Die Riesen des Acheuléen

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Über die Funde gigantischer altsteinzeitlicher Werkzeuge und ihre Konsequenzen

von Louis Burkhalter (1955)

Abb. 1 Einer der Riesen-Faustkeile, die Anfang der 1950er Jahre von Capitain R. Lafanachère in Marokko entdeckt wurden

Seit einigen Jahren wird die Aufmerksamkeit gewisser Prähistoriker von vereinzelten Entdeckungen prähistorischer Werkzeuge in Anspruch genommen. Diese Werkzeuge haben, als sie in bekannten Ablagerungen entdeckt wurden, Erstaunen erregt, sind aber noch nicht zum Gegenstand einer gezielten Gesamtuntersuchung geworden. Gegenwärtig fehlt es zur besseren Begründung unserer Überzeugung noch an einem Inventar, einer Klassifizierung dieser Entdeckungen.

Was hat man unter einem Riesen-Werkzeug zu verstehen? Für uns gilt, solange umfassendere Informationen nicht vorliegen, folgendes: "Jedes einzelne Werkzeug, bei dem die großen Dimensionen oder das Gewicht die Benutzung oder die Handhabung schwierig zu machen scheinen, kann in diese Kategorie eingeteilt werden."

Es geht also darum, festzustellen, ob solche Werkzeuge tatsächlich dem Bedürfnis eines normalen Menschen entsprechen, oder ob man, im Gegenteil, das Recht zu der Annahme hat, daß nur riesenwüchsige Menschenrassen sich dieses Materials bedienen konnten.

Von vornherein betonen wir, daß wir die besonders bequemen Erklärungen (Zufallsgrößen, unbekannte Zweckbestimmung, Weihgeschenke) als unbrauchbar ablehnen. Es ist schwer zu begreifen, daß alle Menschen des Paläolithikums solche Werkzeuge hundertstückweise >zufällig< angefertigt haben sollten. Die schwierige Steinmetzarbeit und vor allem ihre vollendete Ausführung lassen in dieser Hinsicht keinen Zweifel zu: die Riesen-Werkzeuge wurden absichtlich als solche hergestellt.

Wir glauben nicht, einen Symbol- oder Votivwert dieser Werkzeuge genauer untersuchen oder auch nur erörtern zu müssen; das hieße, das elementare Wissen vom Verhalten des paläolithischen Menschen außer Acht lassen, das hieße ihm eine Symbolgläubigkeit beilegen, die bekanntlich erst die Perioden der Dekadenz charakterisiert.

Und was die Erklärung betrifft, es handele sich um Werkzeuge unbekannter Zweckbestimmung, so erwidern wir sofort, daß es sich da um eine Ausflucht handelt: wir können nämlich nicht verstehen, wieso gerade diese >Werkzeuge unbekannter Zweckbestimmung< genau die selbe Form haben - und ohne Zweifel auch zu demselben Gebrauch bestimmt sind - wie die normalen Werkzeuge.

Abb. 2 Bei Safita(h) im Westen Syriens liegt einer der Fundorte von riesigen Werkzeugen aus dem Acheuléen.

Wir wollen ferner betonen, daß, soviel wir wissen, alle Riesen-Werkzeuge, die wir bis heute haben identifizieren können, dem Acheuléen angehören. Wir erwähnen noch, daß die bekannt gewordenen Fundorte von Riesen-Werkzeugen sich bis heute auf das Mittelmeer-Becken zu beschränken scheinen. [1]

Wir nennen als Beispiel einen Fundort von Riesen-Werkzeugen bei Sasmyth (Syrien, 6,5 km von Safitah (Abb. 2) entfernt) in den Anschwemmungen des Nahr Abrache. Die überdimensionalen Faustkeile (bis zu 30 cm lang) wiegen 2,5 - 3,5 kg und sind, sowohl wegen ihrer Dicke als auch wegen ihres Gewichtes, schwer in der Hand zu halten. Es scheint zum mindesten gewagt, ihre Benutzung den Menschen zuzuschreiben, die, einige Kilometer weiter weg, Acheuléen-Faustkeile von 10 bis 20 cm Länge benutzt haben.

