Atlantis - eine Spurensuche in Irland

Aus Atlantisforschung
Wechseln zu:Navigation, Suche

Was Atlantisforscher von Donnelly bis Erlingsson sagen

"Von den Inseln und Ländern am Atlantik hat nur Irland dem Angriff der römischen Legionen standgehalten. Die Mythologie der irischen Kelten hat als einzige ihre Tradition unbehelligt von feindlicher Unterdrückung fortführen können, bis schreibgewandte Mönche und Chronisten sie im Mittelalter auf Pergament gebracht haben." Prof. Helmut Tributsch (1986)


Die Grüne Insel als Kolonie von Atlantis

(bb) Das Alte Irland, die 'Grüne Insel', steht für einige Atlantisforscher wie Paul Dunbavin (siehe: Atlantis in Britannien, Viatcheslav Koudriavtsev (der Atlantis auf dem Celtic Shelf lokalisiert) oder Dr. Ulf Erlingsson in direkter, geographischer Beziehung mit dem platonischen Vorzeit-Reich, aber abgesehen davon gehört sie in jedem Fall zu den faszinierendsten Gebieten in Westeuropa. Ihre rätselhaften, frühen Bewohner genießen bereits seit den Zeiten Ignatius Donnellys das besondere Interesse der Alternativ- und Primhistorik.

Abb. 1 Die Irische See ist ein "blutjunges" Meeresgebiet, das vermutlich erst vor etwa 11 000 Jahren entstand. Welche archäologischen Geheimnisse verbergen sich an ihrem Grund? (Foto: © Irish Tourist Board)

Donnelly, der auch davon ausging, dass ein großer Teil der Bevölkerung Iberiens und Frankreichs von ehemaligen Kolonisten aus Atlantis abstammt, schrieb 1862 über Irland und seine, in Wellen verlaufene, Besiedlung durch prähistorische Völker: "Die geographische Lage legt die Vermutung nahe, daß dasselbe von den überquellenden Bevölkerung von Atlantis schon in sehr frühen Zeiten besiedelt worden sein mag. In der Tat erzählen uns die Annalen Irlands auch, DASS DIESE INSEL SCHON VOR DER SINTFLUT BESIEDELT WURDE. Die ältesten irländischen Sagen erzählen von drei spanischen Fischern, welche vor der Zeit der Sintflut durch widrige Winde an die irländische Küste verschlagen wurden." [1]

Nach diesen prädiluvialen Iberiern kamen, so Donnelly, "die Fomorier, welche - ebenfalls noch vor der Sintflut - von Lady Banbha oder >Kesair< ins Land geführt wurden. Ihr Mädchenname war >h´Erni< oder Berba; sie war von fünfzig Mädchen und den drei Mädchen Bith, Ladhra und Fintain begleitet. Ladhra war die eigentliche Führerin, und die erste, die in >Hibernia< beerdigt wurde. Die irländischen Annalen sprechen von den Fomoriern als von einem kriegerischen Menschenschlag, der nach den >Annalen von Clonmacnois< von >Ham, dem Sohne Noahs, abstammte, von der Beraubung benachbarter Stämme lebte und in jenen Tagen der ganzen Welt viel Sorge machte<".

Wie Donnelly weiter annimmt, können diese Fomorier ursprünglich "nur aus Atlantis gekommen sein. Ihre eigentlichen Namen waren >Fomhoraicc<, >F´omoraig Afraic<, >Fomoragh<, Wörter, die in >Formorier< modifiziert wurden. Sie besaßen Schiffe, und der Name >F´omoraig Afraic< deutet an, daß sie aus Afrika gekommen sind. In jener Zeit bedeutete nämlich das Wort >Afrika< nicht den ganzen Kontinent, den wir heute darunter verstehen, sondern es kommt von Apar, Aphar, Apara, Aparica, das in atlantischer Sprache schlichtweg nur >der Westen<, das Abendland, hieß, so wie wir ja heute unter dem Worte >der Orient< zumeist das südasiatische >Morgenland< verstehen. [...] Irland besaßen sie schon zu so früher Zeit, daß einige Historiker geneigt sind, sie für die Ureinwohner dieses Landes zu halten." [2]

