Mehr zur 'Gigantessa di Civitella'

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von Ferdinand Speidel und Bernhard Beier

Abb. 1 Gehörten die Bergregionen der Abruzzen - hier ein Panorama der Salinello-Schluchten in der Nähe der Höhle von Sant´Angelo - zu den Rückzugsgebieten prähistorischer und geschichtlicher Stämme von Riesen?

Nachdem wir erst unlängst - aus einer amerikanischen Quelle [1] schöpfend - von der rätselhaften mittelalterlichen Riesin von Civitella del Tronto erfahren und über sie berichtet haben, Wollen wir nun als Nachtrag auch einen Beitrag aus Italien zu diesen Thema vorstellen. Eigentlich sollte es ja im 'Heimatland' der Riesin weitaus mehr Informationen über sie zu finden geben, aber eine erste Recherche im italienischsprachigen Internet fiel leider ernüchternd dürftig aus [2]. Sie bestätigte in Form einiger kurzer 'Informations-Schnipsel' im Großen und Ganzen nur das, was der amerikanische Riesenforscher Micah Ewers bereits im Jahr 2012 ins Netz gestellt hat. Bisher haben wir lediglich im abruzzolike.blog einen etwas längeren Artikel mit dem Titel "La Gigantessa di Civitella del Tronto" entdeckt, der zumindest einige ergänzende Informationen liefert, welche uns und anderen Interessierten weitere Recherchen erleichtern dürften. Bemerkenswert ist zudem, dass er gleich zu Beginn eine gigantologische Kernfrage aufwirft, die sich vor dem Hintergrund der Entdeckung jener 'Gigantessa' ergibt:

"Lebten einst Riesen in den Abruzzen? Mit Sicherheit lebte in Civitella del Tronto, Provinz Teramo, im Mittelalter eine Riesin, die Riesin von Civitella. Wir wissen nicht, wer sie war oder welche Rolle sie in der Gesellschaft spielte. Alles, was überliefert wurde, zumindest bis zum Beginn der 1970er Jahre, betraf eine Sage über einen Geist von gigantischen Ausmaßen, der die Gegend heimsuchte, es war eine Sage, die in der Gegend verwurzelt war. Was jedoch im Sommer 1971 geschah, ließ der Angelegenheit überraschende Formen geben; es gab der volkstümlichen Stimme eine Basis von Wahrheit und verstärkte zugleich das Geheimnis.

Abb. 2 Mit einer gewissen Verspätung schaffte es die Meldung vom Fund der 'Gigantessa' sogar über den 'großen Teich' nach Amerika. Hier eine Pressenotiz aus dem Eugene Register Guard vom 10. Februar 1972.

1971 fand eine Ausgrabung bei der Höhle Sant´Angelo statt. Unter den Archäologen waren die aus Teramo stammenden Walter Mazzitti und Delfino Fregonese. Die Überraschung war groß, als ein gigantisches Skelett einer Frau von etwa 2,10 m zu Tage kam. Die Arme waren auf der Brust verschränkt, unter dem Nacken lag ein Stein und in der linken Hand hielt die Frau eine Stange aus Eisen und Kupfer, die an einem Ende hakenförmig und in ein Metallnetz gehüllt war, ein eigenartiges Objekt, dessen Verwendungszweck auch heute noch unbekannt ist. Das Skelett stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der Zeit zwischen 1100 und 1200. In der Höhle wurden auch Haare roter Farbe gefunden. Die folgenden Untersuchungen machten die Entdeckung noch beunruhigender: Die Riesin von Civitella, die zwischen 22 und 25 Jahren alt war, hatte einen zerbrochenen Schädel - Zeichen eines gewaltsamen, grausamen Todes." [3]

Diese beiden Absätze des Artikels schneiden gleich mindestens zwei interessante Bereiche der Angelegenheit an. Zum einen ist hier die Erwähnung des ominösen "Geist[es] von gigantischen Ausmaßen" hervorzuheben, der in dieser Gegend gehaust haben soll. Handelt es sich bei ihm um eine Art Manifestation des schlechten Gewissens der Einheimischen ob der Gräueltat, welcher die 'Gigantessa' einst zum Opfer fiel? Immerhin zeigt die respektvolle Bestattung der Riesin - der zweite Punkt, der, hier anzusprechen ist -, dass keineswegs alle Personen in ihrer Umgebung ihr gegenüber eine feindselige Haltung einnahmen.

