Charles Joseph Tissot

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Historisches Forscherportrait

(red) Charles Joseph Tissot (Abb. 1), auch kurz Charles Tissot, (* 29. August 1828 in Paris; † 3. Juli 1884 ebenda [1]) war ein französischer Diplomat und Archäologe, der sich vor allem als Pionier der Erforschung des alten Nordafrika einen Namen machte. Er war einer der zeitgenössischen Vertreter der Vorstellung eines Atlantis im Atlantik.

Biographische Notizen

Abb. 1 Charles Joseph Tissot (1828-1884)

Tissot, der einer sehr alten italienischen Familie entstammte, die seit dem zwölften Jahrhundert in der Franche-Comté ansässig ist, erhielt seine schulische Erziehung zunächst im Elternhaus durch seinen Vater, wobei er schon früh Englisch, Deutsch, Spanisch, Latein und Griechisch lernte. Danach setzte er seine Studien am Lycée Charlemagne in Paris fort, studierte Jurisprudenz in Dijon und wurde 1852 an der neu geschaffenen Verwaltungsschule in Tunis Konsularschüler [orig.: "élève consul"; d.Ü.] in Tunis. Tissost Treffen mit dem Archäologen und Kaplan von Saint-Louis-de-Carthage, Abbé Bourgade, beeinflusste maßgeblich eine Entscheidung, sich der Archäologie zuzuwenden. [2]

Abb. 2 Das Titelblatt von Tissots Werk "Exploration scientifique de la Tunisie. Géographie comparée de la province romaine d'Afrique" aus dem Jahr 1884

1856 plante er eine große Ausgrabung der Ruinen des antiken Karthago, die er aber nicht realisieren konnte. Stattdessen führt er epigraphische Untersuchungen durch, bereiste 1857 die Régence d'Alger, wo er viele römische Inschriften sammelte, entdeckte bei seinen Studien zu antiken Straßen und Routen einen auf der Tabula Peutingeriana nicht erwähnten altertümlichen Reiseweg und fand den Standort von Thuburbo Majus. [3]

1863 stellte Tissot seine auf Latein verfasste Dissertaton über seine Studien zum Tritonsee (De Tritonide lacu [4]) vor. Darin vertrat er, gestützt auf antike Texte - u.a. von Herodot, Pomponius Mela und Ptolemäus - sowie unter Bezugnahme auf den (umstrittenen) Fund eines alten Schiffs-Wracks bei Nefta, der heutige Chott el Djerid sei ein Überrest des sagenhaften, trocken gefallenen Tritonsees. [5]

Im Rahmen seiner Tätigkeit als Diplomat lebte Tissot nacheinander in Spanien, in Tessaloniki und Adrianopel. Mit Charles de La Valletta arbeitete er in der Herzegowina an einem Versöhnungsversuch zwischen Türken und Montenegrinern. Er folgte de La Valette nach Rom und, nachdem er 1862 sein Buch "La Campagne de César en Afrique" (Der Feldzug Caesars in Afrika) geschrieben hatte, wurde er zunächst nach Iasi in Rumänien geschickt, um danach als stellvertretender politischer Direktor im Außenministerium tätig zu werden. [6]

1869 ging er mit de La Vallette als erster Botschafts-Sekretär nach London und wurde 1871 zum bevollmächtigten Minister in Marokko ernannt. Dort setzte er auch seine archäologischen Forschung fort und bereiste alle römischen Straßen des Landes, wo er Ruinen und Inschriften dokumentierte und eine Karte der bis dahin kaum erforschten Region Mauretania Tingitane zeichnete (1871-1876). Parallel dazu führt er seine Forschungen über die römischen Straßen Tunesiens fort. Später folgten u.a. die Erforschung des Unterlaufes des Medjerda und des Bagrada-Tals.

Auf Initiative von Theodor Mommsen wurde Tissot zum Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts ernannt, 1880 wurde er gewähltes Mitglied der Académie des inscriptions et belles-lettres, und im März 1883 wurde er Präsident der Archäologischen Kommission von Tunesien, starb aber überraschend am 3. Juli 1884 in Paris. [7]

Charles Tissot und Platons Atlantis

Seine Vorstellungen zum Thema Atlantis präsentierte Tissot, wie Tony O’Connell bemerkt, in seiner 1884 erschienenen Abhandlung "Exploration scientifique de la Tunisie. Géographie comparée de la province romaine d'Afrique" [8] (Abb. 2). Interessanterweise vertritt er darin keine Atlantis-Lokalisierung in Nordafrika, wie sie mehrheitlich von französischen Atlantologen seiner Zeit verfochten wurde, sondern "wiederholt", so O’Connell, "Die Vorstellungen von Ignatius Donnelly und propagiert ein Atlantis im Atlantik, >wo ein Kontinent existiert haben muss, als dessen Überreste die Kanaren und Azoren betrachtet werden dürfen<." [9] Es sei dazu angemerkt, dass Tissots "Exploration scientifique..." seinerzeit vom Ministère de l'Instruction publique herausgegeben wurden [10], dem Vorläufer des heutigen französischen Bildungsministeriums.





Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Quelle: Bibliothèque nationale de France (BnF), "Charles Joseph Tissot (1828-1884)", bei data.bnf.fr (abgerufen: 1. April 2018)
  2. Quelle: Wikipédia - L'encyclopédie libre, unter: "Charles-Joseph Tissot" (Abgerufen: 1. April 2018)
  3. Quelle: ebd.
  4. Siehe: "De Tritonide lacu, theses Divionensi litterarum Facultati proponebat C. Tissot", ex typis J.-E. Rabutot, 1863 - 39 Seiten
  5. Quelle: Alberto Marini und Mohamed Talbi, "Desertification and Risk Analysis Using High and Medium Resolution Satellite Data: Training Workshop on Mapping Desertification", Springer Science & Business Media, 2008, S. 245
  6. Quelle: Wikipédia - L'encyclopédie libre, op. cit.
  7. Quelle: ebd.
  8. Siehe: Charles Joseph Tissot, "Exploration scientifique de la Tunisie. Géographie comparée de la province romaine d'Afrique", Paris (Imprimerie Nationale), 1884
  9. Quelle: Tony O’Connell, "Tissot, Charles", 22. Februar 2014, bei Atlantipedia.ie (abgerufen: 1. April 2018; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  10. Quelle: Pierre Vidal-Naquet, "Atlantis: Geschichte eines Traums", C.H.Beck, 2006, S. 162

Bild-Quellen:

1) Bibliothèque nationale de France bei Wikimedia Commons, unter: File:Charles Joseph Tissot.JPEG
2) Archive.org, unter: Exploration scientifique de la Tunisie : Géographie comparée de la province romaine d'Afrique