Nach den Fomoriern erschienen andere seefahrende Stämme an den Küsten Irlands, die nach ihrem obersten Anführer "Partholons Volk" genannt wurden. Auch sie waren, so Donnelly, "wahrscheinlich Atlantiner", die ebenfalls über den Umweg via Iberien dorthin gelangten, das damals noch von einem urtümlichen, atlantidischen Menschenschlag bewohnt wurde, dessen letzte überlebende Nachkommen die heutigen Basken dastellen.

Abb. 2 Der Hügel von Tara. Der Sitz der alten Hochkönige Irlands wurde erst jüngst mit dem platonischen Atlantisbericht in Verbindung gebracht.

Doch dieser Invasionsversuch schlug gründlich fehl, wie Donnelly zu berichten weiß: "Die Fomorier schlugen das Volk Partholans, als es in Irland landete, Partholan selbst wurde getötet, die Eindringlinge aber aus dem Lande getrieben." [3] Auch Neimdidh, dem nächsten fremdländischen Herrscher, der sich (nach Donnelly vermutlich um 2334 v. Chr.) zur Eroberung der Insel anschickte, war - nach kurzen Anfangserfolgen - kein viel glücklicheres Schicksal bestimmt. Er "eroberte eine fomorische Befestigung, die ihm aber die Fomorier unter der Führung des Morc wieder abnahmen. Neimdidh wurde aus dem Lande getrieben und die Atlantiner blieben noch hundert Jahre lang im ungestörten Besitz der Insel." [4]

Bei Neimdidhs, nicht näher beschriebenem, Volk scheint es sich, wenn wir Donnellys Klassifizierung zugrunde legen, nicht um Invasoren aus dem atlantidischen Kulturkreis gehandelt zu haben - im Gegensatz zu den so genannten "Fir-Bolgs", die der formorischen Herrschaft über Irland schließlich ein gewaltsames Ende bereiteten: "Diese eroberten [ca. 2234 v. Chr.] das ganze Land und teilten es in fünf Provinzen; sie erfreuten sich aber erst siebenunddreißig Jahre lang ihres Besitzes, als sie von den Tuatha-de-Dananns [richtig: Tuatha Dé Danann; d. Red.], einem Volke mit hochentwickelter Kultur, verdrängt wurden." [5]

Laut dem alt-irischen 'Buch der Invasionen' (Cin of Drom-Snechta), auf das Donnelly sich beruft, herrschten die Tuatha Dé Danann 175 Jahre über die 'Grüne Insel', von etwa 2197 v. Chr. bis 2022 v. Chr., wenn wir seine Datierungen akzeptieren. Sie "scheinen ein zivilisiertes Volk gewesen zu sein; abgesehen davon, daß sie Schiffe und Truppen besaßen und in Metall zu arbeiten verstanden, hatten sie auch eine organisierte Truppe von Ärzten, deren Pflicht es war, den in der Schlacht Verwundeten Hilfe zu bringen". [6]

Vernichtend geschlagen wurden die Tuatha Dé Danann, den Überlieferungen nach, schließlich nicht von ihren formorischen Konkurrenten, sondern von nachdrängenden Neuankömmlingen aus Iberien, die möglicherweise aus ihrer alten Heimat vertrieben wurden und auf der Suche nach neuem Lebensraum auf die "Sonneninsel" gelangten. Diese, vermutlich ebenfalls basko-iberischen "Söhne des Milidh (Mil, Milesius)" konnten ihre Oberhoheit über Irland bis ca. 1700 v. Chr. aufrechterhalten, um schließlich von (proto-) keltischen Indoeuropäern verdrängt zu werden.

Abb. 3 Wer waren die ersten Kolonisten, die an den Gestaden Irlands landeten?

