Tiahuanaco - die 'unmögliche' Stadt in den Anden

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von Immanuel Velikovsky

In den Anden, auf 16° 22' südlicher Breite, wurde eine megalithische Stadt auf einer Höhe von 3810 Metern über dem Meer in einer Region gefunden, wo Korn nicht reifen kann. Der Begriff "megalithisch" paßt auf die tote Stadt nur in bezug auf die Größe der Steine in ihren Mauern, die zum Teil glatt behauen und mit Präzision aneinandergefügt sind. Die Stadt steht auf dem Altiplano, der Hochebene zwischen den westlichen und den östlichen Kordillieren, nicht weit entfernt vom Titicacasee, dem größten See Südamerikas und dem höchstgelegenen schiffbaren Gewässer der Welt, an der Grenze von Bolivien und Peru.

Abb. 1: Tiahuanaco in den bolivianischen Anden ge- hört zu den mysteriösen Relikten aus ferner Vorzeit

"Es gibt ein noch immer ungelöstes Geheimnis auf dem Plateau des Titicacasees, das, wenn Steine reden könnten, eine höchst interessante Geschichte enthüllen würde. Ein großer Teil der Schwierigkeit bei der Lösung dieses Geheimnisses liegt in der gegenwärtigen Natur der Region, deren Rätsel noch immer der Erklärung trotzt." So schrieb Sir Clemens Markham 1910. [1] "Eine solche Region ist nur fähig, eine spärliche Bevölkerung robuster Bergbewohner und Arbeiter zu erhalten. Das Geheimnis besteht in der Existenz von Ruinen einer großen Stadt auf der Südseite des Sees, deren Erbauer völlig unbekannt sind. Die Stadt nahm eine weiträumige Fläche ein und ist durch erfahrene Steinmetzen unter Verwendung enormer Steinblöcke erbaut worden." [2]

Als der Autor der zitierten Passage seine Frage der gelehrten Welt vorlegte, bot der damalige Präsident der Royal Geographical Society, Leonard Darwin, die Vermutung an, daß das Gebirge nach dem Bau der Stadt maßgeblich emporgestiegen sei. "Liegt eine solche Vorstellung jenseits der Grenzen des Möglichen?" fragte Sir Clemens. Unter der Annahme, die Anden hätten einmal rund 1000 m tiefer gelegen als heute, "würde Mais im Tal des Titicacasees reifen, und die Gegend der Ruinen von Tiahuanaco könnte die nötige Bevölkerung ernähren. Wenn die megalithischen Erbauer unter diesen Bedingungen lebten, ist das Problem gelöst. Wenn es geologisch unmöglich ist, bleibt das Geheimnis ungeklärt." [3]

Vor mehreren Jahren schrieb eine andere Autorität, A. Posnansky, in ähnlicher Weise: "In der heutigen Zeit ist das Plateau der Anden ungastlich und fast unfruchtbar. Mit dem heutigen Klima wäre es während keiner Periode als Zufluchtsort großer Menschenmassen geeignet gewesen", als "wichtigstes vorgeschichtliches Zentrum der Welt." [4] "Endlose landwirtschaftliche Terassen" der Bevölkerung, die in der Zeit vor den Inkas diese Region bewohnten, sind noch immer zu sehen. "Heute liegt dieses Gebiet sehr hoch über dem Meeresspiegel. In früheren Perioden lag es tiefer." [5] Die Terrassen erheben sich bis zu einer Höhe von 4500 Metern, bis zu 800 Meter über Tiahuanaco, und noch höher, bis zu 5600 Meter über das Meer, oder bis zur heutigen Grenze des ewigen Schnees am Illimani.

Die konservative Ansicht der Evolutionstheoretiker und Geologen ist, daß Gebirgsbildung ein langsamer Prozeß sei, feststellbar an kleinsten Veränderungen, und daß, weil es sich um einen kontinuierlichen Prozeß handle, es nie spontane Bodenerhebungen großen Ausmaßes gegeben haben kann. Im Fall von Tiahuanaco indessen ereignete sich die Höhenveränderung offenbar nachdem die Stadt erbaut worden war, und das konnte nicht das Resultat eines langsam verlaufenden Prozesses gewesen sein, bei dem sich erst nach Hunderttausenden von Jahren eine sichtbare Änderung einstellte. Einmal befand sich Tiahuanaco am Seeufer; dann lag der Titicacasee 30 Meter höher, wie seine alte Strandlinie bezeugt. Doch diese Strandlinie ist geneigt und befindet sich an anderen Orten mehr als 120 Meter über dem gegenwärtigen Wasserspiegel. Es gibt zahllose gehobene Strände; und betont wurde "die Frische vieler der Strandlinien und der moderne Charakter der vorkommenden Fossilien." [6]

Abb. 2: Der Titicacasee auf einer Luftaufnahme.

