Tin Hinan

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Abb. 1 Künstlerische Darstellung der Königin Tin Hinan (Gemälde von Hocine Ziani)

(red) Tin Hinan ist der Name einer sagenhaft-legendär gewordenen Königin der Tuareg, die im 4. nachchristlichen Jahrhundert lebte. Ihr monumentales Grab befindet sich in der Sahara bei Abalessa in der algerischen Region Hoggar.

Legenden

Tin Hinan wird manchmal als "Königin der Hoggar" [1] [2] und von den Tuareg als Tamenokalt [3] bezeichnet, was ebenfalls "Königin" bedeutet. [4] Der Name bedeutet wörtlich "Frau der Zelte", [5] kann aber metaphorisch als "Mutter von uns allen" übersetzt werden. [6] Nach den in der Region erzählten Geschichten war Tin Hinan eine "Prinzessin auf der Flucht", die irgendwann im 4. Jahrhundert nach Christus lebte. Aus dem nördlichen Teil der Sahara vertrieben, zog sie mit einer Karawane von Anhängern und Gefolgsleuten durch die Wildnis. Dabei wären die Flüchtlinge beinahe umgekommen, bis sie auf Getreide in Wüstenameisen [?; d.Ü.] stießen. [7] In anderen weniger bestätigten Legenden soll Tin Hinan eine Muslima [8] des Braber-Stammes der Berber gewesen sein, der aus der Oase Tafilalt im Atlasgebirge im Gebiet des modernen Marokko stammte und in Begleitung eines Dienstmädchens namens Takamat war. In dieser Legende hatte Tin Hinan eine Tochter (oder Enkelin), deren Name Kella war, während Takamat zwei Töchter hatte. Diese Kinder sollen die Vorfahren der Tuareg des Ahaggar sein. Eine andere Version ist, dass Tin Hinan drei Töchter hatte, die Totemnamen hatten, welche sich auf Wüstentiere beziehen. Diese Töchter sollen die die Stammesvorfahren gewesen sein.

Das Grab der Tin Hinan

Abb. 2 Ein Modell des Mausoläums der Tin Hinan

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Geschichte von Tin Hinan schon so lange von Generation zu Generation weitergeben worden, dass viele glaubten, es handele sich dabei schlicht um eine Legende oder einen Mythos. [9] Erst mit der Entdeckung ihres monumentalen Mausoleums (Abb. 2) wurde dann der Nachweis erbracht, dass sie tatsächlich eine historische Persönlichkeit von Bedeutung war. Die in etwa birnenförmige Grabstätte mit einer Hauptachse von etwa 200 Metern befindet sich auf einem Hügel am Schnittpunkt zweier Wadis, unweit der Oase Abalessa in Algerien, etwa 1.000 Meilen südlich von Algier. Sie enthält insgesamt elf Zimmer oder Höfe.

Abb. 3 Decksteine des Sarges der Tin Hinan, die sich heute in Algier im Musée du Bardo befinden

Das Grab von Königin Tin Hinan wurde 1925 von dem Amateur-Archäologen und Atlantisforscher Byron Khun de Prorok entdeckt mit Unterstützung der französischen Armee geöffnet, 1933 wurde dann von Archäologen eine umfassendere Untersuchung durchgeführt. Das Grab enthielt das Skelett einer vornehmen Frau, die mit dem Kopf nach Osten auf dem Rücken liegend in einer hölzernen Sänfte zur letzten Ruhe gebettet war. Ihren sterblichen Überresten hatte man schweren Gold- und Silberschmuck mit ins Grab gegeben, der zum Teil mit Perlen verziert war. An ihrem rechten Unterarm trug sie sieben Silberarmbänder und auf ihrer linken Seite sieben Goldarmbänder. Ein weiteres Silberarmband und ein Goldring wurden neben dem Körper platziert. Überreste einer komplexen Halskette aus Gold und Perlen (echt sowie künstlich) waren ebenfalls vorhanden.

Es wurden auch einige andere Grabbeigaben gefunden. Zu ihnen gehörten eine Venusfigurine im Stil des Aurignacien (ähnlich der Venus von Hohlefels), ein - leider während des Zweiten Weltkriegs verloren gegangener - Glaspokal, Pfeilspitzen aus Eisen mit Widerhaken, ein Eisenmesser und eine Goldfolie mit dem Abdruck einer römischen Münze Konstantins I., ausgegeben zwischen 308 und 324 n.Chr. Die Datierung der Grabstätte auf das 4. bis 5. Jahrhundert steht auch im Einklang mit der Kohlenstoffdatierung der hölzernen Sänfte sowie mit dem Stil einer im Mausoleum gefundenen Töpferlampe des römischen Typs aus dem 3. Jahrhundert und diverser Grabmöbel. Auf den Wandsteinen sind Tifinagh-Inschriften angebracht. Das Grab selbst ist in einem in der Sahara weit verbreiteten Stil errichtet.

Eine 1968 veröffentlichte anthropologische Untersuchung ergab, dass das Skelett zu einer großgewachsenen Frau eines mediterranen Typus gehörte. [10] Das Skelett deutete darauf hin, dass die Frau wahrscheinlich nie Kinder bekommen hat und dass sie wahrscheinlich aufgrund einer Deformation der Lenden- und Kreuzbein-Region lahm war. Die Leichnam befindet sich heute im Bardo-Museum in Algier.


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag basiert auf dem Artikel "Tin Hinan" bei Wikipedia - The Free Encyclopedia (Stand: 07. Juli 2019). Übersetzung ins Deutsche und redaktionelle Bearbeitung durch Atlantisforschung.de.

Fußnoten:

  1. Siehe: N. Huguenin-Gonon, "Algeria", (Nagel Publishers), 1973, S. 137. ISBN 978-2-8263-0604-7
  2. Siehe auch: James Wellard, "The Great Sahara", London (Hutchinson & Company), 1965, S. 47
  3. Siehe: Osire Glacier, (2016). "Tin Hinana". Femmes politiques au Maroc d'hier à aujourd'hui: La résistance et le pouvoir au féminin", Tarik Editions, 2016, ISBN 978-9954-419-82-3
  4. Siehe: "The World & I", 2 (4), Washington Times Corporation, 1987. S. 490
  5. Siehe: ebd.
  6. Siehe: Frawsen, Ulbani Ait; Ukerdis, L'Hocine (2003). "The Origins of Amazigh Women's Power in North Africa: An Historical Overview". Al-Raida (100): 19
  7. Siehe: Ronald Bogue, "Deleuzian Fabulation and the Scars of History", Edinburgh University Press, 2010, S. 154 - ISBN 978-0-7486-4175-8
  8. Dies ist natürlich ein unhistorischer Anachronismus, da Mohammed, der Religionsstifter des Islam, erst zwischen 570 und 573 in Mekka zur Welt kam. Die Überlieferung von Tin Hinan wurde somit künstlich 'muslimisiert'.
  9. Siehe: Ronald Bogue, op. cit.
  10. Siehe: Hsain Ilahiane, "Historical Dictionary of the Berbers (Imazighen)", Rowman & Littlefield, 2017, S. 203 - ISBN 978-1-4422-8182-0

Bild-Quellen:

1) Rodert bei Wikimedia Commons, unter: File:2 - La reine Tin Hinan, 125x150cm, huile sur toile.jpg
2) Yelles (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:Tombeau Tin Hinan.jpg (Lizenz: Creative-Commons, „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“)
3) Yelles (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:Caveau.jpg (Lizenz: Creative-Commons, „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“)