Die Ägypter - Erben eines uralten Wissens – Atlantisforschung

Die Ägypter - Erben eines uralten Wissens

Inhaltsverzeichnis

Zwei mal Ägypten? Auf der Suche nach einem Vorgänger des Pharaonen-Reichs

"Wir kennen Ägypten nicht - wir bilden uns nur ein, es zu kennen." (Howard Carter)

(red) Als Quelle seiner Informationen über die Großinsel Atlantis benennt Platon in seinem Dialog Timaios explizit die ägyptischen Neith-Priester in der Stadt Saïs. Sie sollen Solon bei seiner Ägyptenreise (571 - 561 v. Chr.) eine 'Vorlesung' in Urgeschichte und Katastrophismus [1] (Timaios, 22e- 23c) gehalten haben, um seine naiven, hellenischen Vorstellungen dazu zurecht zu rücken.

Leider enthält uns der Autor des Atlantisberichts offenbar einen großen Teil dieses brisanten Exkurses durch die Ur- und Proto-Historie vor, denn wir erfahren außer der Information, dass die nicht-ägyptischen Zivilisationen im Laufe der Jahrtausende wiederholt durch katastrophische Ereignisse vernichtet worden seien, lediglich einige faszinierende Einzelheiten, die mit der atlantidischen Inselkultur zu tun haben. Etwa 9000 Jahre vor seiner bzw. vor Solons Zeit soll Atlantis nach dem Ende eines Krieges gegen die Ägypter und andere Bewohner des östlichen Mittelmeer-Raumes die mitsamt der auf ihr beheimateten Zivilisation nach Erdbeben und Fluten untergegangen sein.

Von schulwissenschaftlich argumentierenden Atlantida-Exegeten mag diese Zeitangabe bezeifelt werden, doch sie bewegt sich absolut innerhalb des geschichtlichen Rahmens, von dem die Priester-Historiker des alten Ägypten für ihr Reich ausgingen. So datierte Manetho, ein Hohepriester, der während der '30. Dynastie' im Auftrag des Pharao Ptolemaios II. (Abb. 2) eine Chronologie des Reiches ("Aegyptica") erstellte, die prädynastischen Anfänge in eine Zeit von weit mehr als 10 000 Jahren vor der Zeitenwende.

Abb. 1 Wie alt ist das Pharaonenreich tatsächlich und wo liegen seine frühen Ursprünge? Abseits vom Mainstream der Schulwissenschaft versuchen Alternativhistoriker und Atlantologen diese wesentlichen Fragen zu beantworten.
Abb. 1 Wie alt ist das Pharaonenreich tatsächlich und wo liegen seine frühen Ursprünge? Abseits vom Mainstream der Schulwissenschaft versuchen Alternativhistoriker und Atlantologen diese wesentlichen Fragen zu beantworten.

Dazu finden wir bei dem renommierten britischen Atlantologen Andrew Collins den Hinweis: "Manetho, der Priester von Heliopolis, der im 3. Jahrhundert v. Chr. lebte, sprach von einer Spanne von 36 525 Jahren [Mond- oder Saison-Jahre?; bb] vor dem Aufstieg des Menes, des ersten dynastischen Königs (Manetho, De Myst. 8, Sp. 1 in: Cory, Ancient Fragments, Fußnote auf S. 95), während der griechische Historiker Herodot (484-408 v. Chr.) in seinem Kanon der Könige bemerkte, seit der Herrschaft des ersten Pharao seien 11 340 Jahre vergangen." [2]

Der ägyptophile Platon war also nicht der einzige, der zutiefst von der Richtigkeit solcher, angeblich "weit übertriebener" Zeitangaben überzeugt war. Schon 1922 bemerkte die Kunstgeschichtlerin Hedwig Fechenheimer, wie eindeutig er sich in dieser Frage geäußert hatte. Dazu findet sich bei ihr ein Zitat aus seinen 'Gesetzen' (Vergl. dazu auch: Nomoi (Die Gesetze), Atlantis und das verlorene Wissen der Alten). Platon rühmt dort die ägyptische Form kultureller Traditionspflege, die nach seinen Aussagen darin bestand:

