Rafael Requena, Süd-Atlantis und die Primhistorie Venezuelas

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Forscher- und Autorenportrait

Abb. 1 Prof. Dr. Rafael Requena (1879-1946); Foto: Colección IABN

(red) Prof. Dr. Rafael Requena Gonzales (Abb. 1) (* 24. Okt. 1879 in Carúpano, Venezuela; † 20. April 1946 in New York, USA) war ein ve­ne­zo­la­nischer Arzt, Selfmade-Archäologe, Politiker und Staatsbediensteter, der in den 1930er Jahren - aufbauend auf zeitgenössischen geologischen Studien und eigenen archäologischen Funden in seiner Heimat - die These entwickelte, bei Atlantis im Atlantik habe es sich um Überreste gewaltiger panatlantischer Großkontinente gehandelt, die noch vor 250 Millionen Jahren das Bild unserer Erde geprägt haben sollen. (Abb. 2)

Biographische Notizen

1879 als Sohn von Feliciano González Requena' und Epifania Mayz in Carúpano an der Karibik-Küste von Venezuela zur Welt gekommen, ging Rafael Requena dort zur Schule und erwarb im Jahr 1897 am Colegio de Carúpano den akademischen Grad eines B.A. Danach setzte er seine Studien zunächst an der Universidad Central de Venezuela in Caracas fort, wo er 1904 graduierte. Seine medizinische Ausbildung schloss er von 1905 bis 1907 an der Universität von Paris ab. [1]

Nachdem Requena von 1905 bis 1907 im medizinischen Dienst der El Callao Mining Company tätig war, begann er eine Karriere als Politiker und Staatsbediensteter. So wurde er - Venezuela war zu dieser Zeit eine Militärdiktatur - zum Direktor des venezolanischen Ministeriums für Bildung (1909-1911) und zum Generalkonsul von Venezuela in Trinidad (1911-1913) ernannt. Danach war er als Kontrolleur der Steuerbehörden (Interventor de las aduanas) von Puerto Cabello (1913-1915) und Maracaibo (1915-1916) tätig, fungierte von 1916 bis 1917 als Generalkonsul in Santo Domingo und übernnahm von 1917 bis 1918 die Position des Direktors der ve­ne­zo­la­nischen Nationalbibliothek. [2]

Abb. 2 Übersetzung der originalen Bild-Unterschrift: "Diese Karte zeigt, wie die Welt vor annähernd 250.000.000 Jahren aussah, als Nordamerika, Nord-Atlantis genannt, sich von Kalifornien bis zu den Britischen Inseln erstreckte. Süd-Atlantis, dessen Existenz durch kürzlich entdeckte Sand-Schriften [?; d.Ü.] in Venezuela ans Licht gebracht wurde, war ebenso groß."

Von 1921 bis 1923 war Rafael Requena Präsident des ve­ne­zo­la­nischen Kongresses und 1928 Senator im Bundesstaat Aragua, zu dessen Präsidenten er 1929 avancierte; eine Position, die er bis 1931 innehatte. Nachfolgend wurde er von 1931 bis 1933 Privatsekretär des diktatorisch herrschenden Präsidenten General Juan Vicente Gomez. [3] Zu dieser Zeit arbeitete Requena als Privatforscher intensiv an seinen außenseiterischen Theorien zur Erd- und Menschheits-Geschichte, zu denen er 1932 sein Buch "Vestigios de la Atlántida" (Abb. 5) (Überreste von Atlantis) [4] veröffentlichte. Darin stellt er u.a. eine Verbindung zwischen archaisch-präkolumbischen Artefakten, die im venezolanischen Küstengebiet bei der Stadt Valencia gefunden wurden, und Atlantis her. [5]

Am 19. Juni 1933 war Requena, der sich inzwischen auch als Zucker-Fabrikant unternehmerisch betätigte, Gründungsmitglied der venezolanischen Akademie der Naturwissenschaften und Mathematik. Mit dem Tod des Diktators Juan Vicente Gomez im Jahr 1935 und den nachfolgenden gesellschaftlichen Umwälzungen endete seine Karriere dann ziemlich abrupt. Als Repräsentant des alten Regimes und Vertreter des 'Gomezismus' (gomecismo) in Ungnade gefallen, musste er Anfang 1936 in die Vereinigten Staaten ins Exil gehen, wo er bis zu seinem Ableben im Jahr 1946 ansässig blieb. [6]