Weitere Untersuchungen der Anden-Topographie und Titicacasee-Fauna, in Verbindung mit chemischen Analysen dieses und anderer Seen auf dem gleichen Plateau, ergaben, daß die Hochebene einmal in Meereshöhe lag, d.h. 3800 Meter tiefer. "Titicaca und Poopó, der See und das Salzbett von Coipaga, die Salzlager von Uyuni: mehrere dieser Seen und Salzlager sind in ihren chemischen Eigenschaften ähnlich wie die des Ozeans." [7] Bereits 1875 demonstrierte Alexander Agassiz die Existenz einer Krustentier-Merresfauna im Titicacasee. [8] In einer höheren Lage ist das Sediment eines enormen ausgetrockneten Sees, dessen Wasser fast trinkbar war, voll charakteristischer Mollusken, wie Paludestrina und Ancylus, was geologisch gesehen einen relativ modernen Ursprung nachweist. [9]

Irgendwann in der fernen Vergangenheit stieg der gesamte Altiplano mit seinen Seen vom Meeresboden empor. Zu einem anderen Zeitpunkt wurde dort die Stadt gebaut und sind die Terrassen auf dem ansteigenden Terrain um sie herum angelegt worden; dann, bei einer weiteren Störung, wurde das Gebirge emporgestoßen und das Gebiet wurde unbewohnbar. Die Barriere der Kordillieren, die den Altiplano vom Tal im Osten trennen, wurde entzweigerissen, und gigantische Blöcke fielen in den Abgrund. Lyell, der die Idee einer allgemeinen Sintflut bekämpfte, bot die Theorie an, das Auseinanderbrechen der Sierrabarriere habe einen großen See auf dem Altiplano freigegeben, der in das Tal stürzte und die Ureinwohner dazu veranlaßte, den Mythos einer allgemeinen Sintflut ins Leben zu rufen. [10]

Es ist noch nicht lange her, da wurde eine Erklärung des Geheimnisses um den Titicacasee und die Festung Tiahuanaco an seinem Ufer im Lichte von Hörbigers Theorie vorgebracht: Ein Mond kreiste sehr nahe um die Erde, der die Wasser der Ozeane gegen den Äquator zog; durch seine Gravitation hielt der Mond, bei Tag und bei Nacht, das Wasser auf der Höhe von Tiahuanaco: "Der Meeresspiegel muß mindestens 13 000 Fuß [3962 m] höher gewesen sein." [11] Dann stürzte der Mond zur Erde, die Ozeane zogen sich zu den Polen zurück und hinterließen die Insel mit ihrer megalithischen Stadt als einen Berg über dem Meeresboden, heute das kontinentale tropische und subtropische Amerika. All das ereignete sich Millionen von Jahren, bevor unser Mond von der Erde eingefangen wurde, und so sind die Ruinen der megalithischen Stadt Tiahuanaco Jahrmillionen alt; d.h., die Stadt muß lange vor der Sintflut erbaut worden sein.

Abb. 3: Machte ein äquatorialer, durch einen kleinen Mond in engem Erd-Orbit verursachter, Flut- kamm das alte Tiahuanaco (hier der Kalasayaya-Tempel) zur Hafenstadt, wie Hörbiger vermutete?
(Foto: Gray, sacredsites.com)

Diese Theorie ist bizarr. Die geologischen Spuren weisen auf eine späte Erhebung der Anden, und die Zeit dieses Vorganges wird immer näher an unsere Zeit gelegt. Archäologische und C-14-Analysen verraten, daß das Alter der Andenkultur und der Stadt nicht mehr als 4000 Jahre beträgt. [12] Nicht nur die "vor der Sintflut erbaut"-Theorie bricht zusammen; dasselbe erfolgt mit dem Glauben, daß letzte Emporsteigen der Anden habe im Tertiär stattgefunden, d.h. vor mehr als einer Million Jahre.

Einmal in der entfernten Vergangenheit lag der Altiplano unter dem Meeresspiegel, so daß seine Seen ursprünglich zu einem Meerbusen gehörten. Indessen fand eine letzte Erhebung in einer frühen geschichtlichen Periode statt, nachdem die Stadt Tiahuanaco erbaut worden war; die Seen wurden mit hinaufgezogen, und der Altiplano, zusammen mit der gesamten Andenkette stiegen zu ihrer heutigen Höhe empor.

