Experimentelle Archäologie im grenzwissenschaftlichen Umfeld

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Experimentelle Archäologie aus grenzwissenschaftlicher Sicht, Teil III

Abb. 5 Die Fabrikation dieser exakt geschnittenen "archimdischen Spiralen" auf mehr als 2500 Jahre alten Jade-Ringen aus China ist mit "Handarbeit" nicht zu erklären. Der Physiker Peter Lu unternahm im Jahr 2004 erfolgreich einen Versuch zur Rekonstruktion des dazu notwendigen Geräts.

(bb) Aus dem Blickwinkel grenzwissenschaftlicher Forschung geht Weskis Kritik (s.o.) an der EA allerdings nicht weit genug, denn im grenzwissenschaftlichen Bereich werden in aller Regel archäologische Probleme behandelt, die sich auf der Basis offizieller Lehrmeinungen nicht lösen lassen und daher seitens der Schulwissenschaft weitgehend ignoriert oder ad acta gelegt werden.

Gerade in solchen, 'archäologisch austherapierten', Problem-Fällen kann und wird die alternativ-historische Forschung bei ihren Lösungs-Versuchen nicht auf den "kreativen Umgang mit technischen Fragen" verzichten; und zwar nicht nur bezüglich technischer Fragen innerhalb eines eventuellen Rekonstruktions-Prozesses, sondern auch bezüglich grundsätzlicher technischer und technologischer Problemstellungen, vor die zahlreiche archäologische "Anomalien" rund um den Globus jeden Betrachter stellen, der sich sowohl vorurteilsfrei als auch GRÜNDLICH genug mit ihnen beschäftigt.

Tatsächlich hat Kreativität in der EA hier mit einer im besten Sinne RADIKALEN [1] Beschäftigung mit den zu bewältigenden Problemen zu tun, die sowohl die grundsätzliche Bereitschaft erfordert, ausgetretenen Pfade zu verlassen als auch die Konsequenz erfordert, den Dingen selbst dann auf den Grund zu gehen, wenn dies im Ergebnis einschneidende Konsequenzen für das allgemein akzeptierte Geschichts- und Welt-Bild mit sich bringen könnte. Begreiflicher Weise sind allerdings nur die wenigsten Fachwissenschaftler dazu bereit, um solcher Ergebnisse willen ihre berufliche Karriere zu riskieren.

Unkonventionelle Methoden und Kreativität in der Forschung sind schließlich im Wissenschafts-Betrieb, wenn sie im Zusammenhang mit "phantastisch" erscheinenden, schwer verdaulichen Erkenntnissen standen, noch immer zum Gegenstand wütendster Abwehr und gehässigster Attacken gegen diejenigen geworden, die den "derzeitigen Stand wissenschaftlicher Erkanntnis" derart unziemlich in Frage zu stellen wagen. Das gilt vor allem für die Forschungsgebiete der Anthropologie und der Archäologie, wo fachlicher Rufmord, Intrigen und berufliche Repressalien (vergl. dazu etwa: "Sie finden doch da unten nicht wirklich etwas?" - Thomas E. Lee´s unerwünschte Entdeckungen (bb); sowie: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht... - oder: die Machenschaften der Archäologen„mafia“ von Reinhard Prahl) gängige Mittel zur Aufrechterhaltung der 'Partei-Disziplin' zu sein scheinen.

Pflicht- und vor allem karrierebewusste Archäologen werden sich also, wenn sie auf manifeste archäologische Anomalien stoßen, tunlichst auf die 'sichere Seite' stellen, und auf der 'sicheren Seite' steht, wer per definitionem vor ab alle möglichen Lösungen eines archäologischen Problems ausschließt, die sich nicht in den akzeptierten Wissens-Kanon zur mehr oder weniger fernen Vergangenheit des Menschen und den Produkten seines Erfindungsreichtums und Schaffens-Drangs einordnen lassen. (Vergl. dazu etwa: Einige Bemerkungen zur Calico-Debatte von William R. Corliss) Nichts anderes macht auch Weski, wenn er mit der größten Selbstverständlichkeit propagiert "Probleme dürfen nicht mit dem heutigen Ingenieurswissen gelöst werden". [2]

