Arthur Posnansky

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Abb. 1 Arthur Posnansky in Marineunifom. Foto aus: Campaña del Acre: la lancha "Iris" - aventuras y peregrinaciones

(red) Arthur Posnansky (1873 - 1946), oft auch "Arturo" genannt, war im Verlauf seines Lebens u.a. als Ingenieur, Forschungsreisender, Schiffs-Navigator (Abb. 1), Direktor einer Fluss-Schiffahrtsgesellschaft und anderer Unternehmen, Mitglied im Stadtrat von La Paz und Museumsdirektor [1] tätig und engagierte sich beim Aufbau und der Verteidigung Boliviens, aber allgemeine Bekanntheit erlangte er vor allem durch seine Leistungen als angesehener, nebenberuflicher Archäologe [2] und Fachbuchautor.

Zu seinem literatischen Vermächtnis gehören Werke, wie: 'Tihuanacu, the Cradle of American Man', 'Campana de Acre - La Lancha "Iris"', 'Die Osterinsel und ihre praehistorischen Monumente' und 'Rasas y Monummtos Prehistoricos del Altiplano Andino'. [3] Außerhalb von Bolivien, wo er immer eine große Lesergemeinde hatte, sind in jüngerer Vergangenheit vor allem Posnanskys Arbeiten über die präkolumbischen Uralt-Ruinen von Tiahuanaco durch grenzwissenschaftliche Autoren wie Graham Hancock, Charles Hapgood und Rand Flem-Ath wieder bekannt gemacht worden, die u.a. Arthur Posnanskys primhistorische Datierung von Tiahuanaco auf ein Alter von ca. 12000 Jahren v.d.G. aufgegriffen haben und verteidigen.


Frühes Leben

Geboren wurde A. Posnansky als Kind einer aus Polen stammenden Familie [4] am 13. April 1873 in Wien, Österreich. [5] Zunächst half er seinem Vater bei dessen Arbeit als Apotheker. Nach dessen Tod studierte Posnansky an der Kaiserlichen und Königlichen Akademie von Polai (heute: Pula), um eine Position als militärischer Ingeneur zur See in der österreichisch-ungarischen Marine einzunehmen. Im Rahmen seiner Ausbildung an der Akademie zu Polai nahm er auch an mehreren großen Trainings-Fahrten teil, die ihn u.a. zur Osterinsel im Süden des Pazifischen Ozeans führten. Dort machte er ethnologische Beobachtungen, welche er später in seinem Buch "Die Osterinsel und ihre praehistorischen Monumente" veröffentlichte. Posnansky graduierte an der Kaiserlichen und Königlichen Akademie von Polai im Alter von 18 Jahren. [6]


Leben in Amazonien

Abb. 2 Der Besitz des heutigen brasilianischen Bundesstates Acre (rot markiert) war um 1900 zwischen Bolivien und Brasilien heiß umkämpft.

1896, im Alter von 23 Jahren, emigrierte Posnansky nach Südamerika. Dort nahm er zunächst an einer Reihe von Expeditionen teil, die der Erkundung des Amazonas-Oberlaufes dienten. Während dieser Expeditionen entwickelte er sich zu einem erfahrenen Navigator des Amazonasstroms und seiner Nebenarme. Diese Kenntnisse benutzte er, um zum Direktor einer Flusschiffahrts-Gesellschaft namens La Empresa de Navegacao dos rios Purus e Acre zu avancieren. Als Kapitän und Eigner der 'Iris', eines als Blockadebrecher eingesetzten Damfschiffes, rettete Arthur Posnansky die Überlebenden der bolivianischen Garnison in Acre (Abb. 2) während der 'Acre-Kampagne' in Brasilien. Diese Militär-Kampagne war die Folge eines eskalierenden Streits zwieschen Bolivien und Brasilen um ein ca. 191000 Quadratkilometer großes Territorium im Gebiet des Flusses Acre. [7] Von brasilianischen Soldaten verwundet und gefangen genommen, gelang es ihm zu entkommen, und er kehrte als Flüchtling für eine Weile nach Europa zurück. Seiner Besitztümer auf brasilianischem Territorium war er aufgrund seiner Parteinahme und seines Engagements für Bolivien (1900-1901) verlustig gegangen, über das er später detailliert in sinem Buch Campaña del Acre: la lancha "Iris" - aventuras y peregrinaciones berichtete. [8]


Leben in Bolivien

Abb. 3 Ausschnitt aus der Zeitschrift Ultima Hora, La Paz, über das, von Arthur Posnansky importierte, erste Automobil im Staate Bolivien.