Abb. 3 Spiegelt das überaus traurige Schicksal der 'Gigantessa' womöglich die Auslöschung der letzten Überlebenden einer Relikt-Population urtümlicher Bewohner des Landes im Mittelalter wider? (Bild: Illustration zu einer Riesenfabel aus dem frühen 16. Jahrhundert)

Oder wurde durch die Legende von besagtem Riesengeist darüber hinaus sogar die Erinnerung an eine Zeit wachgehalten, in der Menschen 'normaler' Größe und Riesen tatsachlich noch als Nachbarn in den Abruzzen lebten? Könnte die 'Gigantessa' womöglich zu einer Relikt-Population überlebender, dort beheimateter Giganten der Vorzeit gehört haben? Waren es vielleicht Angehörige ihrer Sippe oder ihres Stammes, die sie so sorgsam zur letzten Ruhe betteten? All diese Fragen lassen sich derzeit noch nicht beantworten, doch ein intensives Studium der regionalen Folklore, Sagen und Legenden könnte dazu beitragen, sich den gesuchten Antworten zumindest anzunähern - und was dies betrifft, sind jetzt vor allem italienische Kollegen aus dem Bereich der Gigantologie, wie etwa Antonello Lupino, gefragt.

Ein weiteres Schlüssel-Element, um diesen 'Cold Case' der Riesenforschung zumindest halbwegs zufriedenstellend abschließen zu können, ist das oben erwähnte, seltsame Metall-Instrument, das die erschlagene Riesin bei sich trug. doch gerade dessen Zweckbestimmung erscheint als ein zentrales Problem der gesamten Angelegenheit. Dies - aber auch die Bedeutsamkeit der Legende um den "Riesengeist" sowie die Umstände ihrer Entstehung - hebt auch die Autorin des Artikels bei abruzzolike.blog hervor, wo es heißt:

"Der Fund der Riesin von Civitella bleibt ein Rätsel, besonders durch die Unmöglichkeit, den von ihren Händen umklammerten Gegenstand zu klassifizieren. Ein ähnlicher Fund konnte bei keiner Grabung in der Umgebung gemacht werden, obwohl die archäologische Stätte der Höhle von Sant´Angelo sehr reich an Fundstücken ist. Es handelt sich um eine der interessantesten Höhlen der italienischen Prähistorie. Die bis in die 1960er Jahre durchgeführten Grabungen ergaben Funde aus einer weiten Zeitspanne, welche das Neolithikum bis hin zur Eisenzeit umfasst. Viele sind auch mittelalterlichen Ursprungs. Die Riesin von Civitella bleibt jedoch ein ungelöstes Rätsel, wenn noch nach Jahrhunderten die Mär eines Riesengeistes in der Umgebung umgeht, stellt sich die Frage, welch starkes Echo hat seine Existenz verursacht?" [4]

Abschließend bleibt festzustellen, dass das Gebiet von Civitella del Tronto, in dem die sterblichen Überreste der 'Gigantessa' entdeckt wurden, offenbar noch eine Reihe weiterer schaurig-rätselhafter Besonderheiten aufzuweisen hat. Dazu heißt es in unserer Quelle: "Die Sage der Riesin von Civitella del Tronto scheint nur eine der phantastischen Geschichten der Gegend zu sein. Diese scheint sehr empfänglich für paranormale Phänomene verschiedener Art zu sein. Die Gemeinde, zu den schönsten Italiens gehörend, ist in der Tat ein Theater für Legenden, Sagen und Mysterien. Unter den besonders heimgesuchten Örtlichkeiten sind die spanische Festung, der Selbstmordbrunnen und die Alte Quelle, um die Werwölfe spuken sollen. Seltsame Lichter, Klagen [und] obskure Erscheinungen haben die Gemeindeverwaltung veranlasst, die Unterstützung von EPAS (European Paranormal Activity Society) zu erbitten. Bei den Untersuchungen wurden seltsame Geräusche und Klagen vom Grund des Selbstmordbrunnens festgestellt, die Antworten lassen aber das Geheimnis noch im Dunkeln." [5]



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Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Siehe: Joe Taylor, "Giants Against Evolution", Mt. Blanco Fossil Museum (ohne Jahrgang); nach: Micah Ewers, "Skeleton of 7 foot Medieval Giantess, Italy 1971", bei rephaim23
  2. Anmerkung: Als Randnotiz sei kurz angemerkt, dass sich - wen wundert's? - auch in der Wikipedia auf Italienisch rein gar nichts über die 'Gigantessa' findet.
  3. Quelle: Valeria, "La Gigantessa di Civitella del Tronto", 3. Dezember 2017, bei abruzzolike.blog (abgerufen: 25. Mai 2018; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  4. Quelle: ebd.
  5. Quelle: ebd.

Bild-Quellen:

1) Luciodem in der Wikipedia auf Italienisch (Urheber) bei [File:Ripe di Civitella.JPG Wikimedia Commons], unter: File:Ripe di Civitella.JPG (Lizenz/en: Creative-Commons, „3.0 nicht portiert“, „2.5 generisch“, „2.0 generisch“, „1.0 generisch“)
2) o.A., "Tall skeleton found" , 10. Februar 1972, in Eugene Register Guard; nach: Micah Ewers, "Skeleton of 7 foot Medieval Giantess, Italy 1971", bei rephaim23
3) Mattes (Uploader) bei Wikimedia Commons, unter: File:Giant-emblem.gif