Eben diese Entdeckung hat unsere gegenwärtige Untersuchung veranlaßt. Andere gelegentliche Entdeckungen in Syrien (in öffentlichen und privaten Sammlungen) haben uns genötigt, diese Untersuchungen noch zu vertiefen.

Vor kurzem hat uns Herr Hauptmann Lafanachère ähnliche Entdeckungen aus Marokko gemeldet. Es handelt sich gleichfalls um Acheuléen-Faustkeile; einer davon (Abb. 1) trägt folgende Merkmale: Gesamtgewicht 4,15 kg, Länge 32 cm, Breite 22 cm, größte Dicke 7 cm. [2] Allein 3 - 4 m große Menschenwesen können diese zu Hunderten in den Steinmetz-Werkhöfen gefundenen Werkzege benutzen.

Abb. 3 Am Bani Draa in Marokko wurden vor mehr als 60 Jahren ebenfalls zahlreiche Exemplare von Riesen-Steinwerkzeugen entdeckt.

Ich möchte Herrn Saurat danken, daß er es mir gestattet hat, im Anschluß an sein Buch "Atlantis und die Herrschaft der Riesen" diese wenigen Betrachtungen über die Wahrscheinlichkeit der Existenz riesenhafter Menschenwesen, die ihrer Körpergröße angemessene Werkzeuge benutzt haben, auszusprechen. Selbstverständlich handelt es sich dabei für mich nur um eine summarische Zusammenfassung. Beim gegenwärtigen Stand unserer Erkenntnisse kann man nur das Problem [dar]stellen. es ist dabei aber nicht notwendig, die Theorie Hörbigers, soweit sie sie sich auf den Menschen bezieht, zu übernehmen. [3] Auch andere Hypothesen ermöglichen es, die Wahrscheinlichkeit der Existenz von riesigen Menschenrassen ins Auge zu fassen.

Eine auf den Begriff der Polygenese gestützte Theorie von M.P. Millot bezeichnet die Existenz mehrerer humanoider Gattungen (Phyla) als wahrscheinlich. Zwei aus Afrika stammende Hauptgattungen, von denen die eine nach dem fernen Osten auswanderte und sich an die Gruppe Pithekanthropus und Sinanthropus (Afrikanthropus von Nia-riasa, Pithekanthropus von Ngudong, 1,96 m groß, Meganthropus (Abb. 4) von Java, 2,25 m groß, Giganthropus, 2,75 m, usw.) anschloß. Diese Gattung ist vollständig verschwunden.

Abb. 4 Ein Meganthropus im Vergleich mit einem modernen Menschen (Bild: Micah Ewers)

Die zweite Gattung blieb in Afrika, entwickelte sich aber in Richtung auf den Homo sapiens; an ihrer Basis finden wir die ganze Gruppe Paranthropus und speziell die Gruppe Plesianthropus; diese Spezies hat sich über die ganze Erde verbreitet, wobei zahlreiche Kreuzungen uwischen den Gattungen (Körpergrößen von 2,50 bis 3,60 m vorgekommen sein mögen. Diese Theorie nimmt an, daß jeder Formentypus Mutanten verschiedener Größe hervorbringt:

1) Zwerge, die in der Nähe des Rassen-Ursprungs siedeln;
2) Riesenwüchsige, die spät erscheinen und als erste wieder verschwinden;
3) die mittelgroßen Mutanten, die mit der größten Aussicht am Leben zu bleiben, fortbestehen.

Eine andere, genauso verführerische Hypothese stützt sich auf die Veränderungen der biologischen Umwelt und, parallel dazu auf quantitative und qualitative Veränderungen der Aussendung infraroter Sonnenstrahlen, die biochemischen (d.h.die endokrinen bzw. neuro-endokrinen) Veränderungen entspricht, und auf ebenso biophysische wie biochemische Veränderungen im menschlichen Organismus. Das Ganze beeinflußt die thyreotrope Hormon-Sekretion, wooraus sich die Tendenz zur Riesenwüchsichkeit ergibt. Eine detaillierte Studie über diese Theorie ist in Vorbereitung.