Nach seinem unfreiwilligen Aufenthalt in Europa übersiedelte Posnansky nach La Paz in Bolivien, um dort eine Ausgleichszahlung für seine Dienste an diesem Land einzufordern. Damit scheiterte er jedoch aufgrund eines Staatsbankrotts. Nun betätigte Posnansky sich zunächst vorwiegend als Geschäftsmann im Bereich des Bergbaus und des internationalen Handels. Mit der Zeit wurde er dadurch ein wohlhabender Unternehmer. Während dieser Zeit importierte Posnansky auch das allererste Automobil (Abb. 3) nach Bolivien. [9]

Nicht nur seine geschäftlichen Unternehmungen gediehen nun, sondern die bolivianische Regierung erkannte auch Posnanskys treue Dienste während der Acre-Kampagne (siehe oben) an, was seiner weiteren Karriere durchaus förderlich war. Für sein aufopferungsvolles Engagement im Dienste Boliviens wurde ihm der Ehrentitel Benemerito de la Patria (in etwa: "Verdienstvoller des Vaterlands") verliehen und er erhielt die bolivianische Staatsbürgerschaft. Später wurde er noch mit zwei Goldmedaillen dekoriert, eine davon erhielt er 1901, die andere 1903. Im Jahr 1905 war er auch als Politiker erfolgreich, und wurde in den Stadtrat von La Paz gewählt. [10] In den 1920er Jahren gründete er die Filmproduktionsfirma Condor Mayku, mit welcher er zahlreiche Kurzfilme, Dokumentarfilme und Spielfilme produzierte. Eines der wichtigsten Werke aus seiner Produktion war der 1928 veröffentlichte Film La Gloria de la Raza. [11] Arthur Posnansky starb 1946 in seiner Wahl-Heimatstadt La Paz.


Wissenschaftliche Tätigkeit

Abb. 4 Arthur Posnansky (rechts) vor dem frisch restaurierten Sonnentor von Tiahuanaco

Schon bald nach seiner Übersiedlung nach La Paz begann Posnansky damit, von dort aus wiederholt die Hochländer Boliviens und Perus zu bereisen, um dort archäologische Fundstätten der Inka sowie präinkaischer Kulturen zu lokalisieren, zu beschreiben und zu studieren. Sein besonderes Interesse galt jedoch präkolumbischen Relikten entlang der Ufer und auf den Inseln des Titicaca-Sees. Die Resultate dieser Forschungsreisen veröffentlichte er in Büchern, wie The Islands of Titicaca and Koati sowie Rasas y monummtos prehistoricos del Altiplano Andino. Für diese Forschungs-Tätigkeit zeichnete der bolivianische Senat ihn 1905 mit der Verleihung einer Goldmedaille aus, und später wurde er Direktor des Nationalmuseums. Schon zuvor hatte er mehrere Bücher, darunter Os Indios Paumaris e Ipurinas no rio Purus (1898) und Mapa del rio Acre (7 Bände, 1897), über Geographie und Ethnien Südmerikas verfasst. Auf einer Deutschlandreise hielt er Vorlesungen zu archäologischen Themen in Berlin, Frankfurt, Nürnberg und Treptow. In Anerkennung seiner wissenschaftlichen Leistungen sprach ihm die deutsche Regierung 1914 den Titel eines Honorarprofessors zu. [12]

Abb. 5 Arthur Posnansky (rechts) 'im Feld' mit dem US-amerikanischen Archäologen Wendell Bennett (1905-1953)

In den Jahren 1945 (Bände I und II) und 1957 (Bände III und IV) erschien Posnanskys letztes und vermutlich wichtigstes Werk, Tihuanacu, the Cradle of American Man. [13] Darin argumentierte Posnansky, dass Tiahuanaco vor etwa 12000 Jahren von uramerikanischen Völkerschaften erbaut worden sei, bei denen es sich nicht um Vorfahren der Aymará gehandelt habe, die noch heute dieses Gebiet bewohnen. A. Posnansky betrachtete Tiaahuanaco zudem als Ursprung und Ausgangsort aller amerikanischen Zivilisationen, darunter die Inka, Maya und andere. Damit stellte er sich mit seinen Forschungsergebnissen in krassen Gegensatz zu den schulwissenschaftlichen Lehrmeinungen zur Besiedlungsgeschichte Amerikas und zur zivilisationsgeschichtlichen Entwicklung der Menschheit.

