Orontius Finaeus – Atlantisforschung

Orontius Finaeus

... und seine mysteriöse Weltkarte von 1531

Abb. 1 Oronce Fine (Orontius Finaeus, 1494-1555). Woher bezog er das geograpische Wissen, das ihm eine erstaunlich genaue, detaillierte kartographische Darstellung Antarktikas ermöglichte, das zu seiner Zeit angeblich noch völlig unbekannt war?
Abb. 1 Oronce Fine (Orontius Finaeus, 1494-1555). Woher bezog er das geograpische Wissen, das ihm eine erstaunlich genaue, detaillierte kartographische Darstellung Antarktikas ermöglichte, das zu seiner Zeit angeblich noch völlig unbekannt war?

(red) Orontius Finaeus (Abb. 1) (eigentlich: Oronce Fine; * 20. Dezember 1494 in Briançon - † 8. August 1555 in Paris) war ein französischer Universalgelehrter, der vorwiegend als Mathematiker und Kartograph tätig war, und durch seine kartogaphischen Arbeiten schon zu Lebzeiten einige Bekanntheit erlangte. Aus kartographiegeschichtlicher Sicht und aus dem Blickwinkel der alternativen Ur- und Frühgeschichtsforschung von besonderer Bedeutung ist seine doppelherzförmige Weltkarte (Abb. 2) aus dem Jahr 1559, die u.a. verblüffend genau Antarktika abbildet, dessen Geographie und Topographie zu Finaeus´ Zeit angeblich noch völlig unbekannt gewesen sein sollen.

Orontius Finaeus, der ursprünglich am Collège de Navarre in Paris Medizin studiert hatte und dort anno 1522 sein Bakkalaureat erwarb, übernahm 1531 eine Professur für Mathematik am Collège Royale, die er bis zu seinem Lebensende innehatte. Schon früh begann er mit der Publikation populärwissenschaftlicher Werke - vorwiegend zu mathematischen und astronomischen Themen, wie z.B. De mundi sphaera von 1542 -, aber größere Popularität erlangte er durch seine Beiträge zur Kartographie seiner Zeit. Bemerkenwert ist vor allem die von ihm entwickelte Methode der doppelherzförmigen Kartenprojektion, die er bereits zur Erstellung seiner ersten Weltkarte nutzte, welche um 1519 entstand. Diese Darstellungsweise wurde nachfolgend auch von anderen namhaften Kartographen, wie Peter Apian und Gerhard Mercator übernommen. [1]

Abb. 2 Orontius Finaeus´ doppelherzförmige Weltkarte von 1531 aus Nova Universi Orbis Descriptio (Für eine vergrößerte Ansicht bitte das Bild anklicken!)
Abb. 2 Orontius Finaeus´ doppelherzförmige Weltkarte von 1531 aus Nova Universi Orbis Descriptio (Für eine vergrößerte Ansicht bitte das Bild anklicken!)

Mit einiger Sicherheit würden Orontius Finaeus und seine Leistungen heute nur noch wenige spezialisierte Geschichtsforscher und Kartographiehistoriker beschäftigen, hätte es nicht Charles H. Hapgood (1904–1982) und seine ebenso hartnäckige wie akribische Suche nach Anomalien auf alten Weltkarten gegeben, die er als Indizien "für eine sehr alte, weltweite Kultur" betrachtete, welche "in ferner Vergangenheit einen großen Teil der Erde beherrscht haben muss" [2] und diesen Großraum kartographisch erfasste.

Hapgoods umfassenden Recherchen ist jedenfalls auch die Wiederentdeckung der Weltkarte des Finaeus von 1531 zu verdanken, die der amerikanische Historiker 1959 in der Library of Congress aufstöberte. [3] Und diese Karte ist in der Tat mehr als erstaunlich. Auf ihr ist auch, wie es bei Dr. Christine Pellech heißt, die sich ebenfalls intensiv mit alten 'Rätselkarten' befasst hat, "die südliche Hemisphäre der Erde mit der Antarktis und den südlichen Spitzen der Kontinente Afrika und Südamerika aufgezeichnet [...] Die Umrisse der Antarktis gleichen erstaunlich genau den Darstellungen der heutigen Karten. Der Südpol ungefähr in der Mitte des Kontinents entspricht den realen Gegebenheiten. Die Gebirgszüge an den Küsten der Antarktis entsprechen den Gebirgen, die in der letzten Zeit unter der Eisdecke festgestellt wurden. Die Küste muss demnach eisfrei gewesen sein. Da auf der Karte im Inneren der Landmasse keinerlei Gebirge zu erkennen sind, kann der Schluss gezogen werden, dass zu diesem Zeitpunkt, mindestens 4000 v.Chr., das Innere der Antarktis bereits mit Eis bedeckt war." [4]

Abb, 3 Übereinander gelegte Darstellungen von Antarktika bei Orontius Finaeus (1531) und auf einer modernen Karte nach Charles Hapgood. Zudem sind hier die Ausbreitung des Eisschilds während seines jüngsten glazialen Maximums sowie die Routen einiger der bekanntesten Südpol-Expeditionen eingezeichnet. (Für eine vergrößerte Ansicht bitte das Bild anklicken!)
Abb, 3 Übereinander gelegte Darstellungen von Antarktika bei Orontius Finaeus (1531) und auf einer modernen Karte nach Charles Hapgood. Zudem sind hier die Ausbreitung des Eisschilds während seines jüngsten glazialen Maximums sowie die Routen einiger der bekanntesten Südpol-Expeditionen eingezeichnet. (Für eine vergrößerte Ansicht bitte das Bild anklicken!)

