Alexander Petrowitsch Kasanzew

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Forscher- und Autorenportrait

Auf einen Blick

Abb. 1 Dr. ing. Alexander P. Kasanzew (1906-2002)

(red) Alexander Petrowitsch Kasanzew (Abb. 1) (Kyrillisch: Александр Петрович Казанцев; weitere Transkriptionen: Aleksandr Kazancev und Alexandre Kasnantsev; * 20. August jul. / 2. September 1906 greg. in Akmolinsk - heute: Nursultan -, Region Akmola, Russisches Kaiserreich; † 13. September 2002 in Peredelkino bei Moskau, Russische Föderation) war ein sowjetischer / russischer Ingenieur, Schriftsteller, Schachkomponist und Privatforscher im grenzwissenschaftlichen Bereich. Bekanntheit erlangte er insbesondere durch seine Publikationen im Genre Science-Fiction sowie durch seine UFO-Studien. Er gist als einer der Pioniere der Ufologie und der Prä-Astronautik im russischsprachigen Raum.

Biographische Notizen

Abb. 2 Hier eine künstlerische Würdigung von Alexander Petrowitsch Kasanzews literarischem Schaffen aus sowjetischer Zeit

In seiner Jugend arbeitete Kasanzew Nach einer technischen Ausbildung zunächst als Stenograph. Danach absolvierte er die Polytechnische Universität Tomsk, wo er 1930 im Fach mechanisches Ingenieurwesen promovierte. Anschließend arbeitete er als leitender Ingenieur im Metallurgiewerk Belorezk, wandte sich schließlich aber der Forschung zu und wurde für das Russische Forschungsinstitut für Elektromechanik in Moskau tätig.

1939 reiste Kasanzew dienstlich in die USA, wo er als leitendes Mitglied der sowjetischen Delegation und Chefingenieur für den Aufbau des Pavillons der UdSSR (Bild) auf der Weltausstellung in New York verantwortlich war. Während dieser Zeit veröffentlichte er auch seinen ersten Zeitungsartikel (in: Новый мир (Neue Welt), 1939, Nr. 12).

Als Hitlerdeutschland 1941 in die Sowjetunion einmarschierte, trat Kasanzew, der zeitlebens überzeugter Kommunist war, in die Rote Armee ein und wurde Kriegsteilnehmer, wo er - seinen Kernkompetenzen entsprechend - im ingeniertechnischen Bereich eingesetzt wurde. So war er Miterfinder und -konstrukteur eines per Draht ferngesteuerten Kleinpanzers, der dazu beitrug, die Blockade von Leningrad zu brechen. (Auf dem Poklonnaya-Hügel im Museum des Großen Vaterländischen Krieges wurde später eine Replik des Fahrzeugs ausgestellt). 1941 war er Militäringenieur beim 39. Reserve-Sappeur-Bataillion.

Ab 1942 fungierte Kasanzew als Leiter einer Spezialoperation der Hauptverwaltung für Militärtechnik der Armee unter dem stellvertretenden Kommandeur der Krimfront. Nach Kriesendende wurde er ab 1945 vom staatlichen Verteidigungskomitee der 26. Armee der 3. ukrainischen Front autorisiert, Fabriken in Österreich zu demontiern und als Teil der Reparationen in die UdSSR zu geschicken. Am 15. November 1945 wurde er dann im Rang eines Obersten aus der Armee entlassen und erhielt eine Reihe von Auszeichnungen, darunter den Orden des Vaterländischen Krieges und den Orden des Roten Sterns. Nachfolgend ließ sich Alexander Petrowitsch Kasanzew im "literarischen Dorf" Peredelkino nieder, wo er sich in den folgenden Jahrzehnten bis zu seinem Ableben auf sein schriftstellerisches Schaffen konzentrierte.