Trotz der Ablehnung von Posnanskys Datierung durch konventionell argumentierende Altamerikanisten, wird dennoch allgemein anerkannt, dass die in Tihuanacu, the Cradle of American Man enthaltenen, detailierten Beschreibungen von Strukturen und Inschriften, die akribisch angefertigten Karten der Stätte, und die zahlreichen Fotografien das Buch zu einer äußerst wertvollen historischen Aufzeichnung über die Fundstätte machen. [14]

Grundsatzlich werden auch seine allgemeinen Ideen über Tiahuanaco als vollwertige Stadt mit einer großen dauerhaften Bevölkerung - statt eines nur saisonal bewohnten zeremoniellen Zentrums - sowie deren Aufgabe aufgrund eines prähistorischen Klimawandels fast überall akzeptiert. [15] Zudem trugen gerade dieses Buch und Posnanskys persönlicher Einsatz zu einer Zeit, in welcher diese archäologische Fundstätte ersten Ranges vernachlässigt und durch Ausplünderung und Missbrauch als Beschaffungsort für Baumaterial schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde, ganz wesentlich dazu bei, dass die Überreste von Tiahuanaco schließlich doch erhalten und weiter untersucht werden konnten. [16]


Anmerkungen und Quellen

Dieser biographische Beitrag basiert weitgehend auf dem Artikel "Arthur Posnansky" bei: Wikipedia - The Free Encyclopedia (Stand 27.09.2011). Übersetzung ins Deutsche und redaktionelle Weiterbearbeitung durch Atlantisforschung.de.

Fußnoten:

