Riesenfunde - in Maryland

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Abb. 1 Die geographische Lage des Staates Maryland in Nordamerika

(bb) Der Bundesstaat Maryland (Abb. 1) gehört trotz seiner geringen Fläche (32,133 km²) durchaus zu den fund- bzw fundmeldungsreichen Gebieten in den USA, was die Überreste und Hinterlassenschaften prähistorischer Riesen in Nordamerika betrifft. Trotzdem erscheinen die beiden wesentlichen Entdeckungen - Ende des 19. Jahrhunderts am Antietam Creek, und Anfang des 20. Jahrhunderts am Choptank River erfolgt - sowohl in wissenschaftsgeschichtlicher als auch gigantologischer Hinsicht interessant, da in beiden, gut dokumentierten Fällen die Akademie der Wissenschaften von Maryland involviert war.

Abb. 2 Der Fundbericht aus The Record-Union vom 18. Dez. 1897

Über den ersten der beiden genannten Funde, der offenbar ein bundesweites Medienecho auslöste [1], berichteten u.a. der Salt Lake Herald vom 14. November 1897 [2], The Clinton Morning Age vom 16. November 1897 [3], der Aberdeen Herald vom 27. Januar 1898 [4], die Virginia Gazette vom 19. Februar 1898 [5] und - mit einiger Verspätung - auch der St. Johns Herald vom 1. Oktober 1898 [6]. Nachfolgend stellen wir eine Übersetzung des Artikels (Abb. 2) aus The Record-Union vom 18. Dezember 1897 vor:

"Gerade ist bei Marylands Akademie der Wissenschaften das Skelett eines 7 Fuß [ca. 2,13 m; d.Ü.] großen Indianers angekommen. Entdeck wurde es vor zehn Tagen beim Antietam. Nun verfügt die Akademie über drei Skelette gewaltiger Indianer, die einst ihre Wildnis im Staate Maryland durchstreiften, bewaffnet mit solchen Instrumenten, wie die Natur sie ihnen verschaffte, oder die sie ihre beschränkten Fähigkeiten [sic!; bb] herzustellen lehrten. Zwei dieser Skelette gehörten zu Individuen von offensichtlich gigantischer Größe. Die Rückenwirbel und Knochen sind annähernd so dick wie jene eines Pferdes, und die Länge der großen Knochen ist außerordentlich. Die Schädel sind von erlesenen Proportionen, geräumig, und mit Wänden von moderater Dicke, aber großer Stärke, und hinten verstärkt durch einen mäcktigen Occipital-Rücken [7] Die Intelligenz nahelegende Wölbung der Stirn ist moderat und nicht rückschreitend, und sie steht im Zusammenhang mit den moderat entwickelten Kiefern.

Abb. 3 Eine fotographische Impression vom Antietam Creek in Maryland, wo Ende des 19. Jahrhunderts mehrere 'Giganten-Skelette' entdeckt wurden

Die Örtlichkeit, von welcher diese Skelette herstammen, befindet sich im Frederick County, in der Nähe des Antietam Creek. Vormals hielt man sie für des Schlachtfeld zweier Indianerstämme, der Catawba und der Delawaren. Die Überlieferung hat einen Bericht weitergegeben, dass die Catawba in den Jahren von 1730 bis 1736 mit einem Bund der Delawaren an der Mündung des Antietam Creek (Abb. 3) aneinander gerieten, und in der folgenden Schlacht wurden die Delawaren vollständig ausgelöscht. So jedenfalls die Überlieferung, aber Dr. Philip R. Uhler zufolge, dem Präsidenten der Akademie der Wissenschaften von Maryland und Provost des Peabody Instituts, hat eine sorgfältige Untersuchung dieser Örtlichkeit bisher noch keine Evidenzen für eine Schlacht ergeben, auch wenn dort zahlreiche Speer- und Pfeilspitzen dem Boden entnommen wurden.

