Die Große Pyramide von Gizeh

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von unserem Gastautor R. Cedric Leonard

Abb. 1 Die Große Pyramide von Gizeh und der Sphinx auf einer historischen Aufnahme aus dem Jahr 1858 (Foto: Metropolitan Museum of Art)

Die Große Pyramide (Abb. 1) war schon immer eines der umstrittensten altertümlichen Denkmäler der Welt. Sie unterscheidet sich definitiv von allen anderen Pyramiden in Ägypten. Wie das? Erstens enthält sie keinerlei Inschriften, wohingegen alle anderen in ihrem Inneren Inschriften haben - viele davon mit Wänden und Decken der Grabkammer, sie buchstäblich mit Begräbnistexten bedeckt sind. Zweitens übertrifft die Genauigkeit der Proportionen und der Ausrichtung alle anderen (auch in der Gizeh-Gruppe). Drittens sind die Kammern und Durchgänge größtenteils oberirdisch, und so musste jeder Block geformt werden, bevor er verlegt wurde, um die Existenz dieser Merkmale zu ermöglichen: ein äußerst komplexes Unterfangen. Die Kammern und Durchgänge der anderen Pyramiden waren im Vergleich einfach, meistens unter der Erde, und darüber wurde eine praktisch solide Pyramide errichtet.

Obwohl einige der anderen Pyramiden als Gräber gebaut wurden (nach Inschriften in den Grabkammern zu urteilen), gibt es keinerlei Hinweis darauf, dass die Große Pyramide als Grab gedacht war. Der sogenannte "Sarkophag" in der "Königskammer" (Abb. 2) (von Ägyptologen so genannt) ist die Gesamtsumme der Beweise für diese Theorie. Ihn als "Sarkophag" zu bezeichnen, macht ihn nicht dazu: Er könnte auch eine initiatorische oder eine andere unbestimmte Funktion gehabt haben. Tatsächlich wurden in der Großen Pyramide niemals Mumien oder andere Überreste von Menschen gefunden. Es gibt auch keinen einzigen Beweis dafür, dass sie von Cheops (Pharao Khufu) gebaut wurde. [...]

Die Beziehung der Großen Pyramide zu Atlantis hängt vom Erstellungsdatum ab. Da es das vollkommenste ist und Ägypten buchstäblich mit Pyramiden übersät ist, die weniger vollkommen sind, nehmen wir an, dass die unvollkommensten von ihnen die früheren und die meisten experimentellen Versionen sind Perfekt als Neuester. Ganz im Gegenteil ist es wahrscheinlicher. Mit einem nahezu perfekten Beispiel hätten die Ägypter versuchen können, das nachzuahmen, was eine fortgeschrittenere Zivilisation bereits erreicht hatte, und die in ganz Ägypten verstreuten, schlecht konstruierten Beispiele könnten das Ergebnis ihrer vergeblichen Versuche sein, diese unerreichbare Technologie zu kopieren. [...]

Abb. 2 Der angebliche "Sarkophag" in der so genannten "Königskammer" der Großen Pyramide.

Laien ist nicht allgemein bekannt, dass es in Ägypten eine große Anzahl von Pyramiden gibt, die nach der Großen Pyramide gebaut wurden. Tatsächlich wurde der Pyramidenbau einige hundert Jahre später fortgesetzt. Faktum ist jedoch, dass sie alle in Bezug auf Größe und Verarbeitungsqualität jenen von Gizeh unterlegen sind. Warum hätten [ihre Erbauer], nachdem sie alle technischen Probleme überwunden hatten, plötzlich wieder auf solche schlampigen Methoden zurückgreifen sollen? Hatten sie alles vergessen, was sie einst gelernt hatten? Das kommt mir unglaublich vor. Es ist offensichtlich, dass die Ägypter nie das Niveau der Technologie erreicht haben, das an der Großen Pyramide gezeigt wird. Es ist jedoch durchaus möglich, dass ein moderner Lette [1] über die alte Technik gestolpert ist.