  1. Anmerkung: Posnansky war zeitweilig Direktor des Museo Nacional de Bolivia (heute untergliedert in mehrere Fachmuseen, wie das Museo Nacional de Arqueológia); Quelle: Katja Hannss, "Uchumataqu: the lost language of the Urus of Bolivia - a grammatical description of the language as documented between 1894 and 1952", CNWS Publications, 2008, S. 27
  2. Anmerkung: So war Posnansky Präsident der von ihm 1930 begründeten Sociedad Arqueológica sowie des Instituto de Folclore; Quellen: Katja Hannss, op. cit., S. 27 --- David L. Browman, "La Sociedad Arqueológica de Bolivia y su influencia en el desarrollo de la practica Arqueológica en Bolivia, in: NUEVOS APORTES 4 (2007), S. 29-54
  3. Siehe: W.B. Parker, (1922) Bolivians of To-Day, 2nd ed. The Hispanic Society of America, New York, S. 332 pp.
  4. Quelle: Anonymus, Arturo Posnansky, bei: Biografias y Vidas (abgerufen am 27.09.2011)
  5. Quelle: C. Stanish (2002) Tiwanaku Political Economy (Chapter 6); in: W.H. Isbell und H. Silverman, Hrsg., S.. 169-198. Andean Archaeology I - Variations in Sociopolitical Organization. Kluwer Academic / Plenum Publishers, New York, S. 394.
  6. Quelle: W.B. Parker, (1922) Bolivians of To-Day, 2nd ed. The Hispanic Society of America. New York, New York. S. 332 f.
  7. Anmerkung: Bei Wikipedia heißt es über diesen bolivianisch-brasilianischen Konflikt: "Acre gehörte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zu Bolivien. Es wurde jedoch von brasilianischen Einwanderern bewohnt, die innerhalb Boliviens faktisch ein unabhängiges Gebiet gebildet hatten.
    Im Jahr 1899 kam es zu verstärkten Versuchen der bolivianischen Seite, das Gebiet unter Kontrolle zu bringen. Dies löste jedoch Unruhen unter der brasilianischen Bevölkerung aus, die mehrmals versuchte, eine unabhängige Republik zu gründen. Am 14. Juli 1899 gründete der Abenteurer Luis Galvez Rodriguez de Arias mit Unterstützung des brasilianischen Bundesstaates Amazonas in dem zwischen Brasilien, Bolivien und Peru umstrittenen Gebiet die Republik Acre (>1. Republik<).
    Im März 1900 marschierten bolivianische Truppen ein. Die Regierung von Acre ging in den Untergrund und löste am 17. September 1900 einen antibolivianischen Aufstand aus. Im November 1900 wurde erneut die Republik Acre ausgerufen (>2. Republik<). Am 25. Dezember 1900 schlugen bolivianische Truppen den Aufstand nieder. Am 11. Juli 1901 beschloss Bolivien, Acre an US-amerikanische und britische Investoren zu verpachten, doch am 6. August 1902 brach ein erneuter antibolivianischer Aufstand aus und mit Unterstützung der >Gummibarone< kam es zum Krieg gegen Bolivien, der erst am 24. Januar 1903 endete.
    Am 27. Januar 1903 wurde erneut die Republik Acre ausgerufen („3. Republik“). Am 17. November 1903 wurde zwischen Bolivien und Brasilien der Vertrag von Petrópolis unterzeichnet. Er sah vor, dass Brasilien Gebiete von Mato Grosso abtritt und 20 Millionen Pfund Sterling bezahlt; im Gegenzug trat Bolivien Acre an Brasilien ab." Quelle: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter: Acre (Bundesstaat), Absatz: "Geschichte" (Stand: 27.09.2011)
  8. Quelle: W.B. Parker, (1922) Bolivians of To-Day, 2nd ed. The Hispanic Society of America. New York, New York. S. 332 f.
  9. Quelle: ebd.
  10. Quelle: ebd.
  11. Quelle: Anonymus, Arturo Posnansky, bei: Biografias y Vidas (abgerufen am 27.09.2011)
  12. Quelle: W.B. Parker, (1922) Bolivians of To-Day, 2nd ed. The Hispanic Society of America. New York, New York. S. 332 f.
  13. Siehe: A. Posnansky, (1945) Tihuanacu, the Cradle of American Man, Vols. I - II (Übersetzung ins Englische von James F. Sheaver), J. J. Augustin, Publ., New York and Minister of Education, La Paz, Bolivien --- sowie: A. Posnansky, (1957) Tihuanacu, the Cradle of American Man, Vols. II - IV (Übersetzung ins Englische von James F. Sheaver), J. J. Augustin, Publ., New York and Minister of Education, La Paz, Bolivien.
  14. Siehe z.B.: C. Stanish, (2002) Chapter 6 Tiwanaku Political Economy. in: W.H. Isbell und H. Silverman, Hrsg., S. 169-198. Andean Archaeology I Variations in Sociopolitical Organization. Kluwer Academic / Plenum Publishers, New York, New York. 394 ff. --- A.L. Kolata, (1993) "Tiwanaku: Portrait of an Andean Civilization". Blackwell Publishers, Cambridge, United Kingdom. 256 pp. --- A.L. Kolata, (1996) "Tiwanaku and Its Hinterland: Archaeology and Paleoecology of an Andean Civilization", vol. 1. Smithsonian Institution Press, Washington, DC. --- A.L. Kolata, (2003) "Tiwanaku and Its Hinterland: Archaeology and Paleoecology of an Andean Civilization", vol. 2. Smithsonian Institution Press, Washington, DC.
  15. Red. Anmerkung: Posnansky war allerdings - im Gegensatz zu den aktualistisch ausgerichteten Mainstram-Forschern seiner und unserer Zeit - von kataklysmischen Ümbrüchen der Topographie des Andenraums überzeugt. Siehe dazu bei Atlantisforschung.de auch: "Tiahuanaco - die 'unmögliche' Stadt in den Anden" von Immanuel Velikovsky
  16. Quelle: C. Stanish, (2002) Chapter 6 Tiwanaku Political Economy. in: W.H. Isbell und H. Silverman (Hrsg.), S. 169-198. Andean Archaeology I Variations in Sociopolitical Organization. Kluwer Academic / Plenum Publishers, New York, New York, S. 394 ff.

Bild-Quellen:

1) Arthur Posnansky, bei Wikipedia - The Free Encyclopedia
2) Raphael Lorenzeto de Abreu, Acre (Bundesstaat), bei: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie
3) Arthur Posnansky, bei Wikipedia - The Free Encyclopedia
4) David L. Browman, "La Sociedad Arqueológica de Bolivia y su influencia en el desarrollo de la practica Arqueológica en Bolivia, in: NUEVOS APORTES 4 (2007), S. 43
5) Arthur Posnansky, bei Wikipedia - The Free Encyclopedia