Aus alternatv-historischem Blickwinkel erscheint "Weskis Gesetz" als allgemeingültige Handlungsanweisung nicht nur unsinnig, sondern sogar methodologisch unzulässig, da a priori, ungeachtet möglicher Alternativen, nur bestimmte Ergebnisse zugelassen werden. Müsste es also nicht vielmehr heißen: "Wenn keine anderen und naheliegenderen Ansätze und Wege zur Lösung eines Problems bestehen, dann muss eben mit Hilfe heutigen Ingenieurswissen - oder dem anderer Kulturen und Epochen - versucht werden, es zu lösen"? Nachdem ALLE konventionellen Erklärungs-Versuche eines Phänomens im Ausschluss-Verfahren eliminiert wurden, sollte ein Archäologe sich guten Gewissens frei fühlen, auch 'unkonventionelle' Lösungsansätze in Betracht zu ziehen und zu untersuchen.

Abb. 6 Experimentelle Rekonstruktion eines antiken Geräts mit 'Bogen-Antrieb' aus dem alten Hellas. Vermutlich wurden solche Geräte zur Herstellung optischer Linsen aus Quarz verwendet. (Zeichnung: American Journal of Archaeology)

Wenn ihnen konservative Archäologen und Historiker auch die Tür weisen mögen, sollten sich Physiker, Ingenieure, Maschinenbauer und Techniker daher zumindest seitens grenzwissenschaftlicher Alternativ-Historik oder alternativer 'Schattenarchäologie' herzlichst eingeladen und aufgefordert fühlen, Betrachtungen, Diskussionen und Versuche zu Technologien der Vergangenheit mit ihrem modernen Fachwissen zu bereichern. Gerade im Bereich der EA, die sich ja nicht zuletzt um das Verständnis altertümlicher Produktions-Prozesse bemüht, hat es allerdings bei einigen dieser Fachleute, wie wir zeigen wollen, gar keiner Einladung bedurft.

Wie wir sehen werden, muss der oben skizzierte, alternative Umgang mit modernem technologischem Wissen zum Werkzeug- und Maschinenbau im Rahmen Experimenteller Archäologie nicht zwangsläufig 'paradigmensprengende' Resultate zeitigen, sondern kann bisweilen zu Ergebnissen führen, die selbst konservativen Fachwissenschaftlern diskussionswürdig erscheinen. Solche moderaten Alternativ-Vorschläge zur experimentell-archäologischen Lösung weniger brisanter Probleme basieren jedenfalls auf der gleichen grundsätzlichen Betrachtungsweise zur Experimentellen Archäologie wie jene 'phantastischen' Annahmen und Schlussfolgerungen, welche die alternative Ur- und Frühgeschichtsforschung auf direkten Konfrontations-Kurs zur Schulbuch-Wissenschaft bringt.

Als - vergleichsweise unspektakuläres - Beispiel für 'leicht verdauliche' Alternativ-EA seien hier die 'Archimedischen Spiralen' erwähnt, präzise Spiral-Muster, die im alten China vor mehr als 2500 Jahren in kleine Jade-Ringe (Abb. 5) graviert wurden. [Vergl. dazu: Archimedische Spiralen im alten China; d. Red.] Archäologische Fachleute und Kunsthistoriker unterstellten, diese alt-chinesischen Jade-Objekte seien von Hand geschnitten worden, vermutlich, da sie sich als Nicht-Techniker der Problematik einer manuellen Fertigung derartiger Strukturen gar nicht bewusst waren. Außerdem war allgemein akzeptiert, dass komplexe mehrachsige Maschinen ("compound machines"), mit denen ein solches Problem später zu bewältigen gewesen wäre, zur damaligen Zeit "unmöglich" existiert haben können.

