Maltas Megatithvolk

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Auf Malta nach Atlantis reisen, Kap. 3

von Dr. Christiane Dittmann

Abb. 1 Einige Relikte der megalithischen Anlage von Tarxien auf Malta

Vor gut 6000 Jahren wanderte auf die maltesischen Inseln ein neues Volk ein, das die Megalithkultur begründete. Auch an den anderen Küsten Europas findet man Reste ihrer Architektur, die jedoch jünger sind, z. B. in Südspanien, der Bretagne oder Südengland. Über 2000 Jahre haben die Menschen Zeit, auf Malta die älteste Hochkultur Europas zu schaffen und dann endet ganz plötzlich um 2500 v. Chr. das Leben auf der Insel. Über 500 Jahre bleibt das Gebiet unbewohnt. Danach erst kommen die Bronzezeit-Leute, die sich sowohl genetisch als auch von ihren Bauten völlig von der Megalithkultur unterscheiden.

Die Steinzeitmenschen waren Zeitgenossen vom Ötzi und den Sumerern in Mesopotamien. Berühmte Bauwerke wie die Pyramiden von Gizeh, der Palast von Knossos oder Stonehenge entstanden viele Jahrhunderte nach dem Erlöschen der Maltesischen Kultur. Auf diesen Inseln befinden sich die ältesten freistehenden Steingebäude Europas. Nur in Anatolien hat man ältere Megalith-Anlagen ausgraben. Ungeklärt ist, warum das Volk keine Metalle verwendete, obwohl die anderswo schon gebräuchlich waren. Als Werkstoff für Messerklingen und Pfeilspitzen diente Feuerstein und Obsidian. Dieses schwarze, harte Vulkanglas wurde von anderen Inseln, sogar von griechischen herbeigeschafft, was weiträumige Seefahrten beweist.

Und warum lernt man das nicht im Geschichtsunterricht? Weil das Volk sich scheinbar ins Nichts aufgelöst hat, gibt es keine kulturelle Tradition oder Überlieferung, wie z. B. bei den Ägyptern oder von den Minoern auf Kreta zu den Griechen.

Trotzdem sind einige Rückschlüsse auf die Lebensbedingungen möglich. Mit den technischen Möglichkeiten der Steinzeit hat es Generationen gedauert, bis ein Bauwerk vollendet war, vergleichbar unseren mittelalterlichen Domen. Über 40 Tempel wurden auf den Maltesischen Inseln errichtet und diese auch noch häufig umgestaltet. Das ist volkswirtschaftlich nur realisierbar, wenn es so viel Nahrung gibt, dass ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung, vermutlich die Männer, für den landwirtschaftlichen Produktionsprozess nicht gebraucht wird (vgl. Kap. 9: Cart Ruts).

Es fanden sich auch keine Hinweise für gewaltsame Auseinandersetzungen. Offensichtlich gab es alles in Hülle und Fülle und die Religion wirkte als Antiaggressionstraining. Existierte wirklich dieses Paradies auf der Insel Melite, wo Milch und Honig fließen, oder projezieren wir unsere Träume in die gute alte Zeit (vgl. Kap. 5: Opfer)?


Fortsetzung: Obelix (Kap. 4)


Bild-Quelle

(1) Wikimedia Commons, unter: File:Malta 17 Tarxien.jpg