Heilige Zeichen und "sonderbare Symbole"

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Ein kleiner Abstecher in die wunderliche Welt der ägyptischen Hieroglyphen

von unserem Gastautor Reinhard Habeck (2001)

Abb. 1 Die Königsliste von Abydos - wie unvollständig ist sie wohl?

Bisher hieß es in den Lehrbüchern, dass die Sumerer um 2600 v. Chr. die ersten Schriftzeichen verfasst hätten. Der genaue Zeitpunkt war allerdings immer umstritten. Lange wurde diskutiert, ob Ägypten die Technik in Form der bekannten Hieroglyphen aus dem Zweistromland, dem heutigen Irak, übernommen habe. Neue Funde machen den Sumerern den Vorrang streitig und bringen das bisherige Bild von den Königslisten samt Datierungen ordentlich ins Schwanken. Auslöser dafür sind jüngste Funde aus Abydos, dem Mekka des alten Ägypten. Hier haben Archäologen Belege bislang unbekannter Pharaonen sowie Zeugnisse der ersten Schrift dingfest gemacht. [1]

"Die Funde von Abydos haben die Grenze zwischen Geschichte und Vorgeschichte zurückgeschoben", erklärt der Ausgrabungsleiter Professor Dr. Günter Dreyer. Besonders bedeutsam ist die Entdeckung einer regierenden Herrscherlinie, der so genannten "Nullten Dynastie", die bis in die Zeit um 3.300 v. Chr. zurückreicht. Damit wird das Raster von 31 ägyptischen Dynastien um eine erweitert. Ob sie wirklich die allererste ist, müssen weitere Ausgrabungen klären.

Rund 160 ausgebuddelte winzige, kaum zwei mal zwei Zentimeter große Elfenbeinplättchen enthalten verschiedene Ritzzeichen. Inzwischen steht fest: Es handelt sich nicht nur, wie zunächst vermutet, um einfache Bildersymbole, sondern tatsächlich um eine Schrift. Dazu der Ägyptologe Dreyer: "Es ist Schrift, weil die Zeichen als reines Symbol unsinnig wären." Eine der Übersetzungen lautet: "Schlange über Bergspitzen neben Himmelsblitz." Damit ist klar, es sind wirklich Texte. Die ältesten entzifferbaren, wenngleich die Bedeutung in allen Einzelheiten noch Fragen offen lässt. Noch weit ältere Schriftformen, wie etwa jene aus Harappa in Pakistan, bleiben gänzlich unverstanden, da ihre Sprache völlig unbekannt ist. [2]

Dreyer geht davon aus, dass es "noch zehn Jahre dauern wird, bis die Fachwelt die Ergebnisse annimmt." Ob der deutsche Ägyptologe hier mit seiner Einschätzung nicht zu optimistisch ist? Faktum ist: Das Reich am Nil wird immer älter.

Abb. 2 Der Fund des mit einem
in drei Schriften (Hieroglyphen, Demotisch und Altgriechisch) eingemeißelten Priesterdekret versehenen 'Steins von Rosette' (Bild) ermöglichte endlich die Übersetzung altägyptischer Texte.

Durch die Übersetzungen der Hieroglyphen auf dem berühmten von Rosette (Abb. 2) seien heute, so heißt es, alle ägyptischen Texte lesbar geworden. Wirklich alle? "Es wird häufig vergessen, dass die früheste Form der Hieroglyphen noch immer nicht übersetzt werden kann", schreibt der Historiker Michael Baigent in seinem Buch "Das Ratsel der Sphinx". Ebenso wenig sei bekannt, wann, wo und wie diese Zeichen sich entwickelt haben und welche Art von Information sie verbergen.

Ungewöhnliche Hieroglyphen (Abb. 3), die den zuständigen Sprachforschern Mühsal bereiten, befinden sih im Sethos-Tempel von Abydos. Die Gravuren zeigen Gegenstände, die ob ihrer Gleichklänge mit modernen technischen Errungenschaften verblüffen. Die merkwürdigsten Darstellungen zieren den Deckenbalken über einem Türfries, das sich im Gang der "Allee des Amun-Re" befindet und einen Zugang zum "1. Säulensaal" des Tempels ermöglicht. Das Relief enthält Abbildungen und verleitet unvoreingenommene, fantasiebegabte Betrachter dazu, Vergleiche anzustellen: "Sieht aus wie..."