Es ist hier nicht der Ort, diese Theorie darzustellen, die schon für sich allein ein umfangreichhes Exposé verdient, aber wir wollen doch deutlich machen, daß die Existenz von riesenhaften Menschenrassen in der Acheuléen-Epoche als eine wissenschaftlich gesicherte Tatsache betrachtet werden kann (über die von Riesen stammenden Skelett-Überreste vgl. die >Vorbemerkung< zu diesem Buche). Deshalb müssen wir Herrn Denis Saurat dazu beglückwünschen, daß er es gewagt hat, das Problem unter einen Gessichtspunkt gestellt zu haben, der gewiß ein besonderer ist, nichtsdestoweniger aber die Möglichkeit bieten wird, die Diskussion zu eröffnen und, wie wir wünschen wollen, eine neue Etappe zu unserem Wissen um das Menschentum unserer Urahnen zurückzulegen.



Anmerkungen und Quellen

Dieser Artikel von Louis Burkhalter wurde dem Buch "Atlantis und die Herrschaft der Riesen" von Denis Saurat entnommen (1. Auflage, Addendum, S. 200-204), das 1955 im Franz E. Günter Verlag (Stuttgart) erschienen ist. (Französischsprachige Originalausgabe: "Atlantis et la règne des géants", Éditions Denoël (Paris), 1954; Übersetzung ins Deutsche durch Dr. Justus Streller)

Leider war es uns trotz langwieriger und umfassender Recherchen nicht möglich, den derzeitigen Inhaber der Rechte an Denis Saurats´ Werken in deutscher Sprache zu ermitteln. Daher erscheint dieser Beitrag bei Atlantisforschung.de vorläufig, in einer redaktionell bearbeiteten Fassung (Betitelung, Illustration und Verlinkungen), als wissenschaftsgeschichtliche Dokumentation zu Lehr- und Studienzwecken.

Fußnoten:

  1. Red. Anmerkung: Mit seiner vorsichtigen Formulierung und der Betonung von "bis heute" bewies Burkhalter große Weitsicht. Heute - etwa 60 Jahre später - können wir aufgrund diverser neuer (und angesichts einer besseren Übesicht über ältere, 'vergessene') Funde von Riesen-Werkzeugen aus rezenteren Perioden feststellen, dass das 'Giganten-Phänomen keineswegs auf die Epoche des Acheuléen beschränkt ist. Einige Beispiele sind bei Atlantisforschung.de hier zu finden: Ted Twietmeyer, "Riesenmenschen wandelten auf der Erde"; Bernhard Beier, "Riesenfunde - in Nevada"; sowie extern: Micah Ewers, "Giant Axes and tools: Evidence of REAL Giants", 12. April 2011, bei: rephaim23
  2. Vergl. R. Lafanachère, "Recherches de préhistoire dans la région de Bani Draa", in: Bulletin de la Société de Préhistoire de Maroc, 1952 No. 5-6; and: 2. Semester: Riesenhafter Faustkeil aus Ain Fritissa und die Ablagerung von Tasateft
  3. Red. Anmerkung: Louis Burkhalters Verweis auf Hörbigers Welteislehre bezieht sich auf Denis Saurats starke Anlehnung an die Arbeiten Hörbigers und seiner Epigonen Edmund Kiss sowie Hans Schindler Bellamy, zu denen der Archhäologe mit diesem Einschub diplomatisch auf Distanz ging.

Bild-Quellen:

1) Denis Saurat. "Atlantis und die Herrschaft der Riesen", Stuttgart (Franz E. Günter Verlag), 1. Auflage, September 1955, Tafel 10
2) NordNordWest bei Wikimedia Commons, unter: File:Syria physical location map.svg (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
3) Magnus_Manske bei Wikimedia Commons, unter: File:Draa River.jpg
4) Micah Ewers, "Fossil Giants: Ancient Men Over 7 ft. Tall", bei: Revelation Now