Welche anderen Beweise deuten darauf hin, dass das akzeptierte Datierungsschema der Pyramiden von Gizeh möglicherweise fehlerhaft ist? Joseph Jochmans bietet die folgende Beobachtung an: Unter Hinweis auf die gewöhnlich akzeptierte Reihenfolge von Khufu, Khafre und Menkare (alle Pharaonen der vierten Dynastie) weist er darauf hin, dass die relative Größe der Pyramiden der akzeptierten Reihenfolge des Aufbaus entspricht. Ägyptologen sagen, dass die erste Pyramide der Gizeh-Gruppe von Khufu gebaut wurde. Wenn der vorwärts und aufwärts"-Standpunkt [2] irgendeine Gültigkeit hat, würde dann nicht zu erwarten sein, dass Khafre, der als nächster regierte, einen größeren und besseren als seinen Vorgänger baut? Andernfalls wäre sein Status als Pharao ernsthaft gefährdet. Die zweite Pyramide ist jedoch wesentlich kleiner und ungenauer als die Große Pyramide. Und sollte nicht erwartet werden, dass Menkare, der nächste Pharao, seine beiden Vorgänger übertraf? Dennoch ist [seine Pyramide] mit Abstand die kleinste der drei. Obwohl dies offensichtlich der menschlichen Natur zuwiderläuft, werden wir aufgefordert, die akzeptierte Chronologie so hinzunehmen, als ob sie eine feststehende Tatsache sei.

Robert Bauval und John Anthony West haben ein viel glaubwürdigeres Szenario, und ihr Szenario basiert auf astronomischen Überlegungen (die häufig bei der Errichtung und Ausrichtung antiker Sakralbauten verwendet werden), die von der modernen Wissenschaft überprüft und verifiziert werden können. Sie haben gelernt, dass die sorgfältige Positionierung und die relative Größe der Pyramiden die exakten Positionen und die Leuchtkraft der Sterne im Sternbild Orion widerspiegeln. Und wir haben aus alten ägyptischen Texten erfahren, dass die Konstellation des Orion die Gottheit Osiris darstellte, der laut Herodot (Historien, Buch II) vor 15.000 Jahren während der sogenannten "Herrschaft der Götter" regierte.

Und genau wie 10.500 v.Chr. als wahrscheinlichstes Datum für das Meißeln des Sphinx herausgefunden wurde, stellt sie wie durch Zauberei heraus, dass die Ausrichtung der Durchgänge der Großen Pyramide auf genau dasselbe Datum verweist. [3] Dieses Datum wurde mit modernen Computern ermittelt, welche buchstäblich "die Uhr zurückdrehen" und uns sagen können, wo sich diese Sternbilder zu einem bestimmten Zeitpunkt am Himmel befanden. Und diese Daten fallen in die Zeit von Atlantis.



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Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von R. Cedric Leonard (©) erschien in seiner englischsprachigen Originalfassung unter dem Titel "ARCHEOLOGICAL PERSPECTIVES (Abschnitt: THE GREAT PYRAMID OF GIZEH)" zuerst auf seiner Webseite Quest for Atlantis - Adventures in Science (atlantisquest.com; inzwischen leider offline). Übersetzung ins Deutsche und redaktionelle Bearbeitung (u.a. unwesentliche Kürzungen) durch Atlantisforschung.de nach der archivierten Version der Seite bei Wayback Machine / Archive.org.

Fußnoten:

  1. Red. Anmerkung: R. Cedric Leonard meint hier Edward Leedskalnin (1887-1951), den Erbauer des mysteriösen 'Coral Castle' in Florida. Dazu verweist er auf: Christopher Dunn, "The Incredible Mystery Of Coral Castle", in: Atlantis Rising (7-14-3), nach rense.com; archiviert bei: Wayback Machine / Archive.org. (abgerufen: 24. November 2019)
  2. Red. Anmerkung: Unter "vorwärts und aufwärts"-Standpunkt" ist die Voraussetzung einer linearen, gleichmäßig von einfacheren zu "höher enwickelten" Kultur- und Technologie-Entwicklung zu verstehen.
  3. Siehe: R. Bauval & A. Gilbert, "The Orion Mystery", William Heinemann, 1994

Bild-Quellen:

1) Metropolitan Museum of Art (Met), New York City, unter: The Great Pyramid and The Great Sphinx - 1858 - Francis Frith
2) Brooklyn Museum (Uploader) bei Wikimedia Commons, unter: File:S10.08 Gizeh, image 9620.jpg