Prähistorischer Krieg zwischen Riesen und Zwergen?

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Eine ebenso kuriose wie unterhaltsame Hypothese aus dem späten 19. Jahrhundert

The Sun (New York), 15. Oktober 1894

Abb. 1 Der hier wiedergegebene Artikel aus der New Yorker Zeitung THE SUN vom 15. Oktober 1894

Wir geraten ins Grübeln angesichts der wunderlichen Tatsache, dass jene zwölf Fuß [ca. 3,65 m; d.Ü.] großen Riesen, deren Skelette kürzlich in den Anden ausgegraben wurden, wie in der SUN vom letzten Dienstag berichtet, alle zugrunde gegangen sind, während die vier Fuß [ca. 1,22 m; d.Ü.] großen Zwerge Mittelamerikas, noch immer leben und gedeihen. Wir können lediglich ein paar Fragen stellen, welche, wie wir hoffen, die Zwerge beantworten werden, wenn sie Besuch von unserem Korrespondenten erhalten, der Hispanoamerika erkundet. Wie kommt es, dass die Zwerge sich bis zum heutigen Tag behaupten, während die Riesen alle tot und begraben sind?

Bekämpften die Riesen der Anden und die Zwerge aus deren Nähe einander bis zum [bitteren] Ende und bis zur Auslöschung der 12-Fuß-Leute? Möglich ist es. Marschierten die Zwerge über den Isthmus von Panama zur Stadt der Riesen, die kürzlich von Prof. GUTIERRICH entdeckt wurde [1], schlachteten sie alle ab, einschließlich ihrer riesenhaften Frauen, und marschierten dann über den Isthmus von Panama zurück in ihr eigenes Gebiet? Es sieht so aus, da die Skelette der Riesen genau dort in ihrer gigantischen Stadt gefunden wurden, wo sie fielen, während die Zwerge noch immer das Leben in ihren alten Heimatgebieten genießen.

Warum waren die Zwerge den Riesen gegenüber so gnadenlos? Das muss jetzt von SPEARS [2] herausgefunden werden. Sollten die Zwerge nicht zumindest einen Riesen oder eine Riesin am Leben gelassen haben, um sie im Triumph mit zurück zu nehmen und damit zu zeigen, was für Kerle sie waren? Wir meinen, dass sie dies getan haben sollten, doch es scheint, dass sie anderer Meinung waren. Haben die Zwerge die Riesen verzehrt, wobei sie nur de Knochen zwischen den Ruinen der gigantischen Stadt von Puracé zurückließen? Das ist wahrscheinlich, denn auch die Zwerge, die jetzt in Mittelamerika leben, werden des Kannibalismus beschuldigt.

Wir müssen den Forschungsreisenden der SUN jedenfalls zur Vorsicht raten, wenn er die Zwerge nach Fakten in dieser Angelegenheit fragt, denn sie könnten große Lügner sein. Nimmt die SUN, Zeitalter nach dem Abschlachten der Riesen Partei für diese, oder für die erbarmungslosen Zwerge? Wir müssen neutral bleiben, bis wir weitere Informationen bekommen. Wir dürfen jedoch sagen, dass die Zwerge uns mit dem Auslöschen und Auffressen der Riesen einen guten Dienst erwiesen haben. Wenn die 4 Fuß Großen den 12 Fuß Großen die Möglichkeit gelassen hätten zu leben und sich zu vermehren, so hätten diese es den 5 bis 6 Fuß Großen, welche jetzt in diesem Teil Amerikas die Oberhand haben, zu schwer machen können. Seufzer für die Riesen! Vermutlich hatten sie weniger Grips oder Schneid als die Zwerge. [3]


Kommentar

Abb. 2 Die Provnz Cauca in Kolumbien, in der die 'Stadt der Riesen' angeblich gelegen haben soll

(red) Natürlich ist der oben vorgestellte Artikel aus der damals vielgelesenen SUN eher als amüsante Anekdote, denn als historische Evidenz in Hinblick auf die gigantologische oder nanologische Forschung zu sehen, zumal die - offenbar lediglich von einigen wenigen Zeitschriften aus New York aufgebrachte - Entdeckung der Ruinen einer "Riesenstadt" am Puracé in Kolumbien dem ersten Anschein nach alle Merkmale einer 'Zeitungsente' aufweist. Jedenfalls sind unsere bisherigen Recherchen bezüglich des angeblichen Ausgräbers dieser Stadt, "Professor Guttierrich", ins Leere gelaufen.