Donnellys euhemeristische (siehe: Stichwort: Euhemerismus) Darstellung der irischen Vorgeschichte war in mancher Hinsicht sicherlich noch lückenhaft und mit Fehlinterpretationen behaftet, in mancher Hinsicht aber auch wegweisend. Er erkannte nicht nur den historischen Charakter der irischen Überlieferungen, sondern wies bereits auf die atlantidischen Ursprünge der 'Ur-Iren' hin, von denen die betrachteten Legenden berichten. Allerdings klafft chronologisch eine gewaltige Lücke zwischen dem vermuteten Zeitpunkt der Atlantis-Katastrophe (konventionell ca. 11 500 BP) und den spät-neolithischen sowie früh-bronzezeitlichen Ereignissen (4.-3. Jahrtausend v.Chr.), die sich darin widerspiegeln.

Diese Lücke konnte Donnelly in 'Atlantis - The Antediluvial World' zwar nicht füllen, aber er inspirierte offenbar spätere Atlantisforscher dazu, der Rolle Irlands und seiner frühesten Bewohner in einem zirkum-atlantischen Kontext weiter nachzugehen. Einer von ihnen war der britische Atlantologe Egerton Sykes (1894-1983), der Mitte des 20. Jahrhunderts zu einer internationalen Leitfigur der nonkonformistischen Atlantisforschung avancierte und später als 'Grand old Man' dieses grenzwissenschaftlichen Forschungsgebiets galt.

Für Sykes, der wie Donnelly von einem Untergang eines historischen, zentralatlantischen Atlantis um 9500 v. Chr. ausging, war Irland ein wesentlicher Faktor in der nach-eiszeitlichen Inselwelt des Atlantik, zu der seiner Meinung nach auch die Azoren, Kanaren und Madeira sowie Inseln im westlichen Atlantik gehörten (siehe: Egerton Sykes´ postatlantische Inselwelt). Von Irland aus, so Sykes, seien wiederholt überseeische Expeditionen und Raubzüge organisiert worden, und auch direkte Verbindungen der alten Iren mit Iberern, Ägyptern und (später) Phöniziern, wie sie bereits Donnelly postulierte, seien nachweisbar.

Auch der Donnelly´schen Vermutung direkter Kontakte neolithischer Iren zu verschollenen bzw. vermuteten Kulturen des karibo-amerikanischen Raumes ging Sykes nach; einer Annahme, die im 19. Jahrhundert auch schon der umstrittene Mythologe und Altertumsforscher Brasseur de Bourbourg geäußert hatte. So bemerkte de Bourbourg in einer Randbemerkung zu seiner Übersetzung des Popol Vuh: "Es gibt eine Menge Sagen und Traditionen, welche sich auf irländische Seefahrten nach Amerika beziehen und nachweisen, daß schon viele Jahrhunderte vor Kolumbus ein regelrechter Verkehr zwischen Irland und Amerika (siehe dazu auch: Präkolumbische Kontakte) stattgefunden hat. Wir sollten nicht vergessen, daß Irland von den Phöniziern oder von einem ähnlichen Volke besiedelt worden ist." [7]

Abb. 4 Der Dolmen von Browneshill. Teil eines megalithischen Atlantis in Irland?

Aber nicht nur nonkonformistische Atlantologen und Historiker wie de Bourbourg, Donnelly oder Sykes maßen und messen den alten irischen Überlieferungen mehr als einen märchenhaft-unterhaltsamen Charakter zu. Auch "akademische" Atlantisforscher betrachten sie als wesentliche Quellen für eine stringente Interpretation des Atlantisberichts. So schrieb Prof. Helmut Tributsch (siehe: Gavrinis - Atlantis in der Bretagne), der als Repräsentant einer durchaus konservativen und schulwissenschaftlich argumentierenden Atlantologie gelten darf, 1986 über die letzten, vorkeltischen Invasoren:

"Tatsächlich reichte die Überlieferung der Iren auch viel weiter in Europas Vergangenheit zurück als die anderer Völker. In ihrer Erinnerung war fest verankert, daß die zuletzt herrschende Rasse, die Goidels, lediglich im Rahmen der letzten vier Einwanderungswellen die irische Insel erreichten. Sie führten den Namen >Söhne des Mil< und kamen aus Spanien. Da >Mil< nichts anderes als eine Abkürzung für >miles< = Soldat ist [sic!], handelte es sich dabei um Abkömmlinge der >Soldaten aus Spanien<.

