Das saharische Binnenmeer

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von Egerton Sykes (1967)

Abb. 1 Das saharische Binnenmeer (hier eine eher künstlerische Darstellung) - Fakt oder Fiktion? In der antiken Literatur finden sich jedenfalls konkrete Hinweise auf ein solches Gewässer.

Dass die Wüste Sahara einst ein Binnenmeer von bemerkenswerten Ausmaßen [1] war, wird nicht nur durch klassische Referenzen, sondern auch durch die Tatsache bestätigt, dass sich unter ihrem größten Teil eine Schicht von Brackwasser liegt, die von 200 bis 500 Fuß unter dem Boden reicht. Die verschiedenen Oasen liegen vermutlich auf Flecken, wo die Tiefe nur etwa 50 Fuß beträgt, was dem Überleben von Pflanzen förderlich ist. Der klimatische Wandel scheint sich vor recht kurzer Zeit ereignet zu haben, etwa um 5000 v. Chr., da die Klassiker zahlreiche Hinweise auf seine [des Binnenmeers] Existenz beinhalten.

Für Theopompos und Aelian war es die Meropische See, an deren Grenzen die Meropiden lebten. [2] Seltsam genug, dass der Held der Sintflutlegende der Insel Kos Merope hieß, doch die Natur der Verbindung ist ungewiss. Diodorus Siculus zufolge, gab es mindestens einen Hafen an dieser Meeresküste, der Nysa hieß und der Geburtsort des Dionysius ['Dionysos'] gewesen sein soll, des Sohnes von Zeus und Semele. Die von Hanno erwähnte Stadt Cerne scheint ein Atlantik-Hafen gewesen zu sein, der nördlich von Lixus [auf Baskisch: "Das Kaninchen"; D.C.] und der Cheretes-Flüsse lag, und sie wird ebenfalls von Festus Avenius in seiner Ora Maritima erwähnt.

Bei der Identifikation dieser beiden Städte stoßen wir auf große Schwierigkeiten, und die einzige andere, die uns bekannt ist, ist die Stadt aus Messing, deren Geschichte in den Erzählungen aus 1001 Nacht, Nr. 566 bis 578, erzählt wird, wo es heißt, dass sie aus Wassermangel aufgegeben wurde, was nahelegt, dass sie vor den klimatischen Veränderungen gebaut worden war. Wenn wir die Pornographie beiseite lassen, die mehr als die Hälfte des gesamten Texts ausmacht, so steckt doch eine ganze Menge wertvollen historischen Materials in den Arabian Nights; Burton's Übersetzung ist die beste, aber ziemlich verwirrend; Lane's ist ebenfalls ziemlich gut.

Byron de Prorok hatte für 1935 eine Expedition geplant, um seine lange Reihe von Reisen durch Nordafrika zu vervollständigen, wobei er von einem Freund von mir begleitet wurde, von Jean Gattefosse, einem weiteren Experten für diese Region, der vor einigen Jahren verstorben ist. Unglücklicherweise vereitelte das Herannahen des Krieges Italiens gegen Abessinien all diese Pläne, die Yacht, die sie benutzen sollten, endete als Hospital-Schiff, und 1947 war nicht nur die politische Situation eine andere, sondern auch die betreffenden Leute hatten sich so verändert, dass weitere Anstrengungen unmöglich wurden.

Prorok wird als der Mann in Erinnerung bleiben, der die Mumie der Königin Tin Aten, oder Antinea des Hoggar, nach Britannien brachte. Das war etwa 1932, als ich sie in der Ausstellung in London sah. Er starb 1953, doch seine Frau und seine zwei Töchter Maureen und Denise leben noch, und so weit ich weiß, leben sie irgendwo in Westeuropa. Sie besitzen vermutlich alle fehlenden Daten. Die Mumie soll sich im Museum in Fez befinden.

Wenn sich die einmal die aufgewühlten und extrem schmutzigen Wasser des arabischen Nationalismus gelegt haben, mag es möglich werden, die potentiellen Fundstätten frisch zu untersuchen. In der Zwischenzeit gibt es Spekulationen über die Menschen, die an den Küsten der Meropischen See lebten und ihre Beziehungen zu den frühesten mediterranen Kulturen. Sie hatten eine weiße Hautfarbe und waren nicht semitischen Ursprungs [3], wie ihre heutigen Nachkommen bezeugen, aber dass ist so etwa das Einzige, was man mit Sicherheit sagen kann. Zu den Autoritäten, die konsultiert werden sollten, gehören E.F. Berlioux, Ibn Khaldoun, E. Roudaire, Dr. Rouire, und auch Burton oder Lane [...] für die Arabian Nights Irgendwo in der Region liegt einer der Haupt-Schlüssel zur Geschichte des Mittelmeers verborgen.


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von Egerton Sykes erschien erstmals 1967 unter dem Titel "The Sahara Inland Sea"; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de nach http://kengarman.tripod.com/thelegendofatlantis/id9.html

  1. Red. Anmerkung: Es könnte sich allerdings auch um mehrere größere und kleinere Seen sowie ein Netz von Flussläufen gehandelt haben. Zumindest im Süden des alt-saharischen Raumes sollte von der Existenz schwarz-afrikanischer Kulturen auszugehen sein. Siehe dazu: Die Proto-saharische Zivilisation von Dr. Clyde Ahmad Winters
  2. Red. Anmerkung: Der hellenische Historiker Theopompos von Chios (ein Zeitgenosse Platons) berichtete u.a. über die Inselwelt des Atlantik (dort soll die Insel Merope - auch: Meropa oder Meropis - gelegen haben) und über den Kontinent Anostos mit seinen riesenhaften Bewohnern. Bei den Meropiden, die Sykes hier anspricht, handelte es sich also um Bewohner des Atlantikraums, die nach Afrika eingewandert waren. Parallelen zum Atlantisbericht erscheinen keineswegs zufällig. Leider sind Theopompus' Werke weitgehend verloren gegangen. Der betreffende Bericht wurde im 3. Jhdt. n. Chr. als Fragment durch den römischen Schriftsteller Claudius Aelianus wiedergegeben. Vergl. dazu: "Das Land der Riesen, die Satyre, Meropa und Atlantis", Teil I: "Ein "Satyr" berichtet von Riesen aus Amerika"" (bb)
  3. Red. Anmerkung: Die westeuropäischen Megalithiker gehörten dagegen vermutlich einer proto-semitischen Völerfamilie an. H. Friedrich geht davon aus, die Lingua franca (Verkehrs-Sprache) der gesamten Megalith-Kultur sei eine alt-semitische Sprache gewesen. (siehe: Gedanken zur wahren Natur der atlanto-europäischen Megalith-Zivilisation von Dr. Horst Friedrich)

Bild-Quelle

(1) The Atlantis Museum (Bildbearbeitung durch Atlantisforschung.de)