"...daß man alle Tänze und alle Lieder mit der Religion verbindet [...] Wenn nun aber jemand daneben mit anderen Hymnen und Chortänzen für irgend einen Gott herkommen wollte, so haben ihn die Priester und Priesterinnen in Verbindung mit den Gesetzeswächtern kraft des Gesetzes und des heiligen Rechts auszuschließen. [...] Und weder Malern noch andern, die Gruppen und irgend etwas derartiges darstellen, war es gestattet, hier Neuerungen zu treffen und noch anderes als von den Vätern überkommenes auszusinnen. [...] Und wenn du nachforschst, wirst du vor zehntausend Jahren, und das nicht, wie man so zu sagen pflegt, sondern wirklich vor zehntausend Jahren Gemaltes und Nachgeformtes dort finden, welches die Kunsterzeugnisse heutigen Tages weder übertrifft, noch ihnen nachsteht, sondern vermöge der selben Kunst entstanden ist." [3]

Abb. 2 Pharao Ptolemaios II., der Auftraggeber für Manethos 'Aegyptica', einem antiken 'Standard-Werk' zur ägyptischen Ur- und Frühgeschichte.
Abb. 2 Pharao Ptolemaios II., der Auftraggeber für Manethos 'Aegyptica', einem antiken 'Standard-Werk' zur ägyptischen Ur- und Frühgeschichte.

War das nun die Schwärmerei eines närrischen alten Griechen, der das Pharaonenreich besucht und dort einiges aufgeschnappt, aber nicht richtig verstanden hatte? Oder sollte Manetho, der Hohepriester, 'im stillen Kämmerlein' Phantasie-Daten zu Papyros gebracht haben? Der französische Alternativ-Historiker Robert Charroux zog, etwas ausführlicher als Collins, Herodot, den "Vater der Geschichtsschreibung" als prominenten Zeugen aus der Antike zur 'Beweisführung' des Gegenteils heran: "Herodot versichert im zweiten Buch seiner Historien (Kap. 143), daß ihm die Priester in Theben 341 Holzstatuen gezeigt hätten, die die Generationen der Hohepriester - da stets die Söhne auf die Väter folgten - seit mehr als 11 000 Jahren darstellten." [4] Offenbar wurde diese Chronologie in mindestens drei ägyptischen Kultur-Zentren (Heliopolis, Theben und - wenn wir Platon Glauben schenken - Saïs) vorausgesetzt und gelehrt.

Hilfstheorien konventioneller Atlantis-Forscher, die den Ägypten-Kennern Solon und Platon bezüglich der Datierung von Atlantis einen Irrtum, bzw. eine Verwechslung von Sonnen-, Mond-, oder Saisonjahren unterstellen (siehe: 'Jungzeitler' und 'Mittelzeitler'), um den GESAMTEN Inhalt der Atlantida in die späte Bronzezeit verlegen zu können, stehen somit auf einem mehr als wackeligem Postament. Alternativ-historische Forscher wie Graham Hancock, Colin Wilson und David Hatcher Childress versuchen dagegen den Nachweis zu führen, dass tatsächlch bereits vor mehr als zehn Jahrtausenden Vorläufer der ägyptischen Zivilisation existiert haben. Sie behaupten: Platon wusste, wovon er sprach!