Daß Irland von Spanien her angegriffen wurde, ist naheliegend. Schon der antike Historiker Isidorus wies darauf hin, daß sich der Name Irlands (Hibernia) vom Namen Spaniens (Iberia) ableitet. Außerdem bezeugen unzählige historische und archäologische Fakten den regen Handelsaustausch zwischen beiden Ländern weit in die Vorzeit zurück. Irland galt unter Seeleuten ja auch immer als zwischen Spanien und England liegend." [8]

Was die chronologische Einordnung von Invasion und Herrschaftszeit der 'Söhne des Mil' in Irland angeht, wartet Tributsch noch mit einigen ineressante Zusatz-Informationen auf, mit der wir unseren kurzen Ausflug in die mythische Besiedlungs-Geschichte Irlands als mögliche Kolonie von Atlantis abschließen wollen: "Die irischen Annalenschreiber wissen auch von den Generationenzahlen zu berichten, die seit der Invasion der Söhne des Mil verstrichen sind. Eine Quelle spricht von 54 Generationen bis zum Tode eines Fürsten, der im Jahr 463 n Chr. starb. Der zurückgerechnete Zeitpunkt für die Invasion der >Söhne des Mil< liegt zwischen 1500 und 1800 v. Chr." [9]


Irisch-britannische Atlantis-Lokalisierungen

Während der Großraum Irlands, wie wir gesehen haben, für Forscher wie Donnelly, Sykes oder Tributsch lediglich als Kolonie oder "Provinz" der alten Atlanter in Frage kam, gingen andere Forscher hier einen entscheidenden Schritt weiter: 1995 identifizierten, unabhängig voneinander, sowohl der Brite Paul Dunbavin als auch der Russe V. Koudriavtsev Irland als orginären und wesentlichen Bestandteil eines, im eigentlichen Wortsinn "großbritannischen" Atlanter-Reichs, wobei ihre Konzepte in vielen Punkten stark voneinander abweichen.

Abb. 5 Gehörte Irland einst zu einem neolithiisch-ureuropäischen Atlanter- Reich (Tributsch), war es nordnordöstliche Domäne eines anglo-irischen Atlantis (Dunbavin, Koudriavtsev), oder stimmt keine der beiden Thesen?

So ist Irland für Koudriavtsev nur als Teil der zusammenhängenden, westeuropäischen Landmasse gegen Ende der jüngsten Eiszeit von Interesse - also vor dem Anstieg der Meeresspiegel, als England und Irland noch zum Festland gehörten. Dieses Gebiet entspreche insgesamt der von Platon wiedergegebenen Beschreibung:

"Diese Beschreibung passt auf jedes Detail des Landes, das einst im Westen Europas existierte: die Berge sind das derzeitige Irland, Großbritannien und, vielleicht, der nordwestliche Teil Frankreichs; die Ebene selbst, die sich nunmehr als Schelf im Süden der britischen Inseln (manchmal Keltischer Schelf genannt) fortsetzt, passt zu den von Platon angegebenen Abmessungen, und die Kante der kontinentalen Platte weist nach Süd-Südwest. Auf ungefähr 48° 25-30' N und 8° 45-51' W, unweit dieser Kante, gibt es eine beachtenswerte Unterwasser-Anhöhe, die die Little Sole Bank genannt wird und auf ausreichend genauen Landkarten bezeichnet ist. Die Kuppe des Hügels ist 57 Meter unterhalb des Meeresspiegels, während die durchschnittliche Tiefe rundum 130 - 160 Meter beträgt. Der Hügel liegt ungefähr in der Mitte der größten Länge auf der fraglichen Ebene." [10]

