Stichwort 'Atlantis' in: A dictionary of mythology (Lewis Spence, 1910)

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Abb. 1 Hier das Titelblatt des mythologischen Lexikons von Lewis Spence aus dem Jahr 1910

(bb) Wer bei einem Blick in das 1910 erschienene Werk A Dictionary of Mythologie (Abb. 1) des schottischen Mythologen und Völkerkundlers Lewis Spence (1874-1955) das Lemma 'Atlantis' nachschlägt, wird vermutlich ebenso irritiert wie enttäuscht feststellen, dass sich dort lediglich folgender, geradezu 'minimalistischer' Eintrag findet:

"Atlantis. A fabled island continent in the Atlantic Ocean, opposite Mount Atlas. Its rulers invaded Europe, but were repulsed by the Athenians. The ocean swallowed it up on account of the profligacy of its inhabitants (see FORTUNATÆ INSULÆ)." [1] Und hier unsere übersetzung ins Deutsche: "Atlantis. Ein sagenhafter [2] Insel-Kontinent im Atlantischen Ozean, gegenüber dem Berg Atlas. Seine Herrscher drangen in Europa ein, wurden jedoch von den Athenern zurückgeschlagen. Der Ozean verschlang es auf Grund der Verworfenheit seiner Bewohner (siehe FORTUNATÆ INSULÆ)." [3]

Auch wird im nachfolgend abgehandelten Lemma 'Atlas' mit keinem Wort auf dessen Rolle als Erster der Könige von Atlantis eingegangen, und was das oben erwähnte Stichwort FORTUNATÆ INSULÆ (Inseln der Seligen) betrifft, so heißt es dort - in Hinsicht auf den vorliegenden Kontext - lediglich: "Aus der Vorstellung dieser Inseln [im westlichen Ozean: d.Ü.] sind viele Mythen entsprungen (siehe ATLANTIS), und es hat nicht an Autoren gemangelt, die zu beweisen versucht haben, dass sie mit den amerikanischen Antillen identisch sind." [4]

Sachkundige Leser/innen muss erstaunen, dass Spence, der immerhin zu den bekanntesten und arriviertesten Persönlichkeiten der Atlantisforschung der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zählt, das Thema 'Atlantis' in seinem Lexikon nicht nur geradezu 'stiefmütterlich' behandelt, sondern auch der 1910 bereits in fachwissenschaftlichen Kreisen vorherrschen Lehrmeinung vom 'Mythos Atlantis' - vorsichtig formuliert - stark entgegenkommt.

Beides lässt sich wohl nur so erklären, dass Lewis Spence, der ja von Hause aus ein durchaus konservativer Forscher war, sich in der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts noch gar nicht für Atlantis interessierte, keine eigenen Studien dieses Gegenstands unternommen und noch keine eigene Meinung dazu entwickelt hatte. Sein erstes Atlantisbuch (The Problem of Atlantis, 1924) erschien ja erst knapp anderthalb Jahrzehnte später, gefolgt von den Bänden Atlantis in America (1925) und The History of Atlantis (1926). Eine frühere Beschäftigung des Forschers mit der Materie lässt sich bisher jedenfalls nicht erkennen oder nachweisen.



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Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Quelle: Lewis Spence, M.A., "Atlantis", in: "A dictionary of mythology - being a concise guide to the myths of Greece and Rome, Babylonia, Egypt, America, Scandinavia & Great Britain", London, New York, Toronto und Melbourne (Cassell & Company), 1910, S. 42
  2. Anmerkung: Wie oben zu sehen ist, verwendet Spence hier den durchaus vielfältig deutbaren Ausdruck "fabled", was durchaus auch als "frei erfunden" verstanden werden kann.
  3. Quelle: Lewis Spence, op. cit. (1910), S. 42; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de
  4. Quelle: Lewis Spence, op. cit. (1910), S. 86 (Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)

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