Diese nonkonformistischen 'Altzeitler' sowie die meisten 'Synthetiker' unter den Atlantisforschern billigen den Zeitangaben aus der Atlantida im Grundsatz also einen historischen Charakter zu. Zudem gehen sie von der Richtigkeit der kataklysmischen Geschichtsbetrachtung der Alten Ägypter aus. Dabei legen sie allerdings weder den Atlantisbericht dogmatisch aus (etwa einer fundamentalistischen Auslegung der homerischen Texte vergleichbar), noch akzeptieren sie die letztlich dubiose Geschichtsschreibung des Pharaonen-Reichs, welche uns eine mehr als zehntausend Jahre währende Kontinuität vorgaukeln will, die es offenbar nicht gab. Stattdessen könnte man pointiert von einem 'ersten' (vorsintflutlichen) und einem 'zweiten' (prä-)dynastischen Ägypten sprechen - zwei kulturellen Komplexen, die vermutlich wenig miteinander gemein hatten.

In Arbeitsmodellen von Befürwortern vorsintflutlicher Hochkulturen wird als 'erstes Ägypten' vor allem ein "Osirisches Reich" [5] im Bereich des heutigen östlichen Mittelmeers und Nordafrikas vermutet. Dieses Reich (möglicherweise auch ein Städte- oder Staaten-Bund) sei, so wird gemutmaßt, das historische Vorbild für einen der Kriegsgegner der Atlantiden in der von Platon beschriebenen, als Weltkrieg im modernen Sinne erscheinenden, Konfrontation gewesen. Auch dieses 'Osiris-Empire' sei, Platon folgend, während des großen Kataklysmus untergegangen, von dem in seinem Atlantisbericht die Rede ist. Mögliche Relikte aus jener weit zurückliegenden Zeit werden im Bereich des überfluteten östlichen Mittelmeerbeckens sowie unter den Dünen der heutigen Wüste Sahara vermutet.

Abb. 3 Das vorägyptische 'Osiris-Empire' als primhistorischer 'Zeitgenosse' von Atlantis. Fiktion oder historische Tatsache? (Karte nach D. Hatcher Childress)
Abb. 3 Das vorägyptische 'Osiris-Empire' als primhistorischer 'Zeitgenosse' von Atlantis. Fiktion oder historische Tatsache? (Karte nach D. Hatcher Childress)

Die Hypothese eines primhistorischen [6], ostmediterranen 'Osiris-Reiches' resultiert im wesentlichen aus der Exegese von Platons Atlantida, der Diskussion um eine rezente Flutung des Mittelmeer-Raums [7] sowie aus der Betrachtung einiger, z.T. umstrittener, archäologischer Evidenzen. Spuren der vermuteten ostmediterranen "Anti-Atlantis-Allianz" finden sich möglicher Weise von Kleinasien, mit der ca. 11 000 Jahre alten Megalith-Anlage von Göbekli Tepe, über den Libanon mit den Uralt-Megalithen von Ba`lbak [8], bis ins heutige Ägypten hinein, wo der Große Sphinx von Gizeh den Menschen vermutlich ebenfalls seit mehr als zehn Jahrtausenden Rätsel aufgibt.

Unklar erscheint jedenfalls der Zeitpunkt der von verschiedenen Atlantologen vermuteten Flutung des mediterranen Beckens, die zum Untergang der prädiluvialen Welt des afro-europäischen Tieflands und damit zum Ende der osirischen Epoche geführt haben soll. Geschah dies (so etwa Joseph S. Ellul oder Hubert Zeitlmair) im Rahmen der endglazialen [9] Umwälzungen, die das Gesicht der Erde veränderten und den 'neolithischen Hiatus' bewirkten, jene Phase kultureller Regression, die sich in weiten Teilen Westeuropas durch einen Rücksturz der Überlebenden in eine längst überwundene Primitivität charakterisiert lässt? Oder ereignete sich der, konsensual als Ursache für diese Flutung vermutete, Bruch einer natürlichen Barriere bei Gibraltar erst viel später, wie etwa Axel Hausmann annimmt? (Siehe dazu: ATLANTIS WAR SIZILIEN - Vom Mythos zur Realität)