Paul Dunbavin meint dagegen, Atlantis im Bereich der heutigen Irischen See, zwischen Wales, Schottland und Irland lokalisieren zu können, und während Koudriavtsev als 'Altzeitler' in seiner Theorie mit den platonischen Zeitangaben zum Untergang von [Atlantis] (= 9000 Jahre vor Solons Ägypten-Reise) operiert, geht der britische Forscher von einer mehrere Jahrtausende späteren Vernichtung des platonischen Vorzeit-Reiches aus (siehe: Atlantis in Britannien). Dunbavin argumentiert, dass der Pegelstand des Atlantik vor 5000 Jahren noch um einiges niedriger als heute gewesen sein muss. England und Irland seien zu dieser Zeit zwar schon von Europa getrennt, aber noch miteinander verbunden gewesen. Um etwa 3000 v. Chr., so die katastrophistische Prämisse Dunbavins, habe sich dann eine Pol- oder Erdkrustenverschiebung ereignet, die verheerende Flutwellen und gravierende Verschiebungen der Klimazonen bewirkt haben müsse.


Eine neue Atlantis-Lokalisierung in Irland sorgt für Kontroversen

Als Ort einer Atlantis-Lokalisierung ist Irland nun unlängst erneut ins Gespräch gekommen. Im August 2004 ging Dr. Ulf Erlingsson, ein schwedischer Forscher mit der Ankündigung an die Öffentlichkeit, er habe Atlantis dort wiederentdeckt. Erlingsson, der an der Universität von Uppsala den Grad eines Ph.D. in physikalischer Geographie erwarb, hat sich als Wissenschaft-ler auf geologische Prozesse, Unterwasser-Forschung und Natur-Katastrophen spezialisiert. Sein besonderes geologisches und atlantologisches Interesse gilt der sogenannten 'Dogger Bank', einer Untiefe in der Nordsee, etwa Meilen (ca. 100 Kilometer) vor der nordöstlichen Küste von England.

Abb. 6 Ausschnitt einer alten Karte, auf der noch die legendäre Insel 'Brazil' verzeichnet ist, die westlich Irlands im Atlantik gelegen haben soll.

Diese Bank lag, wie Erlingsson erklärt, noch bis etwa 6100 v.Chr. über der Meeres-Oberfläche und versank dann, nachdem sie von einer enormen Flutwelle überspült worden war. Diese vorgeschichtliche Katastrophe betrachtet er als historischen Hintergrund und Auslöser für die Entstehung der alten Legende um ein versunkenes Inselreich: "Ich vermute, dass der Mythos aus Irland stammt und er von der Dogger Bank herührt. Ich denke, dass die Erinnerung an die Dogger Bank vermutlich über 3000 Jahre hinweg in Irland bewahrt und dann mit dem Atlantis-bericht vermischt wurde”, äußerte er gegenüber der Agentur Reuters". [11]

Irland wies, wie Dr. Erlingsson meint, genau die von Platon genannten Maße auf: "Ich bin erstaunt, dass zuvor noch niemand darauf gekommen ist; das ist unglaublich<, sagte er Reuters. >Genau wie Atlantis ist Irland 300 Meilen lang, 200 Meilen breit und an seiner Mitte am breitesten.< Sowohl Atlantis als auch Irland >haben eine Zentral-Ebene, die von Bergen umgeben ist. Ich habe mir die geographischen Daten vom Rest der Welt und den 50 grössten Inseln angeschaut, und da gibt es nur eine, die eine Ebene in der Mitte hat - Irland.<" [12]

Die im Kritias-Dialog beschrieben Haupststadt von Atlantis bringt Erlingsson mit Tara (Abb. 2) in Verbindung, dem legendären Sitz der alten Hochkönige von Irland. Der Tempel des Poseidon und die 'barbarische' Architektur der frühen Atlanter "sind gut vergleichbar mit den so genannten Gang-Gräbern von Newgrange und Knowth im Boyne-Tal." [13] Die Grenzen des atlantidischen Imperiums entsprächen, so wie sie von Platon beschrieben wurden, der geographischen Verteilung megalithischer Monumente in Europa und Nordafrika.

