Die Eiszeit-Lehre und Peter Warlows „Magic-Top“-Szenario

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von unserem Gastautor Dr. Horst Friedrich (1996)

Abb. 1 Umkehrkreisel ("magic top")

Die wichtigste Publikation der letzten Jahrzehnte zur Eiszeit- und generell zur Kataklysmen-Problematik war vielleicht Peter Warlows - weitgehend unbeachtete oder nicht genügend ernst genommene - Arbeit, in der er die Erde mit einem "magic top" (Wunder-Kreisel) oder "tippe top", einem bekannten Kinder- und Erwachsenen-Spielzeug, verglich [1].

Mit diesem "magic top" (Abb. 1) kann man leicht sehr plötzliche Präzessions-Phänomene [2] produzieren: rasche, erhebliche Polverlagerungen oder auch eine plötzliche Umkehrung der Rotationspole um 180 Grad, so dass - wäre der Spielzeugkreisel die Erde - sich die Nordhalbkugel des Nachts plötzlich unter dem Kreuz des Südens sehen würde.

Man beachte, dass Warlows Arbeit in einer der renommiertesten schul-naturwissenschaftlichen Zeitschriften publiziert wurde, trotz der offensichtlichen Affinitäten zu Velikovsky! Es wurde zwar - so etwa von W. Marold [3] - bezweifelt, ob man das Warlow-Modell auf den Planeten Erde anwenden könne. Warlow erläutert aber ganz klar, dass und warum aus physikalisch-geophysikalischen Gründen die Erde ein noch viel geeigneterer Kandidat als der "magic top" ist, an ihr plötzliche, auffällige Präzessions-Phänomene (erhebliche Polverlagerungen, bis zum Kippen um 180 Grad) zu produzieren. Ein Kraftanstoß aus dem Kosmos, etwa eine Planeten-Nahbegegnung, vorausgesetzt! Dabei spielt es offenbar keine erhebliche Rolle, dass der "magic top" auf einer festen Unterlage, etwa einem Tisch, kreiselt - und sein Umkehrmanöver vorführt -, wohingegen die Erde frei im Weltraum rotiert.

Das Interessante am "magic top" ist, dass sein Verhalten auch die Erklärung dafür liefern könnte, inwiefern es möglich gewesen sein könnte, dass die Sonne einstmals wiederholt im Westen aufgegangen sei, wie von Herodot [4] berichtet. Von einem plötzlichen Anhalten der Erdrotation und ihrem Wieder-in-Bewegung-Setzen in umgekehrter Drehrichtung kann dabei selbstverständlich keine Rede sein! Denn erstens wäre bei einem mehr oder minder plötzlichen Anhalten, innerhalb von Stunden etwa, wohl alles auf der Erde von Super-Erdbeben, Super-Orkanen und kilometerhohen Riesen-Tsunamis vernichtet worden und niemand mehr übrig geblieben, davon zu berichten. Und zweitens ist auch ein plötzliches Wieder-in-Bewegung-Setzen in umgekehrtem Rotationssinne sehr unwahrscheinlich.

Das Rätsel löst sich dahingehend, dass bei Warlows taumelnder "Magic-top"-Erde die rasch präzessierende Polverlagerung so kompliziert, dabei aber so "sanft" verläuft, dass die Kataklysmen sich in Grenzen halten und die Menschheit zwar wohl dezimiert, aber keinesfalls total vernichtet wird. Der "magic top" ändert bei diesem höchst studierenswerten Manöver seine Drehrichtung nicht, aber dennoch geht am Ende die Sonne für einen Beobachter auf der Erde plötzlich in der entgegengesetzten Himmelsrichtung auf! Vielfach wurde die Publikation Warlows nicht sorgfältig genug studiert (Abb. 2), es ist kein Denkfehler drin, wie Marold [5] meint. Davon kann sich jedermann anhand eines "magic top", den man in jedem Spielwarengeschäft bekommt, überzeugen!

