel einleuchtender erscheinen als die Theorien Einsteins, die eine unendlich komplizierte und außerordentlich schwer fassbare Welt voraussetzten.

Abb. 5 J. Lang gehörte zu den Autoren, welche die Hohlwelt-Lehre Anfang der 1930er Jahre in Deutschland populär machten. Sein "Das neue Weltbild" erschien in diversen Auflagen (1933, 1935, 1937, 1941 sowie 1949 unter dem Titel "Das neue Weltbild der Hohlwelttheorie".)

Zwar war die Bendersche Welt offensichtlich ebenso vernunftwidrig wie die von Einstein heraufbeschworene, aber um sie zu begreifen, bedurfte es gewissermaßen nur eines Wahnsinns ersten Grades. Bender baute seine Erklärung der Welt auf verrückten Voraussetzungen auf, doch die weitere Entwicklung seiner Gedanken war vernunftgemäß. Der Verrückte hat alles verloren, nur nicht die Vernunft!

Die Hohlweltlehre, die den Menschen als einziges geistbegabtes Lebewesen hinstellte, das Weltall auf die Dimensionen der Erde beschränkte und dem Menschen das Gefühl vermittelte, daß er umschlossen, eingefangen, beschützt war wie der Fötus im Mutterleib, befriedigte gewisse Hoffnungen der unglücklichen Seele, die in ihrem Stolz gekränkt und von Haß auf die äußere Welt erfüllt war. Außerdem war sie die einzige deutsche These, die man dem Juden Einstein entgegenstellen konnte.

Die Theorie Einsteins beruht auf den Experimenten von Michelson und Morley, durch die sie bewiesen, daß die Geschwindigkeit des Lichts, das sich parallel zur Erdumdrehung bewegt, gleich der Geschwindigkeit der Lichtstrahlen ist, die senkrecht zur Erdbewegung verlaufen. Einstein folgert daraus, daß das Licht also nicht durch irgend ein Mittel "getragen" wird, sondern selbst aus unabhängigen Korpuskeln besteht. Von dieser Gegebenheit ausgehend bemerkt Einstein, daß das Licht sich im Sinne der Bewegung zusammenzieht und daß es eine Lichtenergie gibt.

Nach dem System Benders ist die Erde hohl und bewegt sich somit nicht. Es gibt für ihn keinen Michelson-Effekt. Die Hohlweltlehre trägt der Realität also scheinbar ebenso Rechnung wie die Theorie Einsteins. Zu jener Zeit waren Einsteins Überlegungen noch durch keine experimentelle Nachprüfung unterbaut worden: noch hatte keine Atombombe diese Gedanken auf eine ebenso absolute wie erschreckende Weise bekräftigt. Die führenden Persönlichkeiten des Nationalsozialismus hielten sich für berechtigt den Arbeiten des genialen Juden jeden Wert abzusprechen. Damit begannen sie ihre Verfolgungstaktik gegen die jüdischen Gelehrten und ihren Kampf gegen die offizielle Wissenschaft.

Einstein, Teller, Fermi und eine Anzahl anderer bedeutender Männer mußten emigrieren. Sie fanden gastliche Aufnahme in den Vereinigten Staaten, wo ihnen reichliche Geldmittel und vorzüglich ausgestattete Laboratorien zur Verfügung gestellt wurden. Hier entstand die Grundlage für die Atommacht Amerika. Der Auftrieb der okkulten Kräfte in Deutschland war es, der den Amerikanern die Atomernergie bescherte.

Das wichtigste Forschungszentrum der amerikanischen Armee befindet sich in Dayton, im Staate Ohio. 1957 wurde bekannt, daß es im Laboratorium dieser Forschungsstätte gelungen war, eine Temperatur von einer Million Grad zu erzielen. Der Mann aber, dem dieses außer-ordentliche Experiment glückte, hieß Dr. Heinz Fischer - es war derselbe Heinz Fischer, der seinerzeit die Expedition auf die Insel Rügen angeführt hatte, welche die Thesen der Hohlweltlehre bestätigen sollte. Als die amerikanischen Journalisten ihn über seine Vergangenheit befragten, erklärte er: "Die Nazis ließen mich die Arbeit eines Wahnsinnigen verrichten und beeinträchtigten damit erheblich den Fortgang meiner Forschungen." Mann kann sich fragen, was wohl geschehen wäre, und wie der Krieg sich entwickelt hätte, wenn die Forschungen Dr. Fischers nicht zugunsten des Mystikers Bender unterbrochen worden wären...