Peter Lu, ein graduierter Physik-Student der Universität Harvard, betrachtete das Problem jedoch nicht aus Historiker- oder Archäologen-Sicht, sondern vor seinen fachlichen Hintergrund und mit seinen spezifischen technologischen Kenntnissen. Aus diesem Blickwinkel war jedenfalls eine derart präzise Handarbeit, wie sie zur Erstellung der Jade-Spiralen notwendig gewesen wäre, schlicht ein 'Ding der Unmöglichkeit'. Die Analyse des Produktions-Vorgangs ließ ihn zu der Erkenntnis gelangen: Diese Relikte müssen maschinell hergestellt worden sein!

Um "die Richtigkeit seiner Annahme zu beweisen, baute Lu eine Spiral-Schneidemaschine aus einem alten Plattenspieler. Sie ähnelte einem Bogen-Bohrer, wie ihn Pfadfinder traditionell benutzen, um ohne Streichhölzer Feuer zu machen. Er wickelte eine Schnur eng um die Spindel auf der Drehscheibe, und befestigte ihre Enden an einem Stab, der zwischen den Halterungen auf beiden Seiten der Drehscheibe verlief. Löcher in den Halterungen hielten den Stab so, dass er sich in ganzer Länge vor und zurück bewegen konnte, aber nicht seitwärts. Ein am Stab befestigter Griffel ruhte auf der Drehscheibe. Das Vor- und Zurückbewegen des Stabes versetzte die Drehscheibe in Bewegung, sodass der fixierte Griffel eine Spirale auf die Oberfläche zeichnete." [3]

Lu´s experimentell rekonstruiertes Gerät erbringt zwar exakt die erwarteten Ergebnisse, stellt - für sich genommen - aber lediglich einen 'Indizien-Beweis' für die Verwendung derartiger Maschinen durch die alten Chinesen dar: "Es gibt keine harten Beweise dafür, dass sie es so gemacht haben", gesteht auch Lu selber ein, doch, wie der Wissenschafts-Journalist Jeff Hecht in Science bemerkt: "die Indizien sind stark". Die Verwendung solcher modifizierten Bogen-Bohrer und einfacher Drehbänke (Abb. 6) in der Antike wird zudem auch durch die Herstellung optischer Linsen im alten Griechenland nahegelegt. [Vergl. dazu auch: Optische Linsen im Altertum von William R. Corliss; d. Red.] Solange die konventionelle Archäologie außerstande ist, eine befriedigendere Lösung des Problems anzubieten, darf Lu´s Maschinen-Hypothese somit als unwiderlegt gelten.


Fortsetzung:

IV. Grenzwissenschaftliche EA auf Konfrontationskurs mit der konventionellen Archäologie


Anmerkungen und Quellen

  1. Anmerkung: RADIKAL = g r ü n d l i c h. Gründlich??? Tatsächlich ist das eine korrekte Übersetzung dieses Begriffs, der im allgemeinen Sprachgebrauch häufig fälschlicherweise mit "extrem" oder "extremistisch" verwechselt wird. Das lateinische Wort, von dem er abgeleitet ist, lautet jedenfalls "radix" und bedeutet "die Wurzel". 'Radikal' lässt sich also mit "die Wurzel betreffend" oder (deutlicher) "an die Wurzel gehend" übersetzen, und letzteres entspricht ziemlich exakt dem deutschen Eigenschaftswort "gründlich".
  2. Quelle: Dr. Timm Weski, "Experimentelle Archäologie - Ausgewählte Beispiele experimenteller Archäologie aus dem Bereich der Unterwasserarchäologie", DEGUWA Rundbrief 12, Februar 1997, online unter http://www.abc.se/~m10354/bld/expbeisp.htm
  3. Quelle: Jeff Hecht, in Science (10. Juni 04, Vol. 304, S. 1638), online bei NewScientist unter http://www.100megsfree4.com/farshores/a04tech.htm


Bild-Quellen

(5) http://www.100megsfree4.com/farshores/a04tech.htm

(6) http://www.science-frontiers.com/sf053/sf053a02.htm