René Verneau

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Forscher- und Autorenportrait

Abb. 1 Prof. René Verneau in seinem Laboratorium im Museo Canario in Las Palmas auf Gran Canaria (1932)

(red) René Verneau (Abb. 1) (* 1852 in La Chapelle, Frankreich; 7. Januar 1938 in Paris) war ein französischer (Paläo-)Anthropologe, dessen besonderes Interesse den Kanarischen Inseln und ihren urtümlichen Bewohnern, den Guanchen, galt. Bleibende Meriten erwarb er sich durch seine Rekonstruktion des paläolithischen Grimaldi-Menschen Liguriens.

Biographische Notizen

Schon in früher Jugend wurde René Verneaus Interesse an naturkundlichen Themen, wie der Botanik geweckt. er begann damit, Steine ​​und Insekten zu sammeln, und bekam ein eigenes kleines Chemielabor eingerichtet. Im Jahre 1870 begann er an der Sorbonne in Paris Medizin zu studieren, musste aber sein Studium wegen des Deutsch-Französischen Kriegs unterbrechen. Beeinflusst durch die Ideen von Gobineau, Quatrefages und Paul Broca entschloss er sich nachfolgend zu einem Studium der Anthropologie. Im Jahr 1874 begann Verneau dann als Assistent am Nationalmuseum für Naturgeschichte in Paris zu arbeiten.

Abb. 2 Das Titelblatt von Verneaus Werk Cinq années de Séjour aux Îles Canaries (1891)

Zum Wendepunkt in René Verneaus Leben wurde 1876 eine vom Ministerium für Bildung organisierte Expedition zu den Kanarischen Inseln, die er leiten durfte. Ziel der Forschungsreise war u.a. die Suche nach Human-Relikten ihrer frühesten Bewohner. Es ging dabei nicht zuletzt darum, der Hypothese von Quatrefages und Ernest Hamy über eine Verwandtschaft der ursprünglichen Kanarier mit dem Menschen von Cro-Magnon nachzugehen, dessen Überreste neun Jahre zuvor in der Dordogne entdeckt wurden. Mit dieser Forschungsreise - es sollten im Verlauf seines Lebens noch fünf weitere, z.T. ausgedehnte Aufenthalte auf den Kanaren folgen - wurde sein dauerhaftes Interesse an der dortigen Prähistorie geweckt.

Im Herbst 1877 kehrte Verneau nach Paris zurück, um dort die Ergebnisse der Expedition zu präsentieren. 1879 wurde er zum Professor am Nationalmuseum für Naturgeschichte ernannt. Am 2. September des gleichen Jahres wurde er - neben Sabin Berthelot und Quatrefages - Ehrenmitglied des Museo Canario in Las Palmas.

Zwischen 1884 und 1887 folgten weitere Forschungsreisen auf die Kanaren, in deren Verlauf er alle Inseln des Archipels besuchte, wobei er auch Spanisch lernte. 1891 veröffentlichte er sein Buch Cinq années de Séjour aux Îles Canaries (Abb. 2) (Fünf Jahre des Aufenthalts auf den Kanarischen Inseln), das in Frankreich viel Anklang fand. 1908 wurde René Verneau Direktor des Pariser Museums für Ethnographie, wo er vier Jahre lang tätig war. Außerdem wurde er zum Professor für Anthropologie am Nationalen Institut für Paläontologie ernannt.

Abb. 3 Hier die Darstellung einiger charakteristischer archäologischer Fundstücke mit Schmuck- und Gebrauchs-Gegenständen der alten Guanchen (aus: Cinq années de Séjour aux Îles Canaries)

Ab 1910 widmet sich Prof. Verneau weitghend der Forschung zur Präsenz des Cro-Magnon im päläolithischen Nordafrika (Marokko, Algerien, Tunesien), wozu er zahlreiche Reisen in diese Regionen durchführte. Die Ergebnisse seiner langjährigen Studien im Bereich der Paläo-Anthropologie publizierte er 1926 in seinem Werk Les origines de l'Humanité (Die Ursprünge der Menschheit).

Trotz all dieser Aktivitäten blieb sein Interesse an der Vorgeschichte der Kanarenes ungebrochen und er erhielt auch seine Verbindung mit dem Museo Canario aufrecht. So führte er 1925 auf eigene Kosten eine weitere Forschungsreise zum Kanaren-Archipel durch, da eine Finanzierung durch französische Institutionen auf Grund der massiven Abwertung der Währung Frankreichs nicht möglich war. Seine beiden letzten Expeditionen dorthin erfolgten 1932 und - trotz altersbedingter gesundheitlicher Probleme - 1935.

Verneau starb in Paris am 7. Januar 1938, im Alter von 85 Jahren, während der Arbeit an einem weiteren Buch über die Guanchen, das er nicht mehr fertigstellen konnte. Ihm zu Ehren erhielt die französiche Schule in Telde auf Gran Canaria im Jahr 2005 den Namen Lycée Français René-Verneau. [1]

René Verneau und Atlantis

Verneau, der überzeugt davon war, dass die Kanaren im Verlauf der Jahrtausende von meheren "Rassen" besiedelt wurden - zunächst von den Cro-Magnons der Kultur des Aurignacien [2], danach von einer semitischen und einer 'syrisch-arabischen' Population [3] -, befasste sich hinsichtlich der Prähistorie des Archipels auch schon relativ früh mit dem Atlantis-Problem. 1888 verfasste er ein Papier mit dem Titel L’Atlantide et les Atlantes [4] (Atlantis und die Atlanter), "in welchem er", wie der Atlantologie-Enzyklopädist Tony O’Connell erklärt, "eine Reihe von Theorien bespricht, welche von verschiedenen französischen Forschern des 18. und 19. Jahrhunderts angboten wurden. Die Kanarischen Inseln diskutiert er ausführlich als Heimstätte von Atlantis, verwirft sie jedoch aus geologischen Gründen. In seiner Schlussfolgerung erachtet er Atlantis als Fiktion." [5]


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Quellen: Wikipédia - l'encylopédie libre, unter: "René Verneau"; Wikipdia - La enciclopedia libre, unter: "René Verneau"; Wikipedia - The Free Encyclopedia", unter: "René Verneau" (alle abgerufen: 24. März 2017)
  2. Quelle: Lewis Spence, "The History of Atlantis" (Orig.: London, 1926), ATLANTIS REPRINT SERIES, ADVENTURES UNLIMITED PRESS, Kempton, Illinois (USA), 1996, S. 83
  3. Quelle: Wikipedia - La enciclopedia libre, unter: "René Verneau"
  4. Siehe: René Verneau, "L’Atlantide et les Atlantes", in: Revue scientifique, t. 16, 1888
  5. Quelle: Tony O’Connell, "Verneau, René (N)", 31 Dez. 2014, bei Atlantipedia.ie (abgerufen: 24. März 2017)

Bild-Quellen:

1) Daimon (Wikipedia auf Französisch) bei Wikimedia Commons, unter: File:Verneau.jpg
2) René Verneau, "Cinq années de Séjour aux Îles Canaries", Paris, 1891; nach Google Books und Archive.org (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
3) ebd.