Nach dem negativen Ausgang der Versuche auf der Insel Rügen sank das Renommé Benders in den Augen der NS-Führer trotz der Protektion, die Göring dem früheren Helden der Luftfahrt, für den er Sympathie empfand, angedeihen ließ. Die Anhänger Hörbigers, die Verfechter der Welteislehre, trugen den Sieg davon. Bender kam schließlich in ein Konzentrationslager, wo er starb. So hatte die Hohlweltlehre ihren Märtyrer bekommen.

Doch schon lange vor der verrückten Expedition nach Rügen hatten die Schüler Hörbigers Bender mit Hohn überschüttet und das Verbot seiner Schriften gefordert. Das Hörbigersche System erhob Anspruch darauf, eine für alle verbindliche Lehre zu sein: man konnte nicht gleichzeitig an einen Kosmos glauben, in dem Eis und Feuer einen immerwährenden Kampf ausfochten, und an eine in unendliche Gesteinsmassen eingeschlossene Welt. Hitler wurde gebeten, einen Schiedsspruch zu fällen. Seine Antwort stimmt nachdenklich: „Wir brauchen gar keine einheitliche Auffassung von der Struktur der Welt. Sie können alle beide recht haben.“ Das, was zählt, ist nicht der Zusammenhang und die Einheitlichkeit der Sicht, es ist die Zerstörung der aus der Logik hervorgegangenen Systeme, der rationalen Denkmethoden, es sind die mystische Dynamik und die explosive Wucht der Intuition. In den dunkel schimmernden Bereichen des magischen Geistes ist Platz für mehr als einen Funken.


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von Louis Pauwels und Jaques Bergier wurde ihrem Buch "Aufbruch ins dritte Jahrtausend - Von der Zukunft der phantastischen Vernunft" (S. 356-364) entnommen, das 1965 in der Deutschen Buch-Gemeinschaft (Berlin, Darmstadt, Wien) erschienen ist.

Leider war es uns trotz langwieriger und umfassender Recherchen nicht möglich, den derzeitigen Inhaber der Rechte an diesem Werk von Pauwels & Bergier in deutscher Sprache zu ermitteln. Daher erscheint dieser Beitrag bei Atlantisforschung.de vorläufig, in einer redaktionell bearbeiteten Fassung, als wissenschafts- und atlantologie-geschichtliche Dokumentation zu Lehr- und Studienzwecken.

Fußnoten:

  1. Siehe: Willy Ley, Pseudoscience in Naziland; in: Astounding Science Fiction 39 (1947), S. 90-98.

Bild-Quellen:

1) http://www.s-line.de/homepages/keppler/innenweltbild.html (nicht mehr online)
2) Johannes Lang, "Die Hohlwelttheorie", 2. Auflage, Schirmer & Mahlau, 1938 (Erstausgabe 1936) --- nach: Bernd-Ingo Friedrich, hirnsalz.de, unter: http://aphorismen.hirnsalz.de/bildverzeichnis/johannes-lang-hohlwelt-theorie.htm
3) http://www.violations.dabsol.co.uk/search/searchpart3.htm (nicht mehr online)
4) Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter: Datei:Edward George Earle Lytton Bulwer Lytton, 1st Baron Lytton by Henry William Pickersgill.jpg
5) Johannes Lang, "Das neue Weltbild", Schirmer & Mahlau, (?); die Erstausgabe des Buches erschien 1933 --- nach: Dr.Helmer, unter: Sagenhafte Geheimprojekte, bei: wallstreet-online.de