Kurz gesagt, entspricht die Darstellung der Orontius Finaeus-Karte "bemerkenswert jenen auf modernen Karten von Antarktika [...] Freilich liegt es zu nahe an der Spitze Südamerikas, und es ist unkorrekt ausgerichtet, doch die Proportionen erscheinen gleichartig, die Küsten-Gebirge, die 1957 bei einer geophysikalischen Studie festgestellt wurden, befinden sich in etwa an den richtigen Stellen, ebenso wie die Buchten und Flüsse. Überdies erscheint auch die Form Südamerikas richtig, und die starke Ähnlichkeit zwischen dem Rossmeer in modernen, wissenschaftlich exakten Karten und dem namenlosen Golf bei Finaeus ist verblüffend." [5] Aktuell haben nun auch mittels modernster technischer Hilfsmittel durchgeführte, in Kooperation mit dem Alfred-Wegener-Institut erfolgte Untersuchungen des Instituts für Kartographie der Technischen Universität Dresden bestätigt, dass diverse bei Finaeus dargestellte Buchten und Fjorde, insbesondere an der Weddell-See, mit den tatsächlichen geographischen Gegebenheiten übereinstimmen. [6]

Da Antarktika aber erst im 19. Jahrhrhundert nach und nach erkundet und kartographisch erfasst wurde, stellen diese frappierenden Übereinstimmungen [7] veritable kartographiehistorische Anomalien dar. Woher stammten jene Informationen, die Orontius Finaeus in die Lage versetzten, eine vergleichsweise exakte Darstellung des antarktischen Kontinents zu entwerfen? Sollte es in der frühen Seefahrts- und Entdckungsgeschichte des neuzeitlichen Europa eine ganze Reihe völlig in Vergessenheit geratene, in keiner Chronik erwähnte Fernexpeditionen gegeben haben, die diese Daten erbracht hatten? Eine höchst unwahrscheinliche Vorstellung. Könnte es sich um Erkenntnisse asiatischer (z.B. chinesischer oder indischer) Exploratoren handeln, die bis zu ihm nach Frankreich gelangt waren? [8] Die schulwissenschaftliche Geschichtsforschung behauptet, solche asiatischen Fernreisen zur See habe es nie gegeben. Aber auch wenn wir diese akademische Lehrmeinung bezweifeln dürfen, so erklären die beiden genannten Möglichkeiten nicht jene topographischen Details der Karte, die seit Jahrtausenden aufgrund des darüber liegenden Eispanzers einer Beobachtung entzogen sind.

Und damit wären wir wieder bei Hapgoods, vom Standpunkt universitärer Mainstream-Forschung aus gesehen devianter, aber durch polydisziplinäre, z.B. linguistische Indizien [9] gestützte Vermutung einer verschollenen, weit prähistorischen, global operierenden Hochkultur angelangt, deren kartographische Erkenntnisse als Reliktwissen - möglicherweise über Ägypten via Konstantinopel [10] - ins neuzeitliche Europa gelangt sein könnten.



Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Quelle: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter: Oronce Fine (abgerufen: 03. Nov. 2015)
  2. Quelle: Charles H. Hapgood, "Die Weltkarten der alten Seefahrer - Die Entdeckung der Antarktis vor 6.000 Jahren und Amerikas vor Kolumbus", Zweitausendeins Verlag, Frankfurt am Main 2002, S. 282
  3. Quelle: Paul F. Hoye und Paul Lunde, "Piri Reis and the Hapgood Hypotheses - From the archives of the Ottoman Empire an intriguing—and irresistible—mystery...", in: ARAMCO world - Arab and Islamic cultures and connections, Vol. 31, No. 1, Jan./Feb. 1980 (abgerufen: 3. Nov. 2015)
  4. Quelle: Dr. Christine Pellech, "Die Kenntnis Amerikas, der Arktis, der Antarktis und Australiens auf alten Karten", Atlantisforschung.de, 2013; aus: Dieselbe, "Die Entdeckung von Amerika: Der Kulturdiffusionismus in neuer Sicht“, Band 1, Verlag König, 2013
  5. Quelle: Paul F. Hoye und Paul Lunde, op. cit. (1980); Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de
  6. Siehe: Bernhard Beier und Dr. Dominique Görlitz, "Kartographiegeschichte im Umbruch - Das Rätsel der alten Weltkarten ist zurück auf der wissenschaftlichen Agenda", 2. Nov. 2015, bei Atlantisforschung.de
  7. Anmerkung: Ahnliche Koinzidenzen finden sich auch auf den Karten des Piri Reis von 1513, Gerhard Mercators (1569) und Philippe Buaches (1754).
  8. Anmerkung: Vergl. dazu z.B. Gavin Menzies, "1421 – Als China die Welt entdeckte", Droemer-Knaur, München 2003; sowie: Derselbe, "1434 - The Year a Magnificent Chinese Fleet Sailed to Italy and Ignited the Renaissance", William Morrow, New York 2008
  9. Siehe: Dr. Bátor Vámos-Tóth und Franziska Hargenrader, "Das »TAMANA-Phänomen« und die Prähistorie der menschlichen Rasse", 1996
  10. Siehe dazu z.B.: Dr. Christine Pellech, "Die Kenntnis Amerikas, der Arktis, der Antarktis und Australiens auf alten Karten - Teil 2", Atlantisforschung.de, 2013; aus: Dieselbe, "Die Entdeckung von Amerika: Der Kulturdiffusionismus in neuer Sicht“, Band 1, Verlag König, 2013

Bild-Quellen:

1) Wellcome Images (Welcome Trust) / bei Wikimedia Commons, unter: File:Oronce Fine Wellcome L0005534.jpg
2) Seebeer bei Wikimedia Commons, unter: File:Doppelherzförmige Weltkarte 1531.jpg
3) Portolanero bei Wikimedia Commons, unter: File:Antarctica 1531-Modern Tracks.png