Dr. Erlingssons Argumenten ließe sich noch hinzufügen, dass dem Stier offenbar bei den alten Iren - wie bei den Atlantiden mit ihren Tier-Opfern - eine besondere religöse und mythologische Bedeutung zugekommen sein muss. So stellt z.B. die Überlieferung vom Raub des Stiers von Cooley (Táin Bó Cúalnge) (Abb. 7) das zentrale Epos Ulsters dar, eines der alten Königreiche Irlands. In dieser alten Legende stellt Königin Medb (Abb. 8) eine Armee auf, um den berühmtesten Stier Irlands zu rauben, der Daire gehörte, einem Fürsten von Ulster. [14]

Abb. 7 Wie bei den Atlantern war der Stier auch bei den alten Iren ein mythisch überhöhtes Geschöpf und Gegenstand besonderer Verehrung. Foto: Das Stier-Felsbild von Cooley

Von schulwissenschaftlicher Seite wurde Ulf Erlingsson (wen wundert´s?) umgehend scharf angegriffen. So verwarf ein Wissenschaftler vom irischen University College Galway die These des Schweden als "bizarr" und fügte hinzu, dass es nun einmal "unmöglich [sei] einen mythischen Planeten [sic!], der niemals existiert haben könnte, mit einem lebendigen, atmenden Land zu vergleichen". [15] Der Leiter des Geography Department der University of Ireland, Galway, Prof. Ulf Strohmayer kartete nach: "Mythische Orte wie Atlantis sind lediglich dazu da, um irgendwelche Sehnsüchte nach einem Land Utopia in der menschlichen Psyche zu befriedigen. Wir schaffen sie, um uns selber weiszumachen, dass das menschliche Leben, wenn wir auf diesem Planeten die Augen zumachen, woanders, an einem besseren Ort, weitergehen wird." [16]

Hier sprechen offenbar echte "Fachleute"! Natürlich keine Fachleute in Sachen Atlantisforschung, die in der Lage wären, Erlingssons Atlantida-Interpretation fachlich zu prüfen und zu bewerten, sondern offensichtlich Fachleute in Sachen Ignoranz, Wichtigtuerei und praktizierter Unwissenschaftlichkeit. So machen weder der anonyme "Wissenschaftler" vom 'University College Galway' noch Prof. Strohmeyer auch nur den geringsten Versuch, sich - vor einem fachwissenschaftlichen Hintergrund - sachlich mit Erlingssons Überlegungen auseinander zu setzen. Stattdessen produzieren sich die beiden Herren als Vulgär-Psychologen und geben allgemeine Glaubensbekenntnisse zum Thema Atlantis ab.

Den 44-jährigen Dr. Erlingsson scheinen derart dilettantische Anwürfe jedenfalls ziemlich kalt zu lassen: "Ich habe mit solchen Spitzen gerechnet. Wir müssen jedoch davon ausgehen, dass ich Recht habe, bis andere beweisen können, dass ich im Unrecht bin." [sic!; bb] [17] Darüber hinaus gibt glücklicherweise auch differenziertere Reaktionen auf seine Atlantis-Hypothese. So beschrieb die Dubliner Archäologin Dr. Ruth Johnson Erlingssons Betrachtungen als "interessant" und "definitiv revisionistisch", wobei sie bezüglich der Suche nach Atlantis kritisch anmerkt: "Das ist wie mit dem Heiligen Gral oder der Arche Noah­, deren Existenz Menschen stets dadurch zu beweisen trachten, dass sie sie in Verbindung mit authentischen Orten bringen." [18]

Abb 8 Eine künstlerische Impression der raublustigen Krieger-Königin Medb von Connaught

Eine vorbildliche, an der eigenen Fachkompetenz orientierte und tatsächlich wissenschaftliche Stellungnahme ließ jedenfalls das National Museum of Ireland im August (2004) verlautbaren, das sich - ganz ohne ideologisches Brimborium - von der Erlingsson-Hypothese distanzierte. Dr. Patrick Wallace, der Direktor des Museums, formulierte seine vorläufige Kritik seriös und auf den Punkt genau: "Wir können sagen, dass uns keine archäologischen Evidenzen bekannt sind, die Mr. Erlingssons Theorie stützen würden" [19], wobei er offen zugestand, dass das Forschungsteam seines Museums "nicht in der Position sei", die geologische Grundlage dieser Theorie zu bewerten.