Die alte Festung Ollantaytambo (Abb. 4) in Peru wurde auf einer Anhöhe gebaut; es wurden 4 bis 6 Meter hohe Steinblöcke dazu verwendet. "Diese zyklopischen Steine wurden im 7 Meilen (11 km) entfernten Steinbruch behauen ... Wie diese Steine zum Fluß hinunter in das Tal, auf Flösse geladen und hinauf zur Festung gebracht wurden bleibt ein Geheimnis, das die Archäologen nicht lösen können." [13] Eine weitere Festungs- oder Klosterstätte, Ollantayparubo im Urubambatal in Peru, nordwestlich vom Titicacasee, "besetzt ein winziges Plateau rund 3960 Meter über dem Meer, in einer unbewohnbaren Region von Abgründen, Schluchten und Schlünden". Sie wurde aus roten Porphyrblöcken errichtet. Diese Blöcke müssen "aus einer beträchtlichen Entfernung [gekommen sein] ... steile Abhänge hinunter, über schnellfließende und turbulente Flüsse und steile Felswände hinauf, die kaum einen Halt boten." [14]

Es ist vorgeschlagen worden, daß der Transport dieser Blöcke nur möglich gewesen sei, wenn die topographischen Gegebenheiten zur Zeit des Baus anders als heute gewesen wären. Indessen gibt es in dieser Hinsicht nicht genügend Beweise, und Veränderungen in der Topographie müssen von den verlassenen Terrassen abgeleitet werden, von den Mollusken in den ausgetrockneten Seen, von geneigten Uferlinien und von gleichartigen Hinweisen.

Abb. 4: Die Megalith- Mauern der peruanischen Andenfestung Ollantaytambo. Keine moderne Technologie der Gegenwart wäre in der Lage, sie zu errichten.

Charles Darwin (Abb. 5) war auf seinen Reisen in Südamerika 1834 - 1835 von den gehobenen Stränden in Valparaiso, in Chile und in den Anden, beeindruckt. Er sah, daß die frühere Strandlinie in einer Höhe von 400 Metern verlief. Noch mehr war er beeindruckt von der Tatsache, daß die auf dieser Höhe angetroffenen Meeresmuscheln noch nicht verwittert waren; es war ihm ein klarer Hinweis, daß das Land vor sehr kurzer Zeit erst 400 Meter über den Pazifischen Ozean gestiegen war: "innerhalb der Periode, während welcher hochgehobene Muscheln unverwittert auf der Oberfläche blieben." [15] Und da nur einige wenige dazwischenliegende Brandungslinien festzustellen sind, konnte das Emporsteigen nicht nach und nach erfolgt sein.

Darwin beobachtete ebenfalls, daß "der übermäßig gestörte Zustand der Gesteinsschichten in der Cordilliera, weit entfernt davon, einzelne Perioden zerstörerischer Qualität anzuzeigen, unüberwindliche Schwierigkeiten bietet, wenn nicht zugestanden wird, daß die Massen von einst verflüssigtem Gestein aus den Einfallslinien wiederholt eindrangen, in genügenden Abständen zur aufeinanderfolgenden Abkühlung und Verdichtung." [16]

Gegenwärtig ist es die allgemeine Ansicht, daß die Anden nicht so sehr durch eine Stauchung der Schichten entstanden, als durch Magma, d. h. geschmolzenem Gestein, das zwischen die Schichten drang und sie emporhob. Die Anden sind auch voll von Vulkanen, einige davon überaus hoch und enorm groß. In den Vorgebirgen der Anden liegen zahlreiche verlassene Städte und Terassen versteckt, Monumente einer verschwundenen Zivilisation. Die Terrassen, welche die Abhänge der Anden hinansteigen, die Grenze des ewigen Schnees erreichen und unter dem Schnee unbekannte Höhen erreichen, beweisen, daß es weder Eroberer noch Seuchen waren, welche das Siegel des Todes auf Gärten und Städte hefteten. In Peru "haben Luftaufnahmen im Trockengürtel westlich der Anden eine unerwartete Anzahl alter Ruinen und eine fast unglaubliche Menge von Terrassen zur Bodenbestellung aufgezeigt". [17]

Als Darwin in den Anden das Uspallata-Gebirge bestieg, 2100 Meter hoch, und von einem kleinen Wald versteinerter Bäume, die wenige Fuß über dem Boden abgebrochen waren, auf die Ebenen Argentiniens herabblickte, schrieb er in sein Tagebuch: "Es bedurfte nur geringer geologischer Übung, die wunderbare Geschichte zu erklären, welche diese Scene mit einem Male entfaltete, doch bekenne ich, daß ich anfangs so sehr erstaunt war, daß ich kaum dem offenbarsten Beweise Glauben schenken wollte.