Science Fiction und Grenzwissenschaften

Abb. 3 Dr. Kasanzew mit einer der japanischen Dogū-Statuetten (Foto nach: i-efremov.ru)

Sein Leben lang interessierte sich A.P. Kasanzew besonders für alles Rätselhafte, Unbekannte und wissenschaftlich noch nicht ausreichend bzw. befriedigend Erklärbare. Insbesondere die Frage nach intelligentem außerirdischem Leben sowie die üngelösten Geheimnisse der Menschheits- und Zivilisations-Geschichte hatten es ihm angetan. Kein Wunder also, dass ihn als Schriftsteller schon früh das Genre der Science-Fiction-Literatur anzog, in dem er sich schon bald erfolgreich etablieren konnte. In diesem Bereich debütierte er schon 1936 und belegte in einem Wettbewerb den ersten Platz mit seinem Drehbuch-Entwurf für einen Science Fiction-Film namens 'Arenida', der später zur Handlungsgrundlage seines Romans "Пылающий остров" (Flammende Insel) wurde. Dieser Klassiker sowjetischer SF erschien zunächst 1940-1941 als Fortsetzungsroman in der Zeitschrift Pionerskaja Prawda, wurde von ihm 1957, 1962 und 1975 wiederholt überarbeitet und erweitert [1], und wurde bis dato in zahlreichen Ausgaben und Neuauflagen wiederveröffenlicht. 'Flammende Insel' gilt als eines jener Werke, welche die sowjetische Science Fiction-Literatur maßgeblich prägten.

Schon in diesem Roman - der ersten von ca. 50 größeren Publikationen [2] in seiner 60-Jahre währenden literarischen Karriere [3] - wird erkennbar, dass Kasanzew wissenschaftliche Gegenstände, die ihn als Privatforscher umtrieben und zu welchen er durchaus außenseiterische Positionen einnahm, gerne auch in seinen SF-Büchern thematisierte. In Flammende Insel spricht er z.B. den Tunguska-Vorfall in Sibirien an, der ihn auch später noch in einer Reihe von Romanen sowie populärwissenschaftlichen Werken beschäftigte. [4] Offenbar hatte er schon 1946 die Idee entwichelt, bei dem Körper, der 1908 im Gebiet von Sibiriens 'Steiniger Tunguska' niederging , habe es sich um ein havariertes außerirdisches Raumschiff gehandelt.

Zum Tunguska-Vorfall und Kasanzews Hypothese, die später auch von einigen (wenigen) anderen Forschern in der UdSSR, wie Felix Ziegel und Alexej Solotow vertreten wurde [5] und nachfolgend in der internationalen Paläo-SETI-Literatur Verbreitung fand, heißt es bei David McIntee: "Zeugenaussagen legten den Kurs dar, den das Objekt am Himmel nahm. Es stellt[e] sich heraus, dass das Objelt mehrmals die Richtung wechselte, bevor es sich in Richtung Baikalsee fortbewegte und explodierte. Dies führte den sowjetischen Wissenschaftler Alexander Kasanzew im Buch Flammende Inse [...] zu der Schlussfolgerung, dass das Objekt ein in Schwierigkeiten geratenes Raumschiff gewesen sein könne, das Kurs auf eine Frischwasser-Fundstelle nahm." [6]

Zu den weiteren grenzwissenschaftlich relevanten Themen, die Kasanzew besonders interessierten, und die er auch in seinen Romanen behandelte, gehört die Frage nach intelligenten Leben auf dem Mars [7] und die These eines künstlichen Ursprungs der Marskanäle. [8] Sein Roman Фаэты (Englisch: The Destruction of Faena; online abrufbar) basiert auf der Debatte um die vormalige Existenz des Planeten Phaeton, der auf der Bahn des heutigen Asteroidengürtels um die Sonne gekreist haben könnte. In Kasanzews Roman wurde Phaeton von der hochentwickelten Zivilisation der Phaeten bewohnt. Überlebende der letztlich selbstverschuldeten Zerstörung ihres Planeten gelangten schließlich zur Erde und brachten den Urmenschen einen Teil ihrer Kultur.