Eine der Illusstrationen "sieht aus wie ... ein helikopterähnliches Fluggerät." Deutlich sind die Rotoren zu erkennen. Rechts davon -- ein Fahrzeug. Es sieht aus ... ein Kampfpanzer oder ein Kanonenboot. Das Rohr ist nicht zu übersehen. Darunter: ein stromlinienförmiges "Gefährt". Es könnte sich dabei um ein Fluggerät mit Höhen- und Seitenleitwerken oder um eine Art Unterseeboot handeln. Eine Etage tiefer: ein Gegenstand, der verdächtig einer (auf den Kopf gestellten) "Schusswaffe" ähneln. Eine altägyptische Maschinenpistole?

Der an der Universität Trier tätige deutsche Professor Dr. Erich Winter widerspricht einer solchen Auffassung: "...für Ägyptologen, die über entsprechende Erfahrung auf dem Gebiet der Inschriften verfügen, ist die Frage leicht zu lösen. Die Ägypter haben oftmals ihre eigenen Inschriften überarbeitet, indem sie ein versenktes Relief mit einer Stuckschicht überzogen und die neue Version in die wieder geglättete Fläche einzumeißeln. Im Laufe der Zeit fiel der Stuck ab. as man heute sieht, sind die übereinander geschriebenen BEIDEN Versionen, also ein Eindruck, den man zur Zeit der alten Ägypter niemals hatte."

Abb. 3 Die mysteriösen Glyphen im Sethos-Tempel von Abydos, bei denen es sich nach schulwissenschaftlicher Ansicht lediglich um ein Zufallsprodukt handeln soll. Eine wenig glaubwürdige Behauptung, die nun schon seit vielen Jahren unbewiesen im Raum steht.

Wir sind wieder einmal beim "Zufall" gelandet. Sicher mag es vorkommen, dass eine Hieroglyphe durch Überarbeitung zufällig ein technisches Erscheinungsbild erhält. Unklar bleibt aber, weshalb sich hier gleich eine ganze Gruppe von Hieroglyphen im modernen Sinn als "Waffensysteme" interpretieren lässt. Man tut sich schwer, hier bloß an "Zufälle" zu glauben. Erst recht, wenn man weiß, was in den Überlieferungen der Pyyramidentexte steht: Ausgerechnet die alte Stadt Abydos wird dort als "Kriegsschauplatz der Götter" genannt. Wiederum nur eine "zufällige" Übereinstimmung? [3]

Abydos ist kein Einzelfall. Die Entzifferung der ägyptischen Hieroglyphenschrift ist zwar weitgehend abgeschlossen, dennoch gibt es etliche Zeichen und Symbole, die in ihrer Deutung umstritten sind.

"Bei vielen ägyptischen Schriftzeichen ist unklar (bei einigen sogar ungeklärt)", schreibt der deutsche Mysterienforscher Hans-Werner Sachmann, "auf welche Vorbilder (Personen, Gegenstände, Geschehnisse) ihre späteren Abbildungen ursprünglich zurückgehen und ob sie nicht in der Folgezeit - wegen vorliegender Ähnlichkeiten im Aussehen für ganz andere Begriffe Verwendung fanden." Sachmann führt als Beispiel eine Glyphe an, die auf einer Mauer des "Heiligen Teichs" in der Tempelanlage von Karnak abgebildet ist. Es sei das Zeichen für eine "Papyrusrolle", sagen die Gelehrten. Modern interpretiert, erinnert die ungewöhnliche Abbildung eher an ein gepanzertes Fahrzeug. Eine Spekulation, zugegeben. Aber was stellt das ominöse Zeichen wirklich dar? So eindeutig scheint die Gegebenheit nämlich selbst für fachkundige Ägyptologen nicht zu sein.

Hieroglyphen haben oft mehrfache Bedeutung. So steht das Symbol für "Buchrolle" mit leichten Veränderungen für "Opfermatte", "Opferbrot auf einer Matte", gleichzeitig für "Opfer" und "Ruhen", aber genauso gut für "Zufrieden sein". Die "Buchrollen"-Glyphe bedeutet seltsamerweise ebenso "Der Geliebte von...", "Der Bevorzugte von..." und "Der in der vordersten Reihe steht".

