John Thomas Short

Historisches Forscherportrait

Abb. 1 Das Titelblatt von John Thomas Shorts Werk "The North Americans of Antiquity" aus dem Jahr 1880

(red) John Thomas Short (1850-1883) war ein amerikanischer Historiker, der an der Ohio State University eine Professur für Geschichte innehatte. [1] 1880 - also zwei Jahre bevor Ignatius Donnellys "Atlantis - The Antediluvian World" erschien, veröffentlichte er sein wohl bedeutendstes Werk, "The North Americans of Antiquity" [2] (Abb. 1) Darin bespricht Short verschiedene, zu seiner Zeit noch im Diskurs befindliche Thesen zur urtümlichen Besiedlung Amerikas durch diverse Völker der Alten Welt, deren Möglichkeit er im Grundsatz ausdrücklich befürwortet. Dazu sei weder die Existenz einer vormaligen transatlantischen Landbrücke noch die Kenntnis oder Verwendung des Kompasses nötig gewesen, sondern schon die günstigen Meeresströmungen im Atlantik hätten es bereits sehr frühen Seefahrern ermöglicht, die Neue Welt unbeschadet zu erreichen.

Dabei geht Prof. Short auch sehr ausführlich auf das Atlantis-Problem ein. Nach einer kurzen Erläuterung des Ursprungs der Atlantis-Erzählung bemerkt er einleitend dazu: "Nach dieser mysteriösen Insel hat man in allen Ecken der Welt gesucht; aber die Tatsache, dass ein Teil [ihrer] Beschreibung auf die Westindischen Inseln und den Golf von Mexiko zutreffend escheint, hat Theoretiker dazu geführt, ihre überfluteten Küsten zwischen jenen Orten und den Inselgruppen der Kapverden und Kanaren zu platzieren. Es wurde behauptet, dass diese imaginäre Landbrücke, dieses Rückgrat aus Erde und Fels, einst das Bindeglied zwischen den Kontinenten gewesen sein könne. Diese Annahme hatte viele Verfechter, aber keinen, der so gefeiert wurde, wie der betrauerte Abbé Brasseur de Bourbourg. Die Arbeiten dieses fachkundigen Amerikanisten sind zu bekannt, um einen Kommentar [3] zu erfordern." [4]

Später geht John Thomas Short in seinem Buch (Kap. XI) bezüglich der Diskussion von Atlantis im Kontext amerikanischer Urgeschichte noch ausführlicher auf Brasseur de Bourbourgs Werk ein, erwähnt aber auch die Arbeiten bzw. Argumente pro Atlantis von Augustus Le Plongeon, Franz Unger und Oswald Heer sowie Anders Adolf Retzius´ Hypothese einer beiderseits des Atlantiks vertretetenen 'ägyptisch-atlantidischen Rasse' [5]. Besondere Aufmerksamkeit schenkt er zudem den damals brandaktuellen ozeanographischen Entdeckungen im Atlantik - insbesondere derjenigen des Mittelatlantischen Rückens - durch Forschungsschiffe, wie die HMS Challenger. [6]

Zusammenfassend befürwortet Prof. Short die Annahme einer versunkenen Landmasse in diesem Gebiet des Atlantiks, schränkt jedoch vorsichtig ein: "Ob die Atlantidæ, welche die frühesten griechischen und ägyptischen Staaten niederzuwerfen drohten, jedoch beim Untergang ihres Insel-Kontinents von der See verschlungen wurden, Bewohner der Challenger- und Dolphin-Rücken sowie Kolonisten des östlichen Amerika waren, muss gegenwärtig zumindest in Zweifel bleiben, obschon starke Hinweise [orig: "strong probabilities"; d.Ü.] auf die Schlussfolgerung hindeuten, dass sie es waren." [7]





Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Quelle: Wikisource.org, unter: "Author:John Thomas Short"(abgerufen: 08. Mai 2017)
  2. Siehe: John Thomas Short, "The North Americans of Antiquity; their origin, migrations, and type of civilization considered", New York (Harper & Brothers), 1880
  3. Red. Anmerkung: Interessanter Weise liefert Short an dieser Stelle trotzdem einen solchen Kommentar in Form einer Fußnote (op. cit., S. 142, Fn. 1), in der er - hier ins Deutsche übersetzt - seinen Historiker-Kollegen Hubert Howe Bancroft (1832-1918) folgendermaßen zitiert: ">Ich weiß von keinem Mann, der besser als Brasseur de Bourbourg qualifiziert wäre, das Dunkel der primitiven Geschichte Amerikas zu durchdringen. Seine Bewandertheit hinsichtlich der Nahua- und mittelamerikanischen Sprachen, sein unermüdlicher Fleiß und seine generelle Gelehrsamkeit, machten ihn ganz besonders geeignet für diese Aufgabe, und jedes Wort, das von solch einem Mann über ein solches Thema gschrieben wird, verdient respektvolle Beachtung. Nichtsdestotrotz besteht Grund zu der Annahme, dass der Abbé oft durch einen Exzess an Enthusiasmus von der Wahrheit weggerissen wurde, und der Leser seiner wilden und phantasievollen Spekulationen kann nur bedauern, dass er nicht über die Gelegenheit oder Fähigkeit verfügt mittels Vergleich mit den originalen Dokumenten die Interpretation des französischen Gelehrten zu kritisieren.< - Bancrofts Native Races, S. 127"
  4. Quelle: John Thomas Short,op. cit. (1880), S. 142; Übersetzung in Deutsche durch Atlantisforschung.de nach der digitalisierten Version von Google Books, online bei Haiti Trust
  5. Quelle: John Thomas Short, op. cit., S. 500, Fn. 1
  6. Anmerkung: Interessant ist diesbezüglich Shorts folgende Notiz (S. 503): "Ein Mitglied des Stabes der Challenger drückte in einem kurz nach Beendigung der Expedition in London gehaltenen Vortrag sein volles Vertrauen darin aus, dass es sich bei dem großen unterseeischen Plateau [im Gebiet der Azoren; d.Ü.] um die Überreste der >versunkenen Atlantis< handele, wobei er als Beweis die Tatsache anführte, dass die Ungleichmäßigkeiten, die Berge und Täler auf seiner Oberfläche, niemals in Übereinstimmung mit irgendwelchen Gesetzmäßigkeiten der Ablagerung von Sediment oder auch durch submarine Anhebung hervorgerufen worden sein können, sondern, im Gegenteil, durch über der Wasseroberfläche wirkende Kräfte eingeschnitten worden sein müssen." Quellenangabe bei Short: Scientific American, July 28, 1877
  7. Quelle: John Thomas Short,op. cit. (1880), S. 505; Übersetzung in Deutsche durch Atlantisforschung.de nach der digitalisierten Version von Google Books, online bei Haiti Trust

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