Abb. 5: Charles Darwin im Alter von 31 Jahren (1840)

Ich sah den Fleck, wo eine kleine Gruppe schöner Bäume einstmals ihre Zweige an den Küsten des atlantischen Oceans wiegten, als dieser Ocean (jetzt 700 Meilen zurückgetrieben) bis an den Fuß der Anden reichte. Ich sah, daß sie einem vulkanischen Boden entsprungen waren, welcher über den Meeresspiegel erhoben worden war, und daß später dies trockene Land mit seinen aufrechten Bäumen wieder in die Tiefen des Oceans versenkt worden war.

In diesen Tiefen war das früher trockene Land von sedimentären Schichten bedeckt und diese wieder von ungeheuren Strömen Lava zugedeckt worden; - eine solche Masse erreichte die Dicke von 1000 Fuß; und diese Überschwemmungen von geschmolzenen Steinen und von Niederschlägen aus dem Wasser hatten sich abwechselnd fünf mal hintereinander ausgebreitet. Der Ocean, welcher solche dicken Massen ausnahm, muß außerordentlich tief gewesen sein; aber die unterirdischen Kräfte traten wieder in Tätigkeit und ich sah nun das Bett dieses Meeres eine Kette von Bergen bilden, die über 7000 Fuß hoch waren ...

So ungeheuer und kaum begreiflich derartige Veränderungen auch erscheinen müssen, so sind sie doch alle in einer Periode aufgetreten, welche mit der Geschichte der Cordilliera verglichen als neu erscheinen muß; und die Cordilliera selbst wieder ist absolut modern zu nennen, wenn man sie mit den vielen der fossilführenden Schichten von Europa und America vergleicht." [18] Doch wie jung die Kordillieren in Wirklichkeit sind, hat erst die Forschung der letzten Jahre aufgezeigt...



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Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von Immanuel Velikovsky ist der deutssprachigen Ausgabe seines Werkes Earth in Upheavel (1956) entnommen, die 1980 unter dem Titel Erde im Aufruhr im Umschau-Verlag, Frankfurt am Main, erschienen ist. (Kapitel 6, "Gebirge und Gräben", S. 101 - 107) (s. auch hier)

  1. Quelle: Clemens Markham, The Incas of Peru, 1910, S. 21
  2. Quelle: ebd., S. 25
  3. Quelle: ebd.
  4. Quelle: A. Posnansky, Tiahuanacu, The Cradle of the American Man, (1945), S. 15
  5. Quelle: ebd., S. 39
  6. Quelle: H. P. Moon, "The Geology and Physiography of the Altiplano of Peru and Bolivia" The Transactions of the Linnean Society of London, 3rd Series, Vol. I. Pt. I (1939), 32
  7. Quelle: Posnansky, Tiahuanacu, 23
  8. Proceedings of the American Academy of Arts and Sciences, 1867
  9. Quelle: Posnansky, Tiahuanacu, S. 23
  10. Quelle: Lyell, Principles of Geology (12th ed. 1875), I. 89; III. 270
  11. Quelle: {{Hans Schindler Bellamy|H. S. Bellamy]], Built before the Flood: The Problem of the Tiahuanaca Ruins (1947), S. 14
  12. Quelle: F. C. Hibben, Treasure in the Dust (1951), S. 56
  13. Quelle: Don Ternel, in: Travel, April 1945
  14. Quelle: H. S. Bellamy, Built before the Flood, S. 63
  15. Quelle: Charles Darwin, Geological Observations on the Volcanic Islands and Parts of South America, PT. II, Chap. 15
  16. Quelle: ebd.
  17. Quelle: E. Huntington, "Climatic Pulsations" in Hylluingsskrift, gewidmet Sven Hedin (1935), S. 578
  18. Quelle: Darwin, Reise eines Naturforschers um die Welt, unter dem 30. März 1835


Bild-Quellen

(1) http://www.crystalinks.com/tiahuanaco.html

(2) ebd.

(3) Ursprungsquelle: http://www.sacredsites.com/ und Martin Gray ©, nach: http://www.world-mysteries.com/mpl_6.htm

(4) http://members.tripod.com/~kon_artz/cultures/ollant_prot.jpg (nicht mehr online)

(5) http://www.aboutdarwin.com/pictures/Darwin/Darwin.html (nicht mehr online)