Gab das sagenhafte Atlantis ein weiteres Rätsel preis?

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Erste Europäer erreichten Amerika lange vor den Wikingern

von Günter Bischoff (1995)

Abb. 1 Die Lage der Basileia von Atlantis nach Jürgen Spanuth

Atlantis enträtselt! Diese aufsehenerregende Meldung ging zu Beginn der fünfziger Jahre durch die deutsche Tagespresse. Der nordfriesische Archäologe Jürgen Spanuth hatte bei Tauchexpeditionen auf dem Steingrund nahe der Insel Helgoland behauene Fliesenplatten, Türangelsteine, Pflasterstraßen und von Menschenhand geschaffene Steinwälle gefunden.

Seiner Meinung nach hatte er die Überreste der von Bauwerken der "Königsinsel der Atlanter" entdeckt. Die anfangs heftig umstrittene Hypothese wird inzwischen im deutschsprachigen Raum am häufigsten vertreten. Dazu trugen neue Entdeckungen bei.

Spanuths entscheidende Entdeckung war seinerzeit, daß sich die Atlanter unter den Nord- und Seevölkern befanden, die zur Regierungszeit von Ramses III. Ägypten angriffen. Die fremden Völkerschaften kamen vor allem aus Mitteleuropa, aber den Anstoß zur sogenannten Großen Wanderung der frühen Urnenfelderleute gaben die Stämme an der Ost- und Nordsee. Und eben dieses Gebiet, das Norddeutschland, Dänemark und Südschweden umfaßte, muß als das vom griechischen Philosophen Plato beschriebene Atlantis angesehen werden. Hier erreichte die nordische Bronzekultur vom 15. bis 13. Jahrhundert v.u.Z. ihre größte Blüte.

Wirtschaftliches, machtpolitisches und kulturelles Zentrum der ganzen Region war die Insel Alt-Helgoland, die sich östlich des heutigen Felseneilandes erstreckte. der Handel mit Bernstein und der Abbau des seltenen Rohstoffes Kupfer waren die Grundlagen des großen Reichtums und Einflusses der Stammesfürsten.

Im 13. Jahrhundert v.u.Z. zerstörte eine verheerende Sturmflut die 'Königsinsel' Basileia (Abb. 1) und viele andere fruchtbare Marschen. Noch nicht entgültig geklärt ist die Frage, wo ihr Mittelpunkt mit dem von Land- und Wasserringen umgebenen Burghügel lag. Der Forscher W.P. Fischer sucht ihn etwa 12 Kilometer nordöstlich des Steingrundes Helgolands an einer zweiten untermeerischen Erhebung.

Abb. 2 Der englische Epigraphiker Barry Fell (1917-1994)

Die Menschen an Ost- und Nordsee entwickelten eine hochstehende bäuerliche Kultur. Die von ihnen hergestellten Griffzungenschwerter, Rasiermesser, Gürtelschnallen und Wendelringe gehörten zu den besten Bronzeerzeugnissen jener Zeit. Zwei außerordentlich bedeutsame, neuere, aber in der Öffentlichkeit wenig bekannte Entdeckungen ergänzen das Bild einer bemerkenswerten Kultur in diesem Gebiet: Die Bronzeleute, denen die Historiker bisher eine eigene Schrift absprachen, benutzten eine Alphabetschrift, und sie waren außerdem in der Lage, den Atlantik zu überqueren.

Der englische Forscher Barry Fell (Abb. 2) erkannte vor gut einem Jahrzehnt auf bronzezeitlichen Felszeichnungen im südwestschwedischen Bohuslän zahlreiche Strich- und Punktzeichen, die er als Altrunen deutete. Dabei konnten Wörter aus der Himmelskunde und germanische Götternamen entschlüsselt werden. Zur Entschlüsselung trug die enge Verwandschaft mit der Tifinagh-Schrift bei, die heute noch von den in der libyschen Wüste lebenden Tuareg verwendet wird. Dabei erwies sich der Atlantisbericht ein weiteres Mal als zuverlässig, denn die Atlanter sollen ihre Gesetze mit "Zeichen der Erinnerung" auf einer mit Bernstein verkleideten Säule auf der Insel Basileia eingeritzt haben.

Einem anderen Textabschnitt zufolge kannten die Atlanter ein großes Festland jenseits des Ozeans, also offenschtlich Amerika. Nun zählren gerade die Bronzeleute zu den tüchtigsten Seefahrern ihrer Zeit. Davon zeugt eine Vielzahl von Felszeichnungen in der Küstenlandschaft Bohusläns. Auf ihnen sind sogar ganze Schiffsarmadas dargestllt. Auf die hohe See wagten sich die Menschen an der Nordseeküste wenigstens seit 3000 v.Chr.

Prof. Fell fand nun in der Nähe von Peterborough in Kanada jene Schriftzeichen vor, die denen in Südschweden stark ähneln. Und es gelang, die Runenschrift zu entziffern. Man schließt aus weiteren Inschriften, daß nach neunmonatigem Aufenthalt die Schiffsbesatzung, beladen mit Kupfer aus einer nahen Lagerstätte, zurückkehren sollte. Astronomische Anhaltspunkte lassen auf eine Zeit um 1700 v.Chr. schließen. Damit erreichten die ersten europäischen Menschen fast drei Jahrtausende vor den kühnen Entdeckungsfahrten des Wikingers Leif Erikson die Neue Welt.

Seit Jahrtausenden beflügelte die Legende von Atlantis menschliche Phantasien und Forscherdrang. Inzwischen wurde das Rätsel weitgehend gelöst. Aber gerade die jüngsten Entdeckungen versprechen noch manche Überraschung.


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von Günter Bischoff (©) wurde mit dem Titel "Gab das sagenhafte Atlantis sein letztes Rätsel preis? - Erste Europäer erreichten Amerika lange vor Wikingern" erstveröffentlicht im Magazin für Grenzwissenschaften - Das andere grenzwissenschaftliche Magazin, Ausgabe Juli-August 1995. Bei Atlantisforschung.de erscheint er mit freundlicher Genehmigung des Autors in einer redaktionell bearbeiteten Internet-Fassung.

Bild-Quellen:

1) Jürgen Spanuth / Bild-Archiv Atlantisforschung.de
2) The Equinox Project