Kasanzew studierte und recherchierte jedenfalls gerne Ereignisse, Legenden und Objekte, von denen - nicht nur - er glaubte, dass sie Paläokontakte mit außerirdischen Besuchern unseres 'blauen Planeten' belegen, wie z.B. die rätselhaften Dogū-Statuetten aus Japan (Abb. 3) (siehe zudem dies hier), aber auch Hinweise auf Hightech und gewaltige Katastrophen in der Vergangenheit des Menschen, wie z.B. die Ruinen von Tiahuanaco in den Anden. [9] Es waren und sind gerade diese nonkondormistischen Forschungsthemen, die ihm auch außerhalb der UdSSR bzw Russlands eine gewisse Bekanntheit verschafften. Im Bereich des Science Fiction-Fandoms trug vermutlich der auf seiner Erzählung "Планета бурь" (Planeta Bur) basierende - auch 'im Westen' vielbeachtete - sowjetische Spielfilm Planet der Stürme [10] aus dem Jahr 1962 dazu bei, dass Alexander Petrowitsch Kasanzew nicht nur im russischen Sprachraum, sondern auch diesseits des 'Eisernen Vorhangs' kein Unbekannter blieb.


Literaturhinweise

Von A.P. Kasanzew in deutscher Sprache:

Phantastischer Historien-Roman:

Romane (Science Fiction):



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Anmerkungen und Quellen

Dieser Betrag basiert auf den Lemmata "Alexander Kazantsev" bei Wikipedia - The Free Encyklopedia und "Казанцев Олександр Петрович" bei der russischsprachigen Wikipedia sowie "Alexander Petrowitsch Kasanzew" bei Wikipedia - Die freie Enzyklopädie. Redaktionelle Bearbeitung durch Atlantisforschung.de.

Fußnoten:

  1. Quelle: Wikipedia auf Russisch, unter: "Пылающий остров" (abgerufen: 03. Mai 2019)
  2. Siehe dazu Kasanzews Bibliographie in der russischsprachigen Wikipedia. (abgerufen: 03. Mai 2019)
  3. Anmerkung: Kasanzews letztes Werk, "Звезда Нострадамуса" (Stern des Nostradamus), erschien im Jahr 2000.
  4. Quelle: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter: "Alexander Petrowitsch Kasanzew" (abgerufen: 03. Mai 2019)
  5. Quelle: Leon Jarof, "Strange Doings on Tunguska", 26. August 2004 bei TIME.com (abgerufen: 03. Mai 2019)
  6. Quelle: David McIntee, "We Will Destroy Your Planet: An Alien’s Guide to Conquering the Earth", Bloomsbury Publishing, 2013, S. 197 (Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de nach der Leseprobe bei Google Books
  7. Siehe z.B. von Alexander Kasanzew: "Марсианин" (Der Marsianer), 1946; sowie: Гость из космоса ("Gast aus dem Weltaum"), 1958
  8. Quelle: Wikipedia - The Free Encyklopedia, unter: "Alexander Kazantsev" (abgerufen: 03. Mai 2019)
  9. Zu Kasanzews Ansichten bezüglich Tiahuanaco siehe einführend: "Brinsley Le Poer Trench über Atlantis und Tiahuanaco (1962)" (bb)
  10. Anmerkung: Kasanzew schrieb auch - gemeinsam mit Regisseur Pawel Kluschanzew - das Drehbuch zu diesem Film.

Bild-Quellen:

1) Lamro (Uploader) bei Wikipedia - The Free Encyclopedia, unter: File:Kazantsev1.jpg (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
2) Библиотека Максима Мошкова (Maxim Moshkov Bibliothek), Александр Казанцев, unter: Александр Петрович Казанцев. Пунктир воспоминаний
3) i-efremov.ru, unter: Александр Петрович КазанцевИсточник