Allerdings muss sorgfältig beobachtet werden! Es wäre ein wichtiges Desiderat, den Vorgang einmal zu filmen und den Film dann im Zeitlupentempo abzuspielen, um Zweifler zu überzeugen. Nach Warlows Denkmodell hätte sich die Erde also durchaus in prä-/protohistorischer Zeit zeitweise, wie in den Abbildungen 3a und 3b gezeigt, drehen können. Es stehen diesbezüglich also nun seine These und die von Armin Naudiet [6] vorgetragene zur Diskussion.

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Abb. 2 Umkehrmanöver des "magic top" nach Warlow. In (a) ist der ursprüngliche Rotationszustand gezeigt, mit der Rotation P um die senkrechte Achse. Bei (b) und (c) befindet sich der "magic top" in Zwischenphasen während des Kippens, wobei die primäre Rotation P weitergeht, jedoch eine sekundäre Rotationskomponente S um eine horizontale Achse hinzugekommen ist. In (d) ist der Zustand nach der vollendeten Polumkehr wiedergegeben. Für einen externen Beobachter bleibt der Rotationsvektor P während der ganzen Bewegungsabfolge fast unverändert (Warlow, op. cit.).

Von ganz besonderer Wichtigkeit ist die These Warlows nun aber vor allem für jegliche Eiszeit-Diskussion! Nach Warlow handelt es sich bei den, einem angeblichen "Großen Eiszeitalter" zugeschriebenen, Phänomenen mit erheblicher Wahrscheinlichkeit ganz einfach um die Folgen von Polverlagerungen, mit entsprechenden Verlagerungen der Nord- und Süd-Polargebiete. Wobei die Polverlagerungen innerhalb etwa 24 Stunden erfolgt sein könnten und die zwischen den Polverlagerungen liegenden Phasen mit stabiler Orientierung der Erde im Weltraum vielleicht nur Jahrhunderte, bestenfalls Jahrtausende gedauert haben könnten. Keine Rede dann also von einem 1.000.000 Jahre langen Quartär oder "Großen Eiszeitalter"!

Zwischen Warlows Szenario und dem von Naudiet in einem vorangegangenen Beitrag [7] präsentierten besteht wohlgemerkt ein Unterschied, wobei aber dennoch die eine These die andere nicht auszuschließen braucht. Und beide nicht zeitgleiche Impakte kleinerer Himmelskörper auf die Erdoberfläche oder in den Ozean ausschließen! Man stelle sich eine Planeten-Nahbegegnung etwa zwischen Erde und Mars vor: die planetoidenartigen Marsmonde könnten dann, sollte es zu Impakten kommen, das Chaos während der Erdumkehr-Kataklysmen noch vergrößern. Es könnten dann etwa - im Sinne von E. Spedicato [8] - bei einem Impakt in den Ozean warme Dauerwolkenbrüche und gigantische Tsunamis Inlandvergletscherungen paroxistisch beenden helfen, respektive ebendiese Riesen-Tsunamis gewaltige Eismassen vom aufbrechenden Packeis des Nordpolarmeeres weit ins Festland hinein verdriften.

Folgt man Warlows Überlegungen, so gerät man sehr rasch auf den Gedanken, ob nicht die angeblichen, wiederholten Eiszeiten (mit möglicherweise warmen Zwischen-Intervallen) unserer "Eiszeit-Scholastik" in Wirklichkeit wiederholten Polverlagerungen geschuldet sind? Wie Warlow zeigt, sind Polverlagerungen bei unserem Erde-Planeten recht leicht zu induzieren, beispielsweise - wie eben erwähnt - durch Planeten-Nahbegegnungen im Sinne Velikovskys. Der Verfasser des vorliegenden Beitrages glaubt allerdings, dass zusätzlich unbedingt noch häufigere Impakt-Kataklysmen mit ins Kalkül gezogen werden müssen, um ein realistisches Bild der Erdgeschichte für die Zeit seit dem Ende des Tertiärs zu erhalten und alle dem angeblichen "Großen Eiszeitalter" zugeschriebenen Phänomene richtig und kohärent zu deuten.

