Die chinesischen Siegel Irlands

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von unserem Gastautor Dr. Horst Friedrich (1996)

Abb. 1 Charles Fort wies unter Berufung auf die ROYAL IRISH ACADEMY auf die 'chinesischen Siegel' Irlands hin.

Charles Fort [1] (Abb. 1), der große Bespötteler unserer zeitgenössischen Schulwissenschaft - und jeglicher Art von Scholastik [2] - freute sich stets königlich, wenn er auf die Spur von unbezweifelbaren Fakten kam, die nicht ins schulwissenschaftlicherseits verkündete Weltbild passten. So ließ er es sich auch nicht entgehen, mit sarkastischem Unterton - aber unter Berufung auf eine wissenschaftlich höchst achtbare Quelle (die PROCEEDINGS der ROYAL IRISH ACADEMY) - über ein von der Schulwissenschaft heute am liebsten totgeschwiegenes Rätsel des vorgeschichtlichen Irland zu berichten. Auch sein so erfolgreicher Nachfolger im Geiste David Childress [3] vergisst nicht, das verdrängte "Skelett" aus dem "Keller" zu holen und hörbar damit zu klappern.

Die Rede ist hier von dem Faktum, dass man - weit verstreut über Irland (in Wäldern, Mooren und einem Flussbett) - auf der Grünen Insel eine große Zahl archaisch-chinesischer Siegel, mit entsprechenden Schriftzeichen, gefunden hat. Bereits 1852 hatte man rund sechzig Stück gefunden. Diese Funde geben bis heute ein unlösbares Rätsel auf. Zwar war, den irischen Überlieferungen zufolge, die vorkeltische Prähistorie Irlands außerordentlich kompliziert, mit vielen maritimen "Transfusionen" aus fernen Ländern. Aber an direkte Kontakte zwischen Irland und Alt-China, am anderen Ende der eurasischen Landmasse, zu glauben, erschien unrealistisch. Besonders auch in Verbindung mit dem Faktum, dass die rätselhaften Artefakte nur in Irland gefunden wurden.

Childress denkt an chinesische Übersee-Expeditionen nach Irland. Ein wichtiger Hinweis in einem anderen seiner Werke [4] könnte uns aber auf eine realistischere - viel kürzere - "Transfusions"-Route für diese "archaisch-chinesischen" Siegel führen. Er beschreibt dort "olmekische" oder "Proto-Maya"-Siegel von der Pazifikküste Guatemalas, die nahezu identisch mit altchinesischen sind. Dass die "Olmeken" mit Alt-China (Shang-Dynastie) enge Verbindungen hatten, ist recht wahrscheinlich [5]. Haben also die "Olmeken" diese Siegel über den Atlantik nach Irland gebracht? Das würde zu der Spekulation von Charroux [6] passen, die Tuatha Dé Danann - eine der altirischen überseeischen "Infusionen" - seien Maya aus Mittelamerika gewesen. Dem Verfasser ist nicht bekannt, worauf Charroux seine Spekulation begründet. Er hat auch noch keine zuverlässigen Abbildungen jener in Irland gefundenen "archaisch-chinesischen" Siegel in Händen gehalten. Seine Zeit erlaubt auch keine weiteren Nachforschungen. Vielleicht finden die rätselhaften Artefakte aber andere interessierte Liebhaber!


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von Dr. Horst Friedrich © wurde erstmals in EFODON-SYNESIS Nr. 18/1996 veröffentlicht. Bei Atlantisforschung.de erscheint er im Dr. Horst Friedrich Archiv in einer redaktionell Bearbeiteten Fassung nach: http://www.efodon.de/html/archiv/vorgeschichte/friedrich/siegel.html

  1. Siehe: Charles Fort, "The Books of Charles Fort", published by the Fortean Society, New York 1957, S. 159-160. Der Teil des Magnum opus, um den es sich hier handelt, erschien bereits 1919.
  2. Anmerkung d. Verf.: Unter "Scholastik" versteht man eine dogmen-gebundene Schulwissenschaft, speziell meist die Scholastik des Mittelalters. Forschungen, welche die Dogmen ("Paradigmata") infrage stellen, werden darin nicht geduldet. In diesem Sinne kann man große Teile unserer zeitgenössischen Schulwissenschaft als Neo-Scholastik bezeichnen.
  3. Siehe: David H. Childress, "Lost Cities of Atlantis, Ancient Europe & the Mediterranean", Stelle/Illinois (USA) 1996, S. 439.
  4. Siehe: David H. Childress, "Lost Cities of North & Central America", Stelle/Illinois (USA) 1992, S. 76 und Abb. zwischen S. 86/95.
  5. Siehe hierzu etwa: Cornelia Giesing, "Das vorkolumbische Amerika aus circumpazifischer Sicht", in: Wolfgang Stein (Hrsg.), "Kolumbus oder wer entdeckte Amerika?", München 1992 (herausgegeben namens des Staatl. Museums f. Völkerkunde München!).
  6. Siehe: Robert Charroux, "Lost Worlds", Glasgow 1973; zitiert in: David Childress, op. cit. 1996, S. 425.


Bild-Quelle

(1) Wikimedia Commons, unter: File:Charles Fort.jpg