Hekataios von Milet

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von Tony O’Connell

Abb. 1 Eine moderne Rekonstruktion der 'Weltkarte' des Hekataios von Milet, deren Original verschollen ist

Hekataios von Milet (ca. 550-476 v.Chr.) war einer der frühesten griechischen Geographen. Seine Weltsicht bestand darin, dass die nach damaliger Ansicht existierende Landmasse, mit dem Mittelmeer im Zentrum, umgeben von Europa und Teilen Afrikas und Asiens, welche alle vom Großen Ozean oder Okeanos umschlossen sind.

Interessant an diesem Modell ist, dass es keine Insel auf der gegenüberliegenden Seite der Straße von Gibraltar, oder irgendeinen Hinweis auf einen gegenüber liegenden Kontinent zeigt, wie bei Plato beschrieben. Es sollte beachtet werden, dass Hekataios nach Solon lebte und ebenfalls die Priester Ägyptens besuchte. Da er Atlantis auf seiner Karte nicht berücksichtigte, könnte dies bedeuten, dass man ihm diese Erzählung nicht mitteilte, oder aber dass er zu skeptisch war, um sie aufzuzeichnen. Tatsächlich tendierte Hekataios dazu, vieles in der griechischen Mythologie als 'lächerlich' zu verwerfen. Übrigens schrieb der englische Altphilologe Robin Lane Fox, dass Hekataios die Säulen des Herakles bei Gibraltar lokalisierte. [1]

Es ist von Interesse, dass Hekataios auf seiner Ägypten-Reise von den Priestern in Theben 345 Statuen gezeigt bekam, die genauso viele Generationen von Hohepriestern repräsentierten. Man nimmt an, dass er von dieser Behauptung nicht sehr beeindruckt war. Dennoch wurde diese Auskunft als Beweis für das hohe Alter der Ägypter und als dezidierte Unterstützung von Platos Datierung von 9600 v.Chr. für den Krieg mit den Atlantiern verwendet. Beachtenswert ist die Tatsache, dass viele Jahrzehnte später, als Herodot die selbe Kollektion von Statuen mit einer ähnlichen Alters-Behauptung gezeigt bekam, ihre Zahl auf 341 gesunken war! Peter James hat hervorgehoben [2], dass es im Altertum bei den Völkern üblich war, das höchste Alter für ihr jeweiliges Heimatland einzufordern, wobei Ägypten, Phrygien und Babylonien die führenden Kandidaten waren.



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Anmerkungen und Quellen

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Dieser Beitrag von Tony O’Connell (©) wurde seiner atlantologischen Online-Enzyklopädie Atlantipedia entnommen, wo er am 8. Juni 2010 unter dem Titel "Hecataeus of Miletus" erschienen ist. Übersetzung ins Deutsche und redaktionelle Bearbeitung durch Atlantisforschung.de im Juni 2018.

Fußnoten:

  1. Quelle: Robin Lane Fox, "Travelling Heroes", London (Penguin Books), 2009, S. 208; deutschsprachige Ausgabe: "Reisende Helden: Die Anfänge der griechischen Kultur im Homerischen Zeitalter", Klett-Cotta, 2011
  2. Siehe: Peter James, "The Sunken Kingdom", London (Jonathan Cape), 1995, S. 75

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