Krieg der Weltanschauungen

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Johán B. Kloosterman: Ein katastrophistisches Manifest (V)

Abb. 1 Der alte Streit zwischen dem Uniformitarismus und dem Katastrophismus lässt sich letztlich bis zu Aristoteles’ (rechts) diesbezüglichem Dissens mit Platon (links) zurückverfolgen. (Bild: ein Ausschnitt aus Raffaels "Athener Schule", 1509)

In den meisten Fällen wird die Kontroverse zwischen Katastrophismus und Uniformitarismus als Konflikt innerhalb der Geologie dargestellt. Wenn man bedenkt, dass im Katastrophismus ein dynamisches Bild der Erdgeschichte und damit der Erde vorgelegt wird, während die Uniformitaristen versuchen, die globaleren, raschen und lebensbedrohlichen Prozesse zugunsten von lokalen, langsamen und harmlosen herunterzuspielen (so absurd die Hypothesen auch sein mögen, die sie erfinden und verteidigen müssen), so müssen wir daraus schließen, dass wir es hier mit einen Konflikt zwischen zwei antagonistischen, inkompatiblen Weltanschauungen zu tun haben, der das Feld einer bestimmten Disziplin weit überschreitet.

Tatsächlich tobt dieser Kampf bereits seit Tausenden von Jahren. Plato war ein Katastrophist, Aristoteles versuchte das herunterzuspielen, was Plato für historische Diskontinuitäten hielt. Zwei Jahrtausende später klingt Leibniz [1] wie ein wiedergeborener Aristoteles.

Nach einer Welle von Katastrophentheorien während der Romantik verkündeten die Uniformitaristen ihre Ansicht als die einzige wissenschaftliche und erklärten die Schlacht triumphierend für gewonnen. Als in den 1970er Jahren die Chryse-Flut auf dem Mars, einem ozeanlosen Planeten, entdeckt wurde, traten die Geologie-Professoren nicht massenhaft zurück und gingen wieder zur Schule, sondern dozierten weiter, dass eine solche Flut auf der Erde unmöglich sei. Zweifel am uniformistischen Dogma kamen erst 1980 auf, nach den K-T-Entdeckungen, die jedoch nur einen kleinen Riss im Wall der Academia verursachten. Die Uniformitaristen behaupteten sich und versuchten, die neuen Erkenntnisse in ihr System einzufügen. Sie brachten [den Ausdruck] "katastrophischer Uniformitarismus" auf - eine contradictio in terminis -, und schlimmer noch, ein metaphysischer Trick: die Aneignung empirischer Befunde mittels einer magischen Formel. Weitere Risse und Löcher traten auf, aber jetzt, nach 2005 [2], müssen sie versuchen, einen wirklich großen [Riss] zu verkitten.

Doch wie zuvor wird der Uniformitarismus seine unerschütterlichen Verteidiger finden - nicht, weil sie Argumente von irgendeiner Stichhaltigkeit hervorbringen können, sondern weil sie gut konditioniert sind: Natura non facit saltus. Der Krieg der Weltanschauungen kann noch lange unvermindert weitergehen.



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Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Siehe zu diesem: "Johán B. Kloosterman: Ein katastrophistisches Manifest (I)"
  2. Red. Anmerkung: Gemeint sind die Entdeckungen von Richard Firestone et al. zum Impakt eines massiven außerirdischen Körpers in (oder über) Nordamerika während des Jüngeren Dryas. Vergl. dazu: "Johán B. Kloosterman: Ein katastrohistisches Manifest (IV)"

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