Gerne folgen wir Wallace´s gutem Beispiel und stellen abschließend fest: Auch wir sehen uns (noch) nicht "in der Position", eine fundierte, fachliche Bewertung der atlantologischen Grundlage von Ulf Erlingssons These abzugeben, da uns bisher nicht seine Arbeit ('Atlantis From a Geographer’s Perspective: Mapping the Fairy Land'), sondern nur die fragmentarischen 'Informations-Schnipsel' aus der Online-Berichterstattung dazu vorliegen, auf deren Basis nur sehr wenige halbwegs sichere Aussagen möglich sind.

Was wir dort finden, weist Dr. Erlingsson jedenfalls als typischen 'Mittelzeitler' aus, also als Vertreter der vergleichsweise jungen Schule der Megalith-Atlantologie, deren Anhänger einen atlanto-mediterranen Ursprung der Atlantis-Legende im Mesolithikum bzw. Neolithikum vermuten. Außergewöhnlich erscheint in diesem Zusammenhang bisher lediglich Erlingssons 'exotische' Alters-Datierung der Katastrophe, die den Untergang von Atlantis bewirkt haben soll. Mit +- 6100 v.Chr liegt sie nämlich um mehr als 1000 Jahre FRÜHER als die sonst bei Mittelzeitlern üblichen Annahmen.

Zudem können wir feststellen, dass z. Zt. keine grundsätzlichen Unvereinbarkeiten von Ulf Erlingssons Annahmen mit dem Inhalt der Kritias- und Timaios-Dialoge erkennbar sind. Kollisionen mit den Naturgesetzen liegen im Fall der Erlingsson´schen Theorie offenbar auch nicht vor. Da zudem, anhand der vorliegenden Informationen, bisher keine schwerwiegenden, logischen Brüche in seiner Argumentation zu finden sind, sehen wir zumindest derzeit keinerlei Anlass, ihre Legitimität in Frage zu stellen oder sie aus dem Diskurs auszuschließen.


Externa:

Francis J. Ward & Francis P. Ward, "The Lost Civilization of Atlantis Is Ireland", in: BEFORE IT'S NEWS, 20.01.2012


Anmerkungen und Quellen

  1. Quelle: Ignatius Donnelly, "Atlantis, die vorsintflutliche Welt, Eßlingen, 1911, S. 283
  2. Quelle: ebd., S. 283, 284
  3. Quelle: ebd., S. 285
  4. Quelle: ebd.
  5. Quelle: ebd.; Red. Anmerkung: Zur Begründung seiner Annahme einer ethno-linguistischen Verwandtschaft all dieser Völker zitiert Donnelly an dieser Stelle aus einer "Catha" (einem altirischen "Kriegsbericht"), in der sich eine Überlieferung zu der Entscheidungsschlacht zwischen Fir-Bolds und Tuatha-de-Danann findet, aus welcher "hervorgeht, daß diese beiden Völker ein und dieselbe Sprache redeten und beide mit den Fomoriern eng verwandt waren.

    Als die beiden Heere sich gegenüber standen, sandten die Fir-Bolds den Breas, einen ihrer Häuptlinge, aus, um das Lager der Fremden auszukundschaften; die Tuatha-de-Dananns sandten einen ihrer Helden, Sreng mit Namen, um den Sendling des Feindes zu empfangen; die zwei Krieger begegneten sich, sprachen miteinander über ihre Schilder hinweg, und waren beide höchst erfreut, zu bemerken, daß sie beide dieselbe Sprache redeten.