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Abb. 3 Links: Die Erde nach einer Polumkehr. Für Iberien - und Westeuropa generell - würde nun die Sonne über dem Atlantik aufgehen! Meeresströmungen und Passatwinde würden "Transfusionen" aus der Karibik zur Iberischen Halbinsel begünstigen. Rechts: Die Erde nach einer Polumkehr. Es wäre ein Super-Kuroshio oder Super-Golfstrom von Indonesien an Madagaskar und der Südspitze Afrikas vorbei nach Brasilien denkbar.

Die Zahl der angeblichen Eiszeiten und Gletschervorstöße innerhalb des angeblichen "Großen Eiszeitalters" ist stetig erhöht worden [9]. Handelte es sich dabei um wiederholte Polverlagerungen, d.h. plötzliche, kosmisch-induzierte Präzessions-Ereignisse im Sinne Warlows? Das ist in der Tat naheliegend! Würde etwa unser heutiges, vergletschertes Grönland oder die Antarktis durch eine Polverlagerung plötzlich in ein subtropisches oder tropisches Gebiet verlagert, würde es ein kataklysmisches Abschmelzen der Eisdecke geben. Und in der Tat ist in der Spezial-Literatur durchaus zuweilen von einem "paroxistischen Ablauf des Fluvioglazials" [10] die Rede!

Der Physiker Christian Blöss [11] hat mit einem an sich verdienstvollen Beitrag zu unserem Thema - wenn ich ihn recht verstehe [12] - den Eindruck zu vermitteln versucht, das Denkmodell Warlows scheitere an den physikalischen Fakten. Ich möchte den von mir geschätzten Autor hiermit auffordern, Warlows Arbeit noch einmal gründlicher zu studieren, die Frage einer Erdachsenkippung durch einen "vorbei fliegenden magnetischen Dipol" ausführlicher als nur mit einem Satz zu behandeln und generell auch die Frage einer elektrostatischen Ladung der beteiligten Himmelskörper mit ins Kalkül zu ziehen! Das ist von Velikovsky [13] und den Velikovskyanern immer wieder gefordert worden. Das Thema ist zu wichtig, als dass man es mit so leichter Mühe abtun sollte!

Im übrigen: physikalische Theorien hin oder her, wir sollten sie nicht ernster nehmen als vertretbar, uns nicht von ihnen hypnotisieren lassen! Es ist kein großes Geheimnis, dass unser schul-naturwissenschaftliches Weltbild nichts als eine Momentaufnahme, ein Provisorium ist. Kein ehrlicher Kenner der Materie wird das bestreiten. Tatsache ist, dass die bisherigen "Eiszeit"-Theorien mit großem Misstrauen betrachtet werden müssen, und dass Herodot davon berichtet, die Sonne habe sich in spät-prähistorischer oder frühgeschichtlicher Zeit auch schon umgekehrt, von West nach Ost über den Himmel bewegt. Und Tatsache ist auch, dass Impakt-Ereignisse in ihrer Bedeutung für die Erd- und Menschheitsgeschichte und in ihrer mutmaßlichen Häufigkeit weit unterschätzt wurden. Davon müssen wir ausgehen! Nur das kann am Anfang unserer Überlegungen stehen, nicht irgendwelche zeitbedingten Lehrmeinungen. Auch am warlowschen Trigger-Mechanismus für rasch präzessierende Polverlagerungen per se sind wohl kaum ernsthafte Zweifel möglich. Das Haupt-Fragezeichen bleibt, ob die von Warlow und Naudiet erneut postulierten velikovskyschen Planeten-Nahbegegnungen sich tatsächlich ereignet haben.

In diesem Zusammenhang wird es sehr wichtig sein, die von Naudiet [14] 1994 erstmals präsentierte These mit ins Kalkül zu ziehen, wonach ein partielles Kippen der Erdachse möglicherweise auch - statt um den Erdmittelpunkt - um die Antarktis als "Widerlager" erfolgen könnte.