Abb. 4 Der Fundbericht aus der St. John Daily Sun vom 21. Juli 1905

Jedenfalls ist die Feststellung von großem Interesse, dass die Örtlichkeit in einer früheren Zeit - vor der Ankunft des Weißen Mannes - als Standort eines Dorfes von Indianern von hoher Statur bewohnt war, won denen einige sechseinhalb Fuß [ca. 1,98 m; d.Ü.] groß waren. Bestattet wurden ihre Knochen wie jene der prähistorischen Stämme in anderen Teilen des Landes. Die Art der Bestattung war folgendermaßen: Das Fleich wurde von den Knochen gelöst, von denen einige dann angekohlt wurden. Die kleinen Knochen des Gesichts und Nackens wurden in die Schädelhöhle gelegt, und ein rundes Loch von etwa zweieinhalb Fuß [ca. 0,76 m; d.Ü.] Breite wurde in den Boden gegraben, in welchem das Skelett begraben und sorgfältig mit Lehm abgedeckt wurde. In das Grab wurden auch Töpferwaren, ein Tomahawk und andere Waffen gelegt, die zu den Indianern gehörten. Kein Stein markierte das Grab, und es wurden keine Perlen oder Wampum mit den Skeletten beerdigt. Doch über allem wurde Erde zu einem kleinen länglichen Mound aufgschüttet, der sich zusammen mit anderen Mounds über viele Fuß hinweg erstreckte. Überflutungen durch einen benachbarten Fluss an dieser Stelle hatten das Gräberfeld fast zerstört, sodass zum Zeitpunkt der Ausgrabungen nur noch drei dieser kleinen Erhebungen erkennbar waren. - Baltimore American" [8]

Auch über die nun von uns behandelte Entdeckung am Choptank River berichteten gleich mehrere Zeitungen, darunter The Pittsburgh Press in ihrer Ausgabe vom 9. August 1905 [9] und der Spokane Daily Chronicle vom 1. Dezember 1905 [10] (beide unter Berufung auf den Baltimore American). Hier die Übersetzung des Reports (Abb. 4) aus der St. John Daily Sun vom 21. Juli 1905:

"Baltimore, Maryland, 20. Juli - Annähernd acht Fuß [ca. 2,44 m; d.Ü.] große Skelette prähistorischer Indianer sind von Angehörigen der Akademie der Wissenschaften von Maryland an den Ufern des Choptank River entdeckt worden. Die Knochen befinden sich im Gebäude der Akademie auf der Franklin Street, wo sie von John Widgeon, dem Experten der Akademie, gegliedert und restauriert werden. Sie werden im Herbst ausgestellt.

Die Kollektion umfasst acht Skelette, von denen einige von Frauen und Kindern stammen. Sie sind nicht alle vollstandig, aber die größeren Knochen sind gefunden worden, und es gibt zumindest ein Skelett eines erwachsenen Mannes. Die Entdeckung wird aus anthropologischer Sicht als eine der bedeutendsten seit Jahren betrachtet.

Man ist der Meinung, die Knochen seien mindestens 1000 Jahre alt. Dies belegt die Formation des Erdbodens über den Gräbern. Während der Ausgrabungen wurden auch die Überreste von Lagern späterer Indianer freigelegt. Diese bestanden aus Haufen von Austernschalen, verbrannter und verkohlter Erde sowie Bruchstücken von Kochgeschirr. Sie befanden sich volle zehn Fuß [ca. 3,05 m; d.Ü.] oberhalb der Gräber, welche die riesenhaften Skelette beinhalteten.