Ägyptologen grübeln: "Leider wird dieser theoretisch recht einfache Sachverhalt dadurch verkompliziert, dass viele Hieroglyphen in ihrer Funktion VARIABEL sind und bald als Lautzeichen, bald als Wortzeichen, bald als Deutzeichen erscheinen. Die theoretische Erklärung der Hieroglyphen wird dadurch in einigen Fällen so kompliziert, dass sogar die Meinungen der Fachwissenschaftler nicht immer übereinstimmen."

Theorie scheint bei den zuständigen Linguisten eine besondere Rolle zu spielen. Zeigt die "Buchrolle" aus Luxor vielleicht doch etwas ganz anderes? "Eingerollter Papyrus" oder "vorzeitlicher Panzer"? Oder liegen alle bisherigen Deutungsbemühungen daneben? Hieroglyphen-Auflistungen warnen: "Es ist außerdem zu berücksichtigen, dass bei den hier aufgenommenen Schriftzeichen keineswegs alle Bedeutungsmöglichkeiten notiert sind."


Anmerkungen und Quellen

Habeck - Götter und Mysterien im Alten Ägypten.JPG
Dieser Beitrag von Reinhard Habeck (©) wurde seinem Buch "Götter und Mysterien im alten Ägypten" (Abb. 4) entnommen (S. 75-79), das 2001 in der Taschenbuchreihe Rätselhafte Phänomene des Tosa-Verlags veröffentlicht wurde. Bei Atlantisforschung.de erscheint er im Sept. 2014 mit freundlicher Genehmigung des Autors in einer redaktionell bearbeiteten (Links und Illustration) Online-Fassung.

Fußnoten:

  1. Red.Anmerkung: Für eine ausführliche Darstellung dieser Entdeckungen siehe: Christoph Kucklick, "Und aus Bildern wurde Schrift - Im mittelägyptischen Abydos entdeckten deutsche Forscher die ältesten Schriftzeichen der Menschheit. Und damit den Schlüssel zur bislang rätselhaften Vorgeschichte der pharaonischen Hochkultur" (online als PDF-Datei), in: GEO EPOCHE Nr. 3 - 04/00 Das Reich der Pharaonen
  2. Red. Anmerkung: Zu einer anderen Meinung bezüglich der Industalschrift aus Harappa siehe bei Atlantisforschung.de: Dr. Horst Friedrich, "Eine sensationelle Entzifferung - Vorbemerkungen zu Kurt Schildmanns Entzifferung der »Indus-Kultur«-Schrift als Sanskrit" --- Zu vermuteten, noch älteren und rätselhafteren Schriftzeichen oder deren Vorformen siehe: Reinhard Habeck, "Die 'unlesbaren' Schriften - Rätselhafte Glyphen der Vorzeit
  3. Red. Anmerkung: In der Tat erscheint die oben in Form des Zitats von Prof. Dr. Winter wiedergegebene "Palimpsest-Hypothese" zur Erklärung der mysteriösen Abydos-Glyphen - der offenbar für alle Ägyptologen und Archäologen verbindlichen, schulwissenschaftlichen Standard-Erklärung dieses Phänomens - nicht wirklich überzeugend, zumal sie augenscheinlich nie substanziell durch eine naturwissenschaftlich basierte Untersuchung des Objekts untermauert wurde. Sie weist also - streng wissenschaftlich betrachtet - lediglich den Charakter einer - argumentativ gestützt, aber unbewiesen im Raum stehenden - Tatsachenbehauptung auf. Dagegen macht eine geometrische Analyse des besagten Ensembles durch Jiri Mruzek deutlich, dass es sich dabei mit großer Wahrscheinlichkeit NICHT um ein Zufallsprodukt, sondern um eine sorgfältig konzipierte und bewusst angefertigte Struktur handelt. Siehe: Jiri Mruzek, Prehistoric Science – Complex Mathematics Encrypted in Art, unter: The Abydos Helicopter & Secrets of the Golden Section; zu einer ausführlichen Darstellung der Palimpsest-Hypothese siehe: Markus Pezold, "Abydos: Fahrzeuge der Götter", bei: Mysteria 3000 (abgerufen: 26.09.2014)

Bild-Quellen:

1) Markh und JMCC1 bei Wikimedia Commons, unter: File:Abydos King List.jpg
2) nl:User:Flyingbird bei Wikimedia Commons, unter: File:Rosetta stone nl.jpeg
3) CONSPIRACY.CO ARTICLES, unter: Abydos - A Closer Look (and smaller STS88 pictures for faster loading)
4) Bild-Archiv Atlantisforschung.de