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von Dr. Horst Friedrich (© 1996) wurde erstmals veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 17/1996. Bei Atlantisforschung.de erscheint er im Dr. Horst Friedrich Archiv in einer redaktionell bearbeiteten Fassung nach: http://www.efodon.de/html/archiv/vorzeit/friedrich/magictop.html

  1. Siehe: Peter Warlow, "Geomagnetic Reversals?", ursprünglich veröffentlicht in: JOURNAL OF PHYSICS A (Math. & Gen.), 11 No. 10/1978 (S. 2107-2130), später abgedruckt in: S. I. S. REVIEW, Journal of the Society for Interdisciplinary Studies, Vol. III/No. 4, 1979 (S. 100-112).
  2. Anmerkung des Verfassers: auf Englisch: "fast precession".
  3. Siehe: Winni Marold, "Verkehrte Welt - Versuch über den Sonnenuntergang im Osten", MAROLD's EXTRA Nr. l, Weinsberg 1994.
  4. Siehe: Herodot, "Geschichte und Geschichten", Buch 1-4 (Bd. l), Zürich/München 1973 (S. 199), oder andere Ausgaben dieses berühmten "Vaters der Geschichtsschreibung", der von modernen Gelehrten immer dann als Erz-Lügenbold diffamiert wird, wenn seine Angaben nicht in ihre "Geschichtenerzählungen" passen.
  5. Siehe: W. Marold, op. cit., S. 21.
  6. Siehe: Armin Naudiet, "Ging die Sonne im Westen auf?", in: EFODON-SYNESIS Nr. 7/1995.
  7. Siehe: Armin Naudiet, "Kosmische Katastrophen und Eiszeittheorie", in: EFODON-SYNESIS Nr. 16/1996.
  8. Siehe: Emilio Spedicato, "Apollo Objects, Atlantis and the Deluge: A Catastrophical Scenario for the End of the Last Glaciation", in: NEARA JOURNAL, Vol. XXVI/No. 1-2, 1991 --- Red. Anmerkung: Siehe bei Atlantisforschung.de auch die deutschsprachige Erstveröffentlichung von Prof. Spedicatos Arbeit unter dem Titel: "Galaktische Begegnungen, APOLLO-Objekte und ATLANTIS - Ein katastrophisches Szenario für Diskontinuitäten in der Menschheitsgeschichte.
  9. Anmerkung des Verfassers: Zum letzten Stand siehe Ingo Schäfer mit seinem Monumental-Werk "Das Alpenvorland im Zenit des Eiszeitalters", Stuttgart 1995.
  10. Siehe: Ingo Schäfer, op.cit., S. 388 und Fußnoten 1947 und 2039 im Ergänzungsband.
  11. Siehe: Christian Blöss: "Die Kippung der Erdachse um 180° in 24 Stunden", in: ZEITENSPRÜNGE 4/1995 (S. 499-513).
  12. Anmerkung des Verfassers: Blöss' Artikel leidet bedauerlicherweise an zwei Mängeln. Einmal die von Laien kaum nachvollziehbare, oft unklare Argumentation. Man ist oft im Zweifel, wie eine Aussage gemeint ist. Zweitens übernimmt er zu viel Ungesichertes aus den gängigen schul-naturwissenschaftlichen Lehrmeinungen, etwa dass Erdmantel und Erdkern in verschiedenen Richtungen rotieren könnten.
  13. Siehe: Immanuel Velikovsky, "Cosmos without Gravitation - Attraction, Repulsion, and Electromagnetic Circumduction in the Solar System", (Scripta Academica Hierosolymitana, Scientific Report IV), New York/Jerusalem 1946.
  14. Siehe: Armin Naudiet, "Noahs Erben", EFODON DOKUMENTATION DO-11, Wessobrunn 1994.


Bild-Quelle

Alle Abbildungen © Horst Friedrich