In Maryland sind auch andere Funde von Menschen von bedeutender Größe gemacht worden. Ein Skelett, das vor einigen Jahren bei Ocean City entdeckt wurde, maß etwas mehr als sieben Fuß und sechs Inches [ca. 2,29 m; d.Ü.]. Das Skelett befand sich in einem Grab-Mound, und es wurden auf ihm von Weißen gefertigte Perlen gefunden. Dieser tote Indianer gehörte vermutlich zu jenem Stamm, welcher von Captain John Smith beschrieben wurde, welcher im Juli 1608 eine Reise unternahm, um die Chesapeake Bay zu erkunden. Bezüglich der Indianer schrieb, sagte Smith über diesen, Susquehanoc [11] genannten Stamm:

>Doch um fortzufahren, es kamen sechzig dieser Susquehanocs mit Fellen, Bögen, Pfeilen, Zielscheiben, Perlen, Schwertern und Tabakspfeifen als Geschenken zu uns. So große und wohlproportionierte Menschen gibt es selten zu sehen, und den Engländern erschienen sie als Riesen [...] Dies sind die seltsamsten Leute all dieser Länder, sowohl ihre Sprache betreffend als auch die Bekleidung; denn die Sprache klingt bei ihnen, was wohl zu ihrer Größe passt, wie eine Stimme aus einer Gruft. Ihre Kleidung besteht aus den Häuten von Bären und Wolfen; einige haben Mützen, die aus den Köpfen von Bären gemacht sind [...], die Ohren der Bären sind an ihren Schultern befestigt, und die Nasen und Zähne hängen an ihrer Brust [...]

Abb. 5 Der 1608 von John Smith genau beschriebene, riesenhafte Krieger der Susquehannock (Andaste)

Einer hatte den Kopf eines Wolfes wie ein Juwel an einer Kette hängen, und seine Tabakspfeife war ein Dreiviertel-Yard lang, schön geschnitzt, mit einem Vogel [verziert. Sie haben] Bögen, Pfeile und Keulen, die ihrer Größe entsprechen. Diese sind bei den Powhatan kaum bekannt. Sie können sechshundert [kriegs]-tüchtige Männer stellen und haben sich in ihren Städten hinter Palisaden verschanzt, um sich gegen die Massowinek, ihre Todfeinde, zu verteidigen. Fünf ihrer [...] Häuptlinge kamen zu uns an Bord, und überquerten die Bucht in ihrer Barke. Das Bild des größten von ihnen (Abb. 5) ist auf der Karte eingezeichnet.

Sein Wadenbein war etwa ein Dreiviertel-Yard lang und auch all seine anderen Gliedmaßen entsprechen so sehr diesem Maß, dass er uns als der göttlichste Mann erschien, den wir jemals erblickt hatten. Sein Haar war auf der einen Seite lang, auf der anderen Seite kurzgeschoren, mit einem Kamm wie ein Hahnenkamm über dem Schädel.

Seine Pfeile waren fünf Viertel [?; d.Ü.] lang, mit Spitzen aus einem weißen, kristallähnlichen Stein, geformt wie ein Herz von einem Inch Breite und einer Länge von anderthalb Inch oder mehr. Diese trug er in einem Köcher aus Wolfsleder auf dem Rücken, seinen Bogen in der einen und seine Keule in der anderen Hand, wie beschrieben.<

An der Stelle am Choptank, wo die Knochen gefunden wurden, gibt es steil abfallende Kliffs aus Sand und Kies, die bis zum Ufer reichen. Unterhalb des Flussufers ist eine Schicht aus Mergel. Die Gräber befinden sich im Sand, ein paar Fuß oberhalb des harten Mergels und liegen unter Ablagerungen von 20 oder 30 Fuß [ca. 6,10 oder 9,14 m; d.Ü.] Sand und Kies.

Ein besonderes Merkmal der Entdeckung ist der verkohlte Zustand der Knochen der Frauen und Kinder. Jene der Männer sind nicht durch Feuer versehrt. Dies scheint anzuzeigen, dass die Indianer die Knohen von allen einäscherten, mit Ausnahme derjenigen ihrer Krieger." [12]

Aus den hier vorgestellten Berichten lassen sich vorerst zumindest zwei Annahmen ableiten: Was die Susquehannock betrifft, so scheint es sich bei ihnen - ähnlich wie bei den Giganten Patagoniens - um eine mit anderen Bevölkerungsteilen verschmolzene Relikt-Population älterer 'Riesenvölker' Amerikas gehandelt zu haben, welche übrigens auch das selbe Schickal wie ihre südlichen 'Vettern' ereilte: Die Susquehannock wurden ebenso wie die übergroßen Patagonier von den europäischen Invasoren ausgerottet.