Einige der erstaunlichen Hinterlassenschaften der pharaonischen Ägypter (siehe z.B. Prinz Sabus Geheimnis von Klaus Aschenbrenner sowie die krypto-technologischen Abbildungen auf den Tempel-Reliefs von Dendera (siehe dazu z.B.: Die 'Leuchtkörper' von Dendera - Elektrizität im alten Ägypten? von Manfred Greifzu) könnten also tatsächlich Ursprünge haben, die nicht nur geographisch weit entfernt Vom heutigen Niltal zu suchen sind, sondern möglicherweise auch Jahrhunderte und Jahrtausende vor den ersten Pharaonen datieren, also aus dem Zeitalter vor dem Untergang der putativen, primhistorischen Reiche von 'Osiris' im ostmediterranen Großraum, von Atlantis im Westen, und 'Rama-Indien' (vergl. dazu: Indien: Das Rama-Imperium) im Osten.

Team Atlantisforschung.de


Fortsetzung


Beiträge zu diesem Thema in folgenden Sektionen


Außerdem bei Atlantisforschung.de

  • Aalu - Ägyptisches Totenreich oder verlorenes Land im Westen? (red)


Externa


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Vergl. zu diesem Begriff auch die scientistische und neo-scholastische Definition von Katastrophismus bei Wikipedia (Stand: Mai 2009)
  2. Quelle: Andrew Collins, "Neue Beweise für Atlantis", Scherz-Verlag, 2001, Fußnote auf S. 415
  3. Quelle: Platon, Nomoi (Die Gesetze), 656E-657A; nach: Hedwig Fechenheimer, "Die Plastik der Ägypter", Berlin 1922, Seite 3
  4. Quelle: Robert Charroux, "Phantastische Vergangenheit", Herbig (München), 1969, S. 77
  5. Anmerkung: die Klassifizierung des vermuteten, 'ersten Ägypten' als "Reich" bzw. "Imperium / Empire", die offenbar von David Hatcher Childress eingeführt wurde, ist natürlich höchst spekulativ. Sie sollte (wie auch die Benennung nach Osiris) lediglich als plakativer 'Arbeitstitel' verstanden werden.
  6. Anmerkung: PRIMHISTORISCH = 1.) von primhistorischem Charakter, Teil der Primhistorie; 2.) zur grenzwissenschaftlichen bzw. alternativen Forschungs-Richtung der] Primhistorik gehörig, die Primhistorik betreffend.
  7. Anmerkung: Vergl. zum Mittelmeerraum als Forschungs- und Diskussions-Gegenstand der Atlantisforschung: Das Mittelmeer: Schauplatz der Atlantida - Forschungsfeld der Atlantologie --- Zur Annahme einer rezenten Flutung des Mittelmeer-Beckens siehe das Feature: Malta im Focus der Atlantisforschung; sowie: Atlantis war Sizilien - Vom Mythos zur Realität von Axel Hausmann --- Zu historisch-zoogeographischen Evidenzen für die Richtigkeit der Flutungs-Hypothese: Spurensuche im Mittelmeerraum: Historische Zoo-Geographie im Einsatz --- Zu einer euhemeristischen Ausdeutung alter Mythen im Rahmen der Flutungs-Hypothese siehe: Luis Thayer Ojeda´s euhemeristische Rekonstruktion des antediluvialen Mittelmeer-Raums von Alexander Braghine
  8. Vergleiche dazu: Unglaubliches Baalbek von William R. Corliss
  9. Anmerkung: ENDGLAZIAL = am / gegen Ende einer 'glazialen Periode' (einer "Eiszeit"). Im Kontext dieses Beitrags ist die jüngste "Eiszeit" (Würm V in Europa, Wisconsin-Glazial in Nordamerika) gemeint.

Bild-Quellen:

1) http://www.freedomdomain.com/ufo.htm (Seite nicht mehr online)
2) Dariusz Sitek, Ancient Egypt - History and Chronology, unter: Ptolemaic Dynasty (Lagids) 306 - 30
3) David Hatcher Childress, Technology of the Gods, Adventures Unlimited Press