Mehr über Dr. Requena Gonzales´ Atlantisforschung

Abb. 3 Übersetzung der originalen Bild-Unterschrift: "Ist dies eine Botschaft der Menschen des verlorenen Süd-Atlantis? Dr. Rafael Requena, venezolanischer Regierungsbeamter und bekannter Archäologe glaubt, dass dies so ist. Bisher war er [aber] nicht in der Lage, die Inschriften zu entziffern. Er arbeitet hart an dieser Aufgabe und hofft, dass er mit der Entdeckung des Schlüssels zu dieser uralten Sprache die Geschichte menschlichen Lebens auf der Erde enträtseln wird."

...findet sich z.B. in dem amerikanischen Magazin Modern Mechanix and Inventions, in dessen Ausgabe vom April 1934 ein Beitrag mit dem Titel "Scientists Find Traces of Two Lost Continents" erschien. In diesem interessanten Artikel, der sich mit der atlantologischen Arbeit Requenas und zeitgenössischen Vorstellungen zur Kontinentaldrift befasst, heißt es:

"Über die Zeitalter hinweg hing der Mensch an den Worten Platos. Denn Plato sprach von einem großen Kontinent [7], Atlantis mit Namen, welcher unter die Wasser der See glitt, und dabei eine ganze Zivilisation mit sich trug. Kürzliche Entdeckungen deuten auf das Faktum hin, dass Südamerika, Afrika, Indien, Australien und ein großer Teil der Antarktis-Region vor etwa 250.000.000 Jahren ein einziger Kontinent waren. Ähnliche Entdeckungen enthüllen die Existenz, bis etwa zur selben Periode, eines Nord-Atlantis, einer Art Superkontinent, der von den heutigen Westküsten Nordamerikas bis zu den Britischen Inseln verlief, und es möglicherweise durch ein paar kleine Halbinseln mit Europa verband.

Abb. 4 Übersetzung der originalen Bild-Unterschrift: "Diese seltsamen, puppenartigen Statuen wurden in Venezuela entdeckt. Es wird angenommen, dass sie von den Menschen gemacht wurden, die einst Süd-Atlantis bewohnten. Man beachte die Replikas von Tieren, und wie das ganz rechts befindliche einem Dinosaurier gleicht."

Mysteriöse prähistorische Petroglyphen (Abb. 3) [orig: "rock writing"; d.Ü.], die kürzlich in Venezuela von Dr. Rafael Requena gefunden wurden, hält man für das Werk von Menschen, die auf dem verschollenen Süd-Atlantis lebten. Zusätzlich zu den Schriften hat Dr. Requena viele Relikte einer vergangenen Kultur gefunden. Sie schließen kleine Statuen von Menschen ein (Abb. 4), bei denen Männer und Frauen leicht zu unterscheiden sind, und Nachbildungen von Tieren, von denen viele den merkwürdigen Dinosauriern ähneln [8], welche in anderen Teilen der Welt ausgegraben wurden.

Wenn die Welt einst gemeinhin in nur zwei große Kontinente, Nord- und Süd-Atlantis, unterteilt war, ist es dann möglich, oder sogar wahrscheinlich, dass die Kontinente sich erneut verändern werden? Wissenschaftler mögen diese Frage nicht beantworten, bevor sie nicht über definitivee Evidenzen verfügen, auf welchen ihre Schlussfolgerungen zu basieren sind. Und so schreitet die Arbeit des Ansammelns von Beweisen voran. Es ist eine bedächtige Tätigkeit, die viele Jahre erfordert, weil alle Kalkulationen in einem höchst minuziösen und aufwendigen Maßstab erfolgen müssen. Beobachter an 95 Punkten überall auf der Welt, unter anderem in den Vereinigten Staaten und [an] zwei [Stellen] in Kanada, haben mit der Arbeit begonnen. Sie richten ihre Teleskope auf bestimmte Sterne und machen exakte Aufzeichnungen. Dann wird der Prozess in späteren Jahren wiederholt werden, und die Wissenschaftler meinen, durch einen Abgleich der Notizen bestimmen zu können, ob die Kontinente sich verschieben, und wenn dem so ist, in welcher Richtung und mit welcher Geschwindigkeit. Ozeanographen haben gründliche Studien unternommen und festgestellt, dass das verschollene Nord-Atlantis über viele der selben physischen Charakteristika verfügte, wie sie auch unsere modernen Kontinente aufweisen." [9]