    Es folgte eine Schlacht, in welcher Ruadha, der König der Fir-Bolds, fiel; Breas wurde sein Nachfolger; er war jedoch wegen der Feindseligkeit der Barden gezwungen, die Krone niederzulegen. Er ging an den Hof seines Schwiegervaters Clathe, einem formorischen Seekönig oder Seeräuber; da er aber dort nicht gut aufgenommen wurde, ging er in das Lager des Balon vom bösen Blick, eines formorischen Häuptlings. Das formorische Hauptquartier scheint auf den Hebrideninseln gewesen zu sein. Breas und Balon brachten ein ungeheures Heer zusammen, fielen in Irland ein, wurden aber von den Tuatha-de-Dananns in einer großen Schlacht geschlagen." (Donnelly, S. 285, 286)

    Diese Episode zeigt nicht nur, wie Donnelly anführt, "daß die Fir-Bolds und die Tuatha-de-Danann eines Stammes", und auch mit den Formoriern verwandt waren. Sie macht auch deutlich, dass die Formorier nach ihrer Niederlage degen die Tuatha-de-Danann in Irand keineswegs als eigenständiges Volk oder als regionaler Machtfaktor verschwunden waren. Sie hatten sich offenbar lediglich auf entlegene Stützpunkte zurückgezogen und stritten weiter mit den neuen Herren der 'Grünen Insel' um die Vorherrschaft.
  6. Quelle: Donnelly, S. 286
  7. Quelle: Brasseur de Bourbourg, Popol Vuh, zitiert nach I. Donnelly (Eßlingen 1924), S. 293
  8. Quelle: Helmut Tributsch, DIE GLÄSERNEN TÜRME VON ATLANTIS - Erinnerungen an Megalith-Europa, Frankfurt/M., Berlin (Verlag Ullstein), 1986, S. 270
  9. Quelle: ebd.
  10. Quelle: Viatcheslav Koudriavtsev, Atlantis auf dem Celtic Shelf - Eine wissenschaftliche Hypothese zu Platons Atlantis-Bericht (englischspr. Erstveröffentl. 1995; neuere Version bei Institute of Metahistory)
  11. Quelle: Kevin Smith, 'Atlantis in Ireland?', msnbc NEWS, vormals online unter http://www.msnbc.msn.com/id/5623857/; Updated: 1:23 p.m. ET Aug. 6, 2004 (jetzt nicht mehr online)
  12. Quelle: ebd.
  13. Quelle: http://www.online.ie/news/viewer.adp?article=3143559
  14. Quelle: Táin Bó Cúalnge, online unter http://vassun.vassar.edu/~sttaylor/Cooley/
  15. Quelle: Ireland On-Line news, August 12th, 2004, nach http://www.mythicalireland.com/ancientsites/tara/atlantis2.php
  16. Quelle: ebd.
  17. Quelle: BreakingNews, Clarification on 'Scepticism over academic's Atlantis theory', 18.08.04, unter http://breaking.examiner.ie/2004/08/18/story162377.html nach: http://www.mythicalireland.com/ancientsites/tara/atlantis2.php
  18. Quelle: ebd.
  19. Quelle: ebd.


Bild-Quellen

(1) http://prayerfoundation.org/skellig_michael_monastery.htm

(2) http://www.discoveryprogramme.ie/Research_Area/Content/TAR_SUR/images/tara.jpg

(3) http://www.social-dancing.com/Gallery/IrelandWC760x501.jpg

(4) http://homepage.tinet.ie/~earrings/browneshill-dolmen.jpg

(5) Ancient Ireland, von Corel Corporation

(6) Links: http://www.msnbc.msn.com/id/5623857/

(6) Rechts: http://www.mythicalireland.com/ancientsites/tara/tara-atlantis.php

(7) http://vassun.vassar.edu/~sttaylor/Cooley/

(8) http://mockingbird.creighton.edu/english/micsun/IrishResources/medb.gif