Bezüglich jener älteren in Maryland entdeckten Riesen-Skelette besteht - auch wenn die betreffenen Spezimen selbst, ebenso wie fast alle anderen im 19. und 20. Jahrhundert entdeckten Überreste gigantischer Altamerikaner, inzwischen 'verschwunden' sein dürften - zumindest die Hoffnung, dass in den Archiven der wissenschaftlichen Institutionen des US-Bundesstates oder bei anderen Stellen noch Berichte, Abhandlungen und eventuell auch Fotographien aufgestöbert werden können.


Fortsetzung:

Siehe auch:


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Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Anmerkung: Die meisten uns bekannten Presse-Publikationen zu diesem Fund beziehen sich ohne weitere Angaben auf die Berichterstattung des Baltimore Amaerican aus Maryland, die wir allerdings noch nicht recherchieren konnten.
  2. Quelle: Chris L. lesley, Greater Ancestors World Museum, unter: 7 Feet Tall Skeleton, in Maryland (abgerufen: 03.06.2014)
  3. Quelle: Google News Newspaper Archive, unter: The Clinton Morning Age - Nov 16, 1897 (abgerufen: 03.06.2014)
  4. Quelle: Chronicling America - Historic American Newspapers, unter: Aberdeen herald., January 27, 1898, Image 3 (abgerufen: 03.06.2014)
  5. Quelle: Chronicling America - Historic American Newspapers, unter: Virginia gazette., February 19, 1898, Image 7 (abgerufen: 03.06.2014)
  6. Quelle: Chronicling America - Historic American Newspapers, unter: The St. Johns herald., October 01, 1898, Image 3 (abgerufen: 03.06.2014)
  7. Anmerkung:
    Occipital ridge.gif
    Zu den anatomischen Spezifika der in Maryland gefundenen Riesen-Skelette gehörte offenbar auch ein auffallend verstärkter occipitaler Rücken des Schädels - in obiger Abbildung eines normalen Skeletts (Abb. 6) gelb hervorgehoben.
  8. Quelle: Chronicling America - Historic American Newspapers, unter: The record-union., December 18, 1897, Page 8, Image 8 (abgerufen: 03.06.2014; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  9. Quelle: Google News Newspaper Archive, unter: The Pittsburgh Press - Aug 9, 1905 (abgerufen: 03.06.2014)
  10. Quelle: Google News Newspaper Archive, unter: Spokane Daily Chronicle - Dec 1, 1905 (abgerufen: 03.06.2014)
  11. Anmerkung: Was das 'riesenhafte' Volk der Susquehan[n]oc[k] oder Andaste betrifft, dessen Angehörige - aus gigantologischer Sicht interessant genug - von ihren Nachbarn der Powhatan-Konföderation als Kannibalen bezeichnet wurden, ist sehr informativ: Deb Twigg, "Susquehannocks" (mit Video und weiterführenden Links), bei Spanish Hill.com (abgerufen: 04.06.2014)
  12. Quelle: Google News Newspaper Archive, unter: St. John Daily Sun - Jul 21, 1905 (abgerufen: 03.06.2014; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)

Bild-Quellen:

1) TUBS bei Wikimedia Commons, unter: File:Maryland in United States (zoom).svg
2) Chronicling America - Historic American Newspapers, unter: The record-union., December 18, 1897, Page 8, Image 8 (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
3) Michael Barera bei Wikimedia Commons, unter: File:Antietam August 2002 04.jpg (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
4) Google News Newspaper Archive, unter: St. John Daily Sun - Jul 21, 1905 (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
5) Deb Twigg, "Susquehannocks", bei Spanish Hill.com
6) Wikipedia - The Free Encyclopedia, unter. Occipital ridge