Ein paar weitere Verweise auf Rafael Requenas Atlantologie können wir Tony O’Connells Enzyklopädie Atlantipedia entnehmen. Dort lesen wir, der venezolanische Privatforscher habe in seinem Buch "Vestigios de la Atlántida" zum Ausdruck gebracht, dass "Atlantis eine sehr große Insel im Atlantik war [- vermutlich ein später Überrest des vermuteten alten Süd-Atlantis; d.Red. -], die [später; d.Red] von den alten Ägyptern besiedelt wurde, die von dort aus daran gingen, Kolonien in Amerika zu gründen." [10] Damit werden allerdings mehr Fragen zu Dr. Requenas Bild von Atlantis - z.B. in chronologischer Hinsicht - aufgeworfen als beantwortet. Bei Atlantisforschung.de werden wir uns bemühen, hierzu weitere Informationen zu recherchieren und in deutscher Sprache vorzustellen.


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

Abb. 5 Das Frontcover von R. Requenas Buch "Vestigios de la Atlántida" aus dem Jahr 1932 (Bildvorlage: Versandantiquariat Christine Laist, Seeheim-Jugenheim)
  1. Quelle: Instituto Venezolano de Investigaciones Cientificas, unter: Requena González, Rafael (abgerufen: 4. Juni 2016)
  2. Quelle: ebd.
  3. Quelle: ebd.
  4. Siehe: Rafael Requena, "Vestigios de la Atlántida", Caracas (Tipografía Americana), 1932 (Abb. 5)
  5. Siehe zu diesen Funden und Requenas Theorien auch: Miguel Ángel Prieto (Centro Arqueologico Karimao), "ARQUEOLOGIA DE LOSVESTIGIOS DE LA ATLANTIDA REDESCRIPCION Y REEVALUCION DE LA OBRAHOMONIMA DEL ARQUEOLOGO DR. RAFAEL REQUENA PIONERO DE LA ARQUEOLOGIA ARCAICA DESURAMERICA ARQUEOLOGIA DE LOS >VESTIGIOS DE LA ATLANTIDA< REDESCRIPCION Y REEVALUCION DE LA OBRA HOMONIMADEL ARQUEOLOGO DR. RAFAEL REQUENA PIONERO DE LAARQUEOLOGIA ARCAICA DE SURAMERICA", 2015 (mit zahlreichen Illustrationen), online bei: academia.edu (abgerufen: 4. Juni 2016)
  6. Quelle: Instituto Venezolano de Investigaciones Cientificas, unter: Requena González, Rafael (abgerufen: 4. Juni 2016)
  7. Red. Anmerkung: Tatsächlich sprach Platon in Bezug auf Atlantis NICHT von einem "Kontinent", sondern von einer Insel (νῆσος)!
  8. Vergl. dazu bei Atlantisforschung.de: Bernhard Beier, "Präkolumbische Artefakte und Dinosaurier in Amerika - Urgeschichtliche Kunstwerke stören das überkommene Bild der Menschheitsgeschichte"
  9. Quelle: blog.modernmechanix.com, unter: Scientists Find Traces of Two Lost Continents (Apr, 1934) (abgerufen: 4. Juni 2016; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  10. Quelle: Tony O’Connell, "Requena, Prof. Rafael (I)", 29. Mai 2010, bei Atlantipedia.ie (abgerufen: 4. Juni 2016; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)

Bild-Quellen:

1) Instituto Venezolano de Investigaciones Cientificas, unter: Requena González, Rafael
2) Modern Mechanix and Inventions, April 1934, nach blog.modernmechanix.com, unter: Scientists Find Traces of Two Lost Continents (Apr, 1934) - p. 1 of 2 (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
3) Modern Mechanix and Inventions, April 1934, nach blog.modernmechanix.com, unter: Scientists Find Traces of Two Lost Continents (Apr, 1934) - p. 2 of 2 (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
4) Modern Mechanix and Inventions, April 1934, nach blog.modernmechanix.com, unter: Scientists Find Traces of Two Lost Continents (Apr, 1934) - p. 2 of 2 (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
5) Versandantiquariat Christine Laist, bei: viaLibri, unter: Rafael Requena: Vestigios de la Atlantida - Rafael Requena - 1932. (1032249) (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)