Auch stellt sich natürlich die Frage nach dem Sinn eines Feldzugs mittelamerikanischer Zwerge oder Pygmäen [4] in die kolumbianische Provinz Cauca, um dort eine Stadt der Riesen zu schleifen, von welchen es in Zentralamerika - also quasi direkt 'vor ihrer Haustür' - mehr als genug gegeben zu haben scheint. [5] Selbst wenn es keineswegs von der Hand zu weisen ist, dass auch im Großraum der Anden vormals Riesengeschlechter existierten [6], so erscheint es derzeit eher wahrscheinlich, dass diese - und nicht irgendwelche kannibalischen Pygmäen - von Mittelamerika aus dorthin vorgedrungen sind. [7]

Aber wie schon eingangs bemerkt: Unterhaltungswert hat dieser Artikel allemal! Insbesondere der letzte Absatz, in welchem der betreffende Journalist die Neutralität der SUN in Hinsicht auf den vermeintlichen vorzeitlichen Konflikt zwischen Pygmäen und Giganten beschwört und betont, "dass die Zwerge" den normalgroßen Amerikanern "mit dem Auslöschen und Auffressen der Riesen einen guten Dienst erwiesen haben", ist - aus heutigem Blickwinkel - Comedy vom Feinsten.


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Red. Anmerkung: Siehe dazu z.B. die unbetitelte Meldung aus dem Utica Weekly Herald vom Dienstag, den 16. Okt. 1894; siehe fast identisch im Wortlaut auch eine Meldung im New York Herald vom 5. Okt. 1894, nach: Albert Ross Parsons, "The New Light from the Great Pyramid", via: C.W. Clark, THE MOUND BUILDER AND THE INDIAN - ACCORDING TO THE BOOK OF MORMON, in: Ohio State Archaeological and Historical Society, "Archaeological and Historical Publications Vol. XXVI (Ohio archæological and historical quarterly)", Columbus (Ohio) 1887, S. 284
  2. Red. Anmerkung: Bei Herrn SPEARS handelte es sich vermutlich um den Hispanoamerika-Korrespondenten der SUN.
  3. Quelle: o.A., "Giants of Old", 15. Oktober 1894, in The Sun (New York); Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de nach der digitalisierten Fassung bei CHRONICLING AMERICA - Historic American Newspapers, unter: The sun., October 15, 1894, Page 4, Image 4
  4. Siehe zu diesen z.B.: "Pygmy Hunting in Central America", Radio-Vortrag (WNYC in New York City) von James Churchward, 29. Mai 1925 (Audio, 7:03 Min.)
  5. Siehe dazu bei Atlantisforschung.de: Bernhard Beier, "F.S. Clavijero und die Riesen von Anahuac"; sowie: "Der Riesenfund des Charles C. Clapp in Mexiko (1908)" (The Bisbee Daily Review); "Der Riese von Iztapalapa (Mexiko)" (red); "Weitere Riesen-Funde in Mexiko" (red)
  6. Siehe dazu z.B.: Dr. Glenn Kimball, "Die Riesenkönige der Inka"; sowie: "Ein Riesenfund in den Anden im Jahr 1914" (red)
  7. Siehe z.B.: "Die Riesen der Vorzeit" - In Südamerika könnten sie existiert haben (The San Francisco Call, 1893)

Bild-Quellen:

1) CHRONICLING AMERICA - Historic American Newspapers, unter: The sun., October 15, 1894, Page 4, Image 4 (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
2) TUBS bei Wikimedia Commons, unter